Prävention und Rehabilitation, Jahrgang 24 - 4. Quartal (132 - 150)

Interdisziplinäre Schmerztherapie in der Orthopädischen Rehabilitation (ISOR) – eine Studie zur Inanspruchnahme und zu längerfristigen Ergebnissen eines multimodalen Behandlungsangebots für Patienten mit Schmerzsyndromen
J. Schmidt1, A. Zucker2, K. Wöllstein2, D. Kriz1, M. Keck2, R. Nübling1
1 Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen (GfQG), Karlsruhe, 2 Drei-Burgen-Klinik, Bad Münster, und Reha-Kompetenzzentrum Bad Kreuznach/Bad Münster am Stein-Ebernburg

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DOI 10.5414/PRX00429

Abstrakt

Untersucht wird ein multimodales, 5-wöchiges stationäres Behandlungsangebot einer orthopädischen Fachklinik (abgekürzt: ISOR-Maßnahme), das sich an Patienten mit Schmerzsyndromen richtet. Mittels eines SGPP-Designs wird überprüft, welche Patienten diese Maßnahme in Anspruch nehmen und welche längerfristigen Ergebnisse sich 1 Jahr nach Entlassung aus der Klinik zeigen. Von 248 Patienten (54% Männer, Durchschnittsalter: 49,9 Jahre) beteiligten sich 112 an einer schriftlichen Nachbefragung (Rücklaufquote: 45,2%). Die untersuchten 248 Patienten unterschieden sich in den Merkmalen Angst und Depression (gemessen mit HADS-D) bei Aufnahme sehr markant von „üblichen“ orthopädischen Patienten: Sie waren psychisch wesentlich auffälliger und waren mit Patienten psychosomatischer Fachkliniken vergleichbar. Mehrheitlich lag bei ihnen eine ausgeprägte Chronifizierung der Schmerzen vor. 1 Jahr nach Entlassung aus der Klinik berichteten knapp 50% der Patienten von einem deutlichen bzw. großen persönlichen Nutzen der Maßnahme. Im Vorher-Nachher-Vergleich (Aufnahme vs. Nachbefragung) ergaben sich auf Gesamtgruppenebene geringfügige bis mittlere Effektstärken im Sinne von Besserungen – allerdings keine positiven Effekte bei den psychischen Parametern (HADSScores). Insgesamt zeigen die patientenseitig berichteten Behandlungsergebnisse eine beträchtliche Variabilität. Während für eine Subgruppe der Patienten Erfolg versprechende Veränderungen objektiviert werden können, tut sich bei anderen wenig. Tatsächlich verbergen sich hinter den mittleren Effektstärken der Gesamtgruppe differenzielle Verläufe für Subgruppen der Patienten, die teilweise markant kontrastieren. Relativ kohärent kann beobachtet werden, dass stärker belastete/beeinträchtigte Patienten von der Maßnahme weniger profitieren als weniger belastete/beeinträchtigte Patienten. Auch scheinen das Bildungsniveau und Rentenvariablen (z.B. Rentenbegehren) die längerfristigen Behandlungsergebnisse mit zu beeinflussen. Diskutiert werden abschließend mögliche Konsequenzen der Befunde für die Weiterentwicklung des Konzepts.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen (GfQG), Karlsruhe,
  • 2 Drei-Burgen-Klinik, Bad Münster, und Reha-Kompetenzzentrum Bad Kreuznach/Bad Münster am Stein-Ebernburg

Adresse

Dr. Dipl.-Psych. J. Schmidt
Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen (GfQG)
Wendtstraße 1
D–76185 Karlsruhe
Email: [email protected]

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Citation

J. Schmidt, A. Zucker, K. Wöllstein, D. Kriz, M. Keck und R. Nübling.Interdisziplinäre Schmerztherapie in der Orthopädischen Rehabilitation (ISOR) – eine Studie zur Inanspruchnahme und zu längerfristigen Ergebnissen eines multimodalen Behandlungsangebots für Patienten mit Schmerzsyndromen. 2012; 24: 132-150. doi: 10.5414/PRX00429.

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