Diaminoxidase keine diagnostische Hilfe bei Histaminintoleranz
H. Kofler1, W. Aberer2, M. Deibl3, Th. Hawranek4, G. Klein5, N. Reider6, N. Fellner1
1 Private Allergy Clinic Hall, 2 Department of Environmental Dermatology, Medical University of Graz, 3 Department of Biostatistics, Medical University of Innsbruck, 4 Department of Dermatology, Private University of Salzburg, 5 Department of Dermatology, Krankenhaus Elisabethinen Linz, 6 Department of Dermatology, Medical University of Innsbruck
DOI 10.5414/ALP32105
Abstract
Exakte Daten zur Prävalenz der Histaminintoleranz gibt es kaum, schätzungsweise sind 3 – 4% der Bevölkerung davon betroffen. Noch weniger verlässliche Daten gibt es derzeit zur Prävalenz der Histaminintoleranz im Kinder- und Jugendalter. Hauptursache ist eine funktionelle oder mengenmäßige Defizienz der Diaminooxidase (DAO), einem Schlüsselenzym des Histaminabbaus. Routinemäßig wurde von einem der Autoren (HK) bereits an mehreren 100 Patienten mit klinischer Diagnose Histamintoleranz die Bestimmung der Serum DAO aufgrund von Literaturempfehlungen [5] zur Diagnostik mitverwendet. Dabei fielen Diskrepanzen zwischen den Symptomen der Patienten, der klinischen Beurteilung und den gemessenen DAO-Werten auf. Wir untersuchten daher prospektiv in einer Multicenterstudie 207 Erwachsene (146 (70,5%) weiblich und 61 (29,5%) männlich). 77 Patienten wiesen eine Histaminintoleranz auf, bei 67 Patienten war die Diagnose fraglich und bei 61 gesunden Kontrollpatienten lag keine Histaminintoleranz vor (Tab. 1). Formales Ziel war es, die Übereinstimmung dieser 3 klinischen Diagnosegruppen mit den Messergebnissen eines seit einiger Zeit auf dem Markt befindlichen und zur Diagnose der Histaminintoleranz propagierten Tests zur Messung der Diaminooxidasekonzentration im Serum zu vergleichen und zu bewerten. Hauptproduktionsort der DAO sind Darmepithelien. Der Abbau von Histamin über DAO ist der Hauptabbauweg. Histamin wird dabei oxidativ desaminiert, entstehende Aldehyde werden renal eliminiert. Ein kleinerer Abbauweg über die Histamin-N-Methyltransferase eliminiert vor allem intrazelluläres Histamin. Der verwendete Test (Sciotec Diagnostic Technologies GmbH, Vienna, Austria) zur Bestimmung der DAO-Konzentration ist ein seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts mit kleinen methodischen Modifikationen verwendeter RIA (Radioimmunoassay); er gilt als sensitiv und präzise. Patienten mit Histaminintoleranz, häufig Frauen in mittleren Jahren, können ein buntes Spektrum von Beschwerden aufweisen. Die Palette der Symptome reicht von migräneartigen Kopfschmerzen, obstruktiver Rhinitis, Müdigkeit, anfallsartiger Tachykardie mit Palpitationen, Übelkeit, postprandialen Blähungen und Diarrhö hin zu Juckreiz und prämenstruellem Syndrom. Häufig berichten Frauen, dass ihre Beschwerden in Schwangerschaften wie “weggeblasen” seien, um nach der Geburt wieder aufzutreten. Das ist insofern erklärbar, als in der Schwangerschaft die Plazenta große Mengen an DAO produziert. Der Verlauf ist variabel in der Ausprägung, insgesamt aber chronisch. Oft angegebene Triggermechanismen scheinen neben bestimmten Medikamenten wie NSAID, b-Blockern, Mukolytika und Röngtenkontrastmitteln auch Infekte und Stress zu sein. Bekannt wurde in den letzten Jahren eine ausgeprägte Komorbidität mit anderen entzündlichen Darmerkrankungen, wie M. Crohn, Zöliakie, und auch eine Überlappung zu Enzymopathien wie Fruktose- und oder Laktoseintoleranz. Fast alle Patienten können eine Zunahme ihrer Beschwerden mit Genuss bestimmter Lebensmittel herstellen, da die Beschwerden oft kurz nach einer Mahlzeit auftreten. Histaminreiche Nahrungsmittel sind – neben bakteriell verdorbenen Produkten – doch auch aus Geschmacksgründen bewusst fermentierte, geräucherte oder sonstwie haltbar gemachte Lebensmittel. Sie enthalten variabel größere Mengen an Histamin oder anderen Polyaminen. Daneben sind Genussmittel (Ethylalkohol) als Hemmer der DAO bekannt, und manche Lebensmittel sollen die Histaminfreisetzung fördern. In Anlehnung an eine bereits publizierte Studie [5] wurden die DAO-Konzentrationen im Serum als “erniedrigt” bewertet (< 3 U/ml), “als verdächtig auf Histaminintoleranz” (3 – 10 U/ml) und als “normal” (> 10 U/ml). Gemäß dieser Publikation ist ein erniedrigter DAO-Wert indikativ für eine Histaminintoleranz, Werte zwischen > 3 – 10 U/ml zeigen einen Graubereich fraglicher Histaminintoleranz an, während Werte > 10 U/ml bei Gesunden gefunden werden. Wir erhielten in allen 3 klinischen Gruppen DAO-Werte, die in ihrer Größe keinerlei statistische Zuordnung zu Patienten mit Histaminintoleranz, fraglicher Histaminintoleranz und keine Histaminintoleranz und daher auch keine sinnvolle Interpretation und Diagnostik erlaubten (Tab. 2). Zwischenzeitlich kam eine Schweizer Arbeitsgruppe [Ballmer-Weber Schmid-Grendelmeier, Seifert, Töndury, Wüthrich Allergologie. 2008; 31: 350-356] aufgrund ihrer Untersuchung an 62 Patienten mit Histaminintoleranz zum gleichen Ergebnis: eine Korrelation zwischen DAO-Wert und klinischer Diagnose ist nicht reproduzierbar. Wir glauben daher, dass die Bestimmung der DAO zur Abklärung einer Histaminintoleranz über eine gute Anamnese hinaus keine diagnostische Hilfe bietet.
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Departments
- 1 Private Allergy Clinic Hall,
- 2 Department of Environmental Dermatology, Medical University of Graz,
- 3 Department of Biostatistics, Medical University of Innsbruck,
- 4 Department of Dermatology, Private University of Salzburg,
- 5 Department of Dermatology, Krankenhaus Elisabethinen Linz,
- 6 Department of Dermatology, Medical University of Innsbruck
Address
Univ. Doz. Dr. med. H. Kofler; Allergieambulatorium Hall, Thurnfeldgasse 3a, A-6060 Hall in Tirol
Email:
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Citation
H. Kofler, W. Aberer, M. Deibl, Th. Hawranek, G. Klein, N. Reider und N. Fellner.Diaminoxidase keine diagnostische Hilfe bei Histaminintoleranz. 2009; 32: 105-109. doi: 10.5414/ALP32105.