Insomnie und Gender
K. Richter1, 2, 3, L. Peter1, G. Niklewski1, 3
1 Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Paracelsus Private Medizinische Universität, Nürnberg, 2 Fakultät für Sozialwissenschaften, Technische Hochschule Nürnberg, Georg Simon Ohm, 3 Fakultät für Medizin, Universität UGD, Stip, Mazedonien
DOI 10.5414/ATX02278
Abstrakt
Einleitung: Insomnie ist die häufigste Schlafstörung mit einer Prävalenz zwischen 6 und 10%. Typische Insomnie-Symptome anhand ICD-10-Klassifizierungen sind Einund Durschlafstörungen seit mindestens einem Monat, begleitet von Beeinträchtigung der Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit am Tage. Die sogenannte 3-P-Theorie beschreibt prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren für die Entstehung und Chronifizierung der Insomnie. Das Hyperarousal-Modell erklärt die Pathophysiologie der Insomnie durch erhöhte Erregung auf emotionaler, kognitiver und physiologischer Ebene. Dabei stellt sich die Frage, ob es in der Prävalenz, der klinischen Symptomatik sowie im Therapieerfolg der Insomnie Geschlechtsunterschiede gibt. Methoden: Es wurde eine orientierende Literaturrecherche durchgeführt. Ergebnisse: Sowohl in der Pubertät und Adoleszenz als auch im Erwachsenenalter und im Alter über 65 Jahren sind Frauen häufiger als Männer von Insomnie betroffen. Während Frauen häufiger Ein-und Durchschlafstörungen berichten, leiden Männer mehr unter Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit am Tage. Frauen haben einen kürzeren endogenen zirkadianen Rhythmus, einen höheren Cortisol-Spiegel in den frühmorgendlichen Stunden sowie mehr Beta-EEG-Aktivität als Männer. Pubertät und Peri-Menopause stellen kritische Lebensphasen für das Auftreten der Insomnie dar. Bei den beiden Geschlechtern steigt die Insomnie-Prävalenz mit dem Alter. Zudem ist bei Frauen Insomnie häufiger mit Symptomen von Depression, Angst und Schmerzen verbunden. Die Effektivität der medikamentösen Therapie mit atypischen Benzodiazepin-Präparaten zeigt keine Geschlechtsunterschiede. Diskussion: Insgesamt ergeben sich vier Faktorengruppen, die zum häufigeren Auftreten von Insomnie bei Frauen beitragen: chronobiologische, psychologische, soziale sowie physiologische Faktoren. Weitere Studien sollen zeigen, ob Geschlechtsunterschiede in der Inanspruchnahme und Effektivität der kognitiven Verhaltenstherapie bestehen.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Paracelsus Private Medizinische Universität, Nürnberg,
- 2 Fakultät für Sozialwissenschaften, Technische Hochschule Nürnberg, Georg Simon Ohm,
- 3 Fakultät für Medizin, Universität UGD, Stip, Mazedonien
Adresse
Prof. Dr. med. Kneginja Richter
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Paracelsus Private Medizinische Universität
Klinikum Nürnberg
Prof. Ernst-Nathan Straße 1
90419 Nürnberg
Email:
[email protected]
Citation
K. Richter, L. Peter und G. Niklewski.Insomnie und Gender. 2017; 43: 469-474. doi: 10.5414/ATX02278.