Überlegungen zur klinischen Relevanz von kreuzreagierenden IgE-Antikörpern zwischen Hausstaubmilben, Mollusken und Krustazeen
B. Kütting, R. Brehler
Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster
DOI 10.5414/ALP25321
Abstract
Einleitung: In der Literatur, insbesondere in Publikationen aus Frankreich und Italien ist wiederholt über eine Anaphylaxie nach Genuß von Mollusken und Krustazeen bei Patienten mit einer Hausstaubmilbensensibilisierung im Sinne des Mollusken-Krustazeen-Milbensyndroms berichtet worden. In unseren geographischen Breiten hat diese Milbenallergen-assoziierte Lebensmittelallergie bisher nur wenig Beachtung erfahren. Patienten: Bei 33 Patienten, die sich im vergangenen Winter in unserer allergologischen Ambulanz zur Abklärung und Therapie einer klinisch manifesten Typ-I-Allergie auf Hausstaubmilben vorstellten, untersuchten wir den potentiellen Stellenwert einer sekundären Nahrungsmittelallergie auf Mollusken und Krustazeen. Anhand eines Fragebogens wurden zunächst die Verzehrhäufigkeit und Verträglichkeit von Mollusken und Krustazeen ermittelt, Hauttestungen mit nativen Garnelen und Schnecken durchgeführt und allergenspezifische IgE-Bestimmungen gegen Schnecke, Garnele und Küchenschabe vorgenommen. Ergebnisse: Krabben oder Garnelen wurden insgesamt von 29 Patienten verzehrt, aber nur 2 Patienten berichteten über Unverträglichkeitsreaktionen nach Verzehr. Schnecken werden in unserer Region sehr viel seltener konsumiert, nur 1 Patient ißt regelmäßig Schnecken, 10 weitere Patienten nur sporadisch und 22 der Untersuchten dagegen nie. Unverträglichkeitsreaktionen nach Schneckengenuß wurden in unserem Patientenkollektiv nicht berichtet. Beide Patienten mit einer anamnestischen Unverträglichkeit von Garnelen zeigten positive Hauttestresultate, allergenspezifisches IgE ließ sich dagegen nur in einem Fall nachweisen. Schlußfolgerungen: Obwohl klinisch relevante Typ-I-Sensibilisierungen gegen wirbellose Tiere bei Milbenallergikern insgesamt selten sind, erachten wir dennoch eine Aufklärung der Patienten über diese Kreuzreaktivität als sinnvoll, wenn auch nicht so dringlich wie z.B. die Aufklärung über die Sellerieallergie bei Beifußpollenallergikern. Wir empfehlen, bei Patienten mit einer allergischen Reaktion auf wirbellose Tiere eine klinisch oder subklinisch verlaufende Milbenallergie auszuschließen, da die meisten Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen auf Kreuzreaktivität zwischen inhalativen Allergenen und Nahrungsmittelallergenen beruhen.
Author Details
Authors
Departments
- Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster
Address
Dr. med. B. Kütting
Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten
Universitätsklinikum Münster
Von-Esmarch-Straße 58
D-48149 Münster
Citation
B. Kütting und R. Brehler. Überlegungen zur klinischen Relevanz von kreuzreagierenden IgE-Antikörpern zwischen Hausstaubmilben, Mollusken und Krustazeen. 2002; 25: 321-325. doi: 10.5414/ALP25321.