Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 37 - November 2008 (614 - 620)

Sympathische Überaktivität bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz – Ursache für erhöhte kardiovaskuläre Mortalität?
M. Hausberg1,2, K. Kisters1,3, U. Hillebrandt1, D. Lang1, A. Levers1, M. Kosch1, B. Gremmler4, F. Tokmak5
1 Medizinische Fakultät, Medizinische Klinik und Poliklinik D, Universität Münster, 2 Medizinische Klinik I, Schwerpunkt Nephrologie, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, Städtisches Klinikum Karlsruhe, 3 Medizinische Klinik I, St. Anna-Hospital Herne, 4 Kardiologie, Marienhospital Bottrop, 5 Nephrologie, Marienhospital Herne, Ruhr-Universität Bochum

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DOI 10.5414/NHP37614

Abstract

Die tonische Aktivierung des sympathischen Nervensystems trägt wesentlich zur Hypertonie bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz bei. Neben ihrer Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks verursacht die sympathische Überaktivität strukturelle und funktionelle Veränderungen des Myokards und der Wände der großen Arterien. Insgesamt tragen diese Faktoren stark zur erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung bei. Zudem verursacht eine erhöhte sympathische Aktivität in Verbindung mit erhöhtem oxidativem Stress das Fortschreiten der Nierenerkrankung und beschleunigt so den Verlauf hin zur Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie. Die Ursache für eine erhöhte sympathische Aktivität bei Patienten mit Nierenerkrankung wurde noch nicht vollständig geklärt. Es gibt stichhaltige Belege dafür, dass Signale, die von den erkrankten Nieren stammen und durch afferente Nierennerven vermittelt werden, eine tonische Aktivierung der sympathischen Nervenfasern verursachen. Eine renale Ischämie mit Freisetzung von Adenosin und Aktivierung des renalen Chemorezeptors, Akkumulation von Angiotensin II und fibroproliferativer Narbenbildung mit Dysfunktion des renalen Mechanorezeptors kann an der Aktivierung der renalen Afferenzen beteiligt sein. Eine sympathische Überaktivität bei Nierenerkrankung kann durch Hemmer des Reninangiotensin-Aldosteronsystems, durch Adrenorezeptorblocker sowie durch Substanzen, die die zentrale sympathische Aktivität inhibieren (z.B. Imidazoline), verringert werden. Diese Substanzen reduzieren nicht nur die sympathische Nervenaktivität, sie schwächen auch die kardiovaskuläre Pathologie ab und verlangsamen das Fortschreiten der Nierenerkrankung. Eine Kombination dieser Substanzen bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz scheint vielversprechend und rechtfertigt großangelegte randomisierte Studien.

Author Details

Authors

Departments

  • 1 Medizinische Fakultät, Medizinische Klinik und Poliklinik D, Universität Münster,
  • 2 Medizinische Klinik I, Schwerpunkt Nephrologie, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, Städtisches Klinikum Karlsruhe,
  • 3 Medizinische Klinik I, St. Anna-Hospital Herne,
  • 4 Kardiologie, Marienhospital Bottrop,
  • 5 Nephrologie, Marienhospital Herne, Ruhr-Universität Bochum

Address

Prof. Dr. med. M. Hausberg; Medizinische Klinik I, Schwerpunkt Nephrologie, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, Städtisches Klinikum Karlsruhe, Moltkestraße 90, D-76133 Karlsruhe
Email: [email protected]

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Citation

M. Hausberg, K. Kisters, U. Hillebrandt, D. Lang, A. Levers, M. Kosch, B. Gremmler und F. Tokmak .Sympathische Überaktivität bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz – Ursache für erhöhte kardiovaskuläre Mortalität? . 2008; 37: 614-620. doi: 10.5414/NHP37614.

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