Dosis-Wirkungs-Beziehungen bei Epikutantestung und ROAT mit Methyldibromoglutaronitril (MDBGN) bei MDBGN-sensibilisierten Patienten – Ergebnisse des IVDK
A. Schnuch1, D. Kelterer2, A. Bauer2, Ch. Schuster3, W. Aberer3, V. Mahler4, K. Katzer5, J. Rakoski5, U. Jappe6, A. Krautheim7, A. Bircher7, P. Koch8, M. Worm9, H. Löffler10, U. Hillen11, P.J. Frosch12, W. Uter13
1 Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) an der Universität Göttingen, 2 Universitäts-Hautklinik und Allergologie, Jena, 3 Universitäts-Hautklinik Graz, Österreich, 4 Universitäts-Hautklinik Erlangen/Nürnberg, 5 Universitäts-Hautklinik, T
DOI 10.5414/DBP53037
Abstract
Kontaktsensibilisierungen gegen das Biozid (Konservierungsmittel) Methyldibromoglutaronitril (MDBGN), das oft kombiniert mit Phenoxyethanol eingesetzt wird (z.B. als Euxyl K 400®), nahmen in den 90er Jahren in Europa deutlich zu. Infolgedessen verbot die Europäische Kommission 2003 die Verwendung von MDBGN in “Leave-on”-Produkten, da die übliche Einsatzkonzentration als zu hoch angesehen wurde und eine nichtsensibilisierende Konzentration bislang noch nicht identifiziert werden konnte. Die beiden Ziele der vorliegenden Untersuchung waren: 1) eine höchstmögliche, nicht ekzemauslösende Konzentration für “Leave-on”-Produkte bei MDBGN/PE-sensibilisierten Patienten zu finden, die wahrscheinlich auch als sicher bezüglich einer Sensibilisierungsinduktion gelten könnte, und 2) die optimale epikutane Testkonzentration für MDBGN zu finden, welche bisher kontrovers diskutiert wird. Hierfür wurde ein repetitiver offener Anwendungstest (ROAT) bei MDBGN/PE-Sensibilisierten (n = 39) mit drei Konzentrationen von MDBGN/PE (mit 50 ppm, 100 ppm und 250 ppm MDBGN) in 10 – 15% Glycerylstearat in Wasser als Vehikel verwendet. Darüber hinaus wurde ein Teil dieser Patienten (n = 24) anschließend mit verschiedenen Konzentrationen (0,1%, 0,2%, 0,3% und 0,5% MDBGN) epikutan getestet. Von den 39 Patienten wiesen 15 (38%; 95% KI: 23 – 55%) ein negatives und 24 (62%; 95% KI: 45 – 77%) ein positives ROAT-Ergebnis auf; 13 reagierten bereits auf die niedrigste Konzentration (50 ppm), acht auf die mittlere Konzentration (100 ppm) und drei erst auf die höchste Konzentration (250 ppm), ohne daß Reaktionen auf die Vehikel-Kontrolle auftraten. Bei denjenigen, die auf die niedrigste ROAT-Konzentration reagierten, entwickelte sich die Kontaktdermatitis innerhalb von 1 – 7 Tagen. Die Stärke sowohl der initialen als auch der späteren Epikutantest-Reaktion war mit dem ROAT-Ergebnis positiv assoziiert. Von den 24 Patienten, die mit MDBGN epikutan nachgetestet werden konnten, reagierten 15 auf 0,1% MDBGN, 16 auf 0,2%, 17 auf 0,3% und 22 auf 0,5% MDBGN. Bei der höchsten Konzentration (0,5%) nimmt der Anteil von ROAT-Negativen, aber Epikutantest-Positiven, deutlich zu, vor allem durch + Reaktionen. Eine maximale Sensitivität von 94% (95% KI: 70 – 100%) wird bei einer Epikutantest-Konzentration von 0,2% erreicht, die durch eine Erhöhung der Konzentration nicht weiter gesteigert wird. Allerdings nimmt die Spezifität dramatisch von 88% (95% KI: 47 – 100%) bei 0,2% auf nur 12,5% (0 – 53%) bei 0,5% ab. Daher kann 0,2% MDBGN als wahrscheinlich geeignetste Testkonzentration angesehen werden. Als wesentliches Ergebnis gilt, daß bereits 50 ppm in “Leave-on”-Produkten eine allergische Kontaktdermatitis bei Sensibilisierten auslösen. Somit konnte eine sichere, noch antimikrobiell wirksame Einsatzkonzentration von MDBGN für "Leave-on"-Produkte nicht gefunden werden. Bei anderen Kontaktallergenen könnte es mit derartigen Dosis-Wirkungs-Anwendungstests gelingen, eine nichtauslösende Konzentration zu identifizieren, die als Basis für die Definition einer nichtinduzierenden (sicheren) Einsatzkonzentration in Produkten dienen kann.
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- 1 Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) an der Universität Göttingen,
- 2 Universitäts-Hautklinik und Allergologie, Jena,
- 3 Universitäts-Hautklinik Graz, Österreich,
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- 5 Universitäts-Hautklinik, T
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PD Dr. med. A. Schnuch
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A. Schnuch, D. Kelterer, A. Bauer, Ch. Schuster, W. Aberer, V. Mahler, K. Katzer, J. Rakoski, U. Jappe, A. Krautheim, A. Bircher, P. Koch, M. Worm, H. Löffler, U. Hillen, P.J. Frosch und W. Uter. Dosis-Wirkungs-Beziehungen bei Epikutantestung und ROAT mit Methyldibromoglutaronitril (MDBGN) bei MDBGN-sensibilisierten Patienten – Ergebnisse des IVDK. 2005; 53: 37-49. doi: 10.5414/DBP53037.