Jahrgang 33, No. 2/2010(Februar)
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Allergologie
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Editorial
Originalarbeit
Psychosozialer Stress im Kindesalter und allergische Sensibilisierung
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Original paper
Stressful life events in childhood and allergic sensitisation
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 55–65
Psychosozialer Stress im Kindesalter und allergische Sensibilisierung
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Umweltimmunologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig
Stressereignisse in der Kindheit stehen zunehmend im Verdacht, eine Rolle bei der Entwicklung von allergischen Erkrankungen zu spielen. Allerdings ist der dahinterliegende Mechanismus, der Stress mit Fehlfunktionen des Immunsystems verbindet, noch nicht völlig aufgeklärt. Ziel unserer Studie war es, den Zusammenhang zwischen stressvollen, belastenden Lebensereignissen und Neuropeptid- und Zytokinkonzentrationen im Blut von 6-jährigen Kindern zu untersuchen. Weiterhin wurden die belastenden Lebensereignisse der ersten beiden Lebensjahre in Zusammenhang mit dem späteren Auftreten eines atopischen Ekzems gestellt. Innerhalb der LISAplus-Studie (Lebensstil-Immunsystem-Allergie) wurden in den Blutproben der Kinder die Konzentrationen der Neuropeptide vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP), Somatostatin (SOM) und Substanz P (SP) und die Th1/Th2-Zytokine IFN-g und IL-4 gemessen. Belastende Lebensereignisse wie Erkrankung oder Tod eines Familienmitgliedes, Arbeitslosigkeit und Trennung/Scheidung der Eltern wurden mittels Fragebögen erfasst. Unsere Daten zeigen, dass eine Trennung oder Scheidung der Eltern das Risiko der Kinder, später an einem atopischen Ekzem zu erkranken, erhöht. Kinder, deren Eltern über eine Trennung/Scheidung berichteten, hatten höhere Blutkonzentrationen des Neuropeptids VIP und des Th2-Zytokins IL-4. Schwere Erkrankung oder Tod eines Familienangehörigen waren weder mit Neuropeptid- noch mit Zytokinkonzentrationen assoziiert. Arbeitslosigkeit der Eltern stand in Zusammenhang mit niedrigen IFN-g Konzentrationen, jedoch nicht mit Neuropeptidkonzentrationen. Scheinbar führt das Neuropeptid VIP als Mediator zwischen stressvollen, belastenden Lebensereignissen und Immunregulation zu einer Th2-lastigen Immunantwort bei Kindern mit getrennten/geschieden Eltern.Correspondence to:
Dr. rer. nat. G. Herberth
Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Permoserstrasse 15
D-04318 Leipzig
Email: gunda.herberth@ufz.de
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 55–65
Stressful life events in childhood and allergic sensitisation
G. Herberth, S. Röder, A. Bockelbrink, T. Schäfer, M. Borte, O. Herbarth, U. Krämer, H. Behrendt, S. Sausenthaler, J. Heinrich und I. Lehmann
Umweltimmunologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig
Stressful life events evidently have an impact on development of allergic diseases, but the mechanism linking stress to pathological changes of immune system function is still not fully understood. The aim of our study was to investigate the relationship between stressful life events, neuropeptide and cytokine concentrations in children as well as the association between early stressful life events and atopic eczema (AE). Within the LISAplus (Life style – Immune system – Allergy) study, blood samples from children of 6 years of age were analyzed for concentration of the neuropeptides vasoactive intestinal peptide (VIP), somatostatin (SOM), substance P (SP) and the Th1/Th2 cytokines IFN-g and IL-4. Life events such as severe disease or death of a family member, unemployment or divorce of the parents were assessed with a questionnaire filled in by the parents. Furthermore, lifetime prevalence of AE and incidence after the assessment period of life events were compared. Our data suggest that separation/divorce of parents increase children’s risk of developing AE later in life. Children with separated/divorced parents showed high VIP levels and high concentrations of the Th2 cytokine IL-4 in their blood. Severe diseases and death of a family member were neither associated with neuropeptide levels nor with cytokine concentrations. Unemployment of the parents was associated with decreased IFN-g concentrations in children’s blood but not with neuropeptide levels. Thus, the neuropeptide VIP might be a mediator between stressful life events and immune regulation contributing to the Th2 shifted immune response in children with separated/divorced parents.Correspondence to:
Dr. rer. nat. G. Herberth
Umweltimmunologie
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Permoserstrasse 15
D-04318 Leipzig
Email: gunda.herberth@ufz.de
Übersicht
Die Rolle des angeborenen Immunsystems bei der Kontaktallergie
S.F. Martin
Review
The role of the innate immune system in allergic contact dermatitis
S.F. Martin
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 66–70
Die Rolle des angeborenen Immunsystems bei der Kontaktallergie
S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg
Die allergische Kontaktdermatitis ist eine T-Zell-vermittelte entzündliche Hauterkrankung, die durch niedermolekulare Chemikalien und Metallionen hervorgerufen wird. Diese Kontaktallergene verursachen eine Hautentzündung, die für den Sensibilisierungsprozess essenziell ist. Unser Verständnis der molekularen Mechanismen, die der chemikalieninduzierten Entzündung zugrunde liegen, hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Immer klarer wird, dass Kontaktallergene bekannte angeborene Immun- und Stressantworten aktivieren, die zur Hautentzündung führen. Dabei spielen angeborene Immunrezeptoren wie die Toll-like-Rezeptoren TLR2 und TLR4 und der NOD-like-Rezeptor NLRP3 als Bestandteil des Inflammasoms sowie die Auslösung von oxidativem Stress eine wichtige Rolle. Diese Mechanismen sind auch für die Infektabwehr wichtig. Die detaillierte Identifikation der an der Hautentzündung beteiligten Signalwege und der Mechanismen ihrer Aktivierung durch Kontaktallergene wird sehr wahrscheinlich zu gezielteren therapeutischen Ansätzen durch Blockierung dieser Signalwege führen. Darüber hinaus wird dies helfen, existierende In-vitro-Tests für die Identifizierung von Kontaktallergenen zu verfeinern und neue In-vitro-Tests zu entwickeln, ein wichtiger Schritt, um Tierversuche unter anderem für die Testung von Inhaltsstoffen für Kosmetika zu ersetzen, die durch die EU-Gesetzgebung jetzt verboten wurden.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D–79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 66–70
The role of the innate immune system in allergic contact dermatitis
S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie, Hautklinik, Universitätsklinikum Freiburg
Allergic contact dermatitis is a T-cell mediated inflammatory skin disease that is caused by low molecular weight chemicals and metal ions. These contact allergens induce skin inflammation, an essential element of the sensitization process. Our understanding of the molecular mechanisms that underlie chemical-induced inflammation has improved significantly over the last years. The emerging picture shows that contact allergens activate known innate immune and stress responses that play a role in immune responses to infections. Contact allergens use innate immune receptors such as the Toll-like receptors TLR2 and TLR4 and the NOD-like receptor NLRP3 as part of the inflammasome as well as the induction of oxidative stress to induce skin inflammation. The detailed identification of the relevant signaling pathways and the mechanisms of their activation by contact allergens will most likely lead to more targeted therapeutic approaches by interference with these pathways. Moreover, this will help to refine existing, and to develop new in vitro assays for the identification of contact allergens, an important step to replace animal testing e.g. for ingredients of cosmetics which was prohibited now by EU legislation.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. S.F. Martin
Forschergruppe Allergologie
Hautklinik
Universitätsklinikum Freiburg
Hauptstraße 7
D–79104 Freiburg
Email: stefan.martin@uniklinik-freiburg.de
Übersicht
Mastzellen sind mehr als Effektorzellen der akuten allergischen Reaktion
S. Reuter, M. Stassen und C. Taube
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 71–76
Mastzellen sind mehr als Effektorzellen der akuten allergischen Reaktion
S. Reuter, M. Stassen und C. Taube
III. Medizinische Klinik / Schwerpunkt Pneumologie, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz
Mastzellen sind seit Jahrzehnten als “Allergieeffektorzellen” im Rahmen akuter allergischer Reaktionen beschrieben. Neuere Daten belegen nun, dass Mastzellen aber auch maßgeblich für die Entstehung und Unterhaltung sowohl angeborener als auch erworbener Immunreaktionen verantwortlich sind. Bei allergischen Reaktionen spielen Mastzellen nicht nur bei der Auslösung anaphylaktischer Reaktionen eine wichtige Rolle, vielmehr sind sie auch an der Entstehung einer allergischen Entzündung beteiligt. Untersuchungen an Modellen der Kontaktallergie und allergischer Atemwegserkrankungen belegen eine zentrale Rolle von Mastzellen bei der initialen Entwicklung einer allergischen Entzündung und einer bronchialen Überempfindlichkeit. Dabei scheinen von Mastzellen produzierte Mediatoren wie Histamin und TNF eine zentrale Rolle zu spielen. Neue Erkenntnisse über die Funktion von Mastzellen könnten eventuell neue therapeutische Angriffspunkte für die Behandlung allergischer Erkrankungen bieten.Correspondence to:
PD Dr. med. C. Taube
III. Medizinische Klinik/Schwerpunkt Pneumologie
Johannes-Gutenberg-Universität
Langenbeckstraße
D-55101 Mainz
Email: christian.taube@ukmainz.de
Übersicht
Neues von Hund und Katze: Ansätze zur Allergieprävention?
J. Heinrich
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 77–85
Neues von Hund und Katze: Ansätze zur Allergieprävention?
J. Heinrich
Institut für Epidemiologie, Helmholtz Zentrum München, Neuherberg
Etwa jeder Dritte lebt in Deutschland mit einem Haustier zusammen – meist Hund oder Katze. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen die Vermeidung der Haltung von Hund und Katze, wenn ein Familienmitglied eine Tierallergie oder andere atopische Erkrankungen, wie Asthma, Heuschnupfen oder atopisches Ekzem hat. Neuere Studien zeigen, dass Kinder und Erwachsene, die in der frühen Kindheit zusammen mit Hund oder Katze aufgewachsen sind, ein niedrigeres Risiko haben, an diesen atopischen Erkrankungen zu leiden. Die Ursachen sind bislang nicht geklärt. Es besteht aber der Verdacht, dass dieser vermeintlich protektive Effekt insbesondere auf Vermeidungsverhalten zur Katzenhaltung in Familien mit Tierallergien zurückzuführen ist. Es gibt unverändert zu den bisherigen Empfehlungen mehrere Gründe, von der weiteren Hunde- und Katzenhaltung abzuraten, wenn ein Familienmitglied von atopischen Erkrankungen betroffen ist. Auf der anderen Seite gibt es aber auch keinen Grund dafür, von der Anschaffung eines Hundes abzuraten, wenn in der Familie keine Allergien aufgetreten sind. Dabei muss die Katzenhaltung aber wesentlich zurückhaltender beurteilt werden. Zur Prävention von Allergien können bislang weder Hunde- noch Katzenhaltung sinnvoller Weise empfohlen werden.Correspondence to:
Dr. J. Heinrich
Helmholtz Zentrum München-Institut für Epidemiologie
Ingolstädter Landstraße 1
D-85764 Neuherberg
Email: joachim.heinrich@helmholtz-muenchen.de
Übersicht
Insektenallergie: Fliege, Mücke, Bremse
R. Jarisch und W. Hemmer
Abstract
Allergologie, Jahrgang 33, Nr. 2/2010, S. 86–92
Insektenallergie: Fliege, Mücke, Bremse
R. Jarisch und W. Hemmer
FAZ – Floridsdorfer Allergiezentrum, Wien
Neben den klassischen Allergien auf Hymenopterengifte (Biene, Wespe) können durch Insekten verursachte allergische Reaktionen auch nach Stichen blutsaugender Arten sowie nach inhalativer und mitunter auch nutritiver Exposition gegenüber Insektenproteinen auftreten. Die Bedeutung von Insekten als Ursache von Inhalationsallergien ist noch unzureichend verstanden. Eine potenzielle Rolle spielen dabei ubiquitäre Insektenproteine wie Tropomyosin und Argininkinasen mit Kreuzreaktivität zu Hausstaubmilbenallergenen (“Arthropoden-Panallergie”). Andererseits existieren zahlreiche Beobachtungen über restringierte Sensibilisierungen gegenüber bestimmten Insektengruppen, vor allem bei berufsbedingter Exposition. Das Beispiel einer Bäuerin mit Allergie auf die Stubenfliege Musca domestica bei fehlender Kreuzreaktivität zu Milben und selbst anderen Fliegen- und Mückenarten unterstreicht die Möglichkeit hochspezifischer Sensibilisierungen gegenüber inhalativen Insektenproteinen. Hämatophage Insekten sind regelmäßige Auslöser lokaler kutaner Typ I- und Typ IV-Überempfindlichkeitsreaktionen mit heterogenem klinischen Erscheinungsbild. Die verantwortlichen, beim Stich mit dem Speichel sezernierten Allergene wurden bisher vorrangig bei Stechmücken (Culicidae) untersucht. Vereinzelt können auch generalisierte Symptome auftreten. Der hier dargestellte Fall betrifft einen Patienten mit zweimaliger Anaphylaxie nach Stichen durch Bremsen (Tabanidae), welche unter den hämatophagen Gruppen neben den Raubwanzen und Stechmücken zu den häufigsten Auslösern systemischer Reaktionen gehören. Nutritive Insektenallergien sind vor allem in asiatischen Ländern nicht ungewöhnlich, z.B. nach Konsum von gerösteten Schmetterlingslarven oder -puppen. Allergische Reaktionen sind aber auch auf Carmin (Cochenillerot), einen aus Schildläusen gewonnenen Lebensmittelfarbstoff, oder Gelée royal-Präparate möglich. Im vorgestellten Fall kam es bei einer Patientin mit vorbestehender Seidenallergie nach Konsum einer mit Seidenproteinen verunreinigten Teemischung zu einer anaphylaktischen Reaktion. Ursprung der Seidenallergene war vermutlich der Befall eines Teebestandteils mit Lebensmittelmotten und die dadurch bedingte Kontamination mit Seidenproteinen aus deren Puppengespinsten.Correspondence to:
Univ.-Doz. Dr. med. W. Hemmer
FAZ – Floridsdorfer Allergiezentrum
Franz-Jonas-Platz 8/6
A-1210 Wien
Email: hemmer@faz.at
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