Jahrgang 29, No. 8/2006(August 2006)
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Allergologie
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Originalarbeiten
Systematisch erhöhte elterliche Nennung von Symptomen im Sinne einer Neurodermitis (“overreporting”) in Abhängigkeit zur Nähe zu Tierställen als einem vermuteten umweltbezogenen Risikofaktor
M. Hoopmann und Th. Werfel
Abstract
M. Hoopmann1 und Th. Werfel2
1Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Hannover, 2Klinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover
Seit Jahren wird über mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Bioaerosolen diskutiert. In dieser Studie wurde der Zusammenhang zwischen Tierställen in der Nachbarschaft und respiratorischen, kutanen sowie allergischen Symptomen bei 5- bis 6-jährigen Kindern untersucht. In einer epidemiologischen Querschnittsstudie wurde 2001 ein standardisierter Fragebogen zu respiratorischen und allergischen Symptomen eingesetzt (n = 7.943). Ergänzend wurden die Kinder auf sichtbare Zeichen für ein Beugenekzem untersucht. Die individuelle Exposition gegenüber Bioaerosolen aus Tierställen, wie Endotoxin, wurde auf der Basis eines Lagrange-Ausbreitungsmodells abgeschätzt. Zur Identifikation eines möglichen overreporting bei Hautbeschwerden wurden 3.374 Beobachtungen herangezogen. Ein wahrscheinliches overreporting zeigte sich für die Gruppe von Eltern, die nicht in der Nähe von Tierställen leben, aber über Geruchsbelästigung aus landwirtschaftlichen Quellen klagen. Sie berichteten doppelt so häufig über Hautbeschwerden bei ihren Kindern (“juckende Hautveränderungen in den letzten 12 Monaten” 50,7% vs. 21,5 – 26,1%). Die Häufigkeit eines klinisch sichtbaren Beugenekzems war dagegen unauffällig (insgesamt 5,8%). Somit konnte ein wahrscheinliches overreporting von juckenden Hautveränderungen bei einer kleinen Studiengruppe (3,2%) identifiziert werden, so daß für diese Gruppe ein allgemeines overreporting allergischer Symptome angenommen werden kann. Bei Befragungen sind objektivierende Zusatzuntersuchungen nötig, um Antwortverzerrungen aufzudecken, insbesondere wenn mögliche Umweltgefährdungen behandelt werden.Correspondence to:
M. Hoopmann
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Postfach 910761
D-30427 Hannover
Email: michael.hoopmann@nlga.niedersachsen.de
Originalarbeiten
Die lokale Immunantwort der Tonsilla palatina – Unterschiede in der Verteilung und Expression von IgA+-Plasmazellen bei Bet v 1-allergischen und nicht allergischen Patienten
H. Olze, L. Morawietz, C. Meco, G. Achatz und E.O. Luger
Abstract
H. Olze1,2, L. Morawietz3, C. Meco4,5, G. Achatz6 und E.O. Luger7,8
1Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Campus Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2Mitglied im Global Allergy and Asthma European Network (GA2LEN), 3Institut für Pathologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 4Hals-Nasen-
Einleitung: Durch ihre exponierte Lage am Eingang zum Respirations- und Gastrointestinaltrakt kommt den Tonsillen als sekundäres lymphatisches Organ eine Schlüsselrolle bei der Generierung der Immunantwort zu. Während die IgE-vermittelte Freisetzung von Mediatoren als immunopathologische Grundlage für die Typ-I-Reaktion bei Allergikern gilt, ist über die Rolle allergenspezifischer Immunantworten anderer Immunglobulinklassen wie beispielsweise IgA aus immunhistochemischen Untersuchungen wenig bekannt. Das Ziel der Studie war, den Einfluß einer allergenspezifischen Immunreaktion auf die lokale Immunantwort der Tonsille hinsichtlich der Expression von IgA+-Plasmazellen und der Verteilung proliferierender Zellen bei Bet v 1- (Betula verrucosa) allergischen und nicht allergischen Patienten zu untersuchen. Methoden: Mittels immunhistologischer Techniken wurden IgA+-Plasmazellen und Ki67+-Zellen in Kryoschnitten der Tonsilla palatina von 20 Patienten mit chronischer Tonsillitis (Bet v 1-allergische/nicht allergische Patienten, je n = 10) gefärbt und die Verteilung dieser Zellen analysiert. Ergebnisse: Die Auswertung der Tonsillenschnitte ergab eine unterschiedliche Verteilung und eine signifikant (p < 0,01) verminderte Expression von IgA+-Plasmazellen in den Tonsillen der Bet v 1-allergischen Patienten, verglichen mit den nicht allergischen Patienten. Die Tonsillen der nicht allergischen und der Bet v 1-allergischen Gruppe waren vergleichbar hinsichtlich der Verteilung proliferierender Zellen, der Größe und Anzahl der Sekundärfollikel und ihrer morphologischen Strukturen. Schlußfolgerung: Die Ergebnisse führen insgesamt zu der Annahme, daß die Reduktion von IgA+-Plasmazellen in den Tonsillen der Bet v 1-allergischen Patienten die Fähigkeit des Organismus zum Aufbau einer Immunabwehr gegen Allergene beeinträchtigen könnte. Die vergleichbaren Ergebnisse in bezug auf die Anzahl und Größe der Sekundärfollikel und die Verteilung proliferierender Zellen in den Keimzentren reflektieren möglicherweise die andauernde Keimzentrumsreaktion.Correspondence to:
Dr. med. Heidi Olze
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Campus Virchow-Klinikum
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger Platz 1
D-13353 Berlin
Email: heidi.olze@charite.de
Originalarbeiten
Adaptive Desaktivierung bei ASS-intoleranten Patienten mit Polyposis nasi et sinuum – Möglichkeiten eines neuen Therapieprinzips mit intravenöser Applikation
O. Pfaar, M. Spielhaupter, H. Wrede, C. Barth, D. Schäfer, B.A. Stuck, R. Mösges, H. Hanschmann, K. Hecksteden, K. Hörmann und L. Klimek
Abstract
O. Pfaar1,2, M. Spielhaupter1,2, H. Wrede1,2, C. Barth1,2, D. Schäfer2, B.A. Stuck2, R. Mösges3, H. Hanschmann1,4, K. Hecksteden5, K. Hörmann2 und L. Klimek1,2
1Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 2HNO-Universitätsklinik Mannheim, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg, 3IMSIE, Universität zu Köln, 4Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universität Marburg, 5HNO-Universitätsklinik, Fr
Überempfindlichkeitsreaktionen auf Acetylsalizylsäure (ASS-Intoleranz) und andere nichtsteroidale Antiphlogistika sind in Kombination mit einer Polyposis nasi und einem Asthma bronchiale unter dem Begriff Samter-Trias (Morbus Samter, Morbus Widal) bekannt. Die adaptive Desaktivierung ist die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit von Patienten mit ASS-Intoleranz. Derzeit wird diese Therapie üblicherweise mit oraler Applikation von ASS repetitiv in aufsteigender Dosierung eingeleitet. Dies ist die erste Studie, die einen intravenösen Applikationsweg im Rahmen der initialen Dosissteigerungsphase bei der adaptiven Desaktivierung untersucht. In dieser prospektiven, offenen Studie wurden die Durchführbarkeit sowie die Sicherheitsaspekte einer intravenösen Applikation von Lysin-ASS im Rahmen der Dosissteigerung bei adaptiver Desaktivierung herausgearbeitet. Bei 36 Patienten mit ASS-Intoleranz (20 Frauen, 16 Männer) im Alter von 20 – 64 Jahren (Altersdurchschnitt 34,3 ± 6,9 Jahre) wurden hierzu die während der Dosissteigerungsphase auftretenden Nebenwirkungen analysiert. Die Gesamtzahl der systemischen Reaktionen betrug n = 27 entsprechend 6,6% aller Therapiedosierungen. Hiervon waren 20 (74%) Sofortphasenreaktionen, 6 (22%) Spätphasenreaktionen und 1 (4%) sowohl eine Sofort- als auch Spätphasenreaktion. Von allen systemischen Reaktionen entsprachen 81% einer Allgemeinreaktion ersten Grades und 19% einer Allgemeinreaktion zweiten Grades. Reaktionen entsprechend Grad 3 und 4 wurden nicht beobachtet. Zusammenfassend konnte die vorliegende Studie demonstrieren, daß die intravenöse Desaktivierung mit Lysin-ASS in der initialen Dosissteigerungsphase unter stationären Bedingungen möglich ist. Unserer Erfahrung nach unterscheidet sich die Nebenwirkungsrate nicht von der oralen Aufdosierung. Einen wichtigen Vorteil sehen wir in der Möglichkeit der sofortigen Unterbrechung der intravenösen Allergenzufuhr bei den ersten Zeichen von Nebenwirkungen. Bezüglich der optimalen Dosierung dieses Vorgehens und des direkten Vergleichs mit der peroralen Dosissteigerung sind weitere Studien mit einer größeren Fallzahl geplant.Correspondence to:
Dr. med. O. Pfaar
Zentrum für Rhinologie und Allergologie
An den Quellen 10
D-65183 Wiesbaden
Email: oliver.pfaar@hno-wiesbaden.de
Originalarbeiten
Feinstaub(PM10)- und Pollenbelastung im Winter und ihre Abhängigkeit von der Wetterlage
T. Frei
Abstract
T. Frei
Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, MeteoSchweiz, Zürich
Die Belastung der Luft mit winzigen Staubteilchen ist eine der größten Herausforderungen für die Luftreinhaltepolitik. Vor allem Städte und verkehrsnahe Gebiete leiden unter zu hohen Feinstaubbelastungen. Als PM10 werden Partikel bezeichnet, deren Durchmesser weniger als 10/1.000 mm beträgt. Feinpartikel sind ein komplexes Gemisch. Ein Teil davon besteht aus primären Partikeln, die direkt durch Verbrennungsprozesse ausgestoßen werden und durch mechanischen Abrieb von Reifen, Bremsen, Straßenbelag und Aufwirbelung entstehen oder aus natürlichen Quellen stammen. Ein anderer Teil besteht aus sekundären Partikeln, welche sich erst in der Luft aus gasförmigen Vorläuferschadstoffen bilden. Diese Partikel können aufgrund ihrer Größe tief in die feinsten Verästelungen der Lunge eindringen. Ihre zerklüftete Struktur ermöglicht eine Anlagerung von weiteren Substanzen wie z.B. Pollen. Dieses Schadstoffgemisch verursacht in den Atemwegen lokale Entzündungen und kann so zu schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit führen: Husten, Atemnot, Bronchitis und Asthmaanfälle bei Kindern und Erwachsenen, Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen. In der vorliegenden Studie wurde insbesondere die Belastung von PM10 in Kombination mit Pollen untersucht, wobei verschiedene Jahresmuster aufgrund der jeweiligen Großwetterlage im Winter dargestellt werden.Correspondence to:
Dr. sc. nat. Th. Frei
Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie
MeteoSchweiz
Krähbühlstraße 58
CH-8044 Zürich
Email: thomas.frei@meteoswiss.ch
Autorenreferate
7. Jenaer Mykologiesymposium
Mitteilungen
Insektengift-Allergie ist heilbar / Spezifische Immuntherapie – Update / Die Gefahr kam mit dem Hauptgericht / Industrienachricht: Insektengift-Allergiker – für den Notfall vorsorgen! / Preisverleihung: Allergopharma Award 2006