Jahrgang 32, No. 3/2009(März)
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Allergologie
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Originalarbeit
Wirksamkeit von Allergoiden zur subkutanen Applikation – Evidenzbewertung anhand klinischer Studien
C. Bachert, P. Gevaert und T. van Zele
Abstract
C. Bachert, P. Gevaert und T. van Zele
Upper Airway Research Laboratory (URL), HNO-Universitätsklinik, Gent, Belgien
Hintergrund: Allergoide sind chemisch modifizierte Allergene zur spezifischen Immuntherapie. Die klinische Wirksamkeit der Allergoidpräparate ist nicht vergleichbar mit nichtmodifizierten Präparaten, da sie sich hinsichtlich ihrer Herstellungsverfahren, Allergenzusammensetzung, Dosierschemata und auch Modifikationen unterscheiden. Um eine evidenzbasierte Therapie zu gewährleisten, sollte die Wirksamkeit der einzelnen Präparate durch methodisch geeignete Studien dokumentiert sein. Ziel: Die Wirksamkeit von in Deutschland verfügbaren Allergoidprodukten zur subkutanen Injektion soll anhand der Richtlinien der World Allergy Organization (WAO) für klinische Studien auf ihre Evidenz überprüft werden. Methoden: In einer Literaturrecherche wurde nach geeigneten Publikationen gesucht und die Studien nach Evidenzstufen geordnet. Die Analyse der Wirksamkeitsevidenz bzw. klinischen Wirksamkeit erfolgte in Anlehnung an die WAO-Empfehlungen. Ergebnisse: 6 von 9 doppelblinden plazebokontrollierten (DBPC) Studien wurden in die Analyse eingeschlossen. Alle Studien wurden mit Erwachsenen durchgeführt. Eine parallele Literatursuche nach deutschsprachigen Publikationen ergab zusätzlich 2 DBPC-Studien. Für Gräserallergoide wurden 3 Studien an 3 Präparaten mit positivem Wirksamkeitsnachweis und für die Gruppe der Milbenallergoide 2 Studien an einem Präparat mit positivem Wirksamkeitsnachweis ermittelt. Bei den deutschsprachigen Arbeiten fand sich eine DBPC-Studie mit Wirksamkeitsnachweis für ein Baumpollenpräparat. Für mitteleuropäische Kräuter liegt für kein Allergoidpräparat eine DBPC-Studie mit adäquatem Wirksamkeitsnachweis vor. Studien bei Kindern sowie Langzeit-, primäre Präventions- und Carry-over-Studien wurden ebenfalls nicht gefunden. Fazit: Die Evidenz zur klinischen Wirksamkeit, analysiert entsprechend den Qualitätsanforderungen der WAO, ist für Allergoide auf wenige Präparate und Allergene begrenzt.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Bachert; Upper Airway Research Laboratory, HNO-Universitätsklinik Gent, De Pintelaan 185, B-9000 Gent
Email: Claus.Bachert@ugent.be
Original paper
Efficacy of allergoids for subcutaneous administration – evaluation of evidence from clinical studies
C. Bachert, P. Gevaert and T. van Zele
Abstract
C. Bachert, P. Gevaert and T. van Zele
Upper Airway Research Laboratory (URL), ENT University Hospital, Gent, Belgium
Background: Allergoids are chemically modified allergens for specific immunotherapy. The clinical efficacy of commercially available allergoid products is hardly comparable to nonmodified allergens, because of their differing manufacturing methods, allergen composition, therapy schemes and modifications. To ensure an evidence-based therapy, clinical efficacy of each allergoid should be proven by adequate clinical trials. Objective: To evaluate the clinical efficacy of available allergoid products in Germany for subcutaneous specific immunotherapy on the basis of the recommendations for clinical trials of the World Allergy Organization (WAO). Methods: A systematic literature search was conducted and the clinical efficacy was analyzed according to the recommendations of the WAO. Results: 6 of 9 double-blind, placebo-controlled (DBPC) studies were included in the analysis. All trials were conducted with adults. A parallel literature search of German publications resulted in 2 additional DBPC studies. Clinical efficacy was documented for grass pollen allergoids in 3 studies with 3 products, and for mite allergoids in 2 studies with 1 product. Additionally, a German publication proved clinical efficacy in a DBPC study with a tree-allergoid preparation. There were no DBPC studies found for allergoid products with Central European weeds. Moreover, studies showing long-term effects, prevention, carryover effects and studies in children were missing. Conclusion: Evidence of clinical efficacy, analyzed according to the recommendations for clinical trials of the WAO, is limited to a few allergoid products.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Bachert
Upper Airway Research Laboratory
ENT University Hospital
De Pintelaan 185
B-9000 Gent
Email: Claus.Bachert@ugent.be
Originalarbeit
Untersuchung einer sublingualen Immuntherapie mit TOL SL® zur Behandlung von allergischer Rhinitis, allergischer Rhinokonjunktivitis und allergischem Asthma bronchiale unter Praxisbedingungen
O. Pfaar, L. Klimek, A. Sager und M. Bräutigam
Abstract
O. Pfaar1, L. Klimek1, A. Sager2 und M. Bräutigam3
1Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden der HNO-Universitätsklinik Mannheim, 2Leti Pharma GmbH, Witten, 3Clinical Development, Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Hintergrund: Die sublinguale Immuntherapie erfährt eine zunehmende Akzeptanz als Alternative zur subkutanen Immuntherapie. Methoden: In einer Anwendungsbeobachtung an 735 Patienten mit überwiegend allergischer Rhinitis wurden die Sicherheit und Verträglichkeit der täglichen Anwendung von TOL SL® untersucht. Ergebnisse: 14,6% der Patienten berichteten über Schwellungen und 21,2% über Brennen im Mund. Insgesamt wurde die Verträglichkeit von TOL SL® von 93,6% der Ärzte und 91,2% der Patienten als “sehr gut” oder “gut” eingestuft. Bezüglich der Wirksamkeit wurden diese Bewertungen von 85,9% der Ärzte und 82,6% der Patienten abgegeben. Jeweils 95% bewerteten die Praktikabilität der Anwendung und des Therapieregimes als positiv. Schlussfolgerungen: In der vorliegenden Studie erwies sich TOL SL® bei allergischen Erkrankungen unter Praxisbedingungen als sicher und gut verträglich.Correspondence to:
Dr. med. O. Pfaar; Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden der HNO-Universitätsklinik Mannheim, An den Quellen 10, D-65183 Wiesbaden
Email: oliver.pfaar@hno-wiesbaden.de
Originalarbeit
Länge der Nadel: Wie lang ist lang genug? Dicke des subkutanen Fettgewebes: möglicher Einfluss auf die Wirksamkeit von Autoinjektor-Pens zur Therapie anaphylaktischer Reaktionen
A. Loizides, L. Kofler, Th. Rettenbacher und H. Kofler
Abstract
A. Loizides1, L. Kofler2, Th. Rettenbacher1 und H. Kofler2
1Abteilung Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck, 2Allergieambulatorium Hall
Anaphylaxie als zwar seltene, potentiell aber lebensbedrohliche Sofortreaktion auf eine Vielfalt auslösender Allergene und Haptene, betrifft jede Altersgruppe. Leitlinien zur Behandlung orientieren sich daran, die bei einer Anaphylaxie ablaufenden pathophysiologischen Mechanismen möglichst früh zu stoppen oder deutlich abzumildern. Zentrale therapeutische Substanz stellt hierbei in der Akutphase Adrenalin, sowohl für die Selbsthilfe als auch die ärztliche Behandlung dar. Für den Patienten und Laienersthelfer wird Adrenalin auch in Form von Autoinjektor-Pens zur Einmalinjektion angeboten. Sie sollen zur raschen Wirkung intramuskulär appliziert werden. Eine subkutane Injektion verzögert den Wirkungseintritt erheblich und soll vermieden werden [8]. Allgemein empfohlen dafür wird ein knapp suprapatellär lateral liegender Bezirk im Bereich des Musculus vastus lateralis. Nachdem epidemiologische Untersuchungen eine Zunahme des Körpergewichts und des Body-mass-Indexes (BMI) belegen, war es Ziel dieser Untersuchung, die subkutane Fettverteilung an einer Gruppe zufällig ausgesuchter erwachsener Probanden (n = 76) zu messen und zu bewerten, ob mit den Pens eine intramuskuläre Injektion möglich wäre.Correspondence to:
Univ. Doz. Dr. med. H. Kofler; Allergieambulatorium Hall, Thurnfeldgasse 3a, A-6060 Hall i.T
Email: allergieambulatorium@kofler-haut.at
Originalarbeit
Diaminoxidase keine diagnostische Hilfe bei Histaminintoleranz
H. Kofler, W. Aberer, M. Deibl, Th. Hawranek, G. Klein, N. Reider und N. Fellner
Abstract
H. Kofler1, W. Aberer2, M. Deibl3, Th. Hawranek4, G. Klein5, N. Reider6 und N. Fellner1
1Private Allergy Clinic Hall, 2Department of Environmental Dermatology, Medical University of Graz, 3Department of Biostatistics, Medical University of Innsbruck, 4Department of Dermatology, Private University of Salzburg, 5Department of Dermatology, Krankenhaus Elisabethinen Linz, 6Department of Dermatology, Medical University of Innsbruck
Exakte Daten zur Prävalenz der Histaminintoleranz gibt es kaum, schätzungsweise sind 3 – 4% der Bevölkerung davon betroffen. Noch weniger verlässliche Daten gibt es derzeit zur Prävalenz der Histaminintoleranz im Kinder- und Jugendalter. Hauptursache ist eine funktionelle oder mengenmäßige Defizienz der Diaminooxidase (DAO), einem Schlüsselenzym des Histaminabbaus. Routinemäßig wurde von einem der Autoren (HK) bereits an mehreren 100 Patienten mit klinischer Diagnose Histamintoleranz die Bestimmung der Serum DAO aufgrund von Literaturempfehlungen [5] zur Diagnostik mitverwendet. Dabei fielen Diskrepanzen zwischen den Symptomen der Patienten, der klinischen Beurteilung und den gemessenen DAO-Werten auf. Wir untersuchten daher prospektiv in einer Multicenterstudie 207 Erwachsene (146 (70,5%) weiblich und 61 (29,5%) männlich). 77 Patienten wiesen eine Histaminintoleranz auf, bei 67 Patienten war die Diagnose fraglich und bei 61 gesunden Kontrollpatienten lag keine Histaminintoleranz vor (Tab. 1). Formales Ziel war es, die Übereinstimmung dieser 3 klinischen Diagnosegruppen mit den Messergebnissen eines seit einiger Zeit auf dem Markt befindlichen und zur Diagnose der Histaminintoleranz propagierten Tests zur Messung der Diaminooxidasekonzentration im Serum zu vergleichen und zu bewerten. Hauptproduktionsort der DAO sind Darmepithelien. Der Abbau von Histamin über DAO ist der Hauptabbauweg. Histamin wird dabei oxidativ desaminiert, entstehende Aldehyde werden renal eliminiert. Ein kleinerer Abbauweg über die Histamin-N-Methyltransferase eliminiert vor allem intrazelluläres Histamin. Der verwendete Test (Sciotec Diagnostic Technologies GmbH, Vienna, Austria) zur Bestimmung der DAO-Konzentration ist ein seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts mit kleinen methodischen Modifikationen verwendeter RIA (Radioimmunoassay); er gilt als sensitiv und präzise. Patienten mit Histaminintoleranz, häufig Frauen in mittleren Jahren, können ein buntes Spektrum von Beschwerden aufweisen. Die Palette der Symptome reicht von migräneartigen Kopfschmerzen, obstruktiver Rhinitis, Müdigkeit, anfallsartiger Tachykardie mit Palpitationen, Übelkeit, postprandialen Blähungen und Diarrhö hin zu Juckreiz und prämenstruellem Syndrom. Häufig berichten Frauen, dass ihre Beschwerden in Schwangerschaften wie “weggeblasen” seien, um nach der Geburt wieder aufzutreten. Das ist insofern erklärbar, als in der Schwangerschaft die Plazenta große Mengen an DAO produziert. Der Verlauf ist variabel in der Ausprägung, insgesamt aber chronisch. Oft angegebene Triggermechanismen scheinen neben bestimmten Medikamenten wie NSAID, b-Blockern, Mukolytika und Röngtenkontrastmitteln auch Infekte und Stress zu sein. Bekannt wurde in den letzten Jahren eine ausgeprägte Komorbidität mit anderen entzündlichen Darmerkrankungen, wie M. Crohn, Zöliakie, und auch eine Überlappung zu Enzymopathien wie Fruktose- und oder Laktoseintoleranz. Fast alle Patienten können eine Zunahme ihrer Beschwerden mit Genuss bestimmter Lebensmittel herstellen, da die Beschwerden oft kurz nach einer Mahlzeit auftreten. Histaminreiche Nahrungsmittel sind – neben bakteriell verdorbenen Produkten – doch auch aus Geschmacksgründen bewusst fermentierte, geräucherte oder sonstwie haltbar gemachte Lebensmittel. Sie enthalten variabel größere Mengen an Histamin oder anderen Polyaminen. Daneben sind Genussmittel (Ethylalkohol) als Hemmer der DAO bekannt, und manche Lebensmittel sollen die Histaminfreisetzung fördern. In Anlehnung an eine bereits publizierte Studie [5] wurden die DAO-Konzentrationen im Serum als “erniedrigt” bewertet (< 3 U/ml), “als verdächtig auf Histaminintoleranz” (3 – 10 U/ml) und als “normal” (> 10 U/ml). Gemäß dieser Publikation ist ein erniedrigter DAO-Wert indikativ für eine Histaminintoleranz, Werte zwischen > 3 – 10 U/ml zeigen einen Graubereich fraglicher Histaminintoleranz an, während Werte > 10 U/ml bei Gesunden gefunden werden. Wir erhielten in allen 3 klinischen Gruppen DAO-Werte, die in ihrer Größe keinerlei statistische Zuordnung zu Patienten mit Histaminintoleranz, fraglicher Histaminintoleranz und keine Histaminintoleranz und daher auch keine sinnvolle Interpretation und Diagnostik erlaubten (Tab. 2). Zwischenzeitlich kam eine Schweizer Arbeitsgruppe [Ballmer-Weber Schmid-Grendelmeier, Seifert, Töndury, Wüthrich Allergologie. 2008; 31: 350-356] aufgrund ihrer Untersuchung an 62 Patienten mit Histaminintoleranz zum gleichen Ergebnis: eine Korrelation zwischen DAO-Wert und klinischer Diagnose ist nicht reproduzierbar. Wir glauben daher, dass die Bestimmung der DAO zur Abklärung einer Histaminintoleranz über eine gute Anamnese hinaus keine diagnostische Hilfe bietet.Correspondence to:
Univ. Doz. Dr. med. H. Kofler; Allergieambulatorium Hall, Thurnfeldgasse 3a, A-6060 Hall in Tirol
Email: allergieambulatorium@kofler-haut.at
Übersicht
Messverfahren für biologische Innenraumbelastungen
M. Obeloer und B. Schwanke
Abstract
M. Obeloer und B. Schwanke
biomess Ingenieurbüro, Korschenbroich
Eine erhöhte Wasserverfügbarkeit auf Innenraumoberflächen führt häufig zu einem mikrobiellen Befall auf der Bausubstanz und auf dem Mobiliar. Infolgedessen besteht die Gefahr einer Raumluftbelastung mit Schimmelpilzbestandteilen, die je nach Individuum zu unterschiedlichen gesundheitlichen Beschwerden führen können. Der vorliegende Artikel beschreibt die Vor- und Nachteile anwendbarer Messverfahren und die mit den jeweiligen Messverfahren zu beantwortenden Fragestellungen. Eine gezielte Auswahl der Verfahren ist dabei von besonderer Bedeutung, da so die Beantwortung der Fragestellung optimiert und die Kosten für den Auftraggeber möglichst gering gehalten werden können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass in den meisten Fällen ein einziges Messverfahren nicht zu abgesicherten Ergebnissen führt. Von besonderem Interesse ist daher die Verfahrensauswahl, die sich nach der zu beantwortenden Fragestellung sowie nach den vor Ort angetroffenen Verhältnissen zu richten hat.Correspondence to:
Dipl.-Ing. M. Obeloer; biomess Ingenieurbüro, Herzbroicher Weg 49, D-41352 Korschenbroich
Email: obeloer@biomess.de
Industrienachrichten