Jahrgang 32, No. 5/2009(Mai)
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Allergologie
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Originalarbeit
Krankheitsverlauf und Prognose der chronischen Urtikaria – eine retrospektive Kohortenstudie
T. Gagg und E. Paul
Abstract
T. Gagg und E. Paul
Privatpraxis für Dermatologie, Mögeldorfer Ärztezentrum, Nürnberg
Einleitung: Die Urtikaria gehört zu den häufigsten dermatologischen Krankheitsbildern. In Deutschland leiden mehr als 1 Mio. Patienten chronisch an urtikariellen Beschwerden. Bei diesen Patienten persistiert die Urtikaria zumeist mehrjährig und führt somit zu einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität. Der sozioökonomische Impact der chronischen Urtikaria ist daher beachtlich. Ziel der Arbeit war es, den Stellenwert der möglichen Erkrankungsauslöser in Bezug auf den Erkrankungsverlauf und die Dauer der chronischen Urtikaria zu ermitteln. Patienten und Methoden: Patienten mit chronischer Urtikaria und/oder nicht-hereditärem Angioödem, welche sich in den Jahren 1990 bis 2000 in stationärer Behandlung in der Hautklinik Nürnberg befanden, wurden mittels eines standardisierten Fragebogens zum weiteren Erkrankungsverlauf und insbesondere zur Erkrankungsdauer befragt. Die statistische Auswertung zur Abheilungswahrscheinlichkeit erfolgte mittels Log-Rang-Test und Kaplan-Meier-Analyse. Ergebnisse: Die mediane Dauer der chronischen Urtikaria lag mit 97 Monaten erstaunlich hoch. Interessanterweise kamen Patienten mit kontinuierlichem Erkrankungsverlauf signifikant schneller zur Abheilung, als Patienten mit rezidivierendem Erkrankungsverlauf. Alter und Geschlecht der Patienten besaßen dagegen keinen Einfluss auf die Abheilung der Urtikaria. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass weder zugrundeliegende Fokalinfekte, noch Intoleranzphänomene oder die Sanierung der Fokalinfekte die Krankheitsdauer der chronischen Urtikaria signifikant beeinflussten. Diskussion und Schlußfolgerung: Die chronische Urtikaria wird immer wieder als “multifaktorielles” Geschehen beschrieben. Die vorliegende Arbeit konnte den bisher diskutierten Triggerfaktoren in Bezug auf die definitive Abheilung der Urtikaria jedoch lediglich eine untergeordnete Rolle nachweisen. Dennoch erscheint die Abklärung und Therapie dieser Faktoren weiterhin sinnvoll, da bei einer Vielzahl von Patienten zumindest eine vorübergehende Beschwerdebesserung und somit partielle Remission erreicht werden kann. Der Mechanismus der zumeist spontanen Rückbildung der Erkrankung bleibt weiterhin ungeklärt und schafft Anreiz für weitere Untersuchungen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. E. Paul
Privatpraxis für Dermatologie
Mögeldorfer Ärztezentrum
Ostendstraße 229-231
D-90482 Nürnberg
Email: info@professor-paul.de
Originalarbeit
Untersuchung zur Kreuzreaktivität zwischen den Hausstaubmilben Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae, Dermatophagoides microceras und Euroglyphus maynei
R. Wahl, D. Feil, S. Kischnick und R. Suck
Abstract
R. Wahl, D. Feil, S. Kischnick und R. Suck
Allergopharma Joachim Ganzer KG, Reinbek
Um die Bedeutung der IgE-Kreuzreaktivität zwischen den vier relevanten Hausstaubmilben Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae, Dermatophagoides microceras und Euroglyphus maynei für die allergologische In-vitro-Diagnostik zu untersuchen, wurden neben elektrophoretischen Trennungen und Immunoblot auch EAST-Hemmtestanalysen der verschiedenen Milbenextrakte durchgeführt. Bei sämtlichen Inhibitionsuntersuchungen wurde in jedem Fall ein Hemmwert von über 50% erreicht. Darüber hinaus waren die Allergenprofile der verschiedenen Extrakte qualitativ vergleichbar. Diese hohe IgE-Kreuzreaktivität der Milbenextrakte sowie die Übereinstimmung der In-vitro-Daten zur In-vivo-Diagnostik weisen darauf hin, dass auch zur spezifischen Immuntherapie (SIT) der Hausstaubmilbenallergie grundsätzlich die Verwendung einer der Dermatophagoidesspezies ausreichend sein sollte.Correspondence to:
Dr. rer. nat. R. Wahl
Allergopharma Joachim Ganzer KG
Hermann-Körner-Straße 52
D-21465 Reinbek bei Hamburg
Email: Ruediger.Wahl@Allergopharma.de
Leitlinie
In-vitro-Diagnostik und molekulare Grundlagen von IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien
J. Kleine-Tebbe, B. Ballmer-Weber, K. Beyer, S. Erdmann, T. Fuchs, M. Henzgen, I. Huttegger, U. Jappe, L. Jäger, U. Lepp, B. Niggemann, M. Raithel, I. Reese, J. Saloga, Z. Szépfalusi, S. Vieths, M. Worm, T. Zuberbier
Abstract
J. Kleine-Tebbe1, B. Ballmer-Weber2, K. Beyer3, S. Erdmann4, T. Fuchs5, M. Henzgen6, I. Huttegger7, U. Jappe8, L. Jäger9, U. Lepp10, B. Niggemann11, M. Raithel12, I. Reese13, J. Saloga14, Z. Szépfalusi15, S. Vieths8, M. Worm16, T. Zuberbier16
1Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 2Dermatologische Klinik, UniversitätsSpital Zürich, Schweiz, 3Klinik für Pädiatrie m.S. Pneumologie und Immunologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, 4Praxis für Dermatologie Bergisch-Gladbach, 5Abteilung Dermatologie und Venerologie, Universitätsmedizin Göttingen, 6Pneumologie und Allergologie, Klinik für Innere Medizin I, Friedrich-Schiller-Universität Jena, 7Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburger Landeskliniken, Salzburg, Österreich, 8Abteilung Allergologie, Paul-Ehrlich-Institut Langen, 9Jena, 10Herz-Lungen-Praxis Stade, 11Pädiatrische Allergologie und Pneumologie, Hedwig-von-Rittberg-Zentrum, DRK-Kliniken Westend, Berlin, 12Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie, Medizinische Klinik 1, Universität Erlangen, 13Ernährungsberatung München, 14Universitätshautklinik, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, 15Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien, Österreich, 16Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, 17Abteilung Immundermatologie und experimentelle Allergologie, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover
Wichtigstes Instrument zur In-vitro-Diagnostik von Nahrungsmittelallergien ist die spezifische IgE-Bestimmung, deren Varianten (einzelne Allergenquellen oder -mischungen, Paneltests, Einzelallergene) sich erheblich in ihrer diagnostischen Wertigkeit unterscheiden. Hohe IgE-Werte gegen Hühnerei, Kuhmilch, Erdnuss oder Fisch sind mit erhöhtem Risiko für klinische Reaktionen assoziiert, erlauben aber selten den Verzicht auf eine orale Provokation. Zelluläre Methoden mit basophilen Leukozyten zum indirekten Nachweis IgE-vermittelter Sensibilisierungen gegen Nahrungsmittel sind nur in Einzelfällen sinnvoll. Bestimmte Molekülfamilien (z.B. Bet-v-1-Homologe, Lipidtransferproteine und Profiline) enthalten Allergene ähnlicher Sequenz und Struktur, deren gemeinsame IgE-Bindungsstellen die Grundlage der Kreuzreaktionen darstellen. Kreuzreaktive Kohlenhydratepitope (CCD), häufig pflanzlichen Ursprungs, können ebenfalls IgE binden, das selten klinisch relevant ist. Allergenquellen pflanzlicher (z.B. Nüsse, Früchte, Gemüse) und tierischer Herkunft (Kuhmilch, Hühnerei, Fisch) werden als Extrakte zur Diagnostik eingesetzt, sofern es ihre Qualität erlaubt. Die IgE-Diagnostik mit Einzelallergenen gestattet eine molekülspezifische Diagnostik, deren Bedeutung je nach Allergenquelle und klinischer Charakterisierung der Einzelallergene variiert. Indikationen zur IgE-Diagnostik bestehen bei begründetem Verdacht einer Nahrungsmittelallergie und fehlender Aussage nach Anamnese und Hauttest, bei Sensibilisierung auf hauttestungeeignete Nahrungsmittel, bei bedrohlicher Reaktion auf Nahrungsmittel, bei Bedingungen, die Hauttests bzw. deren Auswertung nicht zulassen, und im Kindesalter. Die Interpretation hat potentiell falsche Resultate durch unzureichende Reagenzienqualität oder Laborfehler und klinisch irrelevante Ergebnisse durch stark erhöhtes Gesamt-IgE, zu hohe Nachweisempfindlichkeit oder kreuzreagierende Allergene (Interpretationsfehler) zu berücksichtigen. Positive Testergebnisse entsprechen allergenspezifischen Sensibilisierungen, die nur bei korrespondierenden Symptomen relevant sind. Untauglich zur Diagnostik von Nahrungsmittelallergien sind Bioresonanz, Kinesiologie, Elektroakupunktur, zytotoxischer Lebensmitteltest (Methoden ohne Aussagekraft und/oder Überprüfung), Lymphozytentransformationstest, nahrungsmittelspezifisches IgG und IgG4 (Methoden mit unzulässiger Interpretation).Correspondence to:
PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe
Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Spandauer Damm 130
Haus 9
D-14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de
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