Jahrgang 32, No. 8/2009(August)
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Allergologie
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Übersichtsarbeit
Empfehlungen zur primären alimentären Atopieprävention bei Risikokindern
A. Waßmann, F. Defaie, C. Behr-Völtzer und E. Breitbart
Abstract
A. Waßmann1, F. Defaie2, C. Behr-Völtzer1 und E. Breitbart2
1Department Ökotrophologie, Fakultät Life Sciences, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, 2Dermatologisches Zentrum Buxtehude, Elbekliniken Stade-Buxtehude, Buxtehude
Einleitung: Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit alimentärer Maßnahmen in den ersten Lebensmonaten hinsichtlich der primären Prävention atopischer Erkrankungen. Methodik: Anhand definierter Auswahlkriterien wurden 18 prospektive Studien zur alimentären Atopieprävention im ersten Lebensjahr in die Übersichtsarbeit eingeschlossen und vergleichend diskutiert. Ergebnisse: Trotz zum Teil kontroverser Studienergebnisse kann das ausschließliche Stillen über mindestens 4 Monate sowie die Gabe einer Hydrolysat-Nahrung bei nicht ausreichender Muttermilchernährung zur Allergieprävention bei Risikokindern empfohlen werden. Bezüglich der Beikost-Einführung bestehen hingegen nach wie vor Unsicherheiten. Um mögliche Unverträglichkeiten erkennen und zuordnen zu können, sollte bei allergiegefährdeten Säuglingen ein kontrollierter Kostaufbau erfolgen. Diskussion: Das uneinheitliche Bild der aktuellen Daten resultiert aus gravierenden Unterschieden hinsichtlich der Studienmethodik. Während die Rolle des Stillens und der Hydrolysat-Nahrung in der Allergieprävention bei Risikokindern vielfach untersucht wurde, fehlen bezüglich der Beikost weiterhin kontrollierte klinische Studien an Risikokindern, um gesicherte Empfehlungen für den Kostaufbau bei allergiegefährdeten Säuglingen formulieren zu können. Schlussfolgerung: Weitere gut angelegte Untersuchungen zur alimentären Primärprävention bei Risikokindern im ersten Lebensjahr sind notwendig.Correspondence to:
A. Waßmann
Department Ökotrophologie
Fakultät Life Sciences
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Lohbrügger Kirchstraße 65
D-21033 Hamburg
Übersichtsartikel
Todesfälle durch Insektengiftallergie
T. Schäfer
Abstract
T. Schäfer
Ratekau
Die Insektengiftallergie gehört zu den klassischen IgE-mediierten Erkrankungen und wird in Deutschland überwiegend durch Komponenten der Gifte von Honigbiene (Apis mellifera) oder Wespenarten (Vespula germanica oder vulgaris) hervorgerufen. Die Insektengiftallergie manifestiert sich potenziell in schweren und tödlichen Reaktionen. Die Prävalenz der Insektengiftallergie hängt u.a. von der Exposition ab. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung erfährt mindestens einmal im Leben einen Hymenopterenstich. Die Schätzungen schwanken zwischen 57% für Italien und 95% für die Türkei. Es gibt wenige bevölkerungsbezogene Studien, die die Sensibilisierungshäufigkeit, meistens über den Nachweis von allergenspezifischem IgE, bestimmt haben. Nach internationalen Studien sind 9% – 18% der erwachsenen Allgemeinbevölkerung sensibilisiert. In einer Untersuchung an 258 Personen einer ländlichen Region in Bayern waren 27% sensibilisiert, und bei 821 Personen in Hamburg lag die Sensibilisierungshäufigkeit bei 25%. Die Angaben zu systemischen Reaktionen nach Insektenstichen schwanken zwischen 0,3% und 3,3%. Das zweite Ergebnis stammt aus der bayrischen Untersuchung, und in Hamburg lagen die Angaben bei 1,8%. Im internationalen Vergleich lässt sich ein Nord-Süd-Gradient ausmachen, und Männer und ältere Personen sind häufiger betroffen. In den letzten Jahren wurden Mastozytosen (auch okkulte Formen) bzw. erhöhte Serumtryptasespiegel als relevante Risikofaktoren für schwere Reaktionen identifiziert. Patienten mit erhöhten Tryptasewerten zeigen häufiger als Kontrollpersonen schwere Reaktionen nach Insektenstichen (75% vs. 28%). International wird die Mortalität zwischen 0,03 (Italien) und 0,48 (Frankreich) pro 1.000.000 Einwohner und Jahr eingeschätzt. Alter (> 40 Jahre), Geschlecht (männlich), Vorerkrankungen, Stichlokalisation (Kopf, Nacken) und Hymenopterenart (Biene) wurden als relevante Risikofaktoren identifiziert. Das statistische Bundesamt verzeichnet unter der ICD 10 (WHO) Nummer X 23 Sterbefälle nach Kontakt mit Bienen, Wespen oder Hornissen. Für die Jahre 1990 – 2006 werden insgesamt 335 oder rund 20 Fälle pro Jahr aufgeführt. Die durchschnittliche Mortalitätsrate liegt dementsprechend bei 0,24/1.000.000/Jahr, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind (68,4%). Innerhalb Deutschlands steigt die Mortalitätsrate der Bundesländer von West nach Ost deutlich an. Die tatsächliche bevölkerungsbezogene Prävalenz der Insektengiftallergie und die damit verbundene Mortalität sind nicht genau bekannt, vermutlich ist die Dunkelziffer relativ hoch. Geeignete (prospektive) Studien müssen unternommen werden, um verlässliche Daten zu gewinnen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Schäfer, MPH
Häven 6b
23626 Ratekau
Email: torsten.schaefer4@gmx.de
Übersichtsarbeit
Anaphylaxie-Register: Erfahrungen nach 2 Jahren
M. Worm und S. Hompes
Abstract
M. Worm und S. Hompes
Allergie-Centrum Charité, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Anaphylaktische Reaktionen können tödlich verlaufen und aktuelle Daten legen nahe, dass die Häufigkeit der Anaphylaxie in den letzten 10 Jahren zugenommen hat. Das Anaphylaxie-Register wurde im Juni 2006 gestartet. Bis zum August 2008 sind 869 Fälle registriert worden, darunter waren 135 Kinder und 734 Erwachsene. Die Analyse der häufigsten Auslöser der Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen zeigt, dass Nahrungsmittel, gefolgt von Insektengiften und Medikamenten an erster Stelle stehen. Unter den Nahrungsmitteln sind Baumnüsse und Erdnüsse die häufigsten Auslöser. Bei Erwachsenen sind die häufigsten Auslöser der gemeldeten Anaphylaxiefälle Insektengifte und Medikamente, während hier Nahrungsmittel an dritter Stelle stehen. Bei einem Drittel der betroffenen Patienten sind die Reaktionen wiederholt aufgetreten, dies weist auf die Notwendigkeit von Schulungsprogrammen für betroffene Patienten hin. Das lebensrettende Medikament “Adrenalin” wurde nur bei etwa 10% der Fälle eingesetzt. Dies zeigt, dass es notwendig ist, Maßnahmen im Sinne einer verbesserten Aufklärung bei Patienten und Ärzten zu erzielen. Augmentationsfaktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Auslösung schwerer allergischer Reaktionen, dies spiegelt sich auch in den Daten des Anaphylaxie-Registers wieder – hier werden als häufigste Augmentationsfaktoren Medikamente, körperliche Anstrengung, psychische Belastung und Alkohol genannt. Die Erfahrungen aus dem Anaphylaxie-Register zeigen, dass eine Online-Erhebung praktisch durchführbar ist und zahlreiche Zentren länderübergreifend und flächendeckend integriert werden können. Das Anaphylaxie-Register ermöglicht es, aktuelle Informationen über Auslöser anaphylaktischer Reaktionen zu erhalten und bietet eine wichtige Basis zur Verbesserung der Diagnostik, Therapie und Versorgung von betroffenen Patienten.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Margitta Worm
Allergie-Centrum-Charité
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D-10117 Berlin
Email: Margitta.Worm@charite.de
Kasuistik
Zungenschwellung und Quincke-Ödem auf Rucola (Eruca sativa)
F. Riffelmann und M. Wenzel
Abstract
F. Riffelmann und M. Wenzel
Abteilung Allergologie, Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, Schmallenberg
Anamnese: Bei einem Patienten kam es 3-mal innerhalb 3er Monate nach Verzehr von gemischtem Salat zu einer Zungenschwellung, Halsenge und Quincke-Ödem der Lippen mit Erfordernis einer notärztlichen Intervention. Eine Pollinose bei Sensibilisierung mit Frühjahrs- und Gräserpollen war bekannt. Diagnostik: Der Scratch-Test mit verschiedenen Salatarten und anderen Zutaten war negativ, zeigte aber einen histamin-äquivalent positiven Befund mit Rucola. Das spezifische IgE war leicht positiv (0,40 IU/ml, Klasse 1). Auf eine organbezogene Provokationstestung wurde bei klarer klinischer Relevanz der nachgewiesenen Sensibilisierungen verzichtet. Schlussfolgerung: Sensibilisierungen mit Rucola sind offenbar selten; nur wenige Kasuistiken sind auch im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden. Aufgrund der zunehmenden Verwendung auch in Mitteleuropa ist mit weiteren allergischen Reaktionen zu rechnen, sodass dieses Allergen gegebenenfalls in der Diagnostik berücksichtigt werden sollte.Correspondence to:
Dr. med. F. Riffelmann
Abteilung Allergologie
Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft
D–57392 Schmallenberg
Email: f.riffelmann@fkkg.de
Richtlinie
ARIA Update 2008: die allergische Rhinitis und ihr Einfluss auf das Asthma
J. Bousquet, N. Khaltaev, A.A. Cruz et al.
Abstract
J. Bousquet, N. Khaltaev, A.A. Cruz et al.
Leitlinie
Keine Empfehlung für IgG- und IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel
J. Kleine-Tebbe, I. Reese, B.K. Ballmer-Weber et al.
Abstract
J. Kleine-Tebbe, I. Reese, B.K. Ballmer-Weber et al.
Mitteilung