Jahrgang 31, No. 8/2008(August 2008)
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Allergologie
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Editorial
Nahrungsmittelallergie – Update 2008 (Teil II)
T. Schäfer und T. Werfel
Abstract
T. Schäfer und T. Werfel
Nahrungsmittelallergie II
Sojaallergie durch Kreuzreaktionen gegen Birkenpollen-Majorallergen Bet v 1
J. Kleine-Tebbe, D.A. Herold und S. Vieths
Abstract
J. Kleine-Tebbe1, D.A. Herold1 und S. Vieths2
1Allergie- und Asthma-Zentrum Westend (AAZW), Berlin, 2Paul-Ehrlich-Institut, Abteilung Allergologie, Langen
Die häufigste Form einer Sojaallergie in Mitteleuropa beruht auf einer birkenpollenassoziierten Kreuzreaktion. Aufgrund ähnlicher Struktur des Birkenpollen-Hauptallergens Bet v 1 und des Sojaallergens Gly m 4 zeigen 75% der Birkenpollenallergiker serologisch IgE-vermittelte Kreuzreaktionen gegen das Sojaprotein aus der Familie der Bet v 1-homologen Pflanzenstress-(“pathogenesis-related”) PR-10-Proteine. Allerdings entwickeln nur 10% der Birkenpollenallergiker klinische Symptome nach Genuss von geringgradig oder unprozessierten Sojaprodukten (Sojaflocken, Sojamilch, Tofu, Diätpulver mit Sojaisolat). Die vorwiegend lokalen, oropharyngealen Symptome können mit ausgeprägten und bedrohlichen Schwellungen im Hals- und Gesichtsbereich einhergehen. Darüber hinaus wurden systemische Reaktionen mit urtikariellen, gastrointestinalen und Kreislaufsymptomen beschrieben. Eine typische Anamnese mit rasch einsetzender Reaktion nach Genuss gering prozessierten Sojaproteins liefert in Verbindung mit einer ausgeprägten Birkenpollensensibilisierung die entscheidenden diagnostischen Hinweise. Native Sojaprodukte eignen sich aufgrund des instabilen Gly m 4 und seines mit 0,01 – 0,1% geringen Anteils am Gesamtsojaprotein besser zum Hauttest als kommerzielle Sojaextrakte. Aus dem gleichen Grund sind Sojagesamtextrakte zur allergenspezifischen IgE-Bestimmung bei Verdacht auf Gly m-4-bedingte Sojaallergie nicht empfindlich genug. Das seit kurzem verfügbare rekombinante Gly m 4 eignet sich wesentlich besser zum IgE-Nachweis. Bei nachgewiesener birkenpollenassoziierter, klinisch relevanter Sojaallergie sollten kaum oder gering prozessierte Sojaprodukte vermieden werden. Entsprechende Verpackungshinweise auf die potentielle Gefährdung von Birkenpollenallergikern durch diese Produkte wären wahrscheinlich hilfreich zur Vermeidung und rascheren Aufklärung der häufig unvermuteten Reaktionen. Erhitzte und stark prozessierte Produkte wie Sojasauce, texturiertes Sojaprotein, geröstete Sojabohnen oder Sojaöl stellen aufgrund ihrer geringen Gly m 4-Gehalte wahrscheinlich keine Gefährdung dar. Die Sojaallergie als Ausdruck einer birkenpollenassoziierten Kreuzreaktion sollte stärker publik gemacht werden.Correspondence to:
PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe; Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Spandauer Damm 130, Haus 9, D-14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de
Nahrungsmittelallergie II
Allergie auf Lupinenmehl: ein neues oder ein verstecktes Allergen?
U. Jappe, und S. Vieths
Abstract
U. Jappe1,2 und S. Vieths2
1Universitäts-Hautklinik, Heidelberg, 2Abteilung Allergologie, Paul-Ehrlich-Institut, Langen
Die gerösteten Samen der Lupine, die zur Familie der Hülsenfrüchte (Leguminosae) gehört, werden seit langem in mediterranen Ländern als Zwischenmahlzeit konsumiert. In der EU wird Lupinenmehl seit den 90er Jahren als Zutat in Nahrungsmitteln bzw. als Ersatz für bestimmte Nahrungsmittel verzehrt. Es wird vornehmlich Weizenmehl zugesetzt. 1994 wurde der erste Fall einer Soforttypallergie auf lupinenmehlhaltige Pasta beschrieben. Seither wurde im europäischen Ausland wiederholt kasuistisch über allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock nach oraler oder inhalativer Aufnahme von lupinenmehlhaltigen Produkten berichtet. Lupinenmehl stellt aufgrund von Kreuzreaktionen ein Hochrisikoallergen für Erdnussallergiker dar, da Erdnuss und Lupine zu den Leguminosen zählen, wobei allerdings die Häufigkeit und der Grad der Kreuzreaktivität unbekannt sind. Lupine wurde am 22.12.2006 in den Anhang IIIA der Richtlinie 2000/13/EG, der das Verzeichnis der Zutaten, die unter allen Umständen auf der Etikettierung der Lebensmittel anzugeben sind, weil sie bei empfindlichen Personen unerwünschte Reaktionen hervorrufen können, aufgenommen. Seit 2007 gibt es erste Berichte über schwere Lupinenmehlallergie auch in Deutschland. Besonders gefährdet sind Erdnussallergiker oder Erdnuss-Sensibilisierte, wegen der Kreuzreaktivität auf Lupinenmehl zu reagieren. Aber es sind auch De-novo-Sensibilisierungen auf Lupinenmehl bekannt.Correspondence to:
PD Dr. med. U. Jappe, MSc.; Abteilung Allergologie, Paul-Ehrlich-Institut, Paul-Ehrlich-Straße 51-59, D-63225 Langen
Email: japut@pei.de
Nahrungsmittelallergie II
Die Rolle von allergenspezifischen T-Lymphozyten bei pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie
B. Bohle
Abstract
B. Bohle
Christian-Doppler-Labor für Immunmodulation, Institut für Pathophysiologie, Zentrum für Physiologie, Pathophysiologie und Immunologie, Medizinische Universität Wien, Österreich
Um die Rolle von allergenspezifischen T-Lymphozyten bei einer IgE-mediierten Nahrungsmittel(NM)-Allergie zu analysieren, haben wir das “Birke-Obst-Gemüse-Haselnuss-Syndrom” als Krankheitsmodell gewählt. Diese häufigen Überempfindlichkeitsreaktionen gegen diverse Sorten von Steinobst, Gemüse und Nüssen betreffen über 70% der Birkenpollenallergiker und beruhen auf der IgE-Kreuzreaktivität zwischen Pollenallergenen und strukturell verwandten Proteinen in den NM. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass zusätzlich zur IgE-Kreuzreaktivität auch auf T-Zellebene eine ausgeprägte Kreuzreaktion zwischen dem Hauptallergen in Birkenpollen, Bet v 1, und seinen verwandten NM-Allergenen besteht. T-Zellen, die für diese Allergene spezifisch sind, können nach Konsum der diversen NM aktiviert werden, was zu T-zellmediierten Spätphasereaktionen, wie z.B. Schüben des atopischen Ekzems, führen kann. Wir haben ferner gefunden, dass eine erfolgreiche spezifische Immuntherapie mit Birkenpollenextrakt die T-Zellantwort auf NM-Allergene nicht in dem Sinne verändert wie die pollenspezifische Immunantwort verändert wird. Der fehlende Einfluss der Therapie auf NM-spezifische T-Lymphozyten könnte erklären, warum eine Birkenpollendesensibiliserung nur selten zur Verbesserung der pollenassoziierten NM-Allergie führt.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Bohle; Institut für Pathophysiologie, Zentrum für Physiologie, Pathophysiologie und Immunologie, Medizinische Universität Wien, Währinger Gürtel 18-20, A-1090 Wien
Email: barbara.bohle@meduniwien.ac.at
Nahrungsmittelallergie II
Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis
T. Werfel, S. Erdmann, T. Fuchs, M. Henzgen, J. Kleine-Tebbe, U. Lepp, B. Niggemann, M. Raithel, I. Reese, J. Saloga, S. Vieths, M. Worm und T. Zuberbier
Abstract
T. Werfel1, S. Erdmann2, T. Fuchs3, M. Henzgen4, J. Kleine-Tebbe5, U. Lepp6, B. Niggemann7, M. Raithel8, I. Reese9, J. Saloga10, S. Vieths11, M. Worm12 und T. Zuberbier12
1Abteilung Immundermatologie und experimentelle Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover, 2Bergisch-Gladbach, 3Hautklinik, Universitätsmedizin Göttingen, 4Pneumologie und Allergologie, Klinik für Innere Medizin I, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, 5Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 6Stade, 7Pädiatrische Allergologie und Pneumologie, Hedwig-von-Rittberg-Zentrum, DRK-Kliniken Westend, Berlin, 8Medizinische Klinik 1, Universität Erlangen, 9München; 10Hautklinik, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, 11Paul-Ehrlich-Institut, Langen, 12Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
In der vorliegenden Leitlinie der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der DGAKI und des ÄDA werden verschiedene Vorgehensweisen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis, atopisches Ekzem) diskutiert. Das Problem ist klinisch relevant, da viele Patienten vermuten, dass allergische Reaktionen gegen Nahrungsmittel Ekzeme auslösen oder verschlechtern können. Die Kunst besteht darin, die Patienten, die tatsächlich von einer Eliminationsdiät profitieren, zu identifizieren und gleichzeitig zu verhindern, dass zu häufig unnötige Diäten mit der Gefahr der Fehlernährung und der zusätzlichen emotionalen Belastung durchgeführt werden. Als Goldstandard in der Diagnostik nahrungsmittelabhängiger Reaktionen gilt die plazebokontrollierte, doppelblinde orale Provokation, da spezifisches IgE, Pricktests und anamnestische Angaben häufig nicht mit der Klinik korrelieren. Dies gilt insbesondere für verzögert einsetzende Ekzemreaktionen. Das Instrument der diagnostischen Eliminationsdiät sollte vor einer oralen Provokation genutzt werden. Bei multiplen Sensibilisierungen besteht die Möglichkeit einer zeitlich befristeten oligoallergenen Basisdiät und eines anschließenden stufenweisen Kostaufbaus. Bei gezieltem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie sollte die orale Provokation nach ebenso gezielter Eliminationsdiät durchgeführt werden. Aufgrund der sich zum Teil langsam entwickelnden Ekzemverschlechterungen wird empfohlen, zumindest am Tag nach der Provokation die Haut zu untersuchen und ggf. eine repetitive Testung durchzuführen, wenn es am ersten Tag der oralen Provokation nicht zu einer klinischen Reaktion gekommen ist. In der Leitlinie werden verschiedene klinische Konstellationen diskutiert, die ein differenziertes Vorgehen bei Patienten mit atopischer Dermatitis ermöglichen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Werfel; Abteilung Immundermatologie und experimentelle Allergologie, Medizinische Hochschule Hannover, Ricklinger Straße 5, D-30449 Hannover
Email: werfel.thomas@mh-hannover.de
Nahrungsmittelallergie II
Wissenszuwachs bei Eltern von Kindern mit Neurodermitis durch standardisierte Schulungen zum Thema “Neurodermitis und Nahrungsmittelallergie” nach dem Konzept der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung (AGNES)
S. Ottens, M. Aichele-Hoff, A. Constien, S. Plank-Habibi, M. Trentmann, A. Werning und T. Werfel
Abstract
S. Ottens1, M. Aichele-Hoff2, A. Constien1,3, S. Plank-Habibi4, M. Trentmann5, A. Werning6 und T. Werfel1
1Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover, 2Kölner Förderverein für das Allergie- und Asthmakranke Kind e.V. am Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße, Köln, 3Berufsfachschule für Diätassistenten am Universitätsklinikum Würzburg, 4Zentrum für Psychosomatische Dermatologie, Justus-Liebig-Universität, Gießen, 5Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité – Campus Virchow-Klinikum, Berlin, 6Kinderhospital Osnabrück
Hintergrund: Evaluationen bestätigen immer wieder die positiven Effekte von standardisierten Neurodermitis-Elternschulungen auf den Krankheitsverlauf des Kindes. Über ein Drittel der betroffenen Kinder weist gleichzeitig eine Nahrungsmittelallergie auf, so dass auch das Wissen der Eltern zu diesem Thema wesentlich für einen langfristigen Therapieerfolg ist. Patienten und Methoden: In der vorliegenden Arbeit wurde der Wissensstand von Eltern erkrankter Kinder untersucht und der Effekt einer entsprechenden Schulungseinheit auf einen kurz- und langfristigen Wissenszuwachs überprüft. Das untersuchte Kollektiv bestand aus 100 Eltern, die an einer standardisierten Neurodermitis-Elternschulung (nach AGNES) teilnahmen. Die Datenerhebung erfolgte anhand von Multiple-choice-Fragebögen. Ergebnis und Schlussfolgerung: Insgesamt konnte gezeigt werden, dass die Aufklärungsarbeit anhand einer standardisierten Lerneinheit zu diesem Thema dauerhaft zu verbessertem Wissen und somit zu sichererem Umgang und Therapieerfolg beitragen kann.Correspondence to:
Dr. rer. biol. hum. S. Ottens; Heideknick 40, D-22393 Hamburg
Email: silya.ottens@t-online.de
Nahrungsmittelallergie II
Histaminintoleranz: Wie sinnvoll ist die Bestimmung der Diaminoxidase-Aktivität im Serum in der alltäglichen klinischen Praxis?
B. Töndury, B. Wüthrich, P. Schmid-Grendelmeier, B. Seifert und B.K. Ballmer-Weber
Abstract
B. Töndury1, B. Wüthrich1, P. Schmid-Grendelmeier1, B. Seifert2 und B.K. Ballmer-Weber1
1Allergiestation, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich, 2Abteilung Biostatistik, Universität Zürich
Hintergrund: Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann durch einen verminderten enzymatischen Histaminabbau aufgrund einer verringerten Aktivität der Diaminoxidase (DAO) induziert sein (Histaminintoleranz (HIT)). Zielsetzung: Ziel der vorliegenden Studie war es herauszufinden, ob die DAO-Aktivität im Serum bei Patienten, deren Vorgeschichte eine HIT vermuten lässt, im Vergleich zu Patienten ohne eine Vorgeschichte mit HIT signifikant verringert ist. Methoden: Untersucht wurden 61 Patienten und 20 Kontrollen. Bei 26 Patienten (schwere HIT) lag eine Vorgeschichte mit mindestens zwei typischen HIT-Symptomen in Zusammenhang mit der Aufnahme von mindestens zwei histaminreichen Nahrungsmitteln vor. Bei 35 Patienten (mäßige HIT) war nach der Aufnahme von mindestens einem histaminreichen Nahrungsmittel mindestens ein HIT-Symptom aufgetreten. Die 20 gesunden Kontrollen zeigten keinerlei HIT-Symptome. Die Patienten wurden zur Art der klinischen Symptome und zum Zusammenhang der Symptome mit der Aufnahme der Nahrungsmittel befragt. Die DAO-Aktivität im Serum wurde mittels ELISA analysiert. Ergebnisse: Es konnten keine Unterschiede bezüglich der DAO-Konzentration im Serum zwischen den Gruppen festgestellt werden. Schlussfolgerung: Basierend auf der Anamnese mit allergieähnlichen Symptomen nach Aufnahme von histaminreichen Nahrungsmitteln bietet die Bestimmung der DAO-Aktivität im Serum in der alltäglichen klinischen Praxis keine Hilfestellung für die Diagnose einer HIT.Correspondence to:
Dr. med. Bettina Töndury; Allergiestation/Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich, Gloriastrasse 31, CH-8091 Zürich
Email: toendurybettina@hotmail.com
Interview / Industrienachricht