Jahrgang 30, No. 1/2007(Januar 2007)
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Allergologie
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Originalarbeiten
Sublinguale Immuntherapie. Eine Bestandsaufnahme mit kontrollierten Studien zu Wirksamkeit, Verträglichkeit, Langzeiteffekten und Prävention bei Kindern und Erwachsenen mit Präparaten von ALK-Scherax
C. Bachert
Abstract
C. Bachert
Kliniek voor Neus-, Keel- und Ooerheelkunde, UZ Gent
Hintergrund: Zur sublingualen Immuntherapie liegen zahlreiche Studien zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor, die allerdings in puncto Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr heterogene Ergebnisse aufweisen. Eine Bewertung der Studien in Abhängigkeit von einzelnen Allergen-Präparaten fehlt. Dies erscheint jedoch erforderlich angesichts der Tatsache, dass sich die Präparate hinsichtlich Herstellung und Allergen-Standardisierung und damit in ihrer therapeutischen Potenz unterscheiden. Darauf macht auch die neue S2-Leitlinie führender allergologischer Fachverbände in Deutschland aufmerksam. Der Forderung einer herstellerspezifischen Analyse soll mit der vorliegenden Übersicht Rechnung getragen werden. Methoden: Es werden die Ergebnisse von 15 doppelblind, plazebokontrollierten Studien zusammenfassend vorgestellt, in denen die Wirksamkeit von Majorallergen-standardisierten SLIT-Präparaten von ALK-Scherax an Kindern und Jugendlichen (7 Studien, n = 363) sowie Erwachsenen (8 Studien, n = 704) untersucht wurden. Außerdem wird eine aktuelle Metaanalyse zur Wirksamkeit überwiegend von ALK-SLIT-Produkten bei Kindern und Jugendlichen herangezogen und Studien dieser Produkte mit Kindern zu Verträglichkeit (3 Studien, n = 748), Langzeitoutcome und Präventivwirkung dargestellt. Ergebnisse: Die sublinguale Behandlung von Allergien des Respirationstrakts aufgrund unterschiedlicher Sensibilisierungen (Hausstaubmilben, Gräser-, Baum-, Glaskrautpollen) mit den Majorallergen-standardisierten Präparaten von ALK-Scherax erweist sich als wirksam (hauptsächliche Zielparameter Symptom- und Medikationsscores) und sicher. Unerwünschte Reaktionen waren meist mild und von lokaler Natur. Anaphylaktische Reaktionen wurden nicht beobachtet. Eine Langzeitwirkung bis zu 5 Jahren über das Absetzen des Präparats hinaus als auch ein Präventiveffekt auf eine Asthmaentwicklung wurden ebenfalls für die ALK-Produkte nachgewiesen. Schlussfolgerung: Mit dem vorliegenden Review wird der in der aktuellen S2-Leitlinie festgestellten Tatsache Rechnung getragen, dass Allergen-Präparate verschiedener Anbieter, die sich in Herstellungsverfahren und Allergenstandardisierung unterscheiden, hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht vergleichen lassen. Eine Aussage zur Effektivität der SLIT lässt sich demnach zum jetzigen Zeitpunkt nur für die einzelnen herstellerspezifischen Produkte gesondert treffen. Für die ALK-SLIT-Produkte fällt die Bewertung von Wirksamkeit und Verträglichkeit auf Basis kontrollierter Studien bei Kindern und Erwachsenen positiv aus. Darüber hinaus wurde bislang nur für diese Präparate eine Langzeitwirkung sowie eine Risikoreduktion gegenüber einer Asthmaentwicklung nachgewiesen.Correspondence to:
Korrespondenz an:
Prof. Dr. med. C. Bachert
Kliniek voor Neus-, Keel- & Oorheelkunde
UZ Gent
De Pintelaan 185
B-9000 Gent
Email: claus.bachert@rug.ac.be
Originalarbeiten
Wirksamkeit von Levocetirizin bei Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis und asthmatischer Symptomatik
H. Mitfessel
Abstract
H. Mitfessel
Pneumologie, Innere Medizin, Allergologie und Umweltmedizin, Remscheid
Studienziel: In einer offenen prospektiven Praxisstudie wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Levocetirizin bei Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis und zusätzlicher asthmatischer Komponente untersucht. Patienten und Methodik: Es wurden 865 Patienten eingeschlossen, 823 von ihnen litten an einer saisonalen allergischen Rhinitis. Zusätzlich wiesen 338 Patienten ein hyperreagibles Bronchialsystem und 519 asthmatische Symptome auf. Die Wirksamkeit der Therapie mit Levocetirizin wurde anhand der Ausprägung allergischer Symptome der Atemwege und Augen sowie mittels Lungenfunktionsmessungen dokumentiert. Die Therapie wurde zudem durch die Patienten anhand von Fragebögen beurteilt. Ergebnisse: Unter der Therapie mit Levocetirizin zeigte sich eine Besserung der erfassten nasalen und bronchialen Symptome sowie der Augenbeschwerden. Ebenfalls verbesserte sich die Lungenfunktion im 6-wöchigen Beobachtungszeitraum. Entsprechend wurde von den Ärzten die globale Wirksamkeit in 84% der Fälle mit “sehr gut” oder “gut” bewertet. Laut Patientenurteil reduzierte sich die Beeinträchtigung beruflicher und alltäglicher Tätigkeiten durch die asthmatische Komponente unter der Therapie mit Levocetirizin. Die Verträglichkeit beurteilten 85% der Ärzte als “sehr gut” oder “gut”. Unerwünschte Ereignisse traten bei 93 (10,8%) der Patienten auf. Von den insgesamt 166 unerwünschten Ereignissen wurden 54 als unerwünschte Arzneimittelwirkungen klassifiziert. Fazit: Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis und zusätzlicher asthmatischer Komponente profitieren sowohl von einer Besserung der allergischen Symptome als auch der Lungenfunktion unter der Therapie mit Levocetirizin.Correspondence to:
Dr. med. H. Mitfessel
Elberfelder Straße 10
D-42853 Remscheid
Email: hm@pulmo.de
Übersicht
Der Umgang mit Nebenwirkungen bei der spezifischen Immuntherapie
W. Aberer
Abstract
W. Aberer
Universitäts-Hautklinik, Medizinische Universität Graz
Mehrere Millionen Injektionen werden jährlich im Rahmen der spezifischen Immuntherapie verabreicht. Schwere, lebensbedrohliche systemische Reaktionen treten selten auf. Grundsätzlich sollte jedoch jede systemische Reaktion vermieden werden, und alle Ärzte, die eine spezifische Immuntherapie verschreiben und/oder verabreichen, sollten sich der Risiken bewusst sein und adäquate Maßnahmen in ihrer Ordination setzen, um diese hintanzuhalten. Die Ermittlung der “optimalen Dosis” für den jeweiligen Einzelfall sollte vor allem bei der Umstellung auf standardisierte Impfstoffe mit höherer Aktivität ebenso überdacht werden wie nach Zwischenfällen oder bei Impfungen während der relevanten Pollensaison. Alle Maßnahmen sollten ergriffen werden, um das Risiko von systemischen Reaktionen zu minimieren und um die therapeutischen Ergebnisse zu verbessern. Dieser Artikel beruht auf dem WHO Positionspapier zur allergenspezifischen Immuntherapie und der S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. W. Aberer
Universitäts-Hautklinik
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 8
A-8036 Graz
Email: werner.aberer@meduni-graz.at
Kasuistik
Cefuroxim ist nicht Cefuroxim. Ein Beitrag zur Problematik der spezifischen Diagnostik einer Arzneimittelallergie
B. Wüthrich und T. Hawelski
Abstract
B. Wüthrich1 und T. Hawelski2
1Allergologie und Dermatologie, Spital Zollikerberg,
Bei einer 51-jährigen, sonst gesunden Patientin ohne allergische Probleme in der Vergangenheit, kam es unter einer Allgemeinnarkose während der laufenden Antibiotikainfusion mit Zinacef (Cefuroxim) schlagartig sowie gleichzeitig zu einer akuten Kreislaufdepression, zu einem Bronchospasmus sowie zu einer Hautrötung. Klinisch zeigte sich eine Tachykardie von > 130/min, das kapnographisch gemessene endexspiratorische CO2 fiel abrupt auf 2,3 kPa ab und letztlich war mit der Manschette kein BD mehr messbar; die pulsatile Kurve verabschiedete sich ebenso auf dem Monitor. Nach sofortigem Stoppen der Cefuroxim-Infusion und aggressiver Volumentherapie, Adrenalin und Steroide (100 mg Hydrokortison) intravenös sowie Bronchodilatatoren intratracheal, dann – aufgrund der anhaltenden Sinustachykardie – Neo-Synephrin und anschließend Noradrenalin via Perfusor, konnten innerhalb von 30 – 40 min sowohl kreislaufmäßig als auch respiratorisch normale Verhältnisse wiederhergestellt werden. Die später bei einer praktizierenden Allergologin durchgeführte Prick- und Intrakutantestung der Penicillin-Reihe (PenKit) (PPL, MDM, Penicillin) sowie Scratchtestung mit Zinat-Tablette (Cefuroximaxetil) verliefen negativ, ebenfalls ein Lymphozytentransformationstest (LTT) mit Cefuroximaxetil RS (Reinsubstanz). Die Patientin wurde deshalb bezüglich einer Penicillinallergie entwarnt. Ein Jahr später erhielt sie vom Hausarzt wegen eines Harnwegsinfektes Zinat verschrieben. Innerhalb 1 Stunde nach der ersten Tabletteneinnahme reagierte sie wiederum anaphylaktisch. Die behandelnde Allergologin nahm jetzt doch eine Cefuroxim-Allergie an und veranlasste die Durchführung eines CAST-COMBI (CAST ELISA und Flow-CAST mittels Flowzytometrie) mit b-Laktamantibiotika. Aus unerklärlichen Gründen wurde das Cefuroxim jedoch nicht getestet. Die Stimulation mit Cephalosporin C zeigte mit beiden Methoden einen negativen Befund, die Stimulation mit Amoxicillin war im CAST negativ, jedoch in der Flowzytometrie mit 2 Amoxicillin-Konzentrationen (500 und 250 mg/ml) mit einem Stimulationsindex von 2,1 grenzwertig bzw. von 2,9 positiv. Die Allergologin interpretierte diese Befunde als negativ. Folgende Erklärungen bieten sich für die negativen Testergebnisse bei eindeutiger Anamnese einer Cefuroximallergie anlässlich der ersten ausgedehnten Testung an: Medikamente, als Haptene, sind keine Vollantigene und müssten deshalb zur Testung mit einem Carrier-Protein gekoppelt werden, das auslösende medikamentöse Allergen ist in der Regel ein Metabolit, welcher zur Testung nicht zur Verfügung stand. Bekanntlich besteht eine Dissoziation (Heterogenität) zwischen Reaktivität der kutanen Mastzellen, der Bindegewebsmastzellen und der Blutbasophilen, so dass Testergebnisse diskrepant ausfallen können; während der Operation wurde Zinacef (Cefuroximum natricum) appliziert, wohingegen zur Testung in vivo und in vitro Zinat (Cefuroximaxetil, Cefuroximum axetil) verwendet wurde, in der Annahme, dass Zinat die identische orale Verabreichungsform von Zinacef sei. Zinat löste in der Folge die zweite anaphylaktische Reaktion aus, bezeichnenderweise erst eine Stunde nach peroraler Einnahme. Cefuroximaxetil, das 1-Acetoxyethylester von Cefuroxim, ist ein Prodrug und muss im Körper in den aktiven Metaboliten Cefuroxim umgewandelt werden. Dies erklärt den negativen Ausfall der Scratchtestung und das verzögerte Auftreten der Reaktion nach oraler Einnahme. Sämtliche allergologischen In-vivo- (Hauttest) und In-vitro- (LTT) Teste hätten deshalb nicht mit Zinat, sondern mit Zinacef durchgeführt werden sollen. Die Lehre: Cefuroxim ist nicht Cefuroxim!Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstraße 20
CH-8125 Zollikerberg
Email: bs.wuethrich@bluewin.ch
Serie: Primäre Immundefekte
Adenosindesaminase (ADA)- und Purinnukleosidphosphorylase (PNP)- Defizienz
C. Speckmann, U. Wintergerst, J. Rohr, M. Hönig und S. Ehl
Abstract
C. Speckmann, U. Wintergerst, J. Rohr, M. Hönig und S. Ehl
1Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, 2IDC München, Dr. von Haunersches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität, München, 3Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Ulm
kein Abstract verfügbarCorrespondence to:
PD Dr. med. S. Ehl
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Freiburg
Mathildenstraße 1
D–79106 Freiburg
Email: stephan.ehl@uniklinik-freiburg.de
Mitteilung
Breite Datenbasis für Sublinguale Immuntherapie