Jahrgang 29, No. 1/2006(Januar 2006)
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Allergologie
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Originalarbeiten
Klinisch-ökonomische Evaluation von Epikutantests bei putativer dentaler Werkstoffunverträglichkeit
C. Baulig, R. Schieferdecker, M. Dziuk und F. Krummenauer
Abstract
C. Baulig1, R. Schieferdecker1, M. Dziuk2 und F. Krummenauer1
1Bereich Klinische Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden, 2Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz
Hintergrund: Vermutete und angebliche Allergien gegenüber zahnärztlichen Werkstoffen stellen ein zunehmendes Problem bei der zahnärztlich-prothetischen Versorgung dar. Auf der Basis eines vorgelegten Allergiepasses treffen Zahnärzte ihre Entscheidungen für ein bestimmtes zahnärztliches Material nicht selten ohne Berücksichtigung von Validität und Aktualität der Eintragungen im Paß. Material und Methode: Um zahnärztlichen Empfehlungen für beantragte Materialien, aber auch die Qualität der durchgeführten Epikutantestungen selbst als Basis dieser Empfehlungen bewerten zu können, wurden retrospektiv dem MDK Rheinland-Pfalz vorgelegte Kostenübernahmeanträge von 83 Versicherten ökonomisch sowie die zugrundeliegenden Epikutantestprotokolle und Allergiepässe klinisch bewertet. Ergebnisse: Eine Indikation für eine Epikutantestung besteht nur bei manifesten Symptomen; diese waren lediglich bei 8% der auswertbaren Fälle gegeben, bei weiteren 21% lagen nur Angaben über indifferente Befindlichkeitsstörungen vor. Das notwendige Zeitintervall zwischen Applikation und relevantem Ablesezeitpunkt des Epikutantests (72 h) wurde bei 25% unterschritten. In 66 der 83 Fälle war ein Allergiepaß vorhanden, bei 70% war das Ergebnis der Epikutantestung korrekt in den Allergiepaß übertragen worden. Nur bei 3 dieser 66 Patienten war im Allergiepaß die klinische Relevanz des Testergebnisses dokumentiert. 10 der 83 beantragten Materialwechsel waren aus gutachterlicher Sicht medizinisch begründet, bei 42 Patienten (51%) wurde ein anderes, zweckmäßigeres Material empfohlen und in 37% der Fälle das Beibehalten des bestehenden Versorgungsmaterials als ausreichend und zweckmäßig angesehen, einem Patienten wurde eine weitere Abklärung empfohlen. Die vorgelegten Kostenübernahmeanträge übertrafen die Kosten, die auf der Basis einer medizinisch ausreichenden und zweckmäßigen Versorgung gegenkalkuliert wurden, im Median um 680 Euro (Quartilspanne 297 – 1.966 Euro). Summarisch beliefen sich die Kostenabweichungen bei den 83 Patienten auf 113.186 Euro, vor allem bedingt durch den hohen Anteil (65%) an intendierten prothetischen Versorgungen aus “Gold”. Zusammenfassung: Die Ergebnisse der Untersuchung demonstrieren eine limitierte Eignung des Allergiepasses und der darin enthaltenen Dokumentation von Epikutantestungen als Entscheidungshilfe für die Wahl eines dentalen (Ersatz-) Werkstoffs in der zahnärztlichen Praxis. Dennoch werden Allergiepässe häufig unkritisch als Grundlage der zahnärztlichen Entscheidungsfindung benutzt, was zu nichttrivialen klinischen und ökonomischen Auswirkungen führen kann.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. F. Krummenauer
Bereich Klinische Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Fetscherstraße 74, Haus 29
D-01307 Dresden
Email: Frank.Krummenauer@uniklinikum-dresden.de
Originalarbeiten
Vergleichsuntersuchung der spezifischen IgE-Messung (Allergenteststreifen Allergodip Mites and More®) mit dem Hautpricktest und der nasalen Provokation bei Hausstaub- und Vorratsmilbenallergikern
R. Wahl, V. Ebert und A. Stanek
Abstract
R. Wahl1, V. Ebert1 und A. Stanek2
1Allergopharma Joachim Ganzer KG, Reinbek, 2HNO-Abteilung, St.-Josephstift, Bremen, vormals Alfried-Krupp-Krankenhaus Essen
Es existieren unterschiedliche Angaben zur Übereinstimmung von In-vivo-Testergebnissen mit Daten der In-vitro-Allergiediagnostik (IVD) wie z.B. des Allergenscheiben-EAST (Enzym-Allergosorbenttest) oder des CAP von Pharmacia. Soweit uns bekannt, gibt es noch keine Arbeit, bei der Daten eines Allergenteststreifens nicht nur mit denen der Hauttestung sondern zusätzlich mit der nasalen Provokation verglichen wurden. Wir verglichen die Daten des Hautpricktests (HPT) mit den Daten des Allergenteststreifens Allergodip Mites and More®. Folgende Milbenallergien wurden untersucht: Hausstaubmilbe: Dermatophagoides pteronyssinus (D. pter.), Dermatophagoides farinae (D. far.) und Vorratsmilben: Acarus siro (AS), Lepidoglyphus destructor (LD) und Tyrophagus putrescentiae (TP). 108 Patienten, die die HNO-Klinik des Alfried-Krupp-Krankenhauses in Essen wegen ganzjähriger rhinitischer Beschwerden aufgesucht hatten, wurden untersucht. Die HPT-Daten, die mit den Hausstaubmilben- und Vorratsmilbentestlösungen bei den Patienten erzielt worden waren, wurden mit denen der In-vitro-Diagnostik (IVD) verglichen. Der Vergleich der nasalen Provokation (NP) mit den HPT- und IVD-Daten wurde nur mit den beiden Hausstaubmilben durchgeführt. Die Hautreaktionen wurden folgendermaßen klassifiziert: 0 (negativ), + (sehr schwach positiv, eher noch negativ zu bewerten), ++ (schwach positiv), +++ (entspricht der Histaminpositivkontrolle/++++ (stark/sehr stark positiv)). Für den Vergleich zur NP erfolgte die Klassifizierung der IVD-Messung in den Klassen 0, 1, 2, 3, 4. HPT: Für die Übereinstimmung der HPT-Daten mit denen der IVD wurden folgende Werte ermittelt: HPT 0/IVD-Klasse 0: D. pter.: 93,3%, D. far.: 91,3%, AS: 95,2%, LD und TP: 100%. HPT +++/++++/Allergodip-Klasse ³ 1: D. pter.: 89,5% und D. far.: 94,2%. Für eine entsprechende Berechnung für die Vorratsmilben war die Anzahl zu gering (n = 2 – 4). NP: Für die Übereinstimmung des HPT mit der positiven NP ergab sich HPT ++++: 58,3% (D. pter.)/48,0% (D. far.), +++: 37,5%/40%, ++: 4,2%/12,0%, +: 0%/0%, 0: 0%/0%. Für die Übereinstimmung des HPT mit der negativen NP ergab sich: HPT ++++: 15,4%/13,0%, +++: 23,1%/17,4%, ++: 34,6%/ 30,4%, +: 11,5%/17,4%, 0: 15,4%/21,7%. Für die Übereinstimmung der IVD mit der positiven NP ergab sich: Klasse 4: 29,2% (D. pter.)/36,0% (D. far,), 3: 45,8%/36,0%, 2: 25,0%/20,0%, 1: 0%/4,0%, 0: 0%/4,0%. Für die Übereinstimmung der IVD mit der negativen NP ergab sich: Klasse 4: 0%/0%, 3: 11,5%/8,7%, 2: 7,7%/8,7%, 1: 23,1%/17,4%, 0; 57,7%/65,2%. Zusammenfassung: Je höher die Hauttestreaktion ausfiel und je höher die Klasse war, desto häufiger fiel die nasale Provokation positiv aus. Eine positive NP kann mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden, wenn die Hautreaktion +++/++++ anzeigt (Cut-off). Für IVD kann ein Cut-off von Klasse ³ 2 sehr stark angenommen werden. Für den Vergleich HPT mit IVD ist es sehr wichtig, die Stärke der Hautreaktion mit zu betrachten, denn mit Zunahme der Hautreaktion nimmt die Übereinstimmung (abgesehen für den Vergleich Hautreaktion 0/Klasse 0) der HPT-Daten mit denen der IVD-Daten deutlich zu. Die HPT-Daten korrelieren nicht mit den IVD-Daten, d.h eine Hautreaktion ++++ hat nicht automatisch eine Klasse 4 zur Folge. Hier kann nur zwischen Klasse 0 und ³ 1 differenziert werden. Unsere Untersuchungen haben auch gezeigt, daß D.-pter.-Allergiker sehr häufig auf D. far. sensibilisiert waren, was auf die Kreuzreaktivität zurückzuführen ist. In einigen Fällen waren die Patienten auch auf die Vorratsmilbe sensibilisiert.Correspondence to:
Dr. rer. nat. R. Wahl
Allergopharma Joachim Ganzer KG
Hermann-Körner-Straße 52
D-21465 Reinbek
Email: Ruediger.Wahl@allergopharma.de
Kasuistik
Sinnhaftigkeit von IgG-Bestimmungen bei chronischen gastrointestinalen Beschwerden?
A. Feser, N. Krauss und V. Mahler
Abstract
A. Feser1, N. Krauss2 und V. Mahler1
1Allergieabteilung, Hautklinik des Universitätsklinikums, 2Gastroenterologie, Medizinische Klinik I des Uniklinikums Erlangen, Erlangen
Eine 23-jährige Patientin leidet seit dem 15. Lebensjahr täglich an starkem Meteorismus und gelegentlicher Diarrhoe. Nach auswärtiger Bestimmung spezifischer IgG-Antikörper gegen verschiedene Nahrungsmittel im Blutserum hatte sie eine Karenzdiät auf über 80 Nahrungsmittel eingehalten. Während dieser Karenzdiät verlor die Patientin innerhalb weniger Monate 10 kg bis auf ein Körpergewicht von 40 kg, ohne daß es zu einer Besserung der klinischen Symptomatik gekommen wäre. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung war eine schulmedizinische allergologische Abklärung noch nicht erfolgt. Bei der Pricktestung auf Inhalativa (Obergruppe), Nahrungsmittel, Gewürzextrakte, Mehle, Konservierungsmittel und latexassoziierte Nahrungsmittel zeigten sich 3fach positive Reaktionen auf Gräser, Roggenpollen, Dermatophagoides pteronyssinus, Pfeffer, Weizenmehl und Roggenmehl, 2fach positive Reaktionen auf Curry, Natriumproprionat und Sorbinsäure. Die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper im Serum auf Roggenmehl, Weizenmehl, Pfeffer und Curry war negativ, ebenfalls auf Zöliakieantikörper. Eine klinische Relevanz der auf Typ-I-Sensibilisierungen hinweisgebenden Hauttestbefunde konnte mittels Karenzdiät ausgeschlossen werden. Die kapselendoskopische Untersuchung zeigte entzündliche Schleimhautveränderungen im terminalen Ileum. Es besteht Verdacht auf Frühstadium eines Morbus Crohn.Correspondence to:
PD Dr. med. V. Mahler
Hartmannstraße 14
D-91052 Erlangen
Email: vera.mahler@derma.imed.uni-erlangen.de
Serie: Praxis der pädiatrischen Allergologie und Pneumologie
Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen
H. Lindemann
Abstract
H. Lindemann
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Gießen
Asthma ist charakterisiert durch eine bronchiale Überempfindlichkeit auf dem Boden einer chronischen Entzündung und durch eine variable bronchiale Obstruktion. Die Diagnostik basiert auf gründlicher Anamnese bezüglich dieser Überempfindlichkeit, der klinischen Untersuchung einschließlich Auskultation bei forcierter Exspiration und der Lungenfunktions- sowie Allergiediagnostik. Ziel der Asthmatherapie ist Beschwerdefreiheit, die allerdings nicht immer zu erreichen ist. Das Ausmaß der medikamentösen Therapie orientiert sich an einem Stufenplan, bei dem 4 Asthmaschweregrade unterschieden werden. Sobald ein persistierendes Asthma konstatiert wird (Schweregrad II – IV), ist die Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden als Basistherapie anzusehen. Andere, nicht medikamentöse Maßnahmen können zur Linderung der Symptome und Besserung der Lungenfunktion beitragen. Eine individuelle Schulung und Nachschulung aller Patienten und ihrer Angehörigen erscheint geeignet, ein flächendeckendes Diseasemanagement Asthma zu realisieren. Wo dieses nicht zu einem ausreichendem Therapieerfolg führt (< 10%), ist – eventuell im Rahmen sonstiger stationärer Rehabilitationsmaßnahmen – eine Gruppenschulung gerechtfertigt.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H. Lindemann
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Feulgenstraße 12
D-35392 Gießen
Email: hermann.lindemann@paediat.med.uni-giessen.de
Mitteilungen
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