Jahrgang 29, No. 4/2006(April 2006)
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Allergologie
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Originalarbeiten
Prävalenz, Klassifikation und Wahrnehmung der allergischen und nicht-allergischen Rhinitis
C. Bachert
Abstract
C. Bachert
Hals-Nasen-Ohren-Abteilung, Universitätsklinik Gent, Belgien
Hintergrund: Die allergische Rhinitis (AR) und die nicht-infektiöse, nicht-allergische Rhinitis (NINA) sind häufige Erkrankungen, die Patienten dazu bewegen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Methoden: Wir haben eine repräsentative Stichprobe der belgischen Population (n = 4.959) mit einer Prävalenz von selbstgemeldeten Rhinitissymptomen in Höhe von 39,3% untersucht. Detaillierte Informationen über Patienten, die während des vergangenen Jahres nasale Symptome erfahren hatten, wurden einer Stichprobe von Respondern (n = 743) entnommen. Ergebnisse: Die Prävalenz betrug 29,8% für AR bzw. 9,6% für NINA. Gemäß der ARIA-Klassifikation wurden 40,8% der AR-Patienten und 23,5% der NINA-Patienten als persistierend klassifiziert (p < 0,001), und 75,4% (AR) bzw. 53,1% (NINA) der Patienten wiesen eine “mäßig bis schwere” Symptomintensität auf (p < 0,001). AR-Patienten hatten auch signifikant mehr Symptome als NINA-Patienten (p < 0,001). 75,6% der Patienten mit mäßig bis schweren Rhinitisbeschwerden (ARIA-Kriterien) und 81,9% der Patienten mit persistierender AR konsultierten einen Arzt wegen ihrer Beschwerden (alle Formen von AR und NINA insgesamt: 66,8%), signifikant häufiger als Patienten mit milden oder intermittierenden Formen der allergischen Rhinitis. Asthma, Haut- und Nahrungsmittelallergie hatten als Komorbidität eine bedeutend höhere Prävalenz in der AR-Gruppe als in der NINA-Gruppe (p < 0,05 für alle). Schlußfolgerung: Diese Studie zeigt eine hohe Prävalenz von Rhinitissymptomen in einer repräsentativen europäischen Bevölkerung, wobei die allergische Rhinitis (AR) etwa 3-mal prävalenter ist als die nicht-allergische Rhinitis (NINA). Gemäß ARIA-Kriterien leiden etwa 75% der Betroffenen unter einer mäßig bis schweren allergischen Rhinitis, d.h. mit Einbußen an Lebensqualität, und konsultieren daher einen Arzt in der überwiegenden Zahl der Fälle. Aus Sicht des Arztes haben damit mehr als 80% der ihn konsultierenden Patienten eine ernstzunehmende Form der allergischen Rhinitis.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Bachert
Upper Airway Research Laboratory
Hals-Nasen-Ohren-Abteilung
Universitätsklinik Gent
De Pintelaan 185
B-9000 Gent
Email: Claus.Bachert@UGent.be
Originalarbeiten
Erhöhte CCR3- und Eotaxin-mRNA-Expression in eosinophilen Nasenpolypen
H. Olze, U. Förster, V. Krenn, L. Morawietz und E.O. Luger
Abstract
H. Olze1,2, U. Förster1, V. Krenn5, L. Morawietz5 und E.O. Luger3,4
1Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Campus Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2Mitglied im Global Allergy and Asthma European Network (GA2LEN), 3Klinik für Dermatologie und Allergologie, Allergie-Centrum Charité, Charité
Einleitung: Neue Erkenntnisse zur Genese der Polyposis nasi konnten in den letzten Jahren vor allem durch die intensive Untersuchung des Zytokin-Chemokinnetzwerks gewonnen werden. Ziel der Arbeit war die Untersuchung der mRNA-Expression des Chemokinrezeptors CCR3 sowie seiner Liganden Eotaxin und RANTES in Nasenpolypen vergleichbarer Patientengruppen unter besonderer Berücksichtigung zugrundeliegender ätiologischer Faktoren. Methoden: Eosinophile Nasenpolypen von 30 Patienten (vergleichbarer CT-Score/Grad der Eosinophilie) und Proben aus der Concha inferior 10 gesunder Probanden wurden während endonasaler Operationen entnommen, histologisch untersucht und der Grad der Eosinophilie bestimmt. Der mRNA-Gehalt für CCR3, Eotaxin und RANTES wurde mittels Realtime-TaqMan-PCR quantitativ analysiert. Die gemessenen Werte wurden mit dem Mann-Whitney U-Test und dem Spaerman-Test ausgewertet. Ergebnisse: In den Polypen der Patientengruppe ließ sich eine signifikant erhöhte CCR3- (p < 0,001) und Eotaxin- (p = 0,001) mRNA-Expression gegenüber dem Kontrollgewebe nachweisen. Die CCR3-mRNA-Expression korrelierte signifikant mit der Eotaxin-mRNA-Expression (p = 0,01). Keine signifikante Korrelation ergab sich dagegen zwischen den RANTES- und CCR3-mRNA-Werten und den RANTES- und Eotaxin-mRNA-Werten. Bei den Patienten mit Allergie und ASS-Intoleranz war die CCR3-mRNA-Expression gegenüber den anderen Patienten signifikant erhöht (p = 0,03). Während sich die RANTES-mRNA-Expression in den Proben der Patienten- und der Kontrollgruppe nicht unterschied, war diese in den Polypen der nichtallergischen Patienten (p = 0,012) und der allergischen Patienten (p = 0,029) gegenüber den Patienten mit Allergie und ASS-Intoleranz signifikant erhöht. Schlußfolgerungen: Die Ergebnisse weisen auf eine Schlüsselrolle der CCR3/Eotaxininteraktionen bei der selektiven Rekrutierung eosinophiler Granulozyten und der Entstehung der Polyposis nasi hin. Unterschiede in der RANTES-mRNA-Expression sind möglicherweise auf differenzierte Mechanismen bei der Entstehung der Polyposis und verschiedenen ätiologischen Faktoren zurückzuführen. Die Daten stützen die Annahme einer multifaktoriellen Genese der Polyposis nasi, wobei neben der ASS-Intoleranz auch der Allergie eine wichtige Rolle zukommen könnte.Correspondence to:
Dr. med. H. Olze
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Campus Virchow-Klinikum
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger-Platz 1
D-13353 Berlin
Email: heidi.olze@charite.de
Leitlinien
Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen
J. Kleine-Tebbe, K.-Ch. Bergmann, F. Friedrichs, T. Fuchs, K. Jung, L. Klimek, J. Kühr, W. Lässig, U. Lepp, B. Niggemann, J. Rakoski, W. Rebien, H. Renz, J. Saloga, J. Simon, H. Sitter, Ch. Virchow und M. Worm
Abstract
J. Kleine-Tebbe, K.-Ch. Bergmann, F. Friedrichs, T. Fuchs, K. Jung, L. Klimek, J. Kühr, W. Lässig, U. Lepp, B. Niggemann, J. Rakoski, W. Rebien, H. Renz, J. Saloga, J. Simon, H. Sitter, Ch. Virchow und M. Worm
Die vorliegende Leitlinie (S2) zur spezifischen Immuntherapie (SIT) wurde von den deutschen allergologischen Fachverbänden im Konsens mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Kinder- und Jugendmedizin, Pneumologie sowie einer Allergiker-Selbsthilfeorganisation nach Kriterien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erarbeitet. Bei der subkutanen SIT (SCIT), die als einzige kausale Therapieform IgE-vermittelter allergischer Erkrankungen gilt, entsteht durch zahlreiche immunologische Veränderungen eine über die Therapiedauer hinaus anhaltende Toleranz gegenüber den eingesetzten Allergenen. Zur SCIT werden nicht modifizierte Allergene als wässrige oder physikalisch gekoppelte (Semidepot-)Extrakte sowie chemisch modifizierte Extrakte (Allergoide) als Semidepot-Extrakte eingesetzt. Die Wirksamkeit der SCIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie durch zahlreiche kontrollierte Studien und bei Tier- (Katzen) und Schimmelpilzallergie (Alternaria, Cladosporium) durch wenige Studien belegt. Bei intermittierendem und geringgradig persistierendem IgE-vermittelten allergischen Asthma ist die SCIT gut untersucht und als Therapieoption neben Allergenkarenz und Pharmakotherapie empfehlenswert. Präventive Aspekte, insbesondere vermindertes Asthmarisiko und weniger Neusensibilisierungen, sind bei der Entscheidung zur SCIT unbedingt zu berücksichtigen. Bei systemischen Reaktionen durch eine Hymenopterengiftallergie (Biene, Wespe) ist die SCIT ausgezeichnet wirksam und sollte mindestens 3 – 5 Jahre durchgeführt werden, bei manchen Patienten unter Umständen lebenslang. Eine Indikation zur SCIT besteht bei nachgewiesener IgE-vermittelter Sensibilisierung mit korrespondierenden klinischen Symptomen durch Allergene, bei denen eine Karenz nicht möglich und ein geeigneter Extrakt vorhanden ist. Diagnostik, Indikationsstellung und Auswahl der Allergene sollen nur durch einen Facharzt mit allergologischer Weiterbildung oder allergologischen Fachkenntnissen erfolgen (gemäß Leitlinientext). Die Kontraindikationen müssen individuell berücksichtigt werden. Die Injektionen zur SCIT werden von einem Arzt durchgeführt, der mit dieser Therapieform Erfahrung hat und bei einem allergologischen Zwischenfall zur Notfallbehandlung befähigt ist. Eine vorherige Aufklärung mit Dokumentation ist erforderlich. Kinder zeigen eine gute Verträglichkeit und profitieren besonders von den immunmodulatorischen Effekten der SCIT. Das Auftreten schwerer systemischer Reaktionen bei der SCIT ist möglich, aber bei Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen selten. Die meisten unerwünschten Reaktionen sind leicht bis mittelschwer und lassen sich gut behandeln. Das Risiko und die Folgen unerwünschter systemischer Reaktionen können durch Schulung des Personals, Beachtung der Sicherheitsstandards und rasche Notfallmaßnahmen wirksam vermindert werden. Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) mit Pollenallergenen kann bei Erwachsenen mit allergischer Rhinokonjunktivitis eingesetzt werden, besonders wenn eine SCIT nicht in Frage kommt. Bei Hausstaubmilbenallergie bzw. allergischem Asthma durch Inhalationsallergene stellt die SLIT keinen Ersatz für die SCIT dar. Die Routineanwendung wird bei Kindern und Jugendlichen aufgrund der gegenwärtigen Datenlage nicht empfohlen. Eine abschließende Bewertung zur SLIT bei Kindern und Jugendlichen wird bis zur Vorlage weiterer Studienergebnisse zurückgestellt. Die SIT zeigt in vielen Bereichen, wie Allergencharakterisierung, Applikationswege, Adjuvanzien, Aufdosierung und präventive Aspekte, neue Entwicklungen, die teilweise bereits auf ihre klinische Wirksamkeit untersucht werden.Correspondence to:
PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe
Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Spandauer Damm 130, Haus 9
D-14050 Berlin
Email: kleine-tebbe@allergie-experten.de
Serie: Praxis der pädiatrischen Allergologie und Pneumologie
Atopisches Ekzem – aktuelle Aspekte der Therapie im Kindesalter*
P. Mayser und J.-O. Steiß
Abstract
P. Mayser1 und J.-O. Steiß2
1Zentrum für Dermatologie und Andrologie, 2Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Klinikum der Justus-Liebig-Universität, Gießen
Die vorliegende Arbeit gibt auf der Grundlage aktueller Leitlinien eine Übersicht über die Diagnostik und die aktuellen Therapiemaßnahmen beim atopischen Ekzem im Kindesalter. Diese umfassen Maßnahmen der Basistherapie, der antientzündlichen Therapie (Glukokortikosteroide, Calcineurininhibitoren), der antibakteriellen und gegebenenfalls kausalen Therapie sowie der Prophylaxe und Schulung. Sie sollten jeweils individuell an den einzelnen Patienten angepaßt werden.
*Nach einem Vortrag auf dem Symposium “Pädiatrische Immunologie und Allergologie” am 11.6. 2005, Landesärztekammer Bad Nauheim.Correspondence to:
Prof. Dr. med. P. Mayser
Zentrum für Dermatologie und Andrologie
Klinikum der Justus-Liebig-Universität
Gaffkystraße 14
D-35385 Gießen
Email: peter.mayser@derma.med.uni-giessen.de
Autorenreferate
XXII. Jenaer Colloquium allergologicum
Mitteilung
GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit auf Platz 1 in Europa