Jahrgang 28, No. 4/2005(April 2005)
|
Allergologie
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 24.80$ |
 |
Mitteilung
Stellungnahme zur Infrarotlichttherapie der allergischen Rhinitis
B. Wedi
Übersichten
Diagnostischer Wert von Mastzellmediatoren bei der Anaphylaxie
K. Brockow, H. Behrendt und J. Ring
Abstract
K. Brockow, H. Behrendt und J. Ring
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie Biederstein und Zentrum für Allergie und Umwelt GSF/TUM, Technische Universität München
Die Freisetzung von Mediatoren aus Mastzellen und Basophilen führt zum klinischen Bild der Anaphylaxie. Dabei werden erhöhte Spiegel von Histamin und Histaminmetaboliten im Plasma bzw. Urin nachgewiesen. Histamin eignet sich jedoch nur bedingt als diagnostischer Marker für die Anaphylaxie; es wird schnell abgebaut und die Konzentration seiner Metabolite im Urin ist abhängig von anderen Faktoren, wie z.B. der Aufnahme histaminreicher Nahrungsmittel. Die Serinprotease Tryptase ist das Genprodukt von zwei Genen, dem a-Protryptase- und dem b-Tryptasegen in Mastzellen. Ein früher erhältlicher Immunassay wies direkt b-Tryptase nach, die Form, die im Rahmen einer Anaphylaxie freigesetzt wird. Mit dem zur Zeit kommerziell erhältlichen Test wird die Gesamttryptase gemessen und nur ein Anstieg im Vergleich zu Basalwerten wird als Zeichen einer Anaphylaxie gewertet. Eine Zunahme der Gesamttryptasekonzentration wurde nach vielen anaphylaktischen Reaktionen auf Insektengift, Arzneimittel und Nahrungsmittel nachgewiesen. Es besteht ein Trend zu höheren Werten bei schwereren Reaktionen. Bei fataler Anaphylaxie können stark erhöhte Tryptasekonzentrationen zur Diagnosesicherung beitragen. Dauerhaft erhöhte Basalwerte treten bei systemischer Mastozytose auf. Erhöhte Konzentrationen von Prostaglandin D2 und IL-6 wurden nach anaphylaktoiden Reaktionen beschrieben, die Wertigkeit von Lipidmediatoren und Zytokinen in der Diagnostik der Anaphylaxie bleibt jedoch weitgehend unerforscht. Der Nachweis erhöhter Konzentrationen der Mastzellmediatoren Histamin und Tryptase hilft bei der Diagnosesicherung fraglicher Anaphylaxien und trägt zum Verständnis des Pathomechanismus dieser Reaktionen bei.Correspondence to:
PD Dr. med. K. Brockow
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein
Technische Universität München
Biedersteiner Straße 29
D-80802 München
Email: knut.brockow@lrz.tum.de
Übersichten
Die Rolle von dendritischen Zellen bei der Induktion und Modulation der allergischen Immunantwort
I. Bellinghausen, B. König, I. Böttcher, J. Knop und J. Saloga
Abstract
I. Bellinghausen, B. König, I. Böttcher, J. Knop und J. Saloga
SFB 548 Allergie und Autoimmunität TPA4, Universitäts-Hautklinik, Mainz
Dendritische Zellen (DC) sind die potentesten antigenpräsentierenden Zellen und spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von atopischen/allergischen Krankheiten wie dem Asthma bronchiale, der allergischen Rhinokonjunktivitis und dem atopischen Ekzem. Aufgrund ihrer Fähigkeit, antigene T-Zellen zu präsentieren, sind sie auch hinsichtlich der Entwicklung von antigenspezifischen Immuntherapien von großer Bedeutung. Die Stimulation von unreifen, aus Monozyten generierten DC von allergischen Spendern mit Allergenproteinen führt zu einer frühen Aktivierung/Phosphorylierung von STAT6 mit anschließender geringer IL-13-Produktion. IL-13 erhöht die Phosphorylierung von STAT6 in autologen T-Zellen in vitro sowie die Produktion der Th2-Zytokine IL-4 und IL-5, aber nicht die Produktion des Th1-Zytokins IFN-g. Das nach T-Zellaktivierung induzierte kostimulatorische Molekül ICOS und sein Ligand (ICOSL), der auf Monozyten und DC exprimiert wird, spielen eine weitere wichtige Rolle bei der Regulation von Th2-Effektorzellen. Allergengepulste unreife DC, die durch Zugabe von IL-10 in ihrem unreifen Zustand arretiert worden sind, können in T-Zellen Anergie induzieren sowie die verstärkte Produktion von IL-10. Diese anergenen T-Zellen besitzen regulatorische Eigenschaften, indem sie die Proliferation und Zytokinproduktion anderer T-Zellen hemmen können. DC können auch sehr effizient mit Allergen-DNA unter Verwendung von adenoviralen Vektoren transfiziert werden. Transfizierte DC aktivieren vor allem CD8+-T-Zellen und induzieren in CD4+-T-Zellen die Produktion von IFN-g und IL-10. Diese Daten zeigen die Bedeutung von DC bei der Entstehung von atopischen/allergischen Krankheiten und weisen darauf hin, daß DC bei der antigenspezifischen Immunmodulation von großem Nutzen sein könnten.Correspondence to:
Dr. rer. nat. I. Bellinghausen
Universitäts-Hautklinik
Langenbeckstraße 1
D-55131 Mainz
Email: bellinghausen@hautklinik.klinik.uni-mainz.de
Übersichten
Antiazide Therapie und verdauungslabile Allergene
E. Untersmayr und E. Jensen-Jarolim
Abstract
E. Untersmayr und E. Jensen-Jarolim
Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie, Medizinische Universität Wien
In der wissenschaftlichen Literatur wird bis heute postuliert, daß ausschließlich verdauungsstabile Allergene auf direktem, oralem Weg über den Gastrointestinaltrakt sensibilisieren können. Aus diesem Grund werden In-vitro-Verdauungsexperimente zur Charakterisierung von Allergenen und zur Abschätzung des allergenen Potentials von neuen Nahrungsproteinen herangezogen. Die peptische Verdauung ist allerdings streng pH-abhängig und auch bei nur geringfügiger Erhöhung des pH-Werts bleiben verdauungslabile Proteine bis zu zwei Stunden intakt. In der Klinik ist pH-Erhöhung, also Hypoazidität, das Therapieziel bei dyspeptischen Erkrankungen. Dabei könnten auch verdauungslabile Nahrungsproteine zu potentiellen Allergenen werden. Tatsächlich konnten Maus- und Humanstudien bereits zeigen, daß eine antiazide Therapie die Entwicklung von Typ-I-Nahrungsmittelallergien fördern kann. Die Relevanz für den Menschen wurde in einer Beobachtungsstudie gastroenterologischer Patienten klar: Nach einer dreimonatigen Therapie mit H2-Rezeptorblockern beziehungsweise Protonenpumpenhemmern, konnte bei 15% aller Patienten eine De-novo-Sensibilisierung gegen verschiedenste, oft auch verdauungslabile Proteine der täglichen Nahrung dokumentiert werden. Die Einschränkung der Verdauungskapazität des Magens durch Hypoazidität spielt somit eine zentrale Rolle in der Sensibilisierungsphase gegen Nahrungsproteine.Correspondence to:
a.o. Univ.-Prof. Dr. med. Erika Jensen-Jarolim
Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Email: erika.jensen-jarolim@meduniwien.ac.at
Leitlinien
Internationale Leitlinien zur Polyposis nasi*
C. Bachert
Abstract
C. Bachert
Kliniekhoofd, HNO-Klinik, Universitätsklinik Gent, Belgien
Auf der Grundlage des EP3OS (European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyposis) werden hier die gegenwärtigen Kenntnisse zur Epidemiologie, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der Polyposis nasi zusammengefaßt. Nasenpolypen werden derzeit als eine Untergruppe der chronischen Rhinosinusitis definiert, die durch eine eosinophile Entzündung und Ödembildung auf der Basis von Gewebedestruktion (Remodeling) gekennzeichnet ist. Nasenpolypen sind häufig durch Staphylokokkus aureus kolonisiert, die durch die Freisetzung von Enterotoxinen die Entzündungsreaktion modifizieren und zu einer polyklonalen IgE-Produktion führen. Die Häufigkeit liegt bei ca. 2 – 4% der Bevölkerung, wobei insbesondere Patienten mit Asthma und Aspirinsensitivität häufiger betroffen sind. Die Diagnostik der Nasenpolypen stützt sich auf die nasale Endoskopie und die Computertomographie der Nebenhöhlen. Die therapeutischen Möglichkeiten werden evidenzbasiert bewertet und aufgelistet, wobei den topischen Glukokortikosteroiden (GKS) die größte Bedeutung als Therapie der Wahl zukommt. Orale GKS und die Chirurgie sind Optionen bei mangelnder Kontrolle durch topische GKS.
*Auf der Grundlage des EP3OS Dokuments der EAACICorrespondence to:
Prof. Dr. med. C. Bachert
Kliniekhoofd
HNO-Klinik
Universitätsklinik Gent
De Pintelaan 185
B-9000 Gent
Email: claus.bachert@ugent.be
Kasuistik
Anaphylaktische Reaktion auf Buchweizen
F. Riffelmann
Abstract
F. Riffelmann
Abteilung Allergologie, Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, Schmallenberg
Anamnese: Bei einer Patientin kam es nach Verzehr eines Pfannkuchens (selbst zubereitet aus einer niederländischen Fertigmischung) zu Atemnot, generalisiertem Erythem und Urtikaria. Diagnostik: Der Scratchtest mit Pfannkuchenmehl war positiv; die Testung der Inhaltsstoffe (Weizen-, Hafer-, Gersten- und Buchweizenmehl) zeigte lediglich einen positiven Befund bei Buchweizen. Das spezifisches IgE war bezüglich Weizen, Gerste und Hafer negativ; Buchweizen positiv (CAP-Klasse 5). Auf organbezogene Provokationstestung wurde bei klarer klinischer Relevanz der nachgewiesenen Sensibilisierungen verzichtet. Schlußfolgerung: Buchweizen ist bislang überwiegend in asiatischen Ländern als Nahrungsmittelallergen in Erscheinung getreten; Kasuistiken sind auch im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden. Bei der zunehmenden Verwendung insbesondere in sogenannten Vollwertprodukten und Gebäckspezialitäten ist auch in Mitteleuropa mit einer zunehmenden Zahl von schweren allergischen Reaktionen zu rechnen, so daß dieses Allergen in der Diagnostik berücksichtigt werden sollte.Correspondence to:
Dr. med. F. Riffelmann
Abteilung Allergologie
Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft
D-57392 Schmallenberg
Email: f.riffelmann@fkkg.de