Jahrgang 26, No. 1/2003(Januar 2003)
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Allergologie
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Originalarbeit
Fünf Jahre INSTAND-Ringversuche zur In-vitro-Allergiediagnostik – ein Beitrag zur Qualitätssicherung in der medizinischen Diagnostik
I. Schellenberg, H.-D. Göring und K. Kabrodt
Abstract
I. Schellenberg1, H.-D. Göring2 und K. Kabrodt1
1Abteilung Bioanalytik, Hochschule Anhalt (FH), Bernburg,
Der Nachweis spezifischer IgE-Antikörper in Seren von Allergikern hat in der Allergiediagnostik nach wie vor große Bedeutung für den Nachweis einer Sensibilisierung des Immunsystems gegen die entsprechenden Allergene. Aus der zur Verfügung stehenden Vielzahl von Tests unterschiedlicher Hersteller mit unterschiedlichen Allergenqualitäten resultiert, daß die Ergebnisse der Laboratorien nur bedingt untereinander vergleichbar sind. Die Autoren führen deshalb als Fachberater des Institutes für Standardisierung und Dokumentation im medizinischen Laboratorium (INSTAND) im Auftrag der Bundesärztekammer Ringversuche zur In-vitro-Allergiediagnostik durch. Ziel ist die Untersuchung der Vergleichbarkeit der Ergebnisse spezifischer IgE-Bestimmungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene aus unterschiedlichen Laboratorien. Berichtet wird über Ringversuchsergebnisse von 1995 – 2000 für die Bestimmung der oben angegebenen spezifischen IgE-Antikörper. In den Ringversuchen, an denen jeweils ca. 190 Laboratorien teilnahmen, wurden spezifische IgE-Antikörper gegen Allergene wie Birkenpollen, Hausstaubmilbe, Katzenepithel, Hundeepithel, Hühnereiweiß, Kuhmilcheiweiß, Bienen- und Wespengift, Soja, Sellerie, Beifuß, Apfel und Karotte bestimmt und die Ergebnisse miteinander verglichen. Den Ringversuchsteilnehmern waren die zu bestimmenden IgE-spezifischen Antikörper bekannt; ihre Aufgabe bestand in der Bestimmung der Allergenklassen und der IgE-Konzentrationen in kU/l. (Bekanntlich werden Radio-Allergo-Sorbenttests – RAST-Tests nicht mehr angewandt. Aufgrund der in der allergologischen Praxis aber üblichen Bezeichnung des sogenannten “RAST-Tests” wird in dieser Arbeit der Begriff “RAST- Klassen” verwendet.) Die Auswertung erfolgte firmenbezogen, d.h. die Ergebnisse wurden jeweils im Vergleich zu den Laboratorien beurteilt, die die gleichen Reagenzien und Analysegeräte einsetzten. Bei der Bewertung der RAST-Klassen ist im Mittel eine akzeptable Vergleichbarkeit zwischen firmenspezifisch gebildeten Teilnehmerkollektiven festzustellen. Unabhängig davon werden auch bei eindeutig in den zu untersuchenden Proben vorhandenen spezifischen IgE-Antikörpern in jedem Teilnehmerkollektiv RAST-Klassen zwischen 0 und 6 bestimmt. Deutlicher werden die Unterschiede beim Vergleich der Angaben in kU/l. So wurden z.B. bei der Bestimmung IgE-spezifischer Antikörper gegen Birke zwischen den Laboratorien Differenzen bis zum 20-fachen angegeben. Die Unterschiede bei den anderen IgE-spezifischen Antikörpern sind nicht so drastisch, aber immer noch z.T. beachtlich und aus ärztlicher Sicht nicht zu tolerieren. Die z.T. beträchtlichen Ergebnisdifferenzen zwischen den Laboratorien resultieren vor allem aus nicht ausreichend qualifizierter Analysendurchführung in den Laboratorien und Arztpraxen. Die Einzelergebnisse zeigen, daß in allen Ringversuchen meist immer wieder bei den gleichen Laboratorien ganz offensichtlich grundsätzliche methodische Fehler gemacht werden. Aus den Ringversuchsdaten werden sinnvolle Vorgaben für die interne und externe Qualitätssicherung abgeleitet und unter analytischen sowie medizinischen Gesichtspunkten diskutiert. Als Konsequenz aus den vorliegenden Daten und Erfahrungen muß die Teilnahme an Ringversuchen sowie an internen Qualitätssicherungsmaßnahmen in der In-vitro Allergie-Labordiagnostik verpflichtend werden.Correspondence to:
Prof. Dr. rer. nat. I. Schellenberg
Abteilung Bioanalytik
Hochschule Anhalt (FH)
Strenzfelder Allee 28
D-06406 Bernburg
Übersichten
Molekulare Pathogenese und Immuntherapie bei allergischem Asthma
S. Finotto, M. Hausding, T. Eigenbrod, U. Herz und H. Renz
Abstract
S. Finotto1, M. Hausding1, T. Eigenbrod1, U. Herz2 und H. Renz2
1I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Laboratorium für Immunologie, Universitätsklinikum Mainz, 2Abteilung für molekulare Diagnostik, Universität Marburg
Das allergische Asthma bronchiale stellt ein komplexes Krankheitsbild dar, welches durch reversible Bronchokonstriktion, Atemnot, Entzündung und “Airway Remodeling” charakterisiert ist. Allergien werden in einem komplexen genetischen Hintergrund vererbt. “Genom-Mapping” hat zur Identifizierung 20 verschiedener Genabschnitte geführt, von denen ein bedeutender Abschnitt auf dem verlängerten Arm des Chromosom 5 (5q31-33) liegt. Dieser beinhaltet den T-Helfer-Zelltyp 2(TH2)-Zytokin-Gencluster sowie auch das Gen, welches für IL-12p40 kodiert. In der Literatur gibt es mehrere Studien, die über die erfolgreiche Behandlung allergischen Asthmas in Tiermodellen berichten, in denen TH2-Zytokine durch die lokale Verabreichung von Antikörpern, die gegen Zytokine oder ihre Rezeptoren gerichtet sind, unterdrückt werden. Andererseits vermindert die lokale Verabreichung von TH1-Zytokinen wie IL-12 und IFN-g die lokale Eosinophilie und die bronchiale Hyperreaktivität. Weiterhin wurde demonstriert, daß T-bet “knockout-Mäuse”, sowohl heterozygot als auch homozygot (T-bet -/-), in Abwesenheit eines Allergens T-Zell-abhängige Hyperreaktivität, Atemwegsentzündung und “Airway Remodeling” in Übereinstimmung mit humanem Asthma zeigen. Das Gleichgewicht zwischen GATA-3 und T-bet scheint also für die Differenzierung der T-Zellen der Mukosa-Oberfläche von entscheidender Bedeutung zu sein. Ferner ist die Regulation dieses Gleichgewichts ein Hauptfaktor für das Verständnis T-Zell-vermittelter Immunantworten in der Mukosa.Correspondence to:
Susetta Finotto, PhD, PD
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Verfügungsgebäude für Forschung
und Entwicklung
Universitätsklinikum Mainz
Obere Zahlbacher Straße 63
D-55131 Mainz
Übersicht
Neue H1-Antihistaminika im Vergleich
U. Borchard
Abstract
U. Borchard
Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
Neue H1-Antihistaminika wie Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin, Desloratadin, Fexofenadin und Mizolastin sind hochselektive H1-Rezeptorantagonisten und zeigen z.T. eine geringere sedierende Wirkung gegenüber den älteren Vertretern der Substanzklasse. Desloratadin besitzt die höchste Affinität zu den H1-Rezeptoren, eine vergleichsweise lange Verweildauer am H1-Rezeptor und eine starke Hemmwirkung auf den histamininduzierten Maximaleffekt (“insurmountable antagonism”). Die Unterdrückung von Enzündungsmediatoren, H1-Rezeptor-abhängig und -unabhängig, ist ein wesentlicher Bestandteil der therapeutisch nutzbaren Wirkungen und für die neueren H1-Antihistaminika unterschiedlich stark ausgeprägt. Die pharmakokinetischen Eigenschaften sind mitentscheidend für die Wirkdauer, die Dosierung bei Einschränkung der Eliminationsorgane und die Arzneimittelinteraktionen. Bei eingechränkter Nierenfunktion z.B. muß die Dosis von Cetirizin und Levocetirizin angepaßt werden. Bei der SAR und PAR sind die neueren H1-Antihistaminika mit Erfolg eingesetzt worden, wobei die antiobstruktive Wirkung von Desloratadin bei nasaler Obstruktion der von Loratadin, Fexofenadin und Cetirizin überlegen war. Die neuen H1-Antihistaminika sind nebenwirkungsarme und sichere Arzneistoffe. Müdigkeit ist eine von der Substanz abhängige seltene Nebenwirkung. Das Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil von Desloratadin rechtfertigt seine Zuordnung zu einer 3. Generation von Antihistaminika.Correspondence to:
Univ. Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. U. Borchard
Institut für Pharmakologie
und Klinische Pharmakologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstraße 5
D-40225 Düsseldorf
Positionspapier
Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis
T. Werfel, T. Fuchs, I. Reese, S. Erdmann, M. Henzgen, J. Kleine-Tebbe
Abstract
T. Werfel, T. Fuchs, I. Reese, S. Erdmann, M. Henzgen, J. Kleine-Tebbe,
Positionspapier der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI)
In dem vorliegenden Positionspapier der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der DGAI werden verschiedene Vorgehensweisen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis, atopisches Ekzem) diskutiert. Das Problem ist klinisch relevant, da viele Patienten vermuten, daß allergische Reaktionen gegen Nahrungsmittel Ekzeme auslösen oder verschlechtern können. Die Kunst besteht darin, die Patienten, die tatsächlich von einer Eliminationsdiät profitieren, zu identifizieren und gleichzeitig zu verhindern, daß zu häufig unnötige Diäten mit der Gefahr der Fehlernährung und der zusätzlichen emotionalen Belastung durchgeführt werden. Als Goldstandard in der Diagnostik nahrungsmittelabhängiger Reaktionen gilt die plazebokontrollierte, doppelblinde orale Provokation, da spezifisches IgE, Prick-Tests und anamnestische Angaben häufig nicht mit der Klinik korrelieren. Dieses gilt insbesondere für verzögert einsetzende Ekzemreaktionen. Das Instrument der diagnostischen Eliminationsdiät sollte vor einer oralen Provokation genutzt werden. Bei multiplen Sensibilisierungen besteht die Möglichkeit einer zeitlich befristeten oligoallergenen Basisdiät und anschließendem stufenweisen Kostaufbau. Bei gezieltem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie sollte die orale Provokation nach ebenso gezielter Eliminationsdiät durchgeführt werden. Aufgrund der sich zum Teil langsam entwickelnden Ekzemverschlechterungen wird empfohlen, eine repetitive Testung durchzuführen, wenn es am ersten Tag der oralen Provokation nicht zu einer klinischen Reaktion gekommen ist. Im Positionspapier werden verschiedene klinische Konstellationen diskutiert, die ein differenziertes Vorgehen bei Patienten mit atopischer Dermatitis ermöglichen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Werfel
Klinik und Poliklinik für
Dermatologie und Venerologie
Medizinische Hochschule Hannover
Ricklinger Straße 5
D-30449 Hannover