Jahrgang 25, No. 6/2002(Juni 2002)
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Allergologie
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Editorial
Fatale oder lebensbedrohende Nahrungsmittelallergien – Unsinnige Laborabklärungen
B. Wüthrich
Originalarbeit
Erdnußallergie auch in Deutschland ein Problem: Ergebnisse einer Stichprobenanalyse
U. Lepp, F. Schocker, M. Suhr, R. Fölster-Holst und W.-M. Becker
Abstract
U. Lepp1, F. Schocker1, M. Suhr1, R. Fölster-Holst2 und W.-M. Becker1
1Medizinische Klinik, Forschungszentrum Borstel, 2Universitätshautklinik Kiel
Über Auftreten und Häufigkeit von Erdnußallergien in Deutschland ist im Gegensatz zu den USA oder Großbritannien bisher nichts bekannt. Im Rahmen einer Untersuchung über “Nußallergien” waren 12 von 32 Patienten Erdnußallergiker, deren klinische Erscheinungsbilder erfragt wurde, außerdem wurden ergänzende serologische Untersuchungen durchgeführt. Die Patienten mit anamnestischer Erdnußallergie waren zwischen 12 und 43 Jahre alt. In Zusammenhang mit dem Verzehr von Erdnüssen schilderten 11 Patienten die klassischen Symptome eines OAS, 8 hatten Atemwegsprobleme, 9 Hauterkrankungen, 4 Diarrhöen. Schocksymptome traten anamnestisch bei 5 Patienten auf. Bei 9 der Betroffenen ließen sich zusätzlich Inhalationsallergien (8x Gräserpollen, 3x Baumpollen, 3x Hausstaubmilben) erfragen, 3 Probanden litten unter einer atopischen Dermatitis. Allergien gegen Sojabohne, die wie die Erdnuß zu den Leguminosen gehört, traten, trotz nachweisbaren IgE-Antikörpern in 9 Fällen, bei keinem, gegen Haselnüsse, die nicht verwandt mit den Erdnüssen sind, dagegen bei 9 der Befragten auf. 8 Patienten waren wegen der Erdnußallergie noch nie in allergologischer Behandlung, darunter auch 1 Patientin mit Schocksymptomen. Keiner der Erdnußallergiker hatte ein ausreichendes Notfall-Set, auch diejenigen nicht, die bereits ein Schockerlebnis gehabt hatten. Der Gesamt IgE-Wert betrug zwischen 3693 und 58 kU/l. Nur 1 Patient zeigte keine spezifischen IgE-Antikörper gegenüber Erdnuß, bei den anderen lagen diese im CAP-RAST zwischen den Klassen 2 und 6, ohne daß sich eine Korrelation zwischen der Serumkonzentration von spezifischem IgE und der Stärke der Symptome fand. In Immunoblot-Untersuchungen deutet sich an, daß das spezifische Patienten-IgE qualitativ mit einem breiten Bandenspektrum zwischen 10 und 90 kD reagiert, unabhängig vom Ausmaß der Symptomatik. Zusammenfassend gesagt, muß auch in Deutschland mit Erdnußallergien gerechnet werden. Weitere epidemiologische Studien zur Häufigkeit dieser Allergie sind notwendig.Correspondence to:
Dr. med. Ute Lepp
Medizinische Klinik
Forschungszentrum Borstel
Parkallee 35
D-23845 Borstel
Originalarbeit
Überlegungen zur klinischen Relevanz von kreuzreagierenden IgE-Antikörpern zwischen Hausstaubmilben, Mollusken und Krustazeen
B. Kütting und R. Brehler
Abstract
B. Kütting und R. Brehler
Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster
Einleitung: In der Literatur, insbesondere in Publikationen aus Frankreich und Italien ist wiederholt über eine Anaphylaxie nach Genuß von Mollusken und Krustazeen bei Patienten mit einer Hausstaubmilbensensibilisierung im Sinne des Mollusken-Krustazeen-Milbensyndroms berichtet worden. In unseren geographischen Breiten hat diese Milbenallergen-assoziierte Lebensmittelallergie bisher nur wenig Beachtung erfahren. Patienten: Bei 33 Patienten, die sich im vergangenen Winter in unserer allergologischen Ambulanz zur Abklärung und Therapie einer klinisch manifesten Typ-I-Allergie auf Hausstaubmilben vorstellten, untersuchten wir den potentiellen Stellenwert einer sekundären Nahrungsmittelallergie auf Mollusken und Krustazeen. Anhand eines Fragebogens wurden zunächst die Verzehrhäufigkeit und Verträglichkeit von Mollusken und Krustazeen ermittelt, Hauttestungen mit nativen Garnelen und Schnecken durchgeführt und allergenspezifische IgE-Bestimmungen gegen Schnecke, Garnele und Küchenschabe vorgenommen. Ergebnisse: Krabben oder Garnelen wurden insgesamt von 29 Patienten verzehrt, aber nur 2 Patienten berichteten über Unverträglichkeitsreaktionen nach Verzehr. Schnecken werden in unserer Region sehr viel seltener konsumiert, nur 1 Patient ißt regelmäßig Schnecken, 10 weitere Patienten nur sporadisch und 22 der Untersuchten dagegen nie. Unverträglichkeitsreaktionen nach Schneckengenuß wurden in unserem Patientenkollektiv nicht berichtet. Beide Patienten mit einer anamnestischen Unverträglichkeit von Garnelen zeigten positive Hauttestresultate, allergenspezifisches IgE ließ sich dagegen nur in einem Fall nachweisen. Schlußfolgerungen: Obwohl klinisch relevante Typ-I-Sensibilisierungen gegen wirbellose Tiere bei Milbenallergikern insgesamt selten sind, erachten wir dennoch eine Aufklärung der Patienten über diese Kreuzreaktivität als sinnvoll, wenn auch nicht so dringlich wie z.B. die Aufklärung über die Sellerieallergie bei Beifußpollenallergikern. Wir empfehlen, bei Patienten mit einer allergischen Reaktion auf wirbellose Tiere eine klinisch oder subklinisch verlaufende Milbenallergie auszuschließen, da die meisten Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen auf Kreuzreaktivität zwischen inhalativen Allergenen und Nahrungsmittelallergenen beruhen.Correspondence to:
Dr. med. B. Kütting
Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten
Universitätsklinikum Münster
Von-Esmarch-Straße 58
D-48149 Münster
Originalarbeit
Einfluß der spezifischen, subkutanen Immuntherapie mit Pollenextrakten auf die assoziierte Nahrungsmittelallergie. Eine retrospektive Analyse von 72 Patienten
K. Baumann, F. Roessler, G. Müllner, W.J. Pichler und A. Helbling
Abstract
K. Baumann1, F. Roessler2, G. Müllner3, W.J. Pichler1 und A. Helbling1
1Allergologisch-Immunologische Poliklinik, Klinik für Rheumatologie, Klinische Immunologie/Allergologie, Inselspital Bern, 2 Fachpraxis, St. Gallen, 3 Löwenpraxis, Luzern
Während die Effektivität der spezifischen Immuntherapie (SIT) bei der Pollenallergie als etabliert gilt, ist deren Wirkung auf die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie, speziell das orale Allergiesyndrom (OAS), weniger klar. Wir untersuchten in einer retrospektiven Studie den Erfolg der SIT mit Pollenextrakten auf das OAS. Zusätzlich suchten wir nach Parametern, die eine Prognose für die OAS-Veränderung bei Patienten mit SIT zulassen. 72 pollenallergische Patienten (39 männlich und 33 weiblich mit einem durchschnittlichen Alter von 32 Jahren) mit einem OAS, die sich im Mittel 2,0 Jahre einer SIT unterzogen, wurden mittels eines standardisierten Fragebogens befragt. Zur Kontrolle dienten 40 pollenallergische Patienten mit OAS ohne SIT (17 männlich und 23 weiblich mit einem durchschnittlichen Alter von 29 Jahren). 38 von den 72 SIT-behandelten Patienten (53%) gaben eine Besserung des OAS an; bei 23 (32%) blieb das OAS unverändert und bei 11 (15%) wurde eine Zunahme vermerkt, wobei vor allem Nüsse involviert waren. In der Kontrollgruppe realisierten nur 3 (8%) eine Besserung; 20 von ihnen (50%) beurteilten das OAS als unverändert und 17 (42%) verzeichneten sogar eine Zunahme. Zusammenfassend ergab die Untersuchung, daß mittels SIT ein assoziiertes OAS bei über der Hälfte der Patienten zum Verschwinden gebracht werden kann. Andererseits konnte in 15% der SIT-Behandelten eine Ausweitung des Nahrungsmittelspektrums, resp. der Symptomatologie, festgestellt werden. Günstig scheint das OAS auf eine SIT anzusprechen, wenn die Patienten älter als 20 Jahre sind, eine klinisch relevante Birkenpollenallergie haben und ein intensives OAS aufweisen. Mißerfolge beim OAS scheinen eher aufzutreten, wenn eine SIT gleichzeitig mit Birken- und Gräserpollen durchgeführt wird.Correspondence to:
PD Dr. med. A. Helbling
Allergologisch-Immunologische Poliklinik
Klinik für Rheumatologie,
Immunologie /Allergologie
Inselspital
CH-3010 Bern
Kasuistik
Status asthmaticus und Anaphylaxie bei hochgradiger Kuhmilchallergie. Schaf-, Ziegen- oder Stutenmilch als Alternative bei Milchproteinallergikern?
G. Senti, Ch. Leser, J.-M. Wal, H. Bernard und B. Wüthrich
Abstract
G. Senti1, Ch. Leser1, J.-M. Wal2, H. Bernard2 und B. Wüthrich1
1Allergiestation, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich, 2Institut National de la Recherche Agronomique (INRA), Laboratoire d’Immuno-Allergie Alimentaire, Gif sur Yvette
Bei einem 24-jährigen Patienten mit leichter Rhinokonjunktivitis und Asthma auf Hunde- und Pferdehaare löste der Genuß von Milch erstmals im 14. Lebensjahr Asthmasymptome, Urtikaria und generalisierten Juckreiz aus. Die selben Symptome traten seit diesem Zeitpunkt bei der Einnahme von Käse, Joghurt und auch schon kleinsten Mengen von Butter auf. Serologisch konnte eine hochgradige Sensibilisierung gegen Kasein (CAP Klasse 5, 68,2 kU/L) festgestellt werden. Die Pricktestung zeigte stark positive Soforttypreaktionen auf Kuhmilch und Käse. Da die Prick-zu-Prick-Testung mit Schafskäse keine Soforttypreaktion zeigte, wurde ein offener oraler Provokationstest mit 5 g durchgeführt. Es kam zu einer schweren anaphylaktischen Reaktion. Die weiterführenden Untersuchungen zeigten spezifische IgE, die vorwiegend mit der a1-Kaseinfraktion aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch reagierten. Dem Patienten wurde geraten, eine milch- und milchproduktfreie Diät unter Kalziumsubstitution einzuhalten. Die Maßnahmen umfaßten neben der Empfehlung der Allergenkarenz das Ausstatten des Patienten mit einem Allergiepaß und mit Notfallmedikamenten (Antihistaminika, orale Steroide, Adrenalin-Autoinjektor) für den Fall einer akzidentellen Ingestion. Es ist zu beachten, daß auch allergische Reaktionen gegen die Milch und Milchprodukte anderer Tierarten auftreten können. Bei diskrepantem Ergebnis der allergologischen Abklärungen ist unter kontrollierten Bedingungen die orale Provokationstestung diagnostisch und für die Eliminationsdiät wesentlich.Correspondence to:
Prof. Dr. med. B. Wüthrich
Allergiestation
Dermatologische Klinik
Universitätsspital Zürich
Gloriastraße 31
CH-8091 Zürich
Positionspapier
Stellenwert und Indikation der Bestimmung spezifischer IgE- und IgG-Antikörper in der Allergiediagnostik
A.J. Bircher, C. Hauser, W. Pichler, B. Wüthrich und die Fachkommission der SGAI
Abstract
A.J. Bircher, C. Hauser, W. Pichler, B. Wüthrich und die Fachkommission der SGAI
Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI)
Positionspapier
In-vitro-Diagnostik von Nahrungsmittel- Allergien
J. Kleine-Tebbe, T. Fuchs, U. Lepp, B. Niggemann, J. Saloga, I. Vieluf, S. Vieths, T. Werfel, T. Zuberbier und L. Jäger
Abstract
J. Kleine-Tebbe, T. Fuchs, U. Lepp, B. Niggemann, J. Saloga, I. Vieluf, S. Vieths, T. Werfel, T. Zuberbier und L. Jäger
Allergie-Zentrum Westend, Berlin
Measurement of allergen-specific IgE represents the most useful diagnostic in-vitro test in food allergy, usually being performed after case history and skin test. Hundreds of single allergens and combinations are offered by a number of manufacturers. Different allergens, detection and calibration methods lead to a lack of comparibility of test results, which can also differ substantially from case history, skin test and food challenge results. Cellular laboratory tests should be used for food allergy testing only in individual cases or scientific studies. Food allergens: Food proteins of higher stability (predominantly relevant in early infancy) do rarely cause problems in terms of IgE-testing. At present, use of defined proteins for routine diagnosis of allergen-specific IgE has no advantage compared to whole food allergens. Resulting from sensitizations to pollen allergens or natural rubber latex, IgE will be found to cross reactive, mostly labile allergens from various fruit, vegetable or plant species, being clinically relevant only in case of corresponding symptoms. This supports the recommendation of selected in-vitro testing, focussing on suspected foods. Indication for IgE-testing: Reasonable probability of food allergy, but no clear-cut evidence after case history and skin test; sensitization to foods not suitable for skin testing; severe reactions to foods; skin test or its interpretation not possible. Interpretation of in-vitro results: False positive or negative results due to inappropriate reagents or laboratory errors; clinically irrelevant results by strongly elevated total serum IgE, low cut-off levels or cross reactive allergens. Not suitable for diagnosis of food allergy: Allergen-specific IgG, cytotoxic food test, electroacupuncture, bioresonance. Unsolved problems: Optimized quality of reagents; calibration and comparability of results from different methods; serological cross reactivity. Future studies adressing clinical relevance of in-vitro results will help to improve diagnosis and interpretation of food allergy.Correspondence to:
PD Dr. J. Kleine-Tebbe
Allergie-Zentrum Westend
Spandauer Damm 130
D-14050 Berlin
Abstracts
5. Jenaer Mykologiesymposium “Neue und alte Aspekte in der mykologischen Diagnostik und Therapie” / Jena, 7. – 8. Juni 2002