Jahrgang 30, No. 1/2012(Januar/Februar)
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Verdauungskrankheiten
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Virushepatitis und NASH: aktuelle Diagnostik und Therapie
Editorial
E. Roeb
Abstract
Verdauungskrankheiten, Jahrgang 30, Nr. 1/2012, S. 1–2
Editorial
E. Roeb
Virushepatitis und NASH: aktuelle Diagnostik und Therapie
Okkulte Hepatitis-B-Infektionen
D. Glebe und W.H. Gerlich
Abstract
Verdauungskrankheiten, Jahrgang 30, Nr. 1/2012, S. 3–8
Okkulte Hepatitis-B-Infektionen
D. Glebe und W.H. Gerlich
Nationales Referenzzentrum für Hepatitis-B- und -D-Viren, Institut für Medizinische Virologie, Gießen
Bei Patienten mit serologischen Zeichen einer ausgeheilten Hepatitis-B-Virus(HBV)- Infektion kann manchmal auch nach Jahren eine intrahepatische HBV-Replikation vorliegen, die allerdings durch ein gesundes Immunsystem auf sehr niedrigem Niveau gehalten wird. Diese wird dann als okkulte HBV-Infektion (OBI) bezeichnet, wenn HBsAg serologisch nicht detektierbar ist. OBI bleibt häufig unentdeckt, da sie meist nicht mit einer messbaren Virämie verbunden ist. Etwas häufiger wird die Virämie bei Ko-Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) oder dem humanen Immundefizienz- Virus (HIV) nachweisbar. Spender mit einer OBI können HBV durch Blut- und besonders Leberspenden übertragen. Gefürchtet ist die Reaktivierung einer OBI unter Immunsuppression insbesondere des B-Zell-Arms. Nach Immun-Rekonstitution besteht dabei oft ein großes Risiko für fatales Leberversagen, sodass hier ein engmaschiges HBVScreening und bei Bedarf eine sofortige antivirale Therapie notwendig sind.Correspondence to:
PD. Dr. rer. nat. D. Glebe
Nationales Referenzzentrum für Hepatitis-B- und -D-Viren
Institut für Medizinische Virologie
Frankfurter Straße 107
D–35392 Gießen
Email: Dieter.Glebe@viro.med.uni-giessen.de
Virushepatitis und NASH: aktuelle Diagnostik und Therapie
Diagnostik und Therapie der Hepatitis Delta: neue Entwicklungen
B. Heidrich und H. Wedemeyer
Abstract
Verdauungskrankheiten, Jahrgang 30, Nr. 1/2012, S. 9–16
Diagnostik und Therapie der Hepatitis Delta: neue Entwicklungen
B. Heidrich1,2 und H. Wedemeyer1, 2
1Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und 2Integrated Research and Treatment Center Transplantation, Medizinische Hochschule Hannover
Die Hepatitis D-Virusinfektion ist die schwerwiegendste aller Virusinfektionen der Leber. Eine Infektion mit HDV, dem kleinsten bekannten humanpathogenen Virus mit nur 1.700 Basen, kann nur als Koinfektion mit dem Hepatitis B-Virus (HBV) erfolgen, da das Hepatitis D-Virus für eine erfolgreiche Infektion der Hepatozyten auf das Hüllprotein (HBsAg) des HBV angewiesen ist. Weltweit sind etwa 15 – 20 Millionen Menschen zusätzlich mit HDV infiziert. Das Virus wurde von Mario Rizzetto erstmals 1977 entdeckt. Er konnte ein neues Antigen bei Patienten identifizieren, die unter einer schweren Form der chronischen Hepatitis B litten. In den folgenden Jahren stellte sich heraus, dass das sogenannte Delta-Antigen Teil eines bisher unbekannten Virus, dem Hepatitis DVirus, ist. Eine Infektion mit HDV kann nur auf zwei Arten erfolgen: Entweder als Simultaninfektion von HBV und HDV oder aber als Superinfektion, das heißt ein HBsAg-Träger infiziert sich im Verlauf zusätzlich mit HDV. Eine Simultaninfektion findet äußerst selten statt. Zudem ist eine Differenzierung häufig nicht möglich. Eine erfolgreiche HBV-Impfung verhindert auch eine HDV-Infektion und stellt somit den sichersten Schutz vor einer möglichen Infektion dar. Weiterhin ist eine sexuelle Übertragung möglich. Die bisher einzige wirksame Therapie der Hepatitis Delta ist die Gabe von (pegyliertem) Interferon alpha, was in 25 – 30% der Fälle zu einer Ausheilung der HDV führt. Neue Therapieoptionen können sogenannte Prenylierungsinhibitoren oder HBV-Eintrittshemmer darstellen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H. Wedemeyer
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D–30625 Hannover
Email: Wedemeyer.Heiner@mh-hannover.de
Virushepatitis und NASH: aktuelle Diagnostik und Therapie
Hepatitis E – krank à la carte?
B. Grummer
Abstract
Verdauungskrankheiten, Jahrgang 30, Nr. 1/2012, S. 17–23
Hepatitis E – krank à la carte?
B. Grummer
Institut für Virologie, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Die Hepatitis E ist eine der häufigsten Ursachen einer fäkal-oral übertragenen infektiösen Leberentzündung beim Menschen. Der Erreger, das Hepatitis-E-Virus (HEV), kommt hauptsächlich in Asien, Nord-, Ostund Westafrika, im Nahen Osten und Lateinamerika vor. Betroffen in diesen Gebieten sind vorwiegend junge Erwachsene. Die Mortalitätsrate liegt bei etwa 2%, kann bei schwangeren Frauen aber auf bis zu 25% ansteigen. In Deutschland und anderen westlichen Industrienationen trat Hepatitis E bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich bei Personen mit entsprechender Reisehistorie auf. Mit Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten und steigenden Untersuchungen wurden jedoch immer häufiger autochthone Hepatitis-E-Erkrankungen nachgewiesen. Zudem findet man in Industrieländern eine relativ hohe Seroprävalenz von 1 – 5%, was in deutlichem Widerspruch zum nur sporadischen Auftreten der akuten HEV-Infektion steht. Ursächlich hierfür wurde ein Tierreservoir angenommen und das Virus erfolgreich im Schwein nachgewiesen. Porzine HEV-Stämme weisen große genetische Verwandtschaft mit humanen HEV-Stämmen auf, was den Verdacht auf ein zoonotisches Potenzial des HEV erhärtete. Erfolgreich verlaufende Experimente zur Inter-SpeziesÜbertragung lieferten schließlich den Beweis. Aber auch die Tatsache, dass Berufsgruppen mit engem Kontakt zu Schweinen ein erhöhtes Risiko für HEV-Infektionen besitzen und immer wieder Erkrankungsfälle nach Verzehr von nicht durchgegartem Wildschwein- Fleisch beobachtet werden, verdeutlichen das zoonotische Infektionsrisiko durch HEV. In Deutschland und anderen europäischen Ländern ist ein hoher Prozentsatz der Haus- und Wildschweine mit HEV infiziert. Ob es sich bei der Hepatitis-E-Infektion ausschließlich um eine lebensmittelbedingte Zoonose handelt oder ob auch andere Übertragungsmöglichkeiten eine Rolle spielen, bedarf weiterer intensiver Untersuchungen.Correspondence to:
Apl. Prof. Dr. vet. Beatrice Grummer
Institut für Virologie
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Bünteweg 2
D–30559 Hannover
Email: beatrice.grummer@tiho-hannover.de
Virushepatitis und NASH: aktuelle Diagnostik und Therapie
Triple-Therapie der Hepatitis C mit Boceprevir und Telaprevir
M.D. Schneider und C. Sarrazin
Abstract
Verdauungskrankheiten, Jahrgang 30, Nr. 1/2012, S. 24–35
Triple-Therapie der Hepatitis C mit Boceprevir und Telaprevir
M.D. Schneider und C. Sarrazin
Medizinische Klinik 1, Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main
Die chronische Hepatitis-C-Virus(HCV)- Infektion stellt insbesondere beim HCV-Genotyp 1 aufgrund langer Therapiedauern, zahlreicher Nebenwirkungen und begrenzter Ansprechraten eine therapeutische Herausforderung dar. Unter der bisherigen dualen Kombinationstherapie mit pegyliertem Interferon alfa (PEG-IFN) und Ribavirin liegen die Chancen auf ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR) bei 40 – 50%. Aktuell wurden zwei NS3/4A-Protease-Inhibitoren, Boceprevir und Telaprevir, als erste direkt antivirale Substanzen, die in den Replikationszyklus des Virus eingreifen, in Kombination mit PEG-IFN und Ribavirin (Triple-Therapie) bei Patienten mit HCVGenotyp- 1-Infektion zugelassen. In den Zulassungsstudien wurden signifikante Steigerungen der SVR-Raten erreicht, sodass in der Ersttherapie 63 – 75% und in der Re-Therapie 59 – 65% der Patienten im Vergleich zu 38 – 44% und 17 – 21% in der Kontrollgruppe (PEG-IFN + Ribavirin) einen SVR erreichten. Allerdings sind trotz dieser wesentlichen Verbesserung die virologischen Ansprechraten bei vortherapierten Patienten mit sogenanntem Null-Response mit ca. 30% weiterhin unbefriedigend und es fehlen bisher Erfahrungen zum Einsatz der Triple- Therapie bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose, bei HIV-Koinfektion oder nach Lebertransplantation. Zusätzliche Probleme entstehen durch komplexe Therapiealgorithmen, mögliche, durch Telaprevir und Boceprevir induzierte schwere Medikamenteninteraktionen sowie durch zusätzliche Nebenwirkungen wie eine verstärkte Anämie (Boceprevir, Telaprevir) oder Hautausschläge (Telaprevir). Zahlreiche aktuell in der Entwicklung befindliche direkt antiviral wirksame Substanzen werden das Spektrum und die Effektivität der antiviralen Therapie der HCV-Infektion in den kommenden Jahren erweitern.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Sarrazin
Medizinische Klinik 1
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
D–60590 Frankfurt am Main
Email: sarrazin@em.uni-frankfurt.de
Virushepatitis und NASH: aktuelle Diagnostik und Therapie
Nichtalkoholische Fettleberhepatitis (NASH) – die leise Epidemie
A.-C. Kirchner und E. Roeb
Abstract
Verdauungskrankheiten, Jahrgang 30, Nr. 1/2012, S. 36–44
Nichtalkoholische Fettleberhepatitis (NASH) – die leise Epidemie
A.-C. Kirchner und E. Roeb
Schwerpunkt Gastroenterologie, Zentrum für Innere Medizin, Justus-Liebig-Universität, Gießen
Die nichtalkoholische Fettleberhepatitis (NASH) ist eine Erkrankung, deren Bedeutung erst in den letzten Jahren zunehmend in das Bewusstsein von Ärzten und Patienten gelangt ist. Wir haben sie als „leise Epidemie“ bezeichnet, da sie sich langsam und symptomarm entwickelt und eine hohe und steigende Prävalenz vorliegt. In der Mehrzahl der Fälle bestehen keine oder nur geringe klinische Symptome wie Müdigkeit, Schlappheit und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Bei 90% der Patienten sind die Transaminasen erhöht. Das histologische Bild entspricht der alkoholischen Fettleberhepatitis. Bei der ASH kommt es wesentlich häufiger zur Entwicklung einer Leberzirrhose als bei der NASH. NASH ist bei Männern etwas häufiger. Das Haupterkrankungsalter liegt zwischen 40 und 60 Jahren. Bisher konnte die Ätiologie nicht vollständig geklärt werden, jedoch liegt eine häufige Assoziation mit dem metabolischen Syndrom vor, auch einige Medikamente, parenterale Ernährung und abdominelle chirurgische Eingriffe können ursächlich sein. Die Pathogenese ist noch nicht vollständig geklärt. Man nimmt eine periphere Insulinresistenz als Ursache der Leberverfettung an und geht von einem Fortschreiten der Leberzellschädigung durch oxidativen Stress aus. Diagnostisch sind Anamnese und Leberbiopsie von großer Bedeutung. Zur Evaluation der Notwendigkeit einer histologischen Sicherung muss eine körperliche Untersuchung auf Zeichen einer chronischen Lebererkrankung oder einer ausgeprägten Adipositas, eine Laborkontrolle (insbesondere Blutbild, Gerinnung und Transaminasen) sowie eine Abdomensonografie mit der Frage nach einer Steatosis hepatis oder einer Splenomegalie erfolgen. Bildgebende Verfahren sind nicht ausreichend zur Diagnosestellung einer NASH geeignet, sie können eine histologische Sicherung nicht ersetzen. Einzig die transiente hepatische Elastografie (FibroScan) ist zur Verlaufskontrolle geeignet, da durch sie eine fortgeschrittene Fibrose entdeckt und zwischen Fibrose und Zirrhose unterschieden werden kann. Differenzialdiagnostisch kommen neben der ASH auch viele andere chronische Lebererkrankungen infrage. Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität sind bisher die einzigen erwiesenen Maßnahmen zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufes der NASH. Das Ziel einiger aktueller Studien ist es, eine effektive medikamentöse Therapie dieser Erkrankung zu entwickeln, auch hier liegen die Ansätze in der Beeinflussung des metabolischen Syndroms. Für Metformin, Losartan und Atorvastatin sowie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E konnte ein gewisser Nutzen gezeigt werden, diese vorläufigen Ergebnisse müssen jedoch durch weitere Studien erhärtet werden. Patienten mit NASH haben eine erhöhte Mortalität im Vergleich zur Normalbevölkerung und entwickeln in 3 – 26% eine Leberzirrhose mit erhöhtem Risiko für ein HCC; aus diesem Grund sollte eine adäquate Therapie sowie eine regelmäßige halbjährliche hepatologische Vorstellung zur Verlaufskontrolle erfolgen.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. med. Elke Roeb
Schwerpunkt Gastroenterologie
Zentrum für Innere Medizin
Justus-Liebig-Universität
Klinikstraße 33
D–35385 Gießen
Email: elke.roeb@innere.med.uni-giessen.de