Jahrgang 26, No. 1/2008(Januar / Februar 2008)
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Verdauungskrankheiten
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Nuklearmedizin und Verdauungskrankheiten I
Editorial
H.-J. Biersack
Abstract
H.-J. Biersack
Bonn
In Deutschland, Österreich und der Schweiz lagen die Wurzeln der Nuklearmedizin – neben der Radiologie – in besonderem Maße in der Inneren Medizin. Gerade gastroenterologische, historische Verfahren wie Eiweißverlust-Syndrom, Erythrozyten-Lebenszeit und -Abbauort, Leber-Milz-Szintigraphie zeigen, dass auch die Verdauungskrankheiten eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des Fachs gespielt haben. Viele der alten kinetischen Radionuklid-Untersuchungen werden heute nicht mehr eingesetzt, und auch Ultraschall, CT und MRT haben vielfach Verfahren unter Einsatz von Radioisotopen verdrängt.
Dennoch haben insbesondere drei Verfahren ihren Stellenwert behalten oder ausgebaut, nämlich die PET-CT in der gastroenterologischen Onkologie (empfindliches Verfahren zum Nachweis von Lebermetastasen kolorektaler Karzinome), in neuerer Zeit die Sirtex-Behandlung von Lebermetastasen und Motilitätsuntersuchungen. Weitere Verfahren werden gelegentlich zu selten eingesetzt, da im zur Verfügung stehenden diagnostischen Spektrum nur selten an sie gedacht wird.
Wenn die Leberfunktionsszintigraphie in den USA insbesondere auch in der Differentialdiagnose Pankreatitis/Cholecystitis weiter eine große Rolle spielt, wird sie in Deutschland im Wesentlichen zur Diagnose der Fokal-nodulären Hyperplasie eingesetzt. Dabei ist die Leberfunktionsszintigraphie – abgesehen vom Cholangio-MRT – das einzige Verfahren, das es erlaubt, den Gallenfluss in den erweiterten Gallengängen zu beurteilen.
Die Blutungsquellen-Szintigraphie erlaubt die kontinuierliche Untersuchung bei intermittierender Blutung. Sie kann zudem die Angiographie erleichtern, da das Verfahren auch den Weg zu einer der den Darm versorgenden Arterie weisen kann, so dass nicht alle Gefäße sondiert werden müssen. Entzündliche Erkrankungen des Dünndarms sind zwar durch radiologische und endoskopische Verfahren zu erfassen, wobei die Kapselendoskopie neue Wege aufzuzeigen scheint, dennoch kann auch das szintigraphische Verfahren mit radioaktiv markierten Leukozyten häufig diagnostisch wichtige Hinweise liefern.
Wir danken Herausgebern und Redaktion für die Möglichkeit, nuklearmedizinische Verfahren in der Gastroenterologie darzulegen und hoffen, dass weiterhin viel Gebrauch von Untersuchungsverfahren mit Radioisotopen gemacht wird. Die Strahlenexposition ist gering, und der diagnostische Nutzen dürfte in der Regel deutlich diesen “Nachteil” ausgleichen.
Nuklearmedizin und Verdauungskrankheiten I
Leberfunktionsszintigrafie mit 99mTc-markierten Iminodiazetat-Derivaten
J. Bucerius und H.-J. Biersack
Abstract
J. Bucerius und H.-J. Biersack
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universität Bonn
Trotz immer weiter fortschreitender Verbesserung der morphologischen hepatobiliären Bildgebung, wie zum Beispiel CT und MRT, haben nicht invasive funktionelle Verfahren wie die Leberfunktions(Chole-)szintigrafie mit 99mTc-Iminodiazetat(IDA-)Derivaten nach wie vor einen unbestrittenen Stellenwert im Rahmen der diagnostischen Kaskade verschiedener hepatobiliärer Erkrankungen. Sie ist zur Diagnostik verschiedener akuter und/oder chronischer hepatobiliärer Erkrankungen indiziert. Neben dem Indikationsgebiet der hepatischen Raumforderungen, wie zum Beispiel einer fokalen nodulären Hyperplasie (FNH) oder einem Leberadenom, liegen weitere Indikationen zur Durchführung einer hepatobiliären Funktionsszintigrafie zum einen in der Abklärung einer akuten Cholezystitis, andererseits aber auch zur Darstellung physiologischer Informationen über den Gallefluss bei Patienten mit Verdacht auf Gallengangsobstruktionen oder -lecks. Die dynamische Leberfunktionsszintigrafie wird zur Abklärung des Blutflusses zur Leber, der hepatischen Extraktionsleistung, der biliären Exkretion, der Durchgängigkeit der Gallengänge und der Gallenblasenkontraktion eingesetzt und liefert hierbei wichtige diagnostische Informationen. Im Rahmen dieser Übersichtsarbeit soll, neben einigen methodischen Aspekten dieses nuklearmedizinischen Verfahrens, auf die häufigsten Indikationsstellungen der Leberfunktionsszintigrafie eingegangen werden.Correspondence to:
Dr. med. J. Bucerius
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D–53105 Bonn
Email: jan.bucerius@ukb.uni-bonn.de
Nuklearmedizin und Verdauungskrankheiten I
Szintigrafische Untersuchung der Ösophagusmotilität
K. Tatsch und R. Linke
Abstract
K. Tatsch und R. Linke
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Klinikum der Universität München-Großhadern
Bei der Ösophagusfunktionsszintigrafie handelt es sich um ein einfach durchzuführendes, nicht invasives, quantifizierendes Verfahren zur Objektivierung einer Störung der Boluspassage durch die Speiseröhre. Die Methode dient primär der Diagnostik von Motilitätsstörungen des tubulären Ösophagusabschnitts. Die vorliegende Übersicht informiert nach einem kurzen historischen Abriss über die Durchführung, Auswertung und Interpretation szintigrafischer Untersuchungen des Bolustransits, wobei die Grundzüge der visuellen Interpretation von Passagebildern ebenso zur Sprache kommen wie die Möglichkeiten der quantitativen Auswertung. Über Hauptlokalisation, Ausdehnung und Schweregrad einer Passagestörung werden typische Befundmuster generiert, die eine weiterführende art- und differenzialdiagnostische Einordnung von Motilitätsstörungen zulassen. Nach Darlegung der aktuellen Indikationen für die Ösophagusfunktionsszintigrafie wird eine kritische Wertung der Methode gegenüber Alternativen vorgenommen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Tatsch
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
Klinikum der Universität München-Großhadern
Marchioninistraße 15
D–81377 München
Email: Klaus.Tatsch@med.uni-muenchen.de
Nuklearmedizin und Verdauungskrankheiten I
Nuklearmedizinische Diagnostik der Magenfunktion
R. Linke und K. Tatsch
Abstract
R. Linke1 und K. Tatsch2
1Nuklearmedizinische Klinik mit Poliklinik, Friedrich-Alexander-Universität, Erlangen,
2Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Klinikum der Universität München-Großhadern
Proximaler und distaler Magen haben funktionell unterschiedliche Aufgaben. Während der proximale Magen die Nahrung vorübergehend speichert und über die Generierung eines gastroduodenalen Druckgefälles eine fraktionierte Entleerung in den Dünndarm bewirkt, dient die Peristaltik des distalen Magens der Durchmischung und Zerkleinerung des Speisebreis. Eine komplexe hormonelle, humorale und nervale Regulation dieser ineinandergreifenden Funktionen ermöglicht eine regelrechte Magenentleerung. Störungen der Magenmotilität können Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, epigastrische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Als Ursachen für eine Magenfunktionsstörung kommen Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus), Kollagenosen, Gastritiden, Tumoren, Operationen, aber auch funktionelle Krankheitsbilder und Nebenwirkungen von Medikamenten in Betracht. Für eine differenzial- und artdiagnostische Beurteilung der Funktionsstörung sollten Kenntnisse über die Magenentleerung und die peristaltische Aktivität des Magens vorliegen. Mit der Magenfunktionsszintigrafie können die entsprechenden Daten einfach und schnell erfasst werden. Untersuchungen mit radioaktiv markierten Testspeisen sind physiologisch und nicht invasiv. Die Standardauswertung der Magenentleerung mittels Zeit-Aktivitätskurven gibt Aufschluss darüber, ob eine regelrechte, beschleunigte oder verzögerte Magenentleerung vorliegt. Durch eine zusätzliche Bearbeitung der dynamischen Aufnahmesequenzen und eine anschließende Fourier-Analyse können Amplitude und Frequenz der Magenkontraktionen ermittelt werden. Je nach zugrunde liegender Erkrankung bzw. Störung finden sich typische Befundkombinationen, die eine differenzial- und artdiagnostische Einordnung ermöglichen.Correspondence to:
PD Dr. med. R. Linke
Nuklearmedizinische Klinik mit Poliklinik
Friedrich-Alexander-Universität
Krankenhausstraße 12
D–91054 Erlangen
Email: rainer.linke@uk-erlangen.de
Nuklearmedizin und Verdauungskrankheiten I
Szintigrafie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
K. Biermann und H.-J. Biersack
Abstract
K. Biermann und H.-J. Biersack
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Bonn
Mehrere diagnostische Verfahren dienen dem Nachweis, der differenzialdiagnostischen Abklärung sowie der Beurteilung der Erkrankungsaktivität von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Eine koloskopische oder radiologische Abklärung mittels Kontrastmittel ist bei Vorliegen eines akuten Schubes schwierig oder sogar kontraindiziert. Die Entzündungsszintigrafie kann dann einen entzündlichen Prozess im Gastrointestinaltrakt sicher nachweisen und auch differenzialdiagnostisch die Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ermöglichen. Weitere Indikationen liegen in der Klärung der Ätiologie einer Darmentzündung allgemein und der Abschätzung der Krankheitsaktivität einer vorliegenden chronisch-entzündlichen Erkrankung. Insbesondere bei Prozessen im Dünndarm ist eine Endoskopie praktisch nicht möglich. Auch die Untersuchung mittels Videokapselendoskopie wird derzeit noch nicht in großem Umfang bei dieser Fragestellung eingesetzt. Die Szintigrafie stellt daher auch heute noch ein Verfahren dar, welches insbesondere in diesem Darmabschnitt einzusetzen ist. In der Regel werden autologe Leukozyten des Patienten mit Tc-99m-HMPAO in vitro markiert und dann reinjiziert. Die In-vivo-Markierung mit Antikörpern ist in der Durchführung zwar einfacher, die Sensitivität gegenüber in-vitro-markierten autologen Leukozyten wird jedoch als geringer beschrieben. Bildakquisitionen erfolgen Minuten bis Stunden nach der i.v. Injektion des Radionuklids, wobei die Auswertung zu verschiedenen Untersuchungszeitpunkten bei der Unterscheidung zwischen unspezifischer und spezifischer, das heißt entzündlich bedingter Anreicherung des Radionuklids hilft. Bei relativ niedriger Spezifität der Entzündungsszintigrafie ist die Sensitivität zum Nachweis einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung allgemein sowie für den Erkrankungsnachweis in einem bestimmten Darmabschnitt hoch. Zukünftig vielversprechend ist einerseits die Verwendung der SPECT/CT zur genaueren Lokalisationsdiagnostik und andererseits die Anwendung der F-18-FDG-PET sowie von radioaktiv markierten Zytokinen.Correspondence to:
Dr. med. K. Biermann
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
Universitätsklinik Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D–53105 Bonn
Email: Kim.Biermann@ukb.uni-bonn.de
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