Jahrgang 25, No. 1/2007(Januar / Februar 2007)
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Verdauungskrankheiten
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Dünndarmdiagnostik I
Editorial: Dünndarmdiagnostik
H. Bosseckert, Jena
Abstract
H. Bosseckert, Jena
Der Dünndarm ist im Verdauungsprozess nicht nur wegen seiner absorptiven, sondern auch wegen seiner digestiven Funktionen das Schlüsselorgan. Außerdem spielt er auch als eines der größten immunologisch aktiven Organe unseres Körpers eine entscheidende Rolle im Abwehrsystem gegen nicht körpereigene Substanzen.
So verwundert es nicht, dass Transplantationen des Dünndarms im Hinblick auf die Annahme des Spenderorgans durch den Rezipienten nach wie vor mit den größten Problemen von Organtransplantationen verbunden sind.
Wegen seiner durch instrumentelle Techniken schwer erreichbaren Lage und seines gewundenen Verlaufs standen über Jahrzehnte die Dünndarmfunktionsprüfungen und die Röntgenkontrastbreidarstellung im Vordergrund der diagnostischen Maßnahmen.
Schließlich, mit Einführung der Glasfaser- bzw. elektronischen Endoskope, gelang eine Besichtigung der Dünndarmoberfläche bis etwa zur dritten Jejunumschlinge (Push-Enteroskopie) und des terminalen Ileums (Ileokoloskopie), da sich die totale Enteroskopie mit der Sondentechnik wegen verschiedener Nachteile nicht durchsetzen konnte.
Durch Einführung der Kapselendoskopie (PillCam-SB-Kapsel) 2001 wurde die bildliche Darstellung der Dünndarmoberfläche revolutioniert. Auf nichtinvasive Weise war es nun möglich, den gesamten Dünndarm abzubilden.
Kurze Zeit später kam in der Dünndarmdiagnostik die Doppelballontechnik der Endoskopie hinzu. Es war nun auf peroralem und peranalem Weg möglich, den gesamten Dünndarm über ein elektronisches Endoskop in Kombination mit einem “Overtube” zu inspizieren und gleichzeitig interventionell tätig zu werden.
Trotz dieser enormen Fortschritte, die einen wesentlichen Stimulus für das nunmehr verstärkte Interesse am “Dünndarm” darstellten, stehen auch heute noch Anamnese und klinischer Befund am Anfang der diagnostischen Bemühungen zur Abklärung von Dünndarmerkrankungen. Dazu kommen die Funktionstests, die Hinweise auf die erkrankte Dünndarmregion (Jejunum oder Ileum) geben können.
Aber auch die röntgenologischen Untersuchungsverfahren, inbegriffen CT und MRT, sowie die kontrastverstärkte Ultraschalldiagnostik mit “High-End-Geräten” beanspruchen für sich bestimmte Indikationen ihres Einsatzes.
Das vorliegende Heft soll eine Hilfe bei der richtigen Einordnung der vielfältigen neuen Untersuchungsverfahren in der Dünndarmdiagnostik geben, um mit möglichst wenig Aufwand und geringer Belästigung des Patienten zu einer schnellen und damit rechtzeitigen Diagnose zu kommen.
Correspondence to:
Prof. em. Dr. med. H. Bosseckert
Arzt für Innere Medizin, ehemaliger Direktor der Klinik für Innere Medizin I
Gastroenterologie – Hepatologie – Infektiologie
Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität
Ricarda-Huch-Weg 43
D-07743 Jena
Email: h.bosseck@web.de
Dünndarmdiagnostik I
Wegweisende histologische Befunde bei Dünndarmerkrankungen
A. Tannapfel
Abstract
A. Tannapfel
Institut für Pathologie, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum
Die wichtigsten histopathologischen Befunde bei Dünndarmerkrankungen sind Entzündungen, Durchblutungsstörungen und Tumoren. Ischämien sind auf reduzierte mesenteriale Sauerstoffzufuhr durch Embolien, arterielle Thrombosen, non-okklusive (low flow) Ischämien und Mesenterialvenenthrombosen zurückzuführen. Die infektiöse Enteritis des Dünndarms wird von den gleichen Keimen ausgelöst, die auch das Kolon betreffen können. Insbesondere Yersiniosen, Viren sowie Histoplasma-Spezies werden im Dünndarm gefunden und können unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen im Sinne eines Morbus Crohn imitieren. Eine große Gruppe der entzündlichen Dünndarmerkrankungen wird durch die Gabe von nicht-steroidalen Antiphlogistika ausgelöst. NSAIDs können Ulzerationen oder Strikturen, sogenannte Diaphragmen, auslösen, bis hin zur Perforation. Der Morbus Crohn befällt den Dünndarm mit typischen histologischen Zeichen, wobei glanduläre Destruktionen, aphtöse Erosionen, Ulzerationen und transmurale Inflammation mit Fibrosen, Granulomen und Fisteln vorkommen. Generell ist die entzündliche Infiltration bei Morbus Crohn ausgeprägter und auch tiefergehend als bei NSAID-Läsionen. Im rechtsseitigen Kolon und insbesondere auch terminalen Ileum spielt die Yersinien-Infektion eine Rolle. Die glutensensitive Enteropathie kann durch Zottenatrophie, Kryptenhyperplasie und intraepitheliale T-Lymphozyten bioptisch gesichert werden. Maligne Tumoren sind generell im Dünndarm selten, es finden sich neben Adenokarzinomen Karzinoide, Lymphome oder auch gastrointestinale Stromatumoren (GIST).Correspondence to:
Prof. Dr. med. A. Tannapfel
Institut für Pathologie
Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil
Ruhr-Universität Bochum
Bürkle-de-la-Camp Platz 1
D–44789 Bochum
Email: Andrea.Tannapfel@rub.de
Dünndarmdiagnostik I
Symptomatologie von Dünndarmerkrankungen
C.A. Benz
Abstract
C.A. Benz
Medizinische Klinik, Evangelisches Krankenhaus Köln-Weyertal
Dünndarmerkrankungen äußern sich klinisch in den allermeisten Fällen durch unspezifische, nicht richtungweisende Symptome, nämlich Zeichen der gastrointestinalen Blutung (Meläna oder Hämatochezie), abdominelle Beschwerden bis hin zum Ileus oder akuten Abdomen, chronische Diarrhö oder dem klinischen Bild einer Malabsorption. Aufgrund der klinischen Symptomatik gelingt es daher in den meisten Fällen nicht, primär Rückschlüsse auf zugrunde liegende Dünndarmerkrankungen zu ziehen, zumal diese insgesamt selten sind. Eine auf den Dünndarm fokussierte Diagnostik erfolgt daher in der Regel erst nach Ausschluss häufigerer Erkrankungen im oberen oder unteren Gastrointestinaltrakt. Dies gilt im besonderen Maße für die Blutung aus dem Dünndarm (sogenannte mittlere intestinale Blutung), deren Diagnostik unabhängig von der klinischen Symptomatologie (obskure Blutung nur mit Eisenmangelanämie, klinisch relevante Blutung mit Meläna oder Hämatochezie) obligat erst nach Ausschluss häufiger gastrointestinaler Blutungsquellen mittels bidirektionaler Endoskopie zu erfolgen hat. Dabei hat die symptomorientiert anzuwendende endoskopische Dünndarmdiagnostik mit der Kapsel- und Doppelballon-Enteroskopie in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und die bisher übliche Push-Enteroskopie weitgehend verdrängt.Correspondence to:
Dr. med. C.A. Benz
Medizinische Klinik
Evangelisches Krankenhaus Köln-Weyertal
Weyertal 76
D–50931 Köln
Email: Claus.Benz@evk-koeln.de
Dünndarmdiagnostik I
Funktionstests bei Verdacht auf Dünndarmkrankheiten
W.F. Caspary und J. Stein
Abstract
W.F. Caspary und J. Stein
Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt/Main
Eigenständige Krankheiten des Dünndarms wie auch Zustände nach operativen Eingriffen am oberen Gastrointestinaltrakt wie auch am Dünndarm können vielfältige Auswirkungen auf digestive und resorptive Funktionen haben und in Durchfällen mit oder ohne Malassimilation münden. Da die klinische Symptomatik vorwiegend aus Störungen dieser Partialfunktionen resultiert, prüfen Dünndarmfunktionstests Partialfunktionen des Darms und leisten einen diagnostischen und differenzialdiagnostischen Beitrag über Vorliegen, Lokalisation und Schweregrad dieser Störungen. Hierzu bieten sich die nachfolgenden Untersuchungsverfahren an, die teils entscheidend an die Mitarbeit des Patienten gebunden sind: einfache Stuhluntersuchungen, mit geringem Aufwand durchführbar: Makroskopische Beurteilung von Form, Farbe, Konsistenz, Volumen, Oberflächenbeschaffenheit und Gewicht des Stuhls; Metaboliten- und Enzymbestimmungen im Stuhl; Bilanzuntersuchungen (z.B. Fettbilanz); Resorptions- (Toleranz-) Tests; Atemtests.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W.F. Caspary
Medizinische Klinik I
Universitätsklinikum Frankfurt/Main
Theodor-Stern-Kai 7
D–60590 Frankfurt/Main
Email: w.f.caspary@em.uni-frankfurt.de
Dünndarmdiagnostik I
Die Bedeutung der Sonografie in der Diagnostik von Dünndarmerkrankungen
H. Worlicek und J. Benninger
Abstract
H. Worlicek und J. Benninger
Internistische Praxis Sternbergstraße, Regensburg
Die Sonografie des Dünndarms ist in der Hand erfahrener Untersucher und bei Einsatz geeigneter Gerätetechnik ein etabliertes Untersuchungsverfahren. Der Einsatz ist initial immer dann indiziert, wenn aufgrund der Symptomatik die Möglichkeit einer intestinalen Erkrankung besteht oder bei unklaren abdominellen Beschwerden als gezielte Untersuchung nach ergebnisloser Durchführung von Routine-Sonografie, Gastroskopie und Koloskopie vor radiologischer Dünndarmdiagnostik, Kapsel-Endoskopie und Doppelballon-Enteroskopie. Das Verfahren ist geeignet zum Nachweis und zur Verlaufskontrolle von Erkrankungen, die mit einer langstreckigen oder umschriebenen Verdickung der Wand des Dünndarms einhergehen. Die Wandverdickung ist das wichtigste pathomorphologische Substrat für die sonografische Detektion zahlreicher intestinaler Erkrankungen. Des Weiteren werden pathologische Füllungszustände des Dünndarms, zum Beispiel bei Subileus und Ileus, erfasst. Klinisch relevante Diagnosen sind Morbus Crohn, ischämische Enteritis, intramurales Hämatom, Invagination, Peritonealkarzinose, Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), Karzinoid und Karzinom sowie Komplikationen der Dünndarmerkrankungen, insbesondere des Morbus Crohn.Correspondence to:
Dr. med. H. Worlicek
Internistische Praxis Sternbergstraße
Sternbergstraße 8
D–93047 Regensburg
Email: worlicek@gastroenterologie-sternbergstr.de
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