Jahrgang 24, No. 2/2006(März / April 2006)
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Verdauungskrankheiten
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Laudatio
Laudatio für Prof. Dr. med. habil. Hans Bosseckert anläßlich seines 70. Geburtstages
G. Machnik, Jena, M. Classen, München, und W.B. Storch, Weinheim
Abstract
G. Machnik, Jena, M. Classen, München, und W.B. Storch, Weinheim
Wenn auch sein 70. Geburtstag veranlaßt, den Jubilar zu ehren, so heben sich unter den sicherlich vielen, hier zu nennenden Gründen jene heraus, die die Nachhaltigkeit seines Wirkens und seiner Leistungen betreffen.
Für Hans Bosseckert, der am 22. April 2006 das 7. Dezennium vollendet, sind diese Gründe überzeugend gegeben. Sie resultieren aus seinem ebenso vielseitigen wie wegweisenden Schaffen und reichen unübersehbar über sein vollberufliches Arbeitsleben hinaus.
Hier sind besonders zwei Handlungsmaximen zu nennen. Sie beziehen sich zum einen auf einen konkreten inhaltlichen Aspekt der internistischen Fachentwicklung, nämlich die gastroenterologische Spezialisierung, und zum anderen auf die durch die Teilung Deutschlands bedingte Abgrenzung zwischen Ost und West. Von beiden Aufgaben- und Problemfeldern sah sich Hans Bosseckert eingenommen und empfand sie eng miteinander verbunden. Er versuchte, im fachlichen Bereich die vielversprechende, innovative Entwicklung aufzubauen und im allgemeinen, eher gesellschaftspolitischen Bereich die Trennung zu überbrücken. Dafür setzte er sich zäh, nachdrücklich und erfolgreich ein. Beides war unter den gegebenen Umständen schwierig und erforderte außergewöhnliche fachliche und persönliche Eigenschaften, über die Hans Bosseckert verfügte.
Seine berufliche Entwicklung begann und etablierte sich an einer Universität Ostdeutschlands, in dem das bis Ende 1989 herrschende DDR-Regime nur begrenzt einen Blick über das politisch definierte Regionale hinaus gestattete. Es war mühsam und problematisch, grenzüberschreitende Kontakte zu knüpfen, Zugang zur internationalen Fachliteratur zu finden und persönliche Begegnungen mit Fachkollegen zu erreichen, was nur ausnahmsweise für das “westliche Ausland” gelang und selbst für den Bereich der sozialistischen Länder nicht einfach war. Hier war er zunächst der Suchende, Lernbegierige, der das angestrebte und gewonnene Wissen in seine ärztliche Tätigkeit sowie in seine wissenschaftliche Arbeit einbrachte und allen Interessierten zur Verfügung stellte. Der ursprünglich Nehmende wurde zum Gebenden – vorbehaltlos, ideell, substantiell und ermutigend.
Diese Grundhaltung Hans Bosseckerts erwuchs aus einer humanistischen, auf hohen ethischen und moralischen Ansprüchen beruhenden Bildung, die ihm die verpflichtende Verantwortung auferlegte, seine Arbeitskraft und sein Können in den Dienst für andere, ihm Anempfohlene zu stellen. Bereits während des Studiums der Humanmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1954 – 1959) hatte der im thüringischen Bleicherode geborene Sohn eines Handwerkmeisters ein beachtliches Wissen angesammelt, das ihn unter den Konsemestern heraushob. Tiefgreifend beeindruckte ihn sein internistischer akademischer Lehrer Prof. Walter Brednow, der wesentlich seine Entscheidung für das Fach Innere Medizin bahnte und ihn in seine Klinik aufnahm. Die fachliche und akademische Karriere verlief erfolgreich: 1959 medizinisches Staatsexamen, 1960 Promotion, 1961 Klinische Approbation, 1966 Facharzt für Innere Medizin, 1970 Habilitation, 1975 Berufung zum Hochschuldozenten, 1982 Ernennung zum Außerordentlichen und 3 Jahre später zum Ordentlichen Professor. Das war für DDR-Verhältnisse eine relativ zügige Hochschullaufbahn, insbesondere, wenn der Betreffende keine der sonst üblichen, sehr förderlichen politischen Referenzen vorweisen konnte. Andere, fachbezogene Qualitäten sind hier zu nennen: Hans Bosseckert hatte sehr frühzeitig ein Interesse für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes entwickelt und bereits mit einem einschlägigen Thema promoviert. Damals differenzierte sich aus dem großen Mutterfach Innere Medizin die Gastroenterologie, der er sich zielstrebig zuwendete. Er entwickelte sich zu einem namhaften Gastroenterologen, dessen fachliche und wissenschaftliche Reputation weit über die regionalen Grenzen strahlte und von den parteiideologisierten Verantwortlichen nicht desavouriert werden konnte. Es folgte ein vielseitiges Ersuchen um Mitarbeit in verschiedensten fachlichen und administrativen Funktionen und Gremien. Die Zahl der Mitgliedschaften in Fachgesellschaften der DDR wuchs, nicht selten mit beratenden und Repräsentativaufgaben verbunden. Seine besondere Neigung galt der Endoskopie, die er meisterhaft zu beherrschen lernte, obwohl die apparativ-technische Ausstattung dem internationalen Standard oft und schmerzlich hinterherhinkte. Er profilierte seine Abteilung zu einem Zentrum höchster Fachkompetenz und Exzellenz, das weit über die thüringischen Bezirke hinaus eine Leitfunktion wahrnahm. So wurde er 1985 Vorsitzender der Sektion “Endoskopie” in der Gesellschaft für Gastroenterologie der DDR und 1986 zum Councillor der Europäischen Vereinigung für Gastroenterologische Endoskopie (ESGE) berufen. In dieser Methode bildete er Generationen von Spezialisten aus – nicht nur aus dem eigenen Lande, sondern auch aus dem Ausland, z.B. aus der Schweiz, der CSSR, aus Vietnam und aus der Mongolei. Obwohl Hans Bosseckert den unabdingbaren Forderungen einer fachlichen Spezialisierung folgte, blieb für ihn die Einheit der originären Inneren Medizin das tragende Fundament. Eine solche Grundauffassung besitzt einen eigenständigen Wert und erscheint dauerhaft gegeben. Der sich derzeit andeutenden verselbständigenden Aufgliederung der Inneren Medizin – wie auch in anderen Fundamentalfächern – kann nur dann sinnvoll begegnet werden, wenn neben der erforderlichen Spezialisierung auch das generalistische Prinzip mitgetragen wird. Hans Bosseckert konnte das. Er lebte diese nachhaltig wirkende Überzeugung seinen ärztlichen Mitarbeitern und Kollegen vor, und sie war im gleichen Sinne das Leitmotiv in der Gestaltung des studentischen Unterrichtes.
Bereits in den frühen 70er Jahren fand Hans Bosseckert Kontakt zu den damals allein erreichbaren ost- und südosteuropäischen Kollegen, speziell der CSSR, Polens und Ungarns. Es entwickelten sich fruchtbare fachliche und persönliche Beziehungen, die bis heute andauern. Gegenbesuche in diese Länder waren stets mit inhaltlicher und organisatorischer Mitwirkung an Tagungen, Symposien (z.B. das zunächst bilaterale mit der CSSR, sodann das trilaterale zuzüglich Polens) und Studienaufenthalten verbunden, wodurch sich eine sinnfällige Brücke zum Osten etablierte. Nach dem Zusammenbruch der DDR öffnete sich der Zugang zum Westen Deutschlands. Hans Bosseckert weitete die brückenbildenden Aktivitäten aus und vermittelte im wiedervereinten Deutschland zwischen Ost und West. Er war einer der 3 Teilnehmer seitens der ehemaligen Gesellschaft für Gastroenterologie der DDR anläßlich der Beitrittsverhandlungen zur Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, wurde 1990 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates und im gleichen Jahr als erster Vertreter der Neuen Bundesländer Vorsitzender der Sektion Endoskopie und Ko-Präsident der Tagung dieser Gesellschaft. Hans Bosseckert initiierte einen Zusammenschluß mitteldeutscher Gastroenterologen und war im April 1991 Mitgründer und darauf folgend der erste Vorsitzende der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, die Kolleginnen und Kollegen Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringens und Hessens zusammenführte. Und es war wiederum ganz natürlich, daß er die in dieser dynamischen Zeit etwas in den Hintergrund getretenen Verbindungen zu osteuropäischen Kollegen auch in diesem Rahmen wieder aufnahm. “So wurde Hans Bosseckert zu einem Dreh- und Angelpunkt der jüngeren Geschichte der deutschen und osteuropäischen Inneren Medizin.” [E.G.H. Hahn 2001].
Parallel zu diesem fachmedizinischen fügte sich das administrative und hochschulpolitische Engagement, das er als Mitglied des Fakultätsrates, des Senates der Universität sowie der Fachkommission für die Hochschulmedizin Thüringens erbrachte. 1992 trat Hans Bosseckert die Nachfolge seines Lehrers und Freundes Dietfried Jorke als Direktor der Klinik für Innere Medizin I der Friedrich-Schiller-Universität an.
Das stete Bemühen um fachliche Kontakte und die gewährte Unterstützung Rat- und Hilfesuchender, das Verständnis für deren Sorgen und Nöte, das sich nicht nur auf medizinische Probleme begrenzte, haben Hans Bosseckert hohe Anerkennung gebracht. So verlieh ihm 1991 die Tschechoslowakische und 1998 die Polnische Gesellschaft für Gastroenterologie die Ehrenmitgliedschaft. Weitere Ehrungen sind u.a. die Verleihung des Ehrenzeichens des DRK (1973), der Hufelandmedaille (1976) und der Ismar-Boas-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (1990). Hans Bosseckert wurde weiterhin Ehrenmitglied der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (2001), der Gesellschaft für Innere Medizin Thüringens (2003) und der Qualitätsgemeinschaft der Gastroenterologen Thüringens (2004). Seit 2003 ist er Member of the Research Board of Advisers (Am. Biograph. Inst.) und seit 2005 Reviewer des European Journal of Gastroenterology & Hepatology.
Aus seiner ärztlichen Tätigkeit und dem wissenschaftlichen Engagement erwuchs ein reiches Kapital an Kenntnissen, Einsichten und Erfahrungen, das in über 300 Veröffentlichungen sowie in 25 Monographien und Buchbeiträgen und mehr als 800 Vorträgen seinen Ausdruck findet, darüberhinaus ist er als Redaktionsmitglied in 9 nationalen und internationalen Fachzeitschriften tätig.
Diese Laudatio kann nur einen begrenzten Eindruck der Verdienste Hans Bosseckerts vermitteln. Im Blick auf seine berufliche Entwicklung und sein inhaltsreiches Arbeitsleben konturiert sich eine herausragende Persönlichkeit, die hinwendungsvolles Arzttum, ideenreiche produktive wissenschaftliche Arbeit und begeisterndes Lehren in sich vereint. Sie hat vorbildhaft Maßstäbe gesetzt, die einen langen Bestand versprechen und für die ihm nachdrücklich zu danken ist. Trotz eines bis zur Leistungsgrenze gehenden, pflichtgedrängten Arbeitspensums bewahrte Hans Bosseckert seine frohe Natur und vermochte heiter und locker mit Humor und Sangeskunst so manche gesellige Begegnung mit Freunden und Kollegen zu gestalten.
Die Laudatoren, Schriftleitung und Beirat der Fachzeitschrift “Verdauungskrankheiten” sowie der Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle gratulieren dem Jubilar und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt die bestmögliche Erfüllung seiner Erwartungen, stabile Gesundheit und mit seiner verehrten Gemahlin das fortdauernde Glück im familiären Kreis.
Themenschwerpunkt: Interventionelle Endoskopie III*
Perkutane Ernährungssonden
G.F.B.A. Kaehler, und E. Shang
Abstract
G.F.B.A. Kaehler1,2 und E. Shang2
1Sektion Endoskopie, 2Chirurgische Universitätsklinik Mannheim
Die Aufrechterhaltung der enteralen Ernährung ist ein bewährtes therapeutisches, supportives und palliatives Prinzip bei verschiedensten Erkrankungen. Bei Patienten, bei denen eine mechanische oder neurogene Dysphagie vorliegt oder die aus anderen Gründen über mehr als 2 Wochen keine ausreichende gastrale Nahrungszufuhr erhalten können, ist die Anlage einer perkutanen Ernährungssonde prinzipiell indiziert. Ihre Anwendung bei Patienten ohne prognostische Besserungsaussichten ist umstritten und bedarf einer sorgsamen individuellen Indikation. Die Methode ist einfach und komplikationsarm durchführbar, jedoch müssen einige Prinzipien der Vor- und Nachsorge eingehalten werden, um schwere Komplikationen zu vermeiden. Für spezielle ernährungsmedizinische Problemstellungen stehen neben der klassischen PEG weiterentwickelte Techniken zur Verfügung. Bei Gastroparese kann eine jejunale Einschubsonde in eine Standard-PEG zur jejunalen Ernährung eingebracht werden. Falls der Magen als Punktionsorgan nicht zur Verfügung steht, kann eine Direktpunktion des Jejunum (PEJ) vorgenommen werden. Für mobile Patienten mit PEG, besonders bei Kindern, bietet sich der Button als äußerlich wenig stigmatisierende Alternative zur PEG an.Correspondence to:
Dr. med. G.F.B.A. Kähler
Sektion Endoskopie
Chirurgische Universitätsklinik Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1 – 3
D–68167 Mannheim
Email: georg.kaehler@chir.ma.uni-heidelberg.de
Themenschwerpunkt: Interventionelle Endoskopie III*
Endoskopisch-interventionelle Therapie von Pankreaserkrankungen
S. Liebe
Abstract
S. Liebe
Abteilung Gastroenterologie, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, Universität Rostock
Endoskopische Interventionen können bei akuter oder chronischer Pankreatitis, bei Pankreaskarzinom oder Pankreasverletzungen indiziert sein. Die frühzeitige Papillotomie mit Steinentfernung innerhalb von 48 Stunden ist bei schwerer biliärer Pankreatitis oder Cholangitis indiziert. Bei persistierender akuter Pankreatitis kann die Sphinkterotomie mit Einlage einer Endoprothese in den Pankreasgang von Nutzen sein. Diese Intervention sollte vor einer eingreifenden Operation diskutiert werden. Die Therapie der chronischen Pankreatitis ist meist komplex. Gleichzeitig vorhandene Steine, Strikturen und Zysten erfordern den Einsatz mehrerer Techniken. Eine Behandlungsindikation besteht nur bei symptomatischen Patienten. Die Erfahrung in der Behandlung der chronischen Pankreatitis ist begrenzt und der Nutzen nur durch wenige prospektive Studien mit kleinen Fallzahlen belegt. Die palliative endoskopische Therapie des Pankreaskarzinoms ist standardisiert und entspricht der Therapie maligner Gallenwegserkrankungen. Die Stent-Behandlung mit Kunststoff- oder Metallstents ist die Behandlung der Wahl.Correspondence to:
rof. Dr. med. S. Liebe
Abteilung Gastroenterologie
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universität Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6
D–18055 Rostock
Email: stefan.liebe@med.uni-rostock.de
Themenschwerpunkt: Interventionelle Endoskopie III*
Addendum zu:Kapselendoskopie (KE) – eine Übersicht
H. Bosseckert
Abstract
H. Bosseckert
ehem. Direktor der Klinik für Innere Medizin I, Friedrich-Schiller-Universität, Jena
Die vorliegende Übersicht über die KE verfolgt die Absicht, den Leser einen möglichst umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der KE zu geben. Es werden dabei die derzeit sicheren und erkennbaren Indikationen für eine KE und Vergleiche ihrer diagnostischen Wertigkeit gegenüber anderen Verfahren der DD-Diagnostik erörtert. Auch Maßnahmen, die unter dem Gesichtspunkt einer Verbesserung der diagnostischen Ausbeute bzw. der Sicherheit der Untersuchungen eingeführt wurden, werden berücksichtigt.
*Beitrag veröffentlicht in “Verdauungskrankheiten” Nr. 5/2005, S. 209-234.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H. Bosseckert
Ehemaliger Direktor der Klinik für Innere Medizin I der FSU Jena
Ricarda-Huch-Weg 43
D–07743 Jena
Email: h.bosseck@web.de
Übersicht
Orale Kost beim Patienten mit Kurzdarmsyndrom
G.E. Feurle
Abstract
G.E. Feurle
DRK-Krankenhaus Neuwied
Vom Kurzdarmsyndrom spricht man, wenn nach Resektion eines längeren Dünndarmabschnitts eine Malabsorption auftritt. Zu der oft, aber nicht immer, notwendigen lebenslangen parenteralen Ernährung gibt es genügend medizinische Veröffentlichungen. Bei weniger ausgedehnter Resektion kann nach einer postoperativen Übergangsphase auch eine orale Ernährung erfolgreich sein. Die publizierten Leitlinien sind lediglich Vorschläge von Experten. Deshalb beruhen auch die hier präsentierten Empfehlungen und Vorschläge zur oralen natürlichen Ernährung bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom weitgehend auf pathophysiologischen Erwägungen, Tierexperimenten und “Erfahrungen”. Der vorliegende Text stellt einen Versuch dar, die aktuellen Ansichten zusammenzufassen, um Ärzten und Patienten eine Anleitung zu geben.Correspondence to:
Prof. Dr. med. G.E. Feurle
DRK-Krankenhaus Neuwied
Marktstraße 104
D–56564 Neuwied
Email: g.e.feurle@t-online.de
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