Jahrgang 22, No. 3/2004(Mai / Juni 2004)
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Verdauungskrankheiten
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Verbandsmitteilungen des bng
Laudatio
Dr. Herbert Falkzum 80. Geburtstag – ein beispielhafterLebensweg
Themenschwerpunkt: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse und Nutzen der Prävention
Editorial: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse zeigen den Nutzen der Prävention
Bernd Bokemeyer, Minden, und Willi Schiffelholz, Augsburg
Abstract
Bernd Bokemeyer, Minden, und Willi Schiffelholz, Augsburg
Die Vorsorge-Koloskopie wurde am 01.10.2002 in Deutschland für Patienten ab dem 56. Lebensjahr als Präventionsleistung eingeführt. Dieser Vertrag mit den Krankenkassen wurde zunächst bis zum 30.09.2005 befristet. Vor einer geplanten Verlängerung soll der Nutzen der Vorsorge-Koloskopie aufgrund der erhobenen Ergebnisse der Vorsorge-Koloskopie evaluiert werden. Hierfür benötigt man entsprechende Daten. Das Problem liegt nun darin, daß diese Daten von den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen bisher nicht wie gefordert in digitalisierter Form an das Zentralinstitut für Medizin in Köln weitergeleitet wurden. Aus diesem Grunde ist es von größter Wichtigkeit, daß entsprechende valide Daten im Rahmen der Dokumentation prospektiv erhoben werden. Hierzu hat in den letzten Monaten der “Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng)” große Anstrengungen unternommen.
Zunächst war geplant, gemeinsam mit dem ZI eine Software-Lösung zu erarbeiten, die direkt aus der Praxissoftware die Patientendaten übernehmen könnte, um diese Daten dann an das ZI weiterleiten zu können. Diese Lösung stellte sich aber als zu kompliziert und nicht für alle Software-Häuser in entsprechend kurzer Zeit zu verwirklichen dar. Da die Zeit drängte, entschied dann der bng auf seiner Jahresversammlung in Frankfurt im Januar 2004, sich einer schon laufenden Internet-basierten Online-Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie des Qualitätsnetzes Gastroenterologie Hessen (QGH) anzuschließen. Die Daten werden dabei zentral bei einem Server in Berlin (Fa. IOMTECH) eingegeben. Hierdurch erfolgt kein Eingriff in die eigene Praxissoftware. Mit diesem System kann die Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie völlig unkompliziert überall rasch begonnen werden. Es wird nur ein Internetanschluß benötigt. Leider ist momentan diese Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie außer in der KV Hessen noch als Doppeldokumentation notwendig, da die Papierversion als Abrechnungsgrundlage weiter notwendig ist. Durch diese Dokumentationsform als Internet-basierte Online-Dokumentation können relativ rasch große Datenmengen prospektiv gesammelt werden. Dies ist zur Dokumentation des Nutzens der Vorsorge-Koloskopie von großer Wichtigkeit.
In diesem Zusammenhang ist es mir eine große Freude, diese ersten Ergebnisse zum Nutzen und zur Akzeptanz der Vorsorge-Koloskopie in diesem Schwerpunktheft des bng, welches ich gemeinsam mit Herrn Kollegen Willi Schiffelholz zusammenstellen durfte, heute hier vorzulegen.
In diesem vorliegenden Heft der Zeitschrift “Verdauungskrankheiten” werden verschiedene Aspekte der KolonkarzinomPrävention zusammengestellt. Sie finden einerseits Artikel über die Wertigkeit der Vorsorge-Strategien und andererseits werden in verschiedenen Artikeln die ersten Ergebnisse der Vorsorge-Koloskopie vorgestellt. Zusätzlich geht es auch um die Akzeptanz der Vorsorge-Koloskopie in der Bevölkerung, denn nur wenn diese Methode entsprechend akzeptiert und toleriert wird, kann man in breiter Form diese Vorsorge-Koloskopie durchsetzen.
Abgerundet wird dieses Heft durch einen Artikel zur Zertifizierung der gastroenterologischen Fachpraxis. Fachliche Belange sollen allerdings auch nicht zu kurz kommen. Sie finden zusätzlich eine aktuelle Originalarbeit von D. Hüppe aus Herne zur Hepatitis-C-Therapie und darüber hinaus eine Originalarbeit von B. Oberhuber zum Nutzen der Routinebiopsie bei der Gastroskopie. Abgerundet wird dieses Heft wie immer durch die Verbandsmitteilungen des bng.
Wir hoffen, Ihnen auf diese Weise ein interessantes Heft der “Verdauungskrankheiten” mit dem Schwerpunktthema “Vorsorge-Koloskopie” vorlegen zu können. Die ersten Ergebnisse und der Nutzen der Vorsorge-Koloskopie können dargestellt werden. Wenn dieses Heft dazu beitragen könnte, eine wichtige Diskussionsgrundlage für die jetzt anstehende Evaluation des Nutzens der Vorsorge-Koloskopie zu sein, hätte sich die Mühe gelohnt. Für die großen Anstrengungen der niedergelassenen Gastroenterologen im bng bei der gemeinsamen Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie – bis heute wurden über 20 000 Vorsorge-Koloskopien online dokumentiert – möchten wir uns bei allen Teilnehmern sehr bedanken, und sie andererseits weiter ermuntern, noch weiter ihre Daten einzugeben, um weiterhin entsprechend große und valide Zahlen prospektiv gewinnen zu können, die letztlich zur Dokumentation des Nutzens der Vorsorge-Koloskopie erforderlich sind.
Wir denken, daß durch diese Ausgabe der Fachzeitschrift “Verdauungskrankheiten” mit verschiedenen Beiträgen, insbesondere auch aus gastroenterologischen Fachpraxen, das hohe Niveau der ambulanten Gastroenterologie in Deutschland mit einer hochqualifizierten Versorgung der Patienten eindrucksvoll dargestellt wird.Correspondence to:
Dr. med. B. Bokemeyer
Gastroenterologische Fachpraxis
Uferstraße 3
D-32423 Minden
Email: praxis@gastroenterologie-minden.de
Themenschwerpunkt: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse und Nutzen der Prävention
Stellenwert von Stuhlbluttests für die Prävention und Früherkennung kolorektaler Neoplasien
A. Sieg
Abstract
A. Sieg
Gastroenterologische Schwerpunktpraxis, Östringen
Die langsame Entwicklung des kolorektalen Karzinoms eröffnet einmalige Chancen für die Früherkennung und Prävention. Durch regelmäßige Tests auf verstecktes Blut im Stuhl mit chemischen Stuhlbluttests auf Guajak-Basis (Haemoccult, Hemofec und Hemocare) läßt sich die Mortalität im Durchschnitt um 16% senken, bei guter Compliance sogar um 23%. Das Screening durch Stuhlbluttests ist durch randomisierte Studien mit einem Evidenzgrad 1a belegt. Jeder positive Test muß durch eine Koloskopie abgeklärt werden. Durch regelmäßige Wiederholung der Tests läßt sich die Sensitivität, ausgehend von niedrigen Werten um 24% beim ersten Test, nach 6 Testrunden theoretisch auf über 80% steigern. Immunologische Stuhltests auf Hämoglobin weisen im Vergleich zum Haemoccult-Test eine höhere Sensitivität und Spezifität für kolorektale Neoplasien auf. Große randomisierte Vergleichsstudien fehlen bislang. Aus diesem Grunde werden sie auch noch nicht zum Screening empfohlen. Kommerziell erhältliche Tests auf Hämoglobin im Stuhl sind bislang nicht genügend validiert. Ein weiterer Stuhltest, der in Zukunft möglicherweise an Bedeutung gewinnt, ist die Bestimmung der fäkalen Pyruvatkinase Typ M2 (Tumor M2-PK). Dieses Isoenzym wird in Tumorzellen gebildet und läßt sich im Stuhl nachweisen. Erste Ergebnisse bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren zeigen höhere Werte als bei Normalpersonen, müssen aber noch in größeren Studien bestätigt werden. Insgesamt haben auch heute nach Einführung der Vorsorge-Koloskopie die Stuhltests ihre Berechtigung, da die Effektivität des Screenings nicht allein von der Sensitivität eines Tests, sondern auch von der Compliance der zu testenden Personen und der Verfügbarkeit der Methode abhängt. Es lohnt sich nicht, auf bessere Tests in der Zukunft zu warten. Wir sollten mit den Methoden, die jetzt zur Verfügung stehen, arbeiten. Nur so läßt sich die Mortalität des kolorektalen Karzinoms senken.Correspondence to:
Prof. Dr. med. A. Sieg
Gastroenterologische Schwerpunktpraxis
Hauptstraße 45
D–76684 Östringen
Email: dr.andreas.sieg@t-online.de
Themenschwerpunkt: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse und Nutzen der Prävention
Stellenwert der Koloskopie für die Prävention und Früherkennung kolorektaler Neoplasien
S. Faiss und A. Sieg
Abstract
S. Faiss und A. Sieg
Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Berlin
Mit einer sorgfältigen Familienanamnese lassen sich Patienten mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung eines kolorektalen Karzinoms (KRK) erfassen. Für die jeweiligen Risikogruppen stehen unterschiedliche Überwachungsstrategien zur Verfügung, die eine frühzeitige Entdeckung der Karzinome oder deren Vorstufen anstreben und durch gezielte endoskopische Entfernung dieser Vorstufen eine Verbesserung der Spontanprognose ermöglichen. In Deutschland kann seit Oktober 2002 die Screening-Koloskopie auch bei der asymptomatischen Bevölkerung ab dem 55. Lebensjahr durchgeführt werden. Die Koloskopie gilt als das effektivste und kostengünstigste Verfahren zum KRK-Screening. Etwa 35% aller ambulant durchgeführten Koloskopien werden derzeit als Screening-Koloskopie durchgeführt. Die Teilnahmerate an der Screening-Koloskopie kann durch Aufklärungskampagnen (Darmkrebsmonat März, Felix-Burda-Stiftung) gesteigert werden. Hierdurch ist mit einer Absenkung der Mortalität und Inzidenz des KRK zu rechnen. Neue nichtinvasive Verfahren wie die virtuelle CT- oder MRT-Kolographie sind noch nicht genügend validiert.Correspondence to:
Dr. med. S. Faiss
Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
D–12203 Berlin
Email: faiss@ukbf.fu-berlin.de
Themenschwerpunkt: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse und Nutzen der Prävention
Internet-basierte Online-Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie
B. Bokemeyer, A. Sieg, M. Düffelmeyer und H. Bock
Abstract
B. Bokemeyer1, A. Sieg2, M. Düffelmeyer3 und H. Bock4
1Gastroenterologische Fachpraxis, Minden, 2Gastroenterologische Schwerpunktpraxis, Östringen, 3IOMTECH GmbH, Berlin, 4Gastroenterologische Fachpraxis, Frankfurt/Main
Internet-basierte Online-Dokumentation der Vorsorge-Koloskopie
Die Vorsorge-Koloskopie wurde am 01.10.2002 in Deutschland als Präventionsleistung eingeführt. Bis zum vorläufigen Ablauf der Vertragsvereinbarung dieses Programms mit den Krankenkassen zum 30.09.2005 muß die Untersuchung bezüglich der Effektivität evaluiert werden. Hierfür werden valide prospektiv erhobene Daten zur Vorsorge-Koloskopie benötigt. Es werden die Ergebnisse von 10 626 dokumentierten Vorsorge-Koloskopien dargestellt, die in einem Internet-basierten Online-Dokumentationsverfahren nach einem Modell des Qualitätszirkels Gastroenterologie Hessen (QGH) dokumentiert wurden. Dabei wurden 1274 Polypen (Größe > 0,5 cm) mit der elektrischen Schlinge abgetragen. Insgesamt fanden sich bei 26,7% der Patienten Polypen, wobei in 0,7% Karzinome gefunden wurden. Die Komplikationsrate der Vorsorge-Koloskopie und insbesondere auch der durchgeführten Polypektomien war sehr gering. Das Blutungsrisiko bei der Polypektomie lag bei 1,9%, wobei in 84% die Blutung konservativ behandelt werden konnte, und das Perforationsrisiko der Vorsorge-Koloskopie insgesamt einschließlich des Polypektomie-Risikos lag bei nur 0,028%. Eine weitere Internet-basierte Online-Dokumentation der Vorsorge-Koloskopien bei bng-Mitgliedern ist geplant. Dabei ist bis zum Herbst 2004 eine Dokumentation von über 50 000 Vorsorge-Koloskopien zu erwarten, womit eine gute Grundlage für die Dokumentation der Effektivität der Vorsorge-Koloskopie zur Verfügung stünde.Correspondence to:
Dr. med. B. Bokemeyer
Gastroenterologische Fachpraxis
Uferstraße 3
D-32423 Minden
Email: praxis@gastroenterologie-minden.de
Themenschwerpunkt: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse und Nutzen der Prävention
Prospektive Datenerhebung bei der Vorsorge-Koloskopie in der gastroenterologischen Fachpraxis
H.J. Toermer, G. Wolf und M. Boedler
Abstract
H.J. Toermer, G. Wolf und M. Boedler
Gastroenterologische Schwerpunktpraxis, Köln-Nord
Das kolorektale Karzinom hat eine hohe Mortalitätsrate in Deutschland. Aus diesem Grund wurde im Oktober 2002 die Vorsorge-Koloskopie in Deutschland eingeführt. Von 10/2002 – 2/2004 untersuchten wir 1539 Patienten im Rahmen einer Vorsorge-Koloskopie. Wir fanden dabei bei 429 Patienten Adenome (27,87%) und daneben 249 hyperplastische Polypen (16,17%). Insgesamt fanden wir 868 Adenome bei 429 Patienten, also fast 2 Adenome bei jedem befallenen Patienten. Bei 9 Patienten (0,58%) fanden wir eine schwere Dysplasie und bei 8 Patienten Karzinome (0,52%). Die Adenome wurden bei 438 Patienten (98,2%) endoskopisch abgetragen. In einzelnen unklaren Fällen wurde zusätzlich die Chromoendoskopie angewendet, um die Polypen besser darzustellen und abzugrenzen. Wir glauben, daß die endoskopische Entfernung von Kolonpolypen (Adenome) ein wichtiger Schritt in der Prävention des kolorektalen Karzinoms ist, da wir zeigen konnten, daß sich bei fast 30% der asymptomatischen Patienten bei der Vorsorge-Koloskopie Adenome fanden, die bekanntermaßen ein potentielles Risiko der malignen Umwandlung beinhalten.Correspondence to:
Dr. med. H.J. Toermer
Gastroenterologische Schwerpunktpraxis
Donatusstraße 2
D–50767 Köln
Email: drtoermer@web.de
Themenschwerpunkt: Vorsorge-Koloskopie – erste Ergebnisse und Nutzen der Prävention
Patientenzufriedenheit und Akzeptanz der Vorsorge-Koloskopie: Eine Patientenbefragung
D. Hüppe, L. Lemberg und G. Felten
Abstract
D. Hüppe, L. Lemberg und G. Felten
Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis, Herne
Einleitung: Ab 01.10.2002 wurde die Vorsorge-Koloskopie für alle Versicherten ab dem 55. Lebensjahr in das Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen. Ziel ist es, die Todesrate des kolorektalen Karzinoms in Deutschland in den nächsten 10 Jahren deutlich zu senken. Zur Akzeptanz der Vorsorge-Koloskopie in der Routineversorgung (Versorgungsforschung) liegen bisher keine Ergebnisse vor. Methode: In einer prospektiven Studie (02.06.2003 – 27.06.2003) wurden alle Patienten, die sich zur Vorsorge-Koloskopie in unserer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis vorstellten, gebeten, einen standardisierten Fragebogen zur Qualität von Beratung, Durchführung und Akzeptanz der Untersuchung auszufüllen. Allen Patienten war für die Koloskopie eine Kurznarkose mit Disoprivan (Propofol) angeboten worden. Verglichen wurden die Ergebnisse mit denen von Patienten, die sich einer diagnostisch-therapeutischen Untersuchung unterzogen. Erfaßt wurden: Beratung durch die überweisende Praxis, Beratung vor und nach der Untersuchung, Beurteilung der Abführmaßnahmen, Schmerzhaftigkeit der Untersuchung, zusammenfassende Zufriedenheit. Ergebnisse: Im Untersuchungszeitraum stellten sich insgesamt 325 Versicherte zur Koloskopie und davon 168 Patienten zur Vorsorge-Koloskopie vor. Das Durchschnittsalter aller Patienten betrug 62,3 Jahre, das der Patienten zur Vorsorge-Koloskopie 65,2 Jahre. Überwiegend wurden Frauen untersucht (66,4%). Dabei zeigte sich kein Unterschied zwischen Vorsorgeuntersuchung und diagnostisch-therapeutischen Eingriffen. 87,7% waren mit der Aufklärung durch den Überweiser sehr zufrieden und 2,5% zufrieden. Mäßig zufrieden bis unzufrieden äußerten sich 9,3%. Mit der standardisierten Aufklärung vor der Untersuchung in unserer Praxis waren 92,1% sehr zufrieden und 2,4% zufrieden. Mäßig zufrieden äußerten sich 4,8%. Die Vorbereitung mit Phosphatsoda (Fleet) unter häuslichen Verhältnissen empfanden 94,5% der Patienten als erträglich, 1,6% als störend und 3,6% als unangenehm. 97,6% berichteten über eine völlig schmerzfreie Untersuchung, 2,4% gaben eine mäßige Beeinträchtigung an. Das Gespräch nach der Untersuchung fanden 88,5% sehr gut, 1,2% gut und 10,3% bezeichneten es als ausreichend. Zusammenfassend würden 99,4% sich jederzeit wieder einer solchen Untersuchung unterziehen und empfehlen sie als Vorsorgemaßnahme ihren Angehörigen und Freunden. Diskussion: Die Vorsorge-Koloskopie in einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis besitzt eine hohe Akzeptanz.Correspondence to:
Dr. med. D. Hüppe
Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis
Wiescherstraße 24
D–44623 Herne
Email: hueppe@gastro-praxis-herne.de
Qualitätsmanagement
Qualitätsmanagement in der gastroenterologischen Fachpraxis: Ein Vorschlag
D. Raps
Abstract
D. Raps
Fachärztlicher Internist, Schopfheim
Die Diskussion bezüglich Kosten, Finanzierbarkeit und Qualität im deutschen Gesundheitssystem nimmt, insbesondere auch im ambulanten Bereich, zu. Ab dem Jahr 2005 soll QM (Qualitätsmanagement) in den Arztpraxen vorgeschrieben werden (§ 135a SGB V). Um nicht reagieren, sondern agieren zu können, wurden in Arztpraxen verschiedene QM-Modelle, insbesondere DIN EN ISO 9001:2000 und EFQM (European Foundation for Quality Management), eingeführt. EFQM wird seit Jahren in Kliniken und Industrie, und seit gut 5 Jahren auch in QP-Hausarztpraxen in Südbaden (Qualitätspraxen) mit großem Erfolg angewandt. Die Notwendigkeit, Anwendbarkeit und Umsetzbarkeit eines umfassenden QM-Modells aus der Kombination DIN ISO und EFQM für die gastroenterologische Facharztpraxis werden dargestellt.Correspondence to:
Dr. med. D. Raps
Fachärztlicher Internist
Hebelstraße 22
D–79650 Schopfheim
Email: dieter.raps@dgn.de
Aktuelle Medizin
Die Gastroskopie mit Biopsie – ein Mittel zur Identifikation magenkarzinomgefährdeter Patienten
H. Müller, G. Oberhuber, S. Weidenhiller und M. Stolte
Abstract
H. Müller1, G. Oberhuber1, S. Weidenhiller2 und M. Stolte3
1Pathologie in Überlingen, 2Gastroenterologe, Regensburg,
Neben der Früherkennung spielt besonders die Identifikation von Patientenrisikogruppen eine entscheidende Rolle bei der Therapie und Prophylaxe des Magenkarzinoms. Helicobacter pylori ist seit 1994 als wichtiger ätiologischer Faktor für die Entwicklung des Magenkarzinoms anerkannt. Da eine prophylaktische Eradikation des Keims, auch wenn sie die Inzidenz des Magenkarzinoms signifikant senken könnte, derzeit aus mehreren Gründen nicht durchführbar ist, hat die Strategie der Risikogruppenfrüherkennung heute zentrale Bedeutung erlangt. Patienten, bei denen die Aktivität und der Grad der H.-pylori-Gastritis im Corpus ventriculi mindestens mäßiggradig und gleich oder stärker ausgeprägt ist als im Antrum (Pan-H.-pylori-Gastritis und Korpus-prädominanter Typ), haben ein signifikant höheres Magenkarzinomrisiko als Patienten mit einer sog. Antrum-prädominanten Gastritis. Ziel der Ärzte muß es daher sein, Patienten mit einer Korpus-prädominanten und Pan-H.-pylori-Gastritis zu identifizieren (Biopsien aus Antrum und Korpus entnehmen) und diese einer H.-pylori-Eradikationstherapie zu unterziehen. Nach dem derzeitigen Wissensstand kann so das Magenkarzinomrisiko signifikant gesenkt werden.Correspondence to:
Dr. med. H. Müller
Pathologie in Überlingen
Alte Nußdorfer Straße 36
D–88661 Überlingen
Email: pathologie@t-online.de
Aktuelle Medizin
Therapie der chronischen Hepatitis C mit pegyliertem Interferon a-2b und Ribavirin in der gastroenterologischen Schwerpunktpraxis Förderung der Compliance verbessert die bisher erzielten Ergebnisse
D. Hüppe, Gisela Felten und A. Gillessen
Abstract
D. Hüppe1, Gisela Felten1 und A. Gillessen2
1Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis, Herne,
Mit der Einführung pegylierter Interferone und Ribavirin in die Therapie der chronischen Hepatitis C werden in den Zulassungsstudien deutlich bessere Behandlungsergebnisse erzielt. Unklar ist die optimale Interferondosis für pegyliertes Interferon-a-2b sowie die Behandlungsdauer für Genotyp non-1. Therapieergebnisse der ambulanten Routineversorgung fehlen. Wir haben nach Zulassung von pegyliertem Interferon-a-2b (PegIntron®) zur Therapie der chronischen Hepatitis C ab Juni 2000 alle behandlungsbedürftigen Patienten mit PEG-Interferon-a-2b mit 1 mg/kg KG wöchentlich und Ribavirin (Rebetol®) (10 – 12 mg/kg KG, täglich) behandelt. Um zu prüfen, ob sich die Therapieergebnisse von Zulassungsstudien auch in der ambulanten Routineversorgung einer Fachpraxis erzielen lassen (Versorgungsforschung), haben wir in einer prospektiven “Intention-to-treat”-Analyse jeden behandelten Patienten (6/2000 – 9/2002) in die Untersuchung aufgenommen. Patienten mit Genotyp 1/4 wurden 48 Wochen, Patienten mit Genotyp 2/3 24 Wochen behandelt. 80 Patienten gingen bis 9/2002 in die Untersuchung ein und hatten ihre Therapien vollständig abgeschlossen, bzw. sprachen nicht auf die Therapie an oder erlitten einen Relaps. Bei 51 Patienten lag ein Genotyp 1/4, bei 29 ein Genotyp 2/3 vor. Auf die Therapie sprachen 59 Patienten (74%) an, 19 (24%) waren Nonresponder. 2 Patienten brachen die Therapie innerhalb der ersten 4 Wochen ab. 52 (65%) Patienten erzielten ein Langzeitansprechen (sustained virological response = SVR). Beim Genotyp 1/4 sprachen 61% auf die Therapie an, 37% waren Nonresponder, 1 Patient brach die Therapie ab. Nur 6% erlitten einen Relaps, 4% einen Breakthrough, so daß 26 Patienten (51%) ein SVR erreichten. Beim Genotyp 2/3 sprachen alle, die zur Woche 4 noch behandelt wurden (97%), auf die Therapie an. Nur 2 Patienten erlitten einen Relaps (7%). 26 (89,7%) Patienten erreichten ein SVR. Die hier berichteten Behandlungsergebnisse übertreffen im Durchschnitt um ca. 10% die Ansprechraten aus der Zulassungsstudie für PEG-Interferon-a-2b und Ribavirin [7], obwohl mit 1 mg/kg KG eine um 33% geringere Interferondosis zum Einsatz kam. Diese günstigen Behandlungsergebnisse wurden durch Minimierung der Abbruchraten und hohe Therapietreue der Patienten (Compliance) erzielt.Correspondence to:
Dr. med. D. Hüppe
Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis
Wiescherstraße 24
D–44623 Herne
Email: hueppe@gastro-praxis-herne.de