Jahrgang 20, No. 3/2008(3. Quartal 2008)
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Prävention und Rehabiliation
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Lernstörungen
Editorial: Lernstörungen und ihre Rolle in unserer Gesellschaft
S. Pixner und K. Moeller
Abstract
S. Pixner und K. Moeller
Lernstörungen
Dyskalkuliediagnostik mit dem RZD 2-6 im Kontext mit anderen psychometrischen Verfahren
F. Petermann und C. Jacobs
Abstract
F. Petermann und C. Jacobs
Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen
Etwa 6% der Kinder sind von einer Rechenstörung (Dyskalkulie) betroffen. Dabei finden sich in der Forschung zahlreiche Belege für eine Vielzahl von Begleiterkrankungen sowohl auf der Achse I (etwa Aufmerksamkeitsstörung, Prüfungsangst, Störung des Sozialverhaltens) als auch auf der Achse II (etwa Lese-Rechtschreibstörung, Sprachstörungen, sonstige Entwicklungsstörungen, etwa das Gedächtnis oder die Wahrnehmung betreffend). Auch die Bedeutung der Beeinträchtigung von Vorläuferfertigkeiten als Ursache für das Vorliegen einer Dyskalkulie wird intensiv kontrovers diskutiert. Dyskalkuliediagnostik kann daher nicht nur auf einen Rechtentest beschränkt werden. Neben der Intelligenzdiagnostik sollte in jedem Falle auch der soziale und emotionale Status, die familiäre und schulische Lernumgebung sowie die Überprüfung weiterer, möglicherweise ursächlicher oder begleitender Entwicklungsstörungen, etwa im Bereich Lernen, Merken, visuell-räumliche Wahrnehmung und Konstruktion, aber auch Sprache, erfolgen. Ebenso sollte das Vorliegen internalisierender und externalisierender Störungen berücksichtigt werden. Ein vier Ebenen umfassendes Diagnostikschema wird vorgestellt und anhand eines Fallbeispiels erläutert.Correspondence to:
Prof. Dr. F. Petermann; Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen, Grazer Straße 6, D-28359 Bremen
Email: fpeterm@uni-bremen.de
Lernstörungen
Mathematische Vorläuferfertigkeiten
B. Fussenegger
Abstract
B. Fussenegger
Universitätsklinik Innsbruck, Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Innsbruck, Österreich
Mathematische Vorläuferfertigkeiten erlangen im Bereich der Dyskalkulieforschung zunehmend an Bedeutung. Entsprechend der bereits fortgeschritteneren Legasthenieforschung (Möglichkeiten der Vorhersage und Prävention von Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb) bemühen sich erste Studien, spezifische Basisfertigkeiten zu bestimmen, die sich als relevante Vorläufer schulischer Mathematikleistungen erweisen. Vorliegende Ergebnisse geben Hinweise, dass eine Frühdiagnose von Rechenstörungen mit dem Ziel einer Frühförderung realisierbar erscheint. Die Entwicklung geeigneter Diagnostikinstrumente bildet einen bedeutenden aktuellen Forschungsschwerpunkt und hat bereits zu ersten Ergebnissen geführt. Obwohl Studien über langfristige Effekte von Fördermaßnahmen, die den basisnumerischen Bereich betreffen, noch kaum vorliegen, weisen erste vorliegende Studien auf die Effektivität der Förderung von numerischen Basisfertigkeiten hin. Der vorliegende Artikel bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung im Bereich der mathematischen Vorläuferfertigkeiten, erläutert zugrunde liegende Entwicklungsprozesse und Theorien und vermittelt Einblicke in zukünftige Forschungsbestrebungen.Correspondence to:
B. Fussenegger; Universitätsklinik Innsbruck, Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Anichstraße 35, A-6020 Innsbruck
Email: barbara.fussenegger@uki.ac.at
Lernstörungen
Wie die Wirksamkeit objektiviert werden kann: Empirische Kriterien für eine systematische Therapieevaluation
V. Thaler und A.M. Jacobs
Abstract
V. Thaler und A.M. Jacobs
Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie, Allgemeine und Neurokognitive Psychologie, Freie Universität Berlin
Evaluation von schulischen Leistungen ist seit PISA und PIRLS zum Standard geworden. Die Evaluation von spezifischen Therapiemethoden zur Förderung des Lesens und/ oder Rechtschreibens ist jedoch nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Im Rahmen dieser Analyse wurden 30 Studien – die die Erhöhung der Lesegeschwindigkeit bzw. die Erhöhung der orthografischen Rechtschreibkompetenz zum Ziel hatten – in Bezug auf die Anwendung empirischer, praktischer und signifikanztechnischer Evaluationskriterien analysiert. Es zeigte sich, dass bei den empirischen Kriterien nach Troia [41] mit zwischen 0% und 100% eine hohe Schwankungsbreite in der Anwendung der einzelnen Kriterien vorherrscht. Die praktische Relevanz verlangt eine wesentlich breiter gefächerte Evaluation eines Therapieangebots und wird vor allem bei der praktischen Implementierung wichtig. Die praktischen Kriterien nach Baumann und Reinecker-Hecht [2] wurden daher auch wesentlich seltener angewendet. Bezüglich der verschiedenen Signifikanz-Arten zeigte sich, dass in immer mehr Studien die praktische Signifikanz angegeben, die klinische Signifikanz jedoch nach wie vor kaum beachtet wird.Correspondence to:
V. Thaler; Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie,
Allgemeine und Neurokognitive Psychologie, Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D–14195 Berlin
Email: verena.thaler@fu-berlin.de
Lernstörungen
Wächst sich Dyskalkulie wieder aus? Eine Einzelfalldarstellung bei Dyskalkulie im Jugendalter
S. Pixner und L. Kaufmann
Abstract
S. Pixner1 und L. Kaufmann2
1CJD Berchtesgaden, 2Department für Pädiatrie IV, Arbeitsgruppe Neuropädiatrie, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Dyskalkulie tritt immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit. Der vorliegende Artikel ist eine Einzelfallstudie von Dyskalkulie im Jugendalter. Dyskalkulie ist zwar häufig mit Legasthenie assoziiert, ist aber durchaus als eigenständige Störung – mit primären Defiziten im basisnummerischen Bereich – anzusehen. Die hier beschriebene Jugendliche (Sabine) zeigt eine gute allgemeine Intelligenzleistung sowie altersadäquate Lese- und Rechtschreibfertigkeiten. Bezüglich der arithmetischen Leistungen zeigt Sabine erhebliche Defizite bei der basisnummerischen Verarbeitung. Trotz ihrer durchschnittlichen Intelligenz hat Sabine gravierende und andauernde Schwierigkeiten in der Schule, vor allem im Fach Mathematik. Sie leidet zusätzlich an einer sehr ausgeprägten Prüfungsangst, die höchstwahrscheinlich eine Folge ihrer unbehandelten Rechenschwäche ist und einen negativen Einfluss auf die Rechenleistungen hat.Correspondence to:
S. Pixner; CJD Berchtesgaden, Buchenhöhe 46, D–83471 Berchtesgaden
Email: silvia.pixner@cjd.de
Lernstörungen
Numerische Frühförderung: Wie spezifisch sind Interventionseffekte?
P. Handl und L. Kaufmann
Abstract
P. Handl1 und L. Kaufmann2
1Schulpsychologie Tirol, 2Department für Pädiatrie IV, Arbeitsgruppe Neuropädiatrie, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Erfassung von Interventionseffekten in der numerischen Frühförderung. Im Speziellen soll untersucht werden, ob es differenzielle Interventionseffekte basisnumerischer und räumlicher Fertigkeiten gibt. Aus der Literatur ist bekannt, dass es einen neurofunktionellen Zusammenhang zwischen numerischer und räumlicher Verarbeitung gibt. Daraus lässt sich die Hypothese ableiten, dass die Zahlbegriffsentwicklung auch durch die Förderung räumlicher Fertigkeiten positiv beeinflusst werden kann. In dieser Follow-up-Studie (10 und 2 Monate vor Schulbeginn) wurden 100 Kindergartenkinder mit unterschiedlichen Programmen gefördert. Zum Einsatz kamen ein basisnumerisches, ein räumliches und ein kombiniertes numerisch-räumliches Programm. Die Resultate bestätigen die Arbeitshypothese und zeigen, dass die größten Lernzuwächse hinsichtlich der basisnumerischen Fertigkeiten im Vorschulalter durch die gezielte Förderung räumlicher sowie einer Kombination basisnumerischer und räumlicher Fertigkeiten erzielt werden konnten. Mögliche Erklärungsansätze für diese Ergebnisse werden diskutiert.Correspondence to:
Mag. Pia Handl; Schulpsychologie Tirol, Erlerstraße, A–6060 Hall in Tirol
Email: p.handl@tsn.at
Lernstörungen
Legasthenie in der Familie – Ursachen und Folgen
T. Grimm
Abstract
T. Grimm
Abteilung für Medizinische Genetik, Universität Würzburg
4 – 5% der Bevölkerung haben eine Legasthenie. Damit ist die Legasthenie eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen. Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Legasthenie. Bisher sind 9 Genorte bekannt. In der Regel wird die Legasthenie komplex vererbt. Einige Familien folgen einem autosomal dominanten Erbgang. Am Beispiel einer Familie über 5 Generationen wird gezeigt, wie Betroffene zu unterschiedlichen Zeiten mit ihrer Legasthenie zurecht kommen mussten, um sich beruflich durchzusetzen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. T. Grimm; Abteilung für Medizinische Genetik, Universität Würzburg, Theodor-Boveri-Weg 11, D–97074 Würzburg
Mitteilung / Kongressankündigung