Jahrgang 18, No. 4/2006(4. Quartal 2006)
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Prävention und Rehabiliation
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Originalarbeit
Ziele in der kardiologischen Rehabilitation aus der Sicht von Patienten und Ärzten - Passt das zusammen?
U. Dörner und F.A. Muthny
Abstract
U. Dörner und F.A. Muthny
Institut für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Münster (UKM)
Die Festlegung von individuellen Reha-Zielen stellt eine wesentliche Maßnahme für den Rehabilitationserfolg dar und dient der Qualitätssicherung. 238 Patienten der kardiologischen Rehabilitation wurden zu Beginn der stationären Rehabilitation bezüglich ihrer Reha-Ziele anhand eines Zielkatalogs befragt, unabhängig davon auch die Ärzte bei Aufnahme des Patienten. 87% der Patienten waren Männer, das Durchschnittsalter lag bei 54 Jahren. 51% hatten einen Herzinfarkt hinter sich, 37% eine Bypass-Operation. Bei den Arzt-Ratings und den Patienten-Einschätzungen der Reha-Ziele dominierten Ziele des Herz-Kreislauf-Trainings; aber auch Ziele im Hinblick auf eine Verbesserung der Lebensqualität spielten eine große Rolle. Die Rückkehr in den Beruf wurde von Ärzten wie Patienten in 60% der Fälle als wichtiges Ziel genannt. Im Vergleich der Arzt- und Patienten-Einschätzungen wurden die meisten Ziele von den Ärzten als wichtiger eingeschätzt als von den Patienten. Keine Unterschiede ergaben sich im Hinblick auf den Erhalt bzw. die Verbesserung der Gesamt-Lebensqualität. Die Ziele von Ärzten und Patienten zeigen nur für arbeitsbezogene Ziele und die Reduktion einiger Risikofaktoren substantielle Korrelationen, nicht aber für die meisten anderen Reha-Ziele. Die Faktorenstruktur der Arzt- und Patienten-Einschätzungen fiel recht unterschiedlich aus, sodass gemeinsame Skalenbildungen nur begrenzt möglich sind. Insgesamt betonen die Ergebnisse die Notwendigkeit eines intensiven Austausches von Arzt und Patient über die Ziele der Rehabilitation.Correspondence to:
Dr. rer. medic. U. Dörner
Institut für Medizinische Psychologie des
Universitätsklinikums Münster
Von-Esmarch-Straße 52
D–48149 Münster
Email: postmaster.medpsych@uni-muenster.de
Originalarbeit
BNP und NT-proBNP als Prognosemarker des beruflichen Leistungsvermögens bei Patienten der kardiologischen Rehabilitation mit Dyspnoe und eingeschränkten Untersuchungsbedingungen für Belastungstests und Echokardiografie
H. Seyfert, V. Bohlscheid und T. Wendt
Abstract
H. Seyfert1, V. Bohlscheid1 und T. Wendt2
1Dietrich Bonnhoeffer Klinikum, Klinik für Innere Medizin III, Neubrandenburg, 2Rehabilitationsklinik Wetterau, Bad Nauheim
Fragestellung und Methode: Datenbankrecherche (Dimdi, Pubmed) mit der Frage des Beitrages natriuretischer Peptide (NP) zur Bewertung der beruflichen Leistungsfähigkeit aus kardiologischer Sicht bei Patienten mit Dyspnoe und normaler bis mäßig reduzierter Herzfunktion und eingeschränkten Untersuchungsbedingungen für Belastungstests und Echokardiografie. Ergebnisse: Aufgrund ihres hohen negativen prädiktiven Werts ergänzen die NP die Funktionsdiagnostik. Hämatokrit, Hepatosteatose reduzieren, weibliches Geschlecht, höheres Lebensalter, Leberzirrhose, intensives Training, Vorhofflimmern, Linksschenkelblock, myokardiale Ischämie, Herzinsuffizienz, valvuläre Vitien, arterieller Hypertonus, rechtsventrikuläre Schrittmacherstimulation erhöhen die Messwerte, die mit der kardialen Funktionsstörung korrelieren. Schlussfolgerung: Normale bis leicht elevierte NP-Werte sprechen für ein erhaltenes Leistungsvermögen für zumindest leichte körperliche Tätigkeiten aus kardiologischer Sicht. Aufgrund fehlender prospektiver Untersuchungen bezüglich des prädiktiven Werts der NP für die Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben besteht jedoch Forschungsbedarf.Correspondence to:
Dr. med. H. Seyfert
Dietrich Bonhoeffer Klinikum
Klinik für Innere Medizin III
S. Allende Straße 30
D–17036 Neubrandenburg
Email: 060320096679-0001@t-online.de
Übersichtsarbeit
Ältere Hypertoniker und Sport
K. Kisters, C. Funke und P. Franitza
Abstract
K. Kisters, C. Funke und P. Franitza
Medizinische Klinik I, St. Anna-Hospital, Herne
Die arterielle Hypertonie ist bekanntlich die häufigste internistische Erkrankung. Besonders beim älteren Patienten beträgt die Inzidenz mittlerweile ca. 50% sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Neben der medikamentösen Therapie gibt es ferner gut belegte Daten über die Wirksamkeit von nicht medikamentösen Therapieformen. Hierzu zählten insbesondere körperliche Aktivität und Sport. Sportliche bzw. körperliche Aktivitäten werden aber erst dann zu einem gesundheitswirksamen Training, wenn sie geplant, strukturiert, dosiert und regelmäßig stattfinden. Unter diesen Voraussetzungen werden eine Reihe positiver Wirkungen auf kardiopulmonale, metabolische und humorale Effekte vermittelt. Insgesamt kommt es durch sportliche Aktivität nicht nur zu einer Blutdrucksenkung, sondern auch zu einer Reduktion des kardiovaskulären Risikoprofils. In den meisten Studien stellt sich bereits nach wenigen Wochen zusätzlich eine deutliche Verbesserung der subjektiven Lebensqualität ein.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Kisters
Medizinische Klinik I
St. Anna Hospital
Hospitalstraße 19
D-44649 Herne
Email: kisters@annahospital.de
Originalarbeit
Multidimensionale Effektivität eines ambulanten COPD-Patientenschulungsprogramms: Ergebnisse einer Pilotstudie
D. Bösch, L. Sievers und S. Andreas
Abstract
D. Bösch1, L. Sievers1 und S. Andreas2
1Medizinische Klink I, Klinikum Bremerhaven, Reinkenheide,
2Fachklinik für Lungenerkrankungen, Immenhausen
Die COPD ist eine Erkrankung mit weltweit hoher Prävalenz und zunehmender medizinischer und sozialmedizinischer Beachtung. Die moderne COPD-Therapie fordert eine Schulung und Förderung der Eigenverantwortlichkeit der Patienten. Schulungsprogramme sollen Patienten zur besseren Bewältigung des Krankheitsverlaufs und zu informierten Patientenentscheidungen befähigen. In dieser Untersuchung wurden 15 Patienten mit leichter bis schwerer COPD vor und ein Jahr nach Teilnahme an dem ambulanten, strukturierten und zielgruppenspezifischen Patientenschulungsprogramm ATEM evaluiert. Neben einer erfolgreichen Wissensvermittlung konnte ein verbesserter Umgang mit der Erkrankung und den verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten im Sinne eines Selbstmanagements gezeigt werden. Trotz progredienter Lungenfunktionsverschlechterung ließ sich eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit, erklärt durch eine Lebensstilmodifikation, nachweisen. Die zurückgelegte Ergometerstrecke verbesserte sich signifikant um 15%. Ferner konnte die günstige Beeinflussung von wichtigen Morbiditätsmarkern gezeigt werden. Die Hospitalisationsrate verminderte sich signifikant um 73%. ATEM ist ein ambulantes COPD-Patientenschulungsprogramm mit multidimensionaler Wirksamkeit. Die Anforderungen an ein strukturiertes und zielgruppenspezifisches Schulungsprogramm als Element einer modernen COPD-Therapie, scheinen durch ATEM erfüllt zu sein.Correspondence to:
Dr. med. D. Bösch
Medizinische Klinik I
Klinikum Bremerhaven
Postbrookstraße 103
D-27574 Bremerhaven
Email: boesch@atem-online.de
Originalarbeit
Literaturanalyse: Sportliche Aktivitäten bei zystischer Fibrose
B. Schaar und P. Platen
Abstract
B. Schaar1 und P. Platen2
1Institut für Rehabilitation und Behindertensport, Deutsche Sporthochschule Köln, 2Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung, Ruhr-Universität Bochum
Einleitung: Die Literaturrecherche zum Thema “sportliche Aktivitäten bei zystischer Fibrose” umfaßte relevante wissenschaftliche Datenbanken. Die übergeordnete Fragestellung betrachtete die Veränderung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch sportliche Aktivitäten bei zystischer Fibrose und deren Einfluß auf krankheitsspezifische Symptome. Methodik: Bei insgesamt 1.456 Suchwortkombinationen wurden 1.314 Treffer erzielt. Die Recherche berücksichtigte Primärstudien aus den Jahren 1993 – 2002 in deutscher und englischer Sprache. Nach Einsicht der Titel, Abstracts und des Gesamttextes reduzierte sich die Anzahl der Treffer auf 2 Primärstudien, die den Anforderungen einer metaanalytischen Auswertung und der Fragestellung des Review auf der Basis des vorab definierten Kriterienkatalogs entsprachen. Aufgrund der geringen Studienanzahl fand eine deskriptive Auswertung Anwendung. Ergebnisse: Die analysierte Literaturstichprobe mit 2 Primärstudien umfaßte insgesamt 138 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 7 – 19 Jahren. Die Ergebnisse dieser beiden Primärstudien [11, 13] zeigen, daß sportliche Aktivitäten positiven Einfluß auf die Leistungsfähigkeit und die Symptomatik bei zystischer Fibrose nehmen. Schlußfolgerungen: Der aktuelle Stand der Literatur bestätigt den positiven Einfluß moderater sportlicher Aktivitäten auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Symptomatik bei Patienten mit zystischer Fibrose. In Zukunft sind hierzu dezentrale Organisationsformen zu direkten und indirekten angeleiteten sportlichen Aktivitäten zu fordern und die Methoden, Trainingsintensitäten und -kontrollen unter Berücksichtigung verschiedener Sportinhalte zu untersuchen.Correspondence to:
Dr. phil. Bettina Schaar
Institut für Rehabilitation und Behindertensport
Deutsche Sporthochschule Köln
Carl-Diem-Weg 6
D-50933 Köln
Email: schaar@dshs-koeln.de
Übersichtsarbeit
Konsequenzen der Spätzuweisung des alten Patienten zum Nephrologen - frühzeitige Überweisung rettet Patientenleben
V. Schwenger
Abstract
V. Schwenger
Sektion Nephrologie, Medizinische Universitätsklinik, Heidelberg
In Deutschland weist der alte Patient > 75 Jahre die höchste Inzidenz zur Nierenersatztherapie auf. Oftmals werden Patienten zu spät zum Nephrologen überwiesen. Insbesondere der alte Patient > 75 Jahre ist von der Spätzuweisung überproportional betroffen. Diese ist unter anderem assoziiert mit deutlichem Verlust der Lebensqualität, höheren Behandlungskosten, höherer Morbidität und Mortalität. Die lebensnotwendige Dialysebehandlung sollte einem Patienten aufgrund des chronologischen Alters per se nicht vorenthalten werden. Um diese Versorgungsdefizite zu beheben, sind bessere Versorgungsstrukturen zwischen Haus-, Fachärzten und Nephrologen dringend notwendig.Correspondence to:
Dr. med. V. Schwenger
Sektion Nephrologie
Medizinische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 162
D-69120 Heidelberg
Email: vedat.schwenger@med.uni-heidelberg.de