Jahrgang 17, No. 4/2005(4. Quartal 2005)
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Prävention und Rehabiliation
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Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation
Editorial
Prof. Dr. Franz Petermann, Bremen
Abstract
Prof. Dr. Franz Petermann, Bremen
Qualität im Gesundheitswesen bedeutet eine ausreichende und effiziente, d.h. patienten- und bedarfsgerechte, fachlich qualifizierte, aber auch wirtschaftliche medizinische Versorgung mit dem Ziel, die Wahrscheinlichkeit erwünschter Behandlungsergebnisse in der Gesamtbevölkerung zu erhöhen. In den letzten Jahren hat das Thema insbesondere durch die sozialgesetzliche Verpflichtung der Ärzte und Kliniken sowie der Kostenträger für die Organisation des Gesundheitswesens große Bedeutung erlangt.
Wichtigste Ziele der Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation sind eine am Patienten orientierte Verbesserung und Optimierung der Behandlung, eine Erhöhung der Transparenz der Leistungen, die Erschließung und Förderung von Leistungsreserven sowie die Verbesserung des internen Qualitätsmanagements. Qualitätssicherung soll den Versicherten eine qualitätsgerechte Versorgung sichern und bildet die Grundlage für einen qualitätsorientierten Wettbewerb im Gesundheitssystem.
Die trägerübergreifenden gesetzlichen Grundlagen ergeben sich aus § 20 des Sozialgesetzbuches IX. Darin wird festgelegt, daß die Rehabilitationsträger gemeinsame Empfehlungen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der Leistungen sowie für die Durchführung vergleichender Qualitätsanalysen als Grundlage für ein effektives Qualitätsmanagement der Leistungserbringer vereinbaren sollen. Darüber hinaus soll ein Qualitätsmanagement sichergestellt werden, das durch zielgerichtete und systematische Verfahren und Maßnahmen die Qualität der Versorgung gewährleistet und kontinuierlich verbessert.
Zur Realisierung und Ausgestaltung dieser umfassenden Aufgaben existieren zur Zeit zwei unterschiedliche Qualitätssicherungsverfahren für die Bereiche der Rentenversicherung (RV) und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Beide Verfahren sehen eine Prüfung in den Bereichen Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität sowie Patientenzufriedenheit vor, wobei zwischen den Programmen inhaltlich und methodisch einige Unterschiede bestehen sowie unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt wurden. Die Strukturqualität beschreibt Rahmenbedingungen der versorgenden Einrichtungen auf den Dimensionen Leistungsspektrum, Ausstattung, Qualifikation und interne Vernetzung. Die Prozeßqualität trifft Aussagen über die Planung, Struktur und den Ablauf der Leistungserbringung und der Ausführung. Die Ergebnisqualität beschreibt den Erfolg der Maßnahme anhand festgelegter Ziele und den Grad der Übereinstimmung zwischen den Rehabilitationszielen und -ergebnissen.
Die Kostenträger sind bestrebt, beide Qualitätssicherungsverfahren aufeinander abzustimmen und langfristig nur noch ein Verfahren für den Bereich der medizinischen Rehabilitation einzusetzen. Bislang wurden diesbezüglich bereits zahlreiche Aktivitäten initiiert, um die Verfahren der Qualitätssicherung bzw. die eingesetzten Instrumente im GKV-Verfahren und im Verfahren der Rentenversicherung zu harmonisieren. Bei der Erhebung der Strukturqualität beispielsweise wird bereits ein einheitliches Verfahren eingesetzt, die dahinterstehenden Qualitätsanforderungen sind einheitlich formuliert. Auch bei der Prozeßqualität konnten die beiden bestehenden QS-Verfahren inhaltlich angepaßt werden. Die Inhalte und Anforderungen des hierfür relevanten Peer-Review-Verfahrens sind identisch ausgestaltet. Langfristig sollen auch die bei der Prüfung der Ergebnisqualität bestehenden Unterschiede der beiden Verfahren schrittweise angeglichen werden.
In diesem Schwerpunktheft werden wichtige Aspekte und Parameter der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements aufgegriffen. In dem Beitrag von Farin und Mitautoren werden die Grundlagen und Anforderungen des Qualitätssicherungsverfahrens der GKV (QS-Reha-Verfahren) dargestellt. Inzwischen nehmen über 200 Kliniken mit nahezu allen Indikationen der medizinischen Rehabilitation an dem Verfahren teil. Nach einer Darstellung der auf den Dimensionen Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität eingesetzten Erhebungsinstrumente wird in dem Beitrag von Farin und Mitarbeitern über Resultate zu den kurz- und mittelfristigen Effekten der Rehabilitation in Einrichtungen der Indikationen muskuloskeletale Erkrankungen, Kardiologie, Neurologie, Onkologie und Dermatologie berichtet.
Kobelt und Mitarbeiter stellen in ihrem Beitrag die Bedeutung und den Zusammenhang zwischen der Reha-Bedürftigkeit, dem Grad der Erschöpfung und dem Reha-Erfolg der Rehabilitanden dar. Die abgeleiteten Ergebnisse werden auf der Ebene der Prozeßqualität und -optimierung kritisch diskutiert.
Schwerpunkt des Beitrags von Körner und Bengel bildet die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Einrichtungen. Es wird dargestellt, in welcher Weise Teamanalysen und Teamentwicklung einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität in der medizinischen Rehabilitation leisten können.
Karpinski und Mitautoren untersuchen in ihrem Beitrag die Eignung eines Assessment-Verfahrens im Rahmen der pneumologischen Rehabilitation. Daran zeigt sich, daß das gut eingeführte Verfahren St. George’s Respiratory Questionnaire gut zur Beurteilung der Ergebnisqualität bei Asthma und COPD geeignet ist.Correspondence to:
Prof. Dr. Franz Petermann
Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation
Universität Bremen
Grazer Straße 6
D–28359 Bremen
Email: fpeterm@64uni-bremen.de
Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation
Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation durch die Gesetzliche Krankenversicherung: Hintergrund, Anforderungen und Ergebnisse
E. Farin, P. Follert, W. Gerdelmann und W.H. Jäckel
Abstract
E. Farin1, P. Follert2, W. Gerdelmann2 und W.H. Jäckel1,3
1Abteilung für Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, 2Verband der Angestellten- Krankenkassen e.V./Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V. (VdAK/AEV), Siegburg,3Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung, Bad Säckingen
Das Qualitätssicherungsverfahren der Gesetzlichen Krankenversicherung in der medizinischen Rehabilitation (QS-Reha®-Verfahren) stellt ein umfassendes externes Qualitätssicherungsprogramm dar. Zum Zeitpunkt Herbst 2005 nehmen über 200 Kliniken mit nahezu allen Indikationen der medizinischen Rehabilitation an dem Verfahren teil. Nach einer Darstellung der auf den Dimensionen Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität eingesetzten Meßinstrumente werden Resultate zu den kurz- und mittelfristigen Effekten der Rehabilitation vorgestellt. Die Resultate zeigen, daß die medizinische Rehabilitation kurzfristig deutliche, teilweise sogar sehr deutliche Effekte zeigt. Nicht so günstig fallen die Ergebnisse bezüglich der mittelfristigen Effekte 6 Monate nach der Rehabilitation aus. Hier liegen die Effektstärken hinsichtlich des allgemeinen Reha-Status in der Regel nur noch zwischen 0.20 und 0.30. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß bei einer zielorientierten Ergebnismessung, d.h. bei Analysen in den Subgruppen derjenigen Patienten, bei denen der jeweilige Outcome-Parameter auch ein Reha-Ziel darstellte, in vielen Fällen deutlich höhere Effekte resultieren. Dies gilt auch bei statistischer Kontrolle des methodischen Artefakts der Regression zur Mitte.Correspondence to:
Dr. phil. Dipl. Psych. E. Farin
Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin
Universitätsklinikum Freiburg
Breisacher Straße 62/Haus 4
D–79106 Freiburg
Email: erik.farin@uniklinik-freiburg.de
Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation
Die Bedeutung der Erschöpfung für die Rehabilitation(Betrachtungen nach einem Jahr)
A. Kobelt, E. Grosch, I. Ehlebracht-König, M. Schwarze, A. Wasmus, M. Krähling und C. Gutenbrunner
Abstract
A. Kobelt1, E. Grosch1, I. Ehlebracht-König2, M. Schwarze4, A. Wasmus1, M. Krähling1 und C. Gutenbrunner3
1Ärztlicher Dienst, LVA Hannover, 2Rehabilitationszentrum Bad Eilsen der LVA Hannover, 3Abteilung Physikalische Medizin und Rehabilitation, Medizinische Hochschule Hannover, 4Koordinierungsstelle für Rehabilitationsforschung, Medizinische Hochschule Ha
Ziel der Rentenversicherung ist es, durch kompetente und gezielte Sachaufklärung zu einer schnellen Entscheidung über einen Antrag auf medizinische Rehabilitation zu kommen. Dabei sind die Prüfärzte auf die Befunde der behandelnden Ärzte und auf die Selbstangaben der Antragsteller angewiesen. Diese Angaben sind manchmal zu lückenhaft, um eine gezielte Zuweisung in eine medizinische Rehabilitation und dort in eine angemessene Behandlung zu führen. Es wurden schon mehrere Studien unternommen, um den Reha-Erfolg über die Reha-Bedürftigkeit vorherzusagen. In der vorliegenden Untersuchung beschäftigen wir uns mit den Zusammenhängen zwischen der Rehabilitationsbedürftigkeit, dem Grad der Erschöpfung und dem Reha-Erfolg. Nach einer Basiserhebung im letzten Jahr werden nun die Ergebnisse der Katamnesebefragung vorgestellt. Auch in unserer Studie konnten keine Zusammenhänge zwischen der subjektiven Reha-Bedürftigkeit und dem Reha-Erfolg festgestellt werden. Nach einem Jahr konnten keine spezifischen Effekte der medizinischen Rehabilitationsbehandlung mehr nachgewiesen werden. Allerdings reduzierten sich die Rehabilitationsbedürftigkeit und das Ausmaß der Erschöpfung als unspezifischer Effekt der medizinischen Rehabilitation. Wir schlagen vor, den Zusammenhang, aber auch die Wirkungsrichtung von unspezifischen auf spezifische Rehabilitationseffekte, durch geeignete Meßinstrumente oder Methoden zu untersuchen.Correspondence to:
Dr. phil. Dipl. Psych. A. Kobelt
Ärztlicher Dienst
Deutsche Rentenversicherung
Braunschweig-Hannover
Lange Weihe 2
D–30880 Laatzen
Email: Axel.Kobelt@drv-bsh.de
Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation
Teamanalyse und Teamentwicklung als Maßnahmen des Qualitätsmanagements in der stationären medizinischen Rehabilitation
M. Körner und J. Bengel
Abstract
M. Körner1 und J. Bengel2
1Abteilung für Medizinische Soziologie, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2Abteilung für Rehabilitationspsychologie, Institut für Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Teamanalyse und Teamentwicklung als Maßnahmen des Qualitätsmanagements in der stationären medizinischen Rehabilitation
Die Qualität der Behandlung in der stationären medizinischen Rehabilitation wird durch die Zusammenarbeit der Rehabilitationsfachkräfte nach den Prinzipien der Interdisziplinarität und der Teamarbeit beeinflußt. So können im Rahmen des Qualitätsmanagements Teamanalysen eingesetzt werden, um Stärken und Schwächen eines Rehabilitationsteams zu erfassen. Der Artikel will zeigen, inwiefern Teamanalysen und Teamentwicklung einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität in der medizinischen Rehabilitation leisten können. Für die Studie konnten 12 von 87 Teams des Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbundes Freiburg/Bad-Säckingen gewonnen werden. Die Chefärzte dieser Rehabilitationskliniken (n = 12) wurden mit Hilfe eines selbst konzipierten, halbstandardisierten Interview-Leitfadens telefonisch befragt. Zudem wurde eine schriftliche Mitarbeiterbefragung im Rehabilitationsteam durchgeführt (n = 251). Mittels der Teamanalysen konnte für die 12 Teams der Bedarf an Teamentwicklung festgelegt werden. Dabei zeigte sich, daß die aus den Schwachstellen der Teams abgeleiteten Module der Teamentwicklung wichtige Indikatoren von Qualitätsmanagementprogrammen betreffen. Aus den Ergebnissen läßt sich schlußfolgern, daß Teamentwicklung das Qualitätsmanagement insbesondere hinsichtlich der führungs- und mitarbeiterbezogenen Prozesse und Ergebnisse unterstützen kann.Correspondence to:
Dipl.-Psych. Dipl.-Bw. (BA) Mirjam Körner
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Medizinische Fakultät
Abteilung für Medizinische Soziologie
Hebelstraße 29
D–79085 Freiburg
Email: mirjam.koerner@medsoz.uni-freiburg.de
Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation
Der Saint George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ) im Rahmen der Qualitätssicherung:Ist die deutschsprachige Version des SGRQ bei Patienten mit Asthma- und COPD ein valides Meßinstrument der krankheitsspezifischen Lebensqualität?
N.A. Karpinski, K. Bauernschmitt, K. Schultz und F. Petermann
Abstract
N.A. Karpinski1, K. Bauernschmitt2, K. Schultz2 und F. Petermann1
1Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen, 2AHG Fachklinik Allgäu, Pfronten
Die deutsche Version des Saint George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ) liegt seit 1999 vor. Seitdem wurde der SGRQ in zahlreichen klinischen Studien eingesetzt. Die vorliegende Untersuchung bewertet den Stellenwert des SGRQ unter den Aspekten der Gültigkeit für Asthma- und COPD-Patienten und der Änderungssensitivität auf der Basis von 777 Patientendaten (233 COPD-Patienten). Die Ergebnisse dieser Bewertung ergeben eine zufriedenstellende bis gute Reliabilität des deutschen SGRQ (a = 0,762 bis a = 0,867). Die Annahme der Gültigkeit kann anhand der erzielten Ergebnisse für beide Diagnosegruppen bestätigt werden. Gleiches gilt für die Möglichkeit, Veränderungen in der Lebensqualität zu messen. Zusätzlich zu diesen Befunden werden unterschiedliche Bezugsgrößen zur Einschätzung der klinischen Bedeutsamkeit der SGRQ-Werte bei Asthma- und COPD-Patienten dargestellt.Correspondence to:
Dr. N.A. Karpinski
Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation
Universität Bremen
Grazer Straße 6
D–28359 Bremen
Email: nkar@uni-bremen.de