Jahrgang 39, No. 7/2010(Juli)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Up to date Vitamin D
Editorial
W. Schulz, P. Spiegel und G. Delling
Abstract
W. Schulz, P. Spiegel und G. Delling
Up to date Vitamin D
Atherosklerose – Pathogenese und Protektion. Die protektive Relevanz von Vitamin D3
V. Gärtner und T.K. Eigentler
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 7/2010, S. 263–270
Atherosklerose – Pathogenese und Protektion. Die protektive Relevanz von Vitamin D3
V. Gärtner1 und T.K. Eigentler2
1Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Tübingen, 2Universitäts-Hautklinik Tübingen
Die Arteriosklerose (Atherosklerose) stellt eine multifaktorielle, stadienhaft verlaufende Erkrankung dar, die mit ihren vaskulären Komplikationen (Myokardinfarkt, Schlaganfall) als häufigste Todesursache der westlichen Welt anzusehen ist. In der Pathogenese der Atherosklerose steht die chronische Endothelläsion mit Dysfunktion im Zentrum. Ausgelöst durch unterschiedliche Risikofaktoren mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen und unterschiedlicher Relevanz resultiert als primärer Pathomechanismus eine initiale Endothelschädigung, die zu einer Mediatorenimbalance des Endothels mit Reduktion von vasoprotektiven und Aktivierung antagonistischer Mediatoren führt, mit einer Plaque- bzw. Atherom-Entwicklung als Folge. Die entscheidende Komplikation ist die Deckplattenruptur. Die Makroangiopathie beim Diabetiker ist auch eine Atherosklerose, allerdings mit einem akzelerierten Verlauf, das heißt sie beginnt früher, ist schwerer ausgeprägt und rascher progredient, bedingt durch mehrere additiv wirkende Risikofaktoren. Unter den protektiven Faktoren wird in neuerer Zeit auch Vitamin D3 diskutiert. Calcitriol, der wirksame Hauptmetabolit, hat im Organismus vielfältige, pleiotrope Wirkungen. Neben den seit Jahren bekannten klassischen Regulationsmechanismen für die Kalzium- und Phosphat-Homöostase werden aktuell weitere nichtklassische Effekte von Vitamin D3 diskutiert. Diese beziehen sich zum einen auf zelluläre Wirkungsmechanismen (z.B. antiproliferativ, differenzierend, regenerierend), unter anderem mit einem potenziellen Einfluss auf maligne Neoplasien. Zum anderen zeigen aktuelle Arbeiten eine Bedeutung von Vitamin D3 bei immunregulatorischen Prozessen, Infektionskrankheiten sowie Autoimmunkrankheiten, aber auch bei der Insulinsekretion und Insulinresistenz. Ganz im Vordergrund der pleiotropen Effekte von Vitamin D3 stehen vasoprotektive Wirkungen mit positiver Beeinflussung eines Hypertonus sowie kardio-zerebrovaskulärer Erkrankungen einschließlich peripherer arterieller Verschlusskrankheiten. Allerdings zeigen mehrere, jedoch ältere Arbeiten auch kontroverse und konträre Ergebnisse. Aus diesem Grunde sind größere standardisierte und randomisierte Studien notwendig, um die Relevanz von Vitamin D3 für das Gefäßsystem weiter zu evaluieren und zu etablieren.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Valeria Gärtner
Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Tübingen
Liebermeisterstraße 8
D–72076 Tübingen
Email: hermine-valeria.gaertner@med.uni-tuebingen.de
Up to date Vitamin D
Zusammenhang zwischen Knochen- und Gefäßerkrankungen bei Dialysepatienten
T. Adragão
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 7/2010, S. 271–278
Zusammenhang zwischen Knochen- und Gefäßerkrankungen bei Dialysepatienten
T. Adragão
Abteilung für Nephrologie, Santa Cruz Hospital, Carnaxide, Portugal
In den letzten Jahren wurde in zahlreichen Beobachtungsstudien übereinstimmend ein Zusammenhang zwischen Gefäßverkalkungen und Mortalität bei Dialysepatienten festgestellt. Die Gefäßverkalkung ist ein aktiver zellulärer Prozess, ähnlich dem der Knochenneubildung. Für Dialysepatienten wurde nachgewiesen, dass Hyperphosphatämie und/oder Hyperkalzämie zusammen mit einer Abnahme der Verkalkungsinhibitoren die Umwandlung der glatten Gefäßmuskelzellen in Osteoblasten induzieren. Hyperphosphatämie und Hyperkalzämie können durch verschiedene Mechanismen entweder bei Hyperparathyreoidismus oder bei adynamischer Knochenerkrankung auftreten. Dies bildet die Grundlage für die derzeitige Hypothese einer Verbindung zwischen Knochen- und Gefäßerkrankungen bei Dialysepatienten. Einige Studien konnten bereits nachweisen, dass eine Verbindung zwischen einem niedrigen Knochenumbau, einem geringen Knochenvolumen und einer niedrigen Knochenmineraldichte besteht. Es muss gezeigt werden, dass die Korrektur des Mineral- und Knochenstoffwechsels bei Dialysepatienten Auswirkungen auf die Verringerung des kardiovaskulären Risikos hat.Correspondence to:
Dr. med. Teresa Adragão
Nephrology Department
Santa Cruz Hospital
Avenida Prof. Reinaldo dos Santos
2790-134 Carnaxide, Portugal
Email: tadragao@netcabo.pt
Up to date Vitamin D
Pleiotrope Effekte von Vitamin D bei chronischer und terminaler Niereninsuffizienz
F. Strutz
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 7/2010, S. 279–283
Pleiotrope Effekte von Vitamin D bei chronischer und terminaler Niereninsuffizienz
F. Strutz
Fachbereich Nephrologie, Deutsche Klinik für Diagnostik, Wiesbaden
Vitamin D hat eine Vielzahl von pleiotropen Effekten, die erst in den letzten Jahren zunehmend erkannt wurden. Eine Beobachtungsstudie und eine Vielzahl von experimentellen Untersuchungen legen eine Reduktion der Progressionsrate der chronischen Niereninsuffizienz unter Calcitriol-Gabe nahe, aber randomisierte prospektive klinische Studien fehlen. Effekte auf die Fibroblastenaktivierung und die epithelial mesenchymale Transition sowie die Verminderung der Fibrosierung in Tiermodellen der chronisch progredienten Niereninsuffizienz illustrieren aber zumindest die potenziellen Möglichkeiten der Gabe sowohl von Calcitriol als auch von Paricalcitol. Ist das Dialysestadium erreicht, sprechen erneut Beobachtungsstudien von einem Überlebensvorteil zumindest für die Patienten, die mit einer parenteralen Form von Calcitriol oder Paricalcitol behandelt werden. Einschränkend muss auch hier das Fehlen von kontrollierten klinischen Studien erwähnt werden. Über mögliche Mechanismen ist noch wenig bekannt, inhibierende Effekte auf die kardiale Fibrose und damit das kardiale Remodeling sind zumindest für Calcitriol, wenn auch nicht für Paricalcitol beschrieben. Pragmatisch sollte bei allen Patienten mit Niereninsuffizienz der 25-Hydro- xyvitamin-D-Spiegel zumindest bei über 20 ng/ml liegen. Idealerweise sollte der Patient daher sowohl ein natives Vitamin D als auch Calcitriol erhalten. Beim Risiko einer Hyperkalzämie bietet sich Paricalcitol als Alternative an. Kontrollierte Studien sind unbedingt erforderlich, um dieses Vorgehen durch klinische Daten zu stützen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. F. Strutz
Fachbereich Nephrologie
Deutsche Klinik für Diagnostik
Aukammallee 33
D–65191 Wiesbaden
Email: fstrutz@gwdg.de
Up to date Vitamin D
Welche Rolle spielt natives Vitamin D (Cholecalciferol) in der Behandlung des chronisch Niereninsuffizienten und des Dialyse-Patienten?
W. Schulz
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 7/2010, S. 284–294
Welche Rolle spielt natives Vitamin D (Cholecalciferol) in der Behandlung des chronisch Niereninsuffizienten und des Dialyse-Patienten?
W. Schulz
Ehemaliges KfH-Nierenzentrum Bamberg und Privatärztliche Praxisgemeinschaft Bamberg
Bei der Allgemeinbevölkerung, besonders im Alter, besteht oft ein deutlicher Vitamin D-Mangel. Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz Stadium 2 – 5 weisen einen Mangel an aktivem Vitamin D (Calcitriol) auf. Gleichzeitig besteht aber auch ein Mangel an nativem Vitamin D3 (Cholecalciferol). Deswegen sollte die Bestimmung des Leber-Metaboliten 25(OH)D3 als Ausdruck des Vitamin D-Speichers grundsätzlich in das Untersuchungsprogramm der chronisch niereninsuffizienten Patienten (CKD Stadium 2 – 5) aufgenommen werden. Vitamin D3-Mangel tritt bei Frauen und Diabetikern an der Dialyse häufiger auf. Vitamin D3-Mangel kann sich zu einem kardiovaskulären Risikofaktor entwickeln, wenn Cholecalciferol nicht substituiert wird. Diese Substitution von Vitamin D3 sollte in der chronischen Niereninsuffizienz Stadium 3 und 4 und auch an der Dialyse erfolgen. Die kurz- und mittelfristige Prognose bei Dialyse-Patienten mit niedrigem 25(OH)D3-Spiegel war trotz einer Therapie mit sVDRA im Gegensatz zu Patienten mit normalen Vitamin D3-Spiegeln deutlich verschlechtert. DOQI-Leitlinien für die Behandlung mit nativem Vitamin D3 bei Patienten mit chronischer Dialyse existieren nicht. Die ADIGO-Leitlinien sprechen die Bestimmung von nativem Vitamin D3 bei chronischer Niereninsuffizienz Stadium 2 – 5 zumindest an.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. Schulz
Privatärztliche Praxisgemeinschaft Bamberg
Urbanstraße 16
D–96047 Bamberg
Email: w.schulz.dr@t-online.de
Serie
Blick in die Fachliteratur
Abstract
Blick in die Fachliteratur
Personalia, Buchbesprechung
Abstract
Personalia, Buchbesprechung