Jahrgang 39, No. 8/2010(August)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Originalarbeit
Individueller Effekt einer maximalen Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems und einer Kortikosteroidtherapie bei IgA-Glomerulonephritis: Ergebnisse einer Pilotstudie
M.J. Kim, H. Hopfer, M.T. Koller, O. Giannini, M.J. Mihatsch und M. Mayr
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 8/2010, S. 301–311
Individueller Effekt einer maximalen Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems und einer Kortikosteroidtherapie bei IgA-Glomerulonephritis: Ergebnisse einer Pilotstudie
M.J. Kim1,2, H. Hopfer3, M.T. Koller4,5, O. Giannini6, M.J. Mihatsch3 und M. Mayr1,5
1Klinik für Transplantationsimmunologie und Nephrologie, 2Klinik für Innere Medizin, 3Institut für Pathologie, 4Basel Institute for Clinical Epidemiology and Biostatistics, 5Medizinische Poliklinik, Universitätsklinik Basel, 6Nephrologie und Innere Medizin, Ospedale Regionale Beata Vergine, Mendrisio, Schweiz
Hintergrund: Der Effekt verschiedener Therapiemodalitäten auf den Ausgang einer Immunglobulin-A-Glomerulonephritis (IgA-GN) ist weiterhin unklar. Eine sequenzielle Therapie mit initialer Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) gefolgt von einer zeitversetzten zusätzlichen Therapie mit Kortikosteroiden könnte helfen, den individuellen Effekt beider Therapiemodalitäten besser abzuschätzen. Methoden: Unabhängig vom Grad der Proteinurie, der Nierenfunktion und der histologischen Einstufung wurden Patienten mit bioptisch gesicherter IgA-GN unter Befolgung eines standardisierten Protokolls behandelt. Initial wurde eine maximale RAS-Inhibition für 3 Monate durchgeführt. Ab Monat 4 wurde zusätzlich für 6 Monate eine Kortikosteroidtherapie verabreicht (Prednison 0,5 mg/kg Körpergewicht jeden 2. Tag). Der primäre Studienendpunkt war die maximale Reduktion der Proteinurie (Urin-Protein/Kreatinin-Quotient (uPCR)) infolge der alleinigen RAS-Inhibition und infolge der Kombination aus RAS-Inhibition und Steroiden. Ergebnisse: 10 Patienten wurden dem Protokoll entsprechend behandelt. Im Verlauf einer medianen Follow-up-Zeit von 18 Monaten verringerte sich der uPCR von anfänglich 230 mg/mmol (2 g/g) (Median, Interquartilbereich 146 – 396) auf 154 mg/mmol (1,4 g/g) (Interquartilbereich 88 – 190) in der 3-monatigen RAS-Inhibitionsphase (33%ige Reduktion, p = 0,01) und weiter auf 31 mg/mmol (0,3 g/g) (Interquartilbereich 21 – 71) bis zum Ende der Steroidphase nach insgesamt 9 Monaten (80%ige Reduktion im Vergleich zum uPCR im 3. Monat, p < 0,001). Bei der letzten Follow-up-Untersuchung lag der uPCR (median) stabil bei 41 mg/mmol (0,4 g/g). Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) war während der gesamten Beobachtungsphase stabil. Schlussfolgerungen: Die aufeinanderfolgende Anwendung einer RAS-Inhibition und einer Steroidbehandlung führt zu einer kontinuierlichen Verringerung der Proteinurie, die über das Ausmaß einer Reduktion der Proteinurie durch eine alleinige RAS-Inhibition hinausgeht. Die Daten lassen auf eine unabhängige Wirkung beider Therapien (RAS-Inhibition und Steroidbehandlung) auf die Reduktion der Proteinurie in einem kleinen unselektionierten Kollektiv von IgA-GN-Patienten schließen. Eine randomisierte Studie ist nun notwendig, um die Hypothese zu überprüfen, dass Patienten mit IgA-GN, unabhängig vom Grad der Proteinurie, der Nierenfunktion und der histologischen Einstufung, von einer Kombinationstherapie bestehend aus maximaler RAS-Inhibition und niedrig dosierten Kortikosteroiden profitieren können.Correspondence to:
Dr. med. M. Mayr
Medizinische Poliklinik
Universitätsspital Basel
Petersgraben 4
CH–4031 Basel
Email: mmayr@uhbs.ch
Originalarbeit
Auswirkungen einer kurzzeitigen Behandlung mit Wachstumshormon auf das kardiovaskuläre Risikoprofil bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz: eine Pilotstudie
D.-C. Fischer, R. Nissel, A. Puhlmann, A. Mitzner, M. Tieß, R. Schmidt und D. Haffner
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 8/2010, S. 312–321
Auswirkungen einer kurzzeitigen Behandlung mit Wachstumshormon auf das kardiovaskuläre Risikoprofil bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz: eine Pilotstudie
D.-C. Fischer1, R. Nissel1, A. Puhlmann1, A. Mitzner2, M. Tieß3, R. Schmidt2 und D. Haffner1
1Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock, 2Abteilung Nephrologie, Universität Rostock, 3Poliklinik, Dialyseverbund Nord, Rostock
Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) ist mit einer stark erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität assoziiert. Zusätzlich wird häufig eine Resistenz gegenüber Wachstumshormon (GH) beobachtet. In einer nicht randomisierten Single-Center-Studie (Pilotstudie) wurden die Auswirkungen einer kurzfristigen Behandlung mit rekombinantem humanem Wachstumshormon (rhGH) auf die zirkulierenden Marker des kardiovaskulären Risikos bei gut ernährten CNI-Patienten untersucht. Patienten (n = 15) mit stabiler CNI im Stadium 3 – 5 und gesunde Kontrollen (n = 15) wurden 7 Tage lang mit rhGH (1,33 mg/m2 Körperoberfläche pro Tag, ca. 30 µg/kg) behandelt. Die Alters- und Geschlechtsverteilung beider Gruppen war vergleichbar. Vor Beginn der rhGH-Therapie, am Ende des Behandlungszeitraums und am Ende einer 7-tägigen Auswaschphase wurden Blutproben zur Bestimmung zirkulierender Marker des kardiovaskulären Risikos gewonnen. Zu Studienbeginn waren bei den CNI-Patienten die Serum-Phosphat-Spiegel, das (Calcium × Phosphat)-Produkt, PTH, Fibroblast growth factor 23 (FGF-23), Triglyceride, Leptin und Homozystein im Vergleich zu den Kontrollen erhöht. Sowohl bei den Patienten als auch bei den Kontrollen induzierte die rhGH-Behandlung einen Anstieg des zirkulierenden Insulin-like-growth-factor I (IGF-I), des molaren Verhältnisses von IGF-I zu IGF-bindendem Protein 3 (IGF-I/ IGFBP-3) sowie der Glukose-, Insulin- und Triglycerid-Konzentrationen. Gleichzeitig verringerte sich die Harnstoff-Konzentration im Serum. Bei den CNI-Patienten erhöhte die rhGH-Behandlung die Leptin-Konzentrationen, während die Serumspiegel von LDL-Cholesterin, Homozystein, Phosphat und 25-Hydroxy-Vitamin D3 signifikant abnahmen. Bei den Kontrollen, nicht aber bei den CNI-Patienten, führte rhGH zu einer Erhöhung der 1,25-Dihydroxy-Vitamin-D3-Spiegel im Serum, die auch am Ende der Auswaschphase noch höher als zu Beginn der Studie waren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die kurzfristige Behandlung mit rhGH bei CNI-Patienten nicht nur den Insulin- und Glukose-Stoffwechsel beeinflusst, sondern auch Auswirkungen auf das Serum-Lipid-Profil, das heißt LDL-Cholesterol, Leptin und Homozystein, hat. Langzeitstudien sind notwendig, um die Auswirkungen von rhGH auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität zu untersuchen.Correspondence to:
Dr. rer. nat. Dagmar-Christiane Fischer
Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 8
D–18057 Rostock
Email: dagmar-christiane.fischer@med.uni-rostock.de
Übersicht
Aktuelle Praxis der Lipidapherese
A. Heibges, C. Fassbender und R. Klingel
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 8/2010, S. 322–337
Aktuelle Praxis der Lipidapherese
A. Heibges, C. Fassbender und R. Klingel
Apherese Forschungsinstitut, Köln
Die Lipidapherese ist als extrakorporales Blutreinigungsverfahren seit Jahrzehnten etabliert und fester Bestandteil des Stufenplans lipidsenkender Maßnahmen, wenn Diät und kombinierte medikamentöse Therapie nicht ausreichen, um das kardiovaskuläre Risiko maßgeblich zu senken. War über lange Zeit hauptsächlich die Absenkung des LDL-Cholesterins im Zentrum des Interesses, hat sich in den letzten Jahren der Blickwinkel auf weitere Faktoren der Atherosklerose wie Lipoprotein(a) (Lp(a)) und Triglyceride erweitert. Für Hochrisikopatienten mit familiärer oder schwerer therapierefraktärer Hypercholesterinämie oder isolierter Lp(a)-Hyperlipoproteinämie mit progredienter kardiovaskulärer Gefäßerkrankung ist die Lipidapherese mangels effizienter medikamentöser Möglichkeiten dabei unverzichtbar. Die Behandlung von schweren Hypertriglyceridämien mittels Lipidapherese ist ebenfalls fester Bestandteil der klinischen Praxis, wenn diese in der Schwangerschaft auftreten oder als Komplikation eine akute Pankreatitis eintritt. Darüber hinaus hat die Lipidapherese auch in der Langzeittherapie des seltenen Refsum-Syndroms ihren Stellenwert. Im Folgenden möchten wir die aktuelle Praxis der Lipidapherese hinsichtlich der Indikationsgebiete und der eingesetzten Verfahren darstellen. Wir stellen die zugrunde liegenden Indikationen vor und beleuchten die pathophysiologischen Angriffspunkte für die Lipidapherese auf molekularer Ebene. Unterschiede der Lipidapherese-Verfahren hinsichtlich Technik und Wirksamkeit werden diskutiert. Gleich wirksam bezüglich der Absenkung von LDL-Cholesterin und Lp(a) haben einige Verfahren Eigenschaften, die für bestimmte Patienten vorteilhaft sein können. Die aktuellen Regelungen zur Kostenerstattung der Lipidapherese ambulant und stationär werden zusammengefasst.Correspondence to:
Prof. Dr. med. R. Klingel
Apherese Forschungsinstitut
Stadtwaldgürtel 77
D–50935 Köln
Email: afi@apheresis-research.org
Kasuistik
Verlauf einer Light Chain Deposition Disease (LCDD) über 8 Jahre
J. Gerth, M. Busch, U. Ott, H.-J. Gröne und G. Wolf
Abstract
Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 39, Nr. 8/2010, S. 338–343
Verlauf einer Light Chain Deposition Disease (LCDD) über 8 Jahre
J. Gerth1, M. Busch1, U. Ott1, H.-J. Gröne2 und G. Wolf1
1Klinik für Innere Medizin III, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, 2Abteilung Zelluläre und Molekulare Pathologie, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
Bei einer 44-jährigen Patientin wurde eine Proteinurie infolge einer sekundär zur Light Chain Deposition Disease (LCDD) auftretenden nodulären Glomerulosklerose diagnostiziert. Nach 6 Jahren trat eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion auf, sodass eine autologe Stammzelltransplantation in Betracht gezogen wurde. Die Patientin lehnte jedoch eine spezifische Therapie ab. Die Erkrankung schritt nur langsam voran und nach 8 Jahren wurde das Stadium 4 der chronischen Niereninsuffizienz erreicht. Die Kreatinin-Clearance lag trotz fehlender spezifischer Therapie bei 20 ml/min. Dieser durch wiederholte Biopsien dokumentierte Fall zeigt den sehr langsamen Verlust der Nierenfunktion bei LCDD. Dies legt die Anwendung konservativer Behandlungsstrategien nahe, ohne das Risiko einer Chemotherapie oder einer autologen Stammzelltransplantation eingehen zu müssen, solange keine langfristigen Follow-up-Daten für diese Therapien bei der LCDD zur Verfügung stehen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. G. Wolf
Klinik für Innere Medizin III
Friedrich-Schiller-Universität
Erlanger Allee 101
D–07347 Jena
Email: Gunter.Wolf@med.uni-jena.de
Kongressbericht, Kongressankündigungen
Abstract
Kongressbericht, Kongressankündigungen