Jahrgang 37, No. 12/2008(Dezember 2008)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Originalarbeit
Nichtinterventionelle Erhebung zu den Wechselwirkungen zwischen der Therapie der renalen Anämie mit Darbepoietin-alpha und sekundärem Hyperparathyreoidismus
R. Brunkhorst, V. Bajeski, J. Baumann, J. Knee und R. Winkler
Abstract
R. Brunkhorst1, V. Bajeski2, J. Baumann3, J. Knee4 und R. Winkler5
1Abteilung Nieren-, Hochdruck- und Gefäßkrankheiten, Klinikum Hannover Oststadt, Hannover, 2Dialysepraxis Eckendorfer Straße, Bielefeld, 3PHV Herford, 4Dialysepraxis Maxstraße, Essen, 5Praxisverbund für Dialyse und Apherese, Rostock
Hintergrund: Die klinische Wirksamkeit von Darbepoietin-alpha bei der Behandlung der renalen Anämie wurde für niereninsuffiziente Patienten hinreichend gezeigt. Über mögliche Wechselwirkungen zwischen sekundärem Hyperparathyreoidismus (sHPT), Anämie und ESF-Bedarf (ESF = erythropoietinstimulierender Faktor) liegen bisher nur einige Daten zu Epoietin, aber keine Daten zu Darbepoietin vor. Ziele der Dokumentation: Beurteilung des Einflusses von sekundärem Hyperparathyreoidismus auf die Anämie dialysepflichtiger Patienten, Erfassung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Darbepoietin-alpha. Patienten und Methodik: In diese offene, nichtkontrollierte, nichtinterventionelle Anwendungsbeobachtung über 12 Monate wurden Patienten aufgenommen, die seit mindestens 6 Monaten dialysiert wurden und bei denen eine erythropoiesestimulierende Therapie mit Darbepoietin-alpha indiziert war. Dokumentiert wurden Demographie, Anamnese, Laborparameter (unter anderen Hämoglobin, Parathormon und 25-OH-Vitamin D), die wöchentliche Darbepoietin-alpha-Dosis und unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Bei der abschließenden Kontrolluntersuchung nach 12 Monaten erfolgte zusätzlich eine allgemeine Beurteilung der Therapie durch den behandelnden Arzt. Ergebnisse: Von den 1.096 Patienten, die in 138 Zentren dokumentiert wurden, konnten 875 in die Wirksamkeitsanalyse aufgenommen werden. Innerhalb von 12 Wochen stieg der mittlere Hämoglobinwert von 11,4 ± 1,4 g/dl auf 12,0 ± 1,5 g/dl an und blieb auf diesem Niveau bis zum Beobachtungsende konstant. Die wöchentliche Darbepoietin-alpha-Dosis reduzierte sich von durchschnittlich 36,1 ± 22,5 µg auf 32,0 ± 26,6 µg. Der Anteil der Patienten mit einem Hämoglobinwert >= 11 g/dl stieg von 63,8 auf 75,8%. Der Kalziumphosphatstoffwechsel war während der Studie stabil und der Anteil der Patienten, die die diesbezüglichen K/DOQI-Leitlinien kombiniert erfüllten, erhöhte sich von 17,1 auf 19,8%. Eine mögliche Korrelation zwischen der Ausprägung der sHPT, der Darbepoietin-alpha-Dosis und der renalen Anämie wurde nicht beobachtet. Schlussfolgerungen: Darbepoietin-alpha steigert die mittlere Hämoglobinkonzentration von neueingestellten oder umgestellten Dialysepatienten unabhängig vom Parathormonspiegel. Die erhöhte Hämoglobinkonzentration blieb erhalten, während die mittlere Darbepoietin-alpha-Dosis um 11,4% gesenkt werden konnte. Signifikante Hinweise auf Beeinträchtigungen der Darbepoietin-alpha-Wirkung durch veränderte Parameter des Kalziumphosphat-/Knochenstoffwechsels gab es in dieser Studie nicht.Correspondence to:
Prof. Dr. med. R. Brunkhorst; Abteilung Nieren-, Hochdruck- und Gefäßkrankheiten, Klinikum Hannover Oststadt, Podbielskistraße 380, D-30659 Hannover
Email: reinhard.brunkhorst@krh.eu
Übersicht
Histologische Diagnose der renalen Osteodystrophie
G. Lehmann und G. Wolf
Abstract
G. Lehmann und G. Wolf
Klinik für Innere Medizin III, Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
Chronische Nierenfunktionseinschränkungen führen am Knochen zu Stoffwechsel- und Strukturschäden, deren differenzierte Beurteilung vor allem durch die histologische Aufarbeitung von Knochenbioptaten möglich ist. Die internationale Klassifikation unterscheidet vier Formen der renalen Osteodystrophie (ROD). Dabei wird zwischen renalem Hyperparathyreoidismus (Osteitis fibrosa), Osteomalazie, gemischter urämischer Osteodystrophie und adynamer renaler Knochenerkrankung unterschieden. In der Arbeit werden die Methoden der Knochenentnahme und -bearbeitung, typische histologische Befunde sowie die Indikationen zur osteologischen Beckenkammbiopsie dargestellt.Correspondence to:
Dr. med. G. Lehmann; Klinik für Innere Medizin III, Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität, Erlanger Allee 101, D-07740 Jena
Email: Gabriele.Lehmann@med.uni-jena.de
Leitlinie
Hygieneleitlinie als Ergänzung zum Dialysestandard 2006
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie e.V. in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutsche Nierenzentren der DDnÄ e.V. sowie der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN)
Abstract
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie e.V. in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutsche Nierenzentren der DDnÄ e.V. sowie der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN)
Kasuistik
Diagnostische Bildgebung und interventionelle Neuanlage eines fehlplazierten Shaldon-Katheters in der Vena azygos
T. Breining, G. Stuber, M. Wegener und F. Keller
Abstract
T. Breining1, G. Stuber1, M. Wegener1 und F. Keller2
1Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und 2Sektion Nephrologie, Abteilung Innere Medizin I, Universitätsklinikum Ulm
Einleitung: Die Fehlplazierung eines zentralvenösen Kathetersystems stellt eine seltene, aber wichtige Komplikation dar. Es kann eine eingeschränkte oder fehlende Funktionstüchtigkeit des Katheters resultieren. Der Nachweis des klinischen Verdachts kann durch verschiedene radiologische Modalitäten der Bildgebung erfolgen. Methode: Anwendung multimodaler Möglichkeiten der radiologischen Bildgebung und Intervention zum Nachweis eines fehlplazierten Shaldon-Katheters mit anschließender Neuanlage. Ergebnisse: Bei einem terminal niereninsuffizienten Patienten mit rezidivierenden Shunt-Thrombosen und Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom konnte durch Anfertigung einer konventionellen Röntgenaufnahme des Thorax im A.p.-Strahlengang und einer kontrastmittelgestützten Multidetector-Spiral-CT des Thorax (16-Zeiler) gezeigt werden, dass der eingebrachte Shaldon-Katheter langstreckig in der V. azygos einlag. Daran schloss sich die Neuanlage eines Shaldon-Katheters unter Röntgendurchleuchtung an. Diskussion: In diesem Fallbericht sollen die angewandten Modalitäten, also der kombinierte Einsatz diagnostischer Bildgebungsverfahren und interventioneller Radiologie dargelegt werden, die es ermöglichten, diese seltene Komplikation darzustellen und kausal zu beheben.Correspondence to:
T. Breining; Klinik für Diagnostische und
Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Ulm, Steinhövelstraße 9, D-89075 Ulm
Email: thomas.breining@uniklinik-ulm.de
Kommentar
“Me-too-Liste” konterkariert Fortschritt in der Therapie des sekundären Hyperparathyreoidismus
K. Alberty, S. Degenhardt, A. Fritz, S. Holzmann, J. Knee, U. Münch, W.-D. Ohme, S. Schaaf und F. Schönwald
Abstract
K. Alberty1, S. Degenhardt2, A. Fritz3, S. Holzmann4, J. Knee5, U. Münch6, W.-D. Ohme1, S. Schaaf7 und F. Schönwald8
1Grevenbroich, 2Nettetal, 3Linnich, 4Erkelenz, 5Essen, 6Düsseldorf, 7Gummersbach und 8Langenfeld
Mit Paricalcitol steht erstmals ein selektiver Vitamin-D-Rezeptor-Aktivator (sVDRA) zur Verfügung, der zur Therapie des sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) bei den Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) angewendet werden kann, welche die in den anerkannten Leit- und Qualitätsrichtlinien [1, 2] definierten Zielvorgaben für die Serumspiegel von Parathormon (PTH), Kalzium (Ca), Phosphat (P) und Kalziumphosphatprodukt (Ca × P) unter Anwendung der herkömmlichen nichtselektiven VDRAs wie Calcitriol oder Alfacalcidol nicht erreichen. Insbesondere wirkt Paricalcitol effektiv und selektiv, um die PTH-Serumspiegel in den Zielbereich zu senken, ohne dabei zugleich die Ca- und P-Serumspiegel und das Ca × P kritisch zu erhöhen, was bei der Anwendung von Calcitriol oder Alfacalcidol häufig ein Problem darstellt. Diese therapeutische Verbesserung wird vielen Ärzten und ihren Patienten durch die “Verbannung” von Paricalcitol in die sogenannte “Me-too-Liste” der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein [3, 4] verwehrt. Die dieser “Verbannung” zugrundeliegende Bewertung, in der Paricalcitol als teures Analogpräparat zu Calcitriol eingestuft wurde, gründet weder auf der verfügbaren medizinischen Evidenz, noch entspricht sie den Erfahrungen aus der Praxis.Correspondence to:
Dr. med. S. Degenhardt; Sassenfelder Kirchweg 1, D-41334 Nettetal
Email: stefan.degenhardt@web.de
Serie
Blick in die Fachliteratur
Mitteilungen, Interview
Buchbesprechung
Nephrology in a nutshell
M.F. Michelis