Jahrgang 36, No. 4/2007(April 2007)
|
Nieren- und Hochdruckkrankheiten
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 24.80$ |
 |
Originalarbeiten
Tacrolimus bei steroidresistentem und steroidabhängigem nephrotischem Syndrom*
T.H. Westhoff, S. Schmidt, W. Zidek, J. Beige, und M. van der Giet
Abstract
T.H. Westhoff1, S. Schmidt1, W. Zidek1, J. Beige1,2 und M. van der Giet1
1Medizinische Klinik IV, Nephrologie, Charité – Campus Benjamin Franklin, Berlin, 2Abteilung für Nephrologie, Akademisches Lehrkrankenhaus St. Georg, Leipzig
Hintergrund: Steroidresistenz und Steroidabhängigkeit stellen bei der Behandlung von Minimal-Change-Erkrankung und fokal-segemntaler Glomerulosklerose (FSGS) ein großes Problem dar. Cyclophosphamid und Cyclosporin haben sich als alternative Immunmodulatoren bewährt, während für FK 506 (Tacrolimus) nur wenige Daten vorliegen. Methoden: Die vorliegende Arbeit zeigt die Daten von 10 Patienten einer offenen, monozentrischen, nicht randomisierten, prospektiven Untersuchung. Bei 5 Patienten mit steroidabhängiger Minimal-Change-Erkrankung, einem Patienten mit steroidrefraktärer Minimal-Change-Erkrankung und 4 Patienten mit steroidrefraktärer FSGS wurde mit der Verabreichung von Tacrolimus begonnen (Talspiegel 5 – 10 µg/l) . Bei Steroidabhängigkeit wurde unter Verwendung von Tacrolimus Prednisolon im Verlauf eines Monats abgesetzt. Ergebnisse: Innerhalb von 6 Monaten wurde bei 5 Patienten (50%) eine komplette und bei 4 Patienten (40%) eine partielle Remission erreicht, woraus sich eine Response-Rate von 90% ergibt. Ein Patient war gegen Tacrolimus primär resistent (steroidrefraktäre Minimal-Change), ein weiterer Patient wurde nach anfänglicher Remission sekundär resistent gegen Tacrolimus (steroidrefraktäre FSGS). Die durchschnittliche Proteinurie verringerte sich signifikant um 77% von 9,5 ± 1,4 auf 2,2 ± 1,1 g/Tag (p < 0,01). Das Serumprotein stieg signifikant von 55,0 ± 1,9 auf 64,6 ± 1,9 g/l (p < 0,01). Des weiteren induzierte Tacrolimus nicht signifikante Erhöhungen des Blutzuckers (von 4,9 ± 0,1 auf 5,1 ± 0,2 mmol/l), systolischem Blutdruck (von 131,4 ± 7,1 auf 139,0 ± 7,6 mmHg) und Kreatinin (von 93,2 ± 13,9 auf 103,2 ± 15,3 mmol/l). Bei 5 Patienten wurde Tacrolimus inzwischen abgesetzt, bei 4 dieser Patienten (80%) trat das nephrotische Syndrom erneut auf. Der Rückfall trat bei Tacrolimus-Spiegeln von 2,6 – 6,9 ng/ml auf. Schlussfolgerungen: Anhand unserer Daten ist davon auszugehen, dass sowohl beim steroidresistenten als auch beim steroidabhängigen nephrotischen Syndrom Tacrolimus eine vielversprechende Alternative zu Cyclosporin darstellt.
*Erstpublikation der englischen Fassung in Clinical Nephrology Band 65, Nr. 6/2006, S. 393-400.Correspondence to:
Dr. med. T.H. Westhoff
Medizinische Klinik IV – Nephrologie
Charité – Campus Benjamin Franklin
Hindenburgamm 30
D–12200 Berlin
Email: timm.westhoff@charite.de
Originalarbeit
Vergleichende Untersuchung der oxidativen und antioxidativen Kapazität bei der High-Flux-Hämodialyse mit zwei unterschiedlichen Membranen
U. Schönermarck, C. Dengler, F. Ebeling, M. Heydenreich, G.F. Hillebrand, und W. Samtleben
Abstract
U. Schönermarck1, C. Dengler1, F. Ebeling2, M. Heydenreich2, G.F. Hillebrand1,2 und W. Samtleben1,2
1Schwerpunkt Nephrologie, Medizinische Klinik I, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München-Großhadern,
Zielsetzung: Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz (TNI) sind kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität erhöht. Neben den traditionellen und den urämiespezifischen Risikofaktoren gilt während der Dialysebehandlung induzierter oxidativer Stress als ein Hauptrisikofaktor. In der vorliegenden Studie wurde der Einfluss von zwei unterschiedlichen High-Flux-Hämodialyse-Membranen auf Parameter des oxidativen Stresses während einer Dialysebehandlung untersucht. Patienten und Methoden: Die Studie wurde an 14 stabilen Dialysepatienten durchgeführt, die in zwei Gruppen randomisiert wurden: In der einen Gruppe (PA-Gruppe) wurde die High-Flux-Dialyse mit einer Polyamidmembran (Polyflux 14) durchgeführt. In der anderen Gruppe (PS-Gruppe) erfolgte die High-Flux-Dialyse mit einer Polysulfonmembran (Diacap Polysulfone HI PS 15). Alle Patienten erhielten 6 Behandlungen mit der gleichen Membran. Während der fünften Behandlung wurden Parameter der Dialyseeffizienz, der Biokompatibilität (Blutbild, Komplement C3a, Thrombin-Antithrombin-Komplex) und des oxidativen Stresses (oxidative und antioxidative Kapazität) gemessen. Ergebnisse: Die Parameter der Dialyseeffizienz und der Biokompatibilität waren in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar. Vor der Dialysebehandlung zeigte sich in beiden Gruppen ein gering- bis mittelgradiger oxidativer Stress sowie eine im Vergleich zu gesunden Kontrollen verringerte totale antioxidative Kapazität. Beide Parameter verschlechterten sich während der extrakorporalen Prozedur signifikant. Das Ausmaß der Verschlechterung war in beiden Gruppen vergleichbar. Es konnte keine Korrelation zwischen der oxidativen bzw. antioxidativen Kapazität und Parametern der Dialyseeffizienz bzw. Biokompatibilität festgestellt werden. Schlussfolgerungen: Trotz guter Dialyseeffizienz und Biokompatibilität induziert die Dialyse mit synthetischen High-Flux-Membranen bei TNI-Patienten eine temporäre Verschlechterung der Parameter des oxidativen Stresses.
*Erstpublikation der englischen Fassung in Clinical Nephrology Band 66, Nr. 5/2006, S. 357-363.Correspondence to:
Dr. med. U. Schönermarck
Schwerpunkt Nephrologie
Medizinische Klinik I
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München-Großhadern
Marchioninistraße 15
D–81366 München
Email: Ulf.Schoenermarck@med.uni-muenchen.de
Originalarbeit
Die Therapie der Hypertonie: Einfluss neuer Interventionsstudien und Metaanalysen
K. H. Rahn
Abstract
K. H. Rahn
Universitätsklinikum Münster
Ziel der Hochdruckbehandlung ist es, den erhöhten Blutdruck zu senken sowie dadurch Folgeerscheinungen der Hypertonie zu vermeiden und die Lebenserwartung der Hypertoniker zu verbessern. Bei der Therapie von Patienten mit Hypertonie ist der Zielblutdruck < 140/90 mmHg, bei gleichzeitig bestehendem Diabetes mellitus < 130/80 mmHg. Auch bei Hypertonikern mit Niereninsuffizienz werden Zielblutdruckwerte < 130/80 mmHg empfohlen. Diuretika, b-Blocker, Kalziumantagonisten, ACE-Inhibitoren und AT1-Antagonisten sind weiterhin Antihypertensiva der ersten Wahl. ACE-Inhibitoren und AT1-Antagonisten haben bei Hypertonikern mit Niereninsuffizienz einen besonderen nephroprotektiven Effekt. Das Neuauftreten eines Diabetes mellitus wird während einer Behandlung mit Diuretika und b-Blockern eindeutig häufiger beobachtet als bei einer Therapie mit Kalziumantagonisten und insbesondere ACE-Inhibitoren und AT1-Antagonisten.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K.H. Rahn
Potstiege 42
D-48161 Münster
Email: rahnkarl@uk-muenster.de
Originalarbeiten
Lanthancarbonat – ein neuer Phosphatbinder
M.E. De Broe, P. D’Haese und G.A. Müller
Abstract
M.E. De Broe1, P. D’Haese1 und G.A. Müller2
1Abteilung für Pathophysiologie, Universität Antwerpen, 2Abteilung für Nephrologie und Rheumatologie, Universität Göttingen
Serum-Phosphat spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines sekundären Hyperparathyroidismus bei chronischer Niereninsuffizienz. Eine gute Einstellung des Serum-Phosphats ist essentiell im Hinblick auf seine Langzeit-Konsequenzen auf Knochen- und kardiovaskuläre Erkrankungen sowie die Mortalität. Lanthancarbonat ist als calciumfreier Phosphatbinder eine neue und potente Option für die Behandlung der Hyperphosphatämie bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz. Lanthancarbonat wurde in experimentellen und klinischen Studien mit Behandlungszeiten bis zu 6 Jahren extensiv untersucht und hat sich als sehr effektiver, verträglicher und sicherer Phosphatbinder erwiesen. Lanthan ist deutlich anders als Aluminium, da es nur in sehr geringen Mengen resorbiert und aus dem Blut über die Leber und nicht über die Nieren eliminiert wird. Es wird durch die Leberzelle über einen transzellulären, endosomal-lysosomalen Weg in die Gallenkanälchen transportiert. Auch nach mehreren Jahren Behandlung wurde keinerlei Hepatotoxizität beobachtet. Lanthan wird ohne irgendwelche klinischen Konsequenzen in sehr geringen Mengen in den Knochen verteilt eingelagert. Es durchdringt die Blut-Hirn-Schranke nicht, und es gibt keine Anzeichen für aluminiumähnliche unerwünschte Effekte. Daher scheint Lanthancarbonat eine sehr nützliche Alternative in der Behandlung der Hyperphosphatämie zu sein.Correspondence to:
Prof. Dr. med. M.E. De Broe
Universitätskrankenhaus
Universität Antwerpen
Wilrijkstraat 10
B-2650 Edegem/Antwerpen
Email: marc.debroe@ua.ac.be
Kasuistik
Cinacalcet unterstützt die Phosphatbindertherapie bei Dialysepatienten – eine Kasuistik
R. Fiedler
Abstract
R. Fiedler
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Klinikum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle/Saale
Es wird der klinische Fall einer therapieresistenten Hyperphosphatämie bei einer Dialysepatientin mit sekundärem Hyperparathyreoidismus dargestellt. Unter der Therapie mit dem Calcimimetikum Cinacalcet kam es zu einer klinisch signifikanten Reduktion des Serumphosphats und des Calcium-Phosphat-Produktes. Aus dieser Fallbeschreibung lässt sich schlussfolgern, dass Cinacalcet im Einzelfall bei besonders resistenter Hyperphosphatämie in Kombination mit einem sekundären Hyperparathyreoidismus zur additiven Phosphatsenkung in Betracht gezogen werden kann. Im Verlauf sollten jedoch die übrigen Parameter des Calcium-Phosphat- Metabolismus nicht außer Acht gelassen werden.Correspondence to:
Dr. med. R. Fiedler
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Klinikum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Strasse 40
D-06120 Halle/Saale
Email: roman.fiedler@medizin.uni-halle.de
Mitteilung
Blick in die Fachliteratur, Preisausschreibung, Mitteilung
Mitteilung
Industrienachricht