Jahrgang 35, No. 10/2006(Oktober 2006)
|
Nieren- und Hochdruckkrankheiten
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 24.80$ |
 |
Serie
Blick in die Fachliteratur
Serie
Industrienachrichten
Originalarbeiten
Candesartan in Kombination mit ACE-Hemmern: Kalium- und Kreatinin-Stoffwechsel bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz oder Hypertonie*
B. Gremmler und K. Kisters
Abstract
B. Gremmler1 und K. Kisters2
1Abteilung für Kardiologie, Marienhospital Bottrop, 2Abteilung für Innere Medizin I, St. Anna-Hospital, Herne
Hintergrund: Die Wirksamkeit der Therapie mit ACE-Hemmern bei chronischer Herzinsuffizienz und Hypertonie ist gut dokumentiert. Da die pharmakologischen Mechanismen der ACE-Inhibition und der Angiotensin-II-AT1-Rezeptor-Antagonisten unterschiedlich sind, ist davon auszugehen, daß die Kombination von ACE-Hemmern und dem AT1-Rezeptor-Antagonisten Candesartan zusätzliche positive Auswirkungen auf die linksventrikuläre Funktion und die Hypertonie hat. Da beide Wirkstoffe das RAA-System beeinflussen, könnte eine Veränderung der Kalium- und Kreatinin-Konzentration durch eine Kombinationstherapie mit Candesartan und ACE-Hemmern erreicht werden. Methoden: 20 Patienten (69,8 ± 9,9 Jahre) mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium III) oder schwerer Hypertonie, die eine Langzeit-Behandlung mit Diuretika und ACE-Hemmer erhalten hatten, wurden nach klinischer Rekompensation zusätzlich mit Candesartan (11,0 ± 3,9 mg/Tag) behandelt. In einer prospektiven Studie wurde der Kalium- und Kreatinin-Stoffwechsel untersucht. Die Kalium- und Kreatinin-Konzentrationen wurden zu Beginn der Studie und nach 45,5 ± 65,5 Tagen unter Studienmediakation gemessen. Ergebnisse: Unter zusätzlicher Candesartan-Behandlung (anfangs durchschnittlich 4,51 ± 0,45 mval/l vs. 4,71 ± 0,60 mval/l während der Studie) stieg die Kalium-Konzentration leicht, aber nicht signifikant an. Die Analyse des Serum-Kreatinin zeigte während der Beobachtungsphase keine signifikante Veränderung. Unter zusätzlicher Candesartan-Behandlung war eine klinische Verbesserung feststellbar. Schlußfolgerungen: Die zusätzliche Behandlung von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz oder Hypertonie, die Diuretika, ACE-Inhinhitoren und meist auch b-Blocker erhalten hatten, mit dem AT1-Rezeptor-Antagonisten Candesartan zeigte durch eine Verbesserung der Herzfunktion und eine Normalisierung der Blutdruckwerte eine positive Wirkung. Unter der Kombinationstherapie wurde ein leichter, aber nicht signifikanter Anstieg der Serum-Kalium-Konzentration beoboachtet. Es zeigte sich keine relevant Veränderung der Serum-Kreatinin-Konzentration.
*Ins Deutsche übersetzter Nachdruck aus: Trace Elements and Electrolytes Band 23, Nr. 2/2006, S. 124-127.Correspondence to:
Dr. med. B. Gremmler
Abteilung für Kardiologie
Marienhospital Bottrop
Josef-Albers-Straße 70
D–46236 Bottrop
Email: dr.bernhard.gremmler@t-online.de
Originalarbeiten
Vitamin-K-Serumspiegel bei Patienten mit renaler Osteodystrophie
G. Lehmann, A. Stein, A. Müller, G. Stein, G. Hein und G. Wolf
Abstract
G. Lehmann, A. Stein, A. Müller, G. Stein, G. Hein und G. Wolf
Klinik für Innere Medizin III, Friedrich-Schiller Universität, Jena
Hintergrund: In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise auf eine aktive Rolle von Vitamin K im Knochenstoffwechsel. Vitamin K ist als Kofaktor der Vitamin-K-abhängigen Carboxylase an der posttranslationalen Umwandlung von Glutamyl- zu g-Carboxyglutamylresten von Osteokalzin, einem Marker des Knochenumbaus, und anderen Proteinen beteiligt. Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung des Zusammenhanges zwischen Vitamin-K-Serumspiegeln und biochemischen Knochenumbaumarkern mit histomorphometrischen Parametern bei Patienten mit renaler Osteodystrophie (ROD). Patienten und Methoden: 47 Patienten (29 mit präterminaler chronischer Niereninsuffizienz (K/DOQI-Stadien: II – IV), 18 unter Hämodialysebehandlung) im Alter von 27 – 78 Jahren, bei denen im Beckenkammbioptat eine Osteitis fibrosa gesichert war, wurden in die Untersuchung einbezogen. Vitamin K und Pyridinolin und Desoxypyridinolin wurden mit HPLC bestimmt, Osteokalzin und untercarboxyliertes Osteokalzin mit einem ELISA. Die Kontrollgruppe für die biochemischen Parameter bestand aus 180 gesunden Probanden (48,6 ± 13,3 Jahre). Ergebnisse: Patienten mit ROD hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höhere Spiegel von Osteokalzin, untercarboxyliertem Osteokalzin und Vitamin K. Bei Patienten unter Hämodialysebehandlung bestand eine negative Korrelation zwischen dem Serumspiegel des untercarboxylierten Osteokalzins und histomorphometrischen Parametern des Knochenanbaus. Die Gesamtgruppe der ROD-Patienten wies negative Korrelationen zwischen dem Vitamin K-Serumspiegel und statischen histomorphometrischen Knochenabbauparametern auf. Schlußfolgerung: Patienten mit ROD weisen keinen Mangel an Vitamin K auf. Im Vergleich zu Gesunden und Patienten in frühen Stadien der Nierenfunktionseinschränkung werden die höchsten Vitamin-K-Spiegel als Folge einer Retention bei Dialysepatienten gemessen. Trotzdem findet sich bei Dialysepatienten untercarboxyliertes Osteokalzin. Der Einfluß von Vitamin K auf die Zellen des Knochenumbaus und deren Aktivität wird kontrovers diskutiert und bedarf weiterer Untersuchungen.Correspondence to:
Dr. med. G. Lehmann
Klinik für Innere Medizin III
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erlanger Allee 101
D-07740 Jena
Email: Gabriele.Lehmann@med.uni-jena.de
Originalarbeiten
Langfristige Sicherheit und Wirksamkeit nach der Umstellung von Nierentransplantat-empfängern in der Erhaltungstherapie von Mycophenolat-Mofetil (MMF) auf magensaft-resistentes Mycophenolat-Natrium (EC-MPA, myfortic®)*
K. Budde, G. Knoll, J. Curtis, L. Chan, E. Pohanka, M. Gentil, Y. Seifu, A.-C. Marrast und H.-H. Neumayer im Namen der ERL B Study Group
Abstract
K. Budde1, G. Knoll2, J. Curtis3, L. Chan4, E. Pohanka5, M. Gentil6, Y. Seifu7, A.-C. Marrast8 und H.-H. Neumayer1 im Namen der ERL B302 Study Group9
Abteilung für Nephrologie, Campus Charité Mitte, Charité, Humboldt-Universität, Berlin, 2Division of Nephrology, Department of Medicine, The Ottawa Hospital, University of Ottawa, Ottawa, Ontario, Kanada, 3Division of Nephrology, University of Alabama
Zielsetzung: In einer 12-monatigen, doppelblinden Multi-Center-Studie wurden Nierentransplantatempfänger in der Erhaltungstherapie randomisiert in 2 Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe wurde weiterhin mit Mycophenolat-Mofetil (MMF) behandelt, die andere wurde auf magensaftresistentes Mycophenolat-Natrium ((EC-MPS, Myfortic®) umgestellt. Es konnte gezeigt werden, daß die Umstellung von MMF auf EC-MPS sicher war. Im Anschluß an diese Studie wurde den Patienten, die die Studie beendet hatten, die Teilnahme an einer offenen Extensionsstudie angeboten. Bei Teilnahme an der Extensionsstudie wurden die Patienten, die in der randomisierten Phase MMF erhalten hatten, auf EC-MPS umgestellt (Gruppe der “Neu-EC-MPS-Exponierten”) und separat von den Patienten, die bereits in der randomisierten Phase EC-MPS erhalten hatten (Gruppe der “Langzeit-EC-MPS-Exponierten”), überwacht. Ziel der Extensionsstudie war es, Daten zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit von EC-MPS zu sammeln und die Sicherheit der Umstellung von MMF auf EC-MPS in einer größeren Patientenpopulation zu überprüfen. Methoden: Alle Patienten erhielten EC-MPS 720 mg b.i.d. mit Cyclosporin-Microemulsion und Kortikosteroiden nach lokalem Zentrumsprotokoll. Im folgenden werden die Daten aus den ersten 24 Monaten der Extensionsphase präsentiert. Ergebnisse: Von den 297 Patienten, die die Kernstudie beendet hatten, nahmen 260 (88%) an der Extensionsstudie teil. 195 (75%) Patienten nahmen bis zur Visite nach 24 Monaten teil. Den Patienten, die schon während der Kernstudie EC-MPS erhalten hatten, wurden > 95% der vorgesehenen Tagesdosis EC-MPS verabreicht. Insgesamt hatten < 13% der Patienten beider Gruppen die Studie aufgrund unerwünschter Ereignisse von EC-MPS vor Ablauf der 24 Monate verlassen. Die Gesamthäufigkeit von unerwünschten Ereignissen, zu denen auch Infektionen und hämatologische Auffälligkeiten gehörten, war in der Extensionsphase vergleichbar mit denen in der Kernstudie. Die Sicherheitsprofile für die Gruppen der neu-Exponierten und der Langzeit-EC-MPS-Exponierten waren ähnlich. Innerhalb der ersten 24 Monate der Extensionsstudie verstarben 3 Patienten. In beiden Gruppen gab es 2 Transplantatversagen. Schlußfolgerungen: Die vorliegenden Daten zeigen, daß die langfristige Anwendung von EC-MPS effektiv und das Toleranzprofil bei Nierentransplantationspatienten akzeptabel ist. Zudem konnte gezeigt werden, daß die Umstellung von Nierentransplantatempfängern in der Erhaltungstherapie von MMF auf EC-MPS eine sichere therapeutische Option darstellt.
*Die Erstpublikation dieses Manuskriptes erfolgte in Clinical Nephrology Band 66, Nr. 2/2006, S. 103-111. Um die Ergebnisse jetzt auch der deutschsprechenden Ärzteschaft zu vermitteln, hat der Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle vorgeschlagen, die Arbeit in die deutsche Sprache zu übersetzen und in Nieren- und Hochdruckkrankheiten zu publizieren. Die Autoren stimmen dem zu und weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um eine neue Originalarbeit, sondern um eine Übersetzung einer bereits publizierten Arbeit handelt.Correspondence to:
Dr. med. K. Budde
Abteilung für Nephrologie
Campus Charité Mitte
Charité, Humboldt-Universität
Schumannstraße 20/21
D–10117 Berlin
Email: klemens.budde@charite.de
Übersichten
MRSA: Eine Problematik in Klinik und Praxis*
U. Höffler
Abstract
U. Höffler
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Klinikum der Stadt Ludwigshafen gGmbH, Ludwigshafen am Rhein
MRSA (multiresistente Staphylococcus-areus-Stämme) breiten sich weltweit dramatisch aus und verursachen in Klinik und Praxis zunehmend häufiger schwer therapierbare, invasive, lebensbedrohende Infektionen. Alle Strategien zur MRSA-Prävention haben ein Hauptziel: die Non-Infektion potentieller Eintrittspforten für Staphylokokkeninfektionen! Zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung sind notwendig: eine mikrobiologische Diagnostik mit Speziesidentifizierung und Antibiogramm, Hygienepläne in Klinik und Praxis nach der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts (RKI-Richtlinie) [9] sowie nach BGR 250/TRBA 250 biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen [10], auch gültig für Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen, die Beschäftigung von bzw. Beratung durch Hygienefachkräfte, Hygienebeauftragte (Ärztinnen/Ärzte), Krankenhaushygieniker (Fachärzte für Hygiene) und eine Resistenzstatistik nach § 23 Infektionsschutzgesetz in allen Kliniken und Einrichtungen für ambulantes Operieren.
*Unveränderter Nachdruck aus: Bundesärztekammer (Hrsg.): Fortschritt und Fortbildung in der Medizin, Bd. 30 (2006/2007). Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2006.Correspondence to:
Prof. Dr. med. U. Höffler
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Klinikum der Stadt Ludwigshafen gGmbH
Bremserstraße 79
D-67063 Ludwigshafen am Rhein
Email: ulrich.höffler@klilu.de
Übersichten
Intrazelluläre Ursachen der essentiellen Hypertonie
R. Hunger und R.E. Hunger
Abstract
R. Hunger1 und R.E. Hunger2
1Internistische Praxis, Chur, 2Dermatologische Klinik, Inselspital, Universität Bern
Im Zentrum der Entstehung einer essentiellen Hypertonie steht der Komplex I der Atmungskette. Mutationen in der DNA des Kerns und in den Mitochondrien können die Funktion des Komplex I schwächen. Mutationen der mtDNA treffen bis zu 10- mal häufiger auf den Komplex I als Mutationen der nDNA. Wahrscheinlich ist dies die Folge des BER-Systems, welches Mutationen reparieren kann und im Kern aktiver ist, als in den Mitochondrien. Freie Radikale als Folge vieler Stoffwechselvorgänge und von äusseren schädlichen Einflüssen beeinträchtigen vielfach die Funktion des Komplex I. Während die Mutationen sich im allgemeinen zwischen dem 50. – 60. Altersjahr bemerkbar machen, kann die Häufigkeit und Intensität der freien Radikale das Manifestwerden einer Hypertonie beschleunigen. Mit Funktionsstörungen des Komplex I können noch verschiedene andere Krankheitsprozesse in Beziehung gebracht werden.Correspondence to:
Dr. med. R. Hunger
Lürlibadstraße 80
CH-7000 Chur