Jahrgang 35, No. 11/2006(November 2006)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Serie
Blick in die Fachliteratur
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Mitteilung
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Industrienachrichten
Originalarbeiten
27 Jahre akute Nierenersatztherapie an der Kinderdialyse Wien – Veränderungen in Epidemiologie und Outcome
J. Becker, A. Vécsei, K. Dobrovits, D. Csaicsich, K. Arbeiter, T. Müller, E. Balzar und C. Aufricht
Abstract
J. Becker1,2, A. Vécsei1,3, K. Dobrovits2, D. Csaicsich2, K. Arbeiter2, T. Müller2, E. Balzar2 und C. Aufricht2
1who contributed equally, 2Kinderdialyse Wien, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien, 3St. Anna Kinderspital, Wien
Der akute Nierenersatz gehört zu den kindernephrologischen Standardtherapien, wobei sich in den letzten Jahrzehnten die Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch Etablierung der Kinder und Neugeborenenintensivpflege, deutlich geändert haben. Ziel dieser retrospektiven Studie war eine Übersicht über die Epidemiologie der akuten Nierenersatztherapie an der Kinderdialyse Wien seit der Inbetriebnahme 1978. In 27 Jahren wurden 219 Patienten (mittleres Alter 3,9 Jahre (0 – 19,5; 46% Mädchen, 54% Knaben) mit einer akuten Nierenersatztherapie behandelt. Die häufigste Diagnose war eine perinatale Grunderkrankung, danach folgten kardiologische Diagnosen und an dritter Stelle das hämolytisch urämische Syndrom (HUS). 120 Kinder erhielten eine Peritonealdialyse, 91 eine Hämodialyse und 8 Kinder beide Verfahren. Die Gesamtmortalität betrug 44,5%. Kinder an der Peritonealdialyse waren jünger, kleiner, leichter, wiesen einen niedrigeren BUN und einen niedrigeren Blutdruck bei Beginn der Nierenersatztherapie auf und litten signifikant häufiger an einer Mehrorganerkrankung. In den letzten 10 Jahren sank die Mortalität der an der Kinderdialyse behandelten Population aufgrund der autarken Betreuung der schwerstkranken Kinder auf den Intensivstationen. Als signifikante Prädiktoren für die Mortalität erwiesen sich in der Multivariatenanalyse das Neugeborenenalter und der Bedarf an Intensivpflege. Diese Daten bestätigen, dass vor allem die Patientencharakteristika und die Schwere der Grunderkrankung, nicht aber die Nierenersatztherapiemodalität das Überleben der betroffenen Kinder und Jugendlichen bestimmen. Da die Mehrzahl der akuten pädiatrischen Nierenersatztherapien aufgrund einer extrarenalen Grunderkrankung indiziert waren, spiegeln epidemiologische Arbeiten vor allem die Entwicklung des pädiatrischen Umfelds wider und sind somit nur äußerst bedingt zwischen verschiedenen Institutionen vergleichbar.Correspondence to:
Univ. Prof. Dr. med. C. Aufricht
Kinderdialyse Wien
Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Email: christoph.aufricht@meduniwien.ac.at
Originalarbeiten
Der Einfluss von Mycophenolat-Mofetil (CellCept®) auf HLA- und Non-HLA-Antikörper bei sensibilisierten Patienten vor Nierentransplantation
S. Rostoski, G. Stein, H. Sperschneider und D. Barz
Abstract
S. Rostoski1, G. Stein2, H. Sperschneider3 und D. Barz4
1Klinik für Innere Medizin, Asklepios Kliniken, Weißenfels/Hohenmölsen, 2Klinik für Innere Medizin III, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, 3KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V., Drackendorf, 4Institut für Transfusionsmedizin
Einleitung: Gegen HLA- und Non-HLA- Antigene immunisierte, niereninsuffiziente Patienten sind bei der Allokation von Transplantaten im Vergleich zu antikörpernegativen Patienten benachteiligt. Durch eine Reduktion dieser Antikörper (Ak) wird die Prognose sensibilisierter Patienten deutlich verbessert, wobei die Auswirkungen einer Ak- Senkung vor Nierentransplantation (NTX) bisher nicht hinreichend untersucht wurden. Ziel dieser Studie war es zu prüfen, ob eine Behandlung mittels MMF vor NTX zur Reduktion von HLA- und Non-HLA-Ak führt, um sowohl die Allokation, als auch das Transplantatüberleben für diese Patienten verbessern zu können. Methodik: 29 Dialysepatienten mit panelreaktiven Ak (PRA) von mindestens 20%, welche in den Jahren 2002 bis 2004 auf der Warteliste des Nierentransplantationszentrums Jena erfasst waren, erhielten in einschleichender Dosierung 250 bis 1000 mg MMF täglich. 13 Probanden wurden über einen Zeitraum von 12 Wochen und 16 Probanden über eine Dauer von 10 Tagen behandelt. Die Untersuchung der Ak erfolgte mit Beginn der Behandlung wöchentlich über einen Zeitraum von insgesamt 3 Monaten. Dabei wurden die Methoden LCT, ELISA-Quick-Screen/Quick-ID (HLA-Class I), ELISA-B-Screen/Quick-ID (HLA-Class II) sowie MAIPA, PAK2-LE und PAKPLUS verwendet. Ergebnisse: Unter der Behandlung mit MMF konnte in der Mehrheit der Fälle eine Reduzierung von Ak erreicht werden. Bei hoher Sensibilisierung (PRA>50%) war in beiden Behandlungsgruppen keine zuverlässige Ak-Suppression nachweisbar. Sensibilisierte Patienten (PRA 20-50%) zeigten unter hohen MMF-Dosen eine signifikante Reduktion von HLA-Klasse I- sowie Non-HLA-Ak. Der Behandlungserfolg ist demnach hauptsächlich vom Sensibilisierungsgrad abhängig und wird erheblich vom Auftreten unerwünschter Medikamentenwirkungen limitiert. Die maximale Ak-Reduktion wurde sowohl während der 12-wöchigen-, als auch nach der 10-tägigen Behandlung um die 4. Beobachtungswoche erreicht. Eine Beziehung zur Grunderkrankung liess sich in Anbetracht der geringen Probandenzahl nicht herausarbeiten. Interessanterweise blieben die HLA-Klasse II-Ak in beiden Untersuchungsgruppen nahezu unbeeinflusst. Diskussion: Es ist anzunehmen, dass zur Verbesserung der Transplantationsergebnisse einer präoperativen Ak-Reduktion wachsende Bedeutung zukommt. Anhand umfangreicher Daten wurde die Effektivität der Immunadsorption vor allem bei hoher Sensibilisierung (PRA >50%) belegt. Bei sensibilisierten Patienten (PRA 20-50%) sollte eine medikamentöse Behandlung, insbesondere bei elektiven Transplantationen, ausreichend und sinnvoll sein. In Anbetracht der erreichten Ergebnisse scheint eine mindestens 10-tägige Behandlung mit 750 mg MMF/d eine vielversprechende Alternative zu kostenintensiven technischen Verfahren zu sein. Zur genauen Evaluierung bedarf es jedoch prospektiver, multizentrischer, kontrollierter Daten.Correspondence to:
S. Rostoski
Klinik für Innere Medizin
Asklepios Kliniken Weißenfels/Hohenmölsen
Naumburgerstraße 76
D-06667 Weißenfels
Email: Sebastian.Rostoski@web.de
Übersichten
Hypertonie und der Magnesiumhaushalt
K. Kisters, M. Cziborra, C. Funke, F. Wessels, P. Franitza, M. Hausberg, F. Tokmak, B. Gremmler, R. Hunger, H. Liebscher, und J. Büntzel
Abstract
K. Kisters1,2, M. Cziborra1, C. Funke1, F. Wessels1, P. Franitza1, M. Hausberg2, F. Tokmak3, B. Gremmler4, R. Hunger2, H. Liebscher2,5 und J. Büntzel2
1Medizinische Klinik I, St. Anna Hospital Herne, 2AKTE, Bielefeld, 3Nephrologie, Marienhospital Herne, 4Kardiologie, Marienhospital Bottrop, 5SHO Mineral Imbalancen, Berlin
In beinahe allen Fachgebieten der Medizin ist das Interesse an Magnesium in den letzten Jahren gestiegen. In letzter Zeit mehren sich die Beobachtungen, dass ein Magnesiummangel neben anderen Elektrolytstörungen die Entwicklung eines Hochdruckes begünstigen kann [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11]. Zahlreiche Untersuchungen liegen diesbezüglich an Erythrozyten, Lymphozyten, Thrombozyten, Zellmembranen oder glatten Gefäßmuskelzellen vor. Weitere Untersuchungen belegen ferner, dass es auch bei einem Magnesiummangel nicht nur zu einer Abnahme der intrazellulären Magnesiumkonzentration kommt, sondern dass gleichzeitig die intrazellulären Natrium- und Kalziumkonzentrationen ansteigen und die Kaliumwerte sinken. Hierbei sind ATPasen sowie neuerlich gefundene Magnesiumkanäle von großem Interesse. Zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre belegen ferner den positiven Effekt einer Magnesiummono- oder Kombinationstherapie auf den Bluthochdruck. Ebenso scheint ein Magnesiummangel bei der Entstehung des erhöhten Pulsdrucks und auch der Arterioskleroseentstehung von großem Interesse zu sein.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Kisters
Medizinische Klinik I
St. Anna-Hospital
Hospitalstraße 19
D-44649 Herne
Email: kisters@annahospital.de
Übersichten
Ältere Hypertoniker und Sport
K. Kisters, C. Funke und P. Franitza
Abstract
K. Kisters, C. Funke und P. Franitza
Medizinische Klinik I, St. Anna-Hospital, Herne
Die arterielle Hypertonie ist bekanntlich die häufigste internistische Erkrankung. Besonders beim älteren Patienten beträgt die Inzidenz mittlerweile ca. 50% sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Neben der medikamentösen Therapie gibt es ferner gut belegte Daten über die Wirksamkeit von nicht medikamentösen Therapieformen. Hierzu zählten insbesondere körperliche Aktivität und Sport. Sportliche bzw. körperliche Aktivitäten werden aber erst dann zu einem gesundheitswirksamen Training, wenn sie geplant, strukturiert, dosiert und regelmäßig stattfinden. Unter diesen Voraussetzungen werden eine Reihe positiver Wirkungen auf kardiopulmonale, metabolische und humorale Effekte vermittelt. Insgesamt kommt es durch sportliche Aktivität nicht nur zu einer Blutdrucksenkung, sondern auch zu einer Reduktion des kardiovaskulären Risikoprofils. In den meisten Studien stellt sich bereits nach wenigen Wochen zusätzlich eine deutliche Verbesserung der subjektiven Lebensqualität ein.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Kisters
Medizinische Klinik I
St. Anna Hospital
Hospitalstraße 19
D-44649 Herne
Email: kisters@annahospital.de