Jahrgang 35, No. 5/2006(Mai 2006)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Originalarbeiten
Führt ein eingeschränkter Ernährungszustand bei nierentransplantierten Patienten zum vorzeitigen Funktionsverlust der Transplantatniere?
O. Rettkowski, A. Wienke, A. Hamza, S. Markau, P. Fornara und B. Osten
Abstract
O. Rettkowski1, A. Wienke2, A. Hamza1, S. Markau3, P. Fornara1 und B. Osten3
1Nierentransplantationszentrum, Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie, 2Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, 3Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Einleitung: Dem Ernährungszustand kommt bei vielen Erkrankungen eine starke Aussagekraft als Prognoseparameter für das Langzeitüberleben des Patienten zu: Deutliches Über- oder Untergewicht ist im allgemeinen mit eingeschränkter Überlebensdauer assoziiert. Mögliche Auswirkungen eines reduzierten Ernährungszustands auf die Langzeitfunktion von Transplantatnieren hingegen sind bislang kaum untersucht worden. Methodik: Im Rahmen einer retrospektiven Analyse wurde das Langzeittransplantatüberleben nach 224 Nierentransplantationen (NTX) untersucht. Die Nachbeobachtungszeit betrug 5 – 12,5 Jahre. Um Risikofaktoren für einen vorzeitigen Funktionsverlust der Transplantatnieren zu finden, wurde ein Cox-proportional Hazards-Modell angewandt. Ergebnisse: Das Cox-Modell zeigte zunächst keinen signifikanten Einfluß des Body-mass-Index 1 Jahr nach NTX auf das Risiko des Transplantatversagens in der Gesamtgruppe (relatives Risiko 0,97 pro BMI-Einheit, p-Wert 0,34). Unterteilt man jedoch die Patienten in 2 Untergruppen je nach BMI, zeigt sich bei Patienten mit niedrigem BMI ein deutlich höheres Risiko für einen Funktionsverlust der Transplantatniere im Langzeitverlauf. Das Risiko des Funktionsverlustes steigt demnach um einen Faktor 1,85 (relatives Risiko), wenn der BMI 1 Jahr nach Nierentransplantation kleiner als 23 ist (p-Wert 0,035). Schlußfolgerungen: Diese Befunde sprechen für ein eingeschränktes Nierentransplantatüberleben im Langzeitverlauf bei Patienten mit reduziertem Ernährungszustand. Die Ursache dafür ist nicht geklärt – eine schlechtere Nierenfunktion 1 Jahr nach Transplantation, der eine hochgradige prognostische Bedeutung bezüglich der Langzeitfunktion zukommt, lag bei diesen Patienten nicht vor. Wir vermuten, daß bei dieser Patientengruppe eine immunmodulatorische Wirkung infolge der verminderten Bioverfügbarkeit von Nährstoffen besteht, die zu einer Begünstigung chronischer Abstoßungsreaktionen führt. Diese Annahme wird durch Untersuchungen gestützt, die immunmodulatorische Effekte durch Aktivierung des T-Zellrezeptors bei kalorienbeschränkter Ernährung zeigten.Correspondence to:
Dr. med. O. Rettkowski
Nierentransplantationszentrum
Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Straße 40
D-06097 Halle/Saale
Email: olaf.rettkowski@medizin.uni-halle.de