Jahrgang 35, No. 3/2006(März 2006)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Originalarbeiten
Progressionshemmung durch kombinierte Behandlung mit ACE-Hemmern und Angiotensinrezeptorblockern bei Glomerulonephritis mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz
J. Kron und T. Leimbach
Abstract
J. Kron und T. Leimbach
Nephrologisches Zentrum Berlin-Köpenick
Hintergrund: Nachdem sich erste Hinweise auf den zusätzlichen nephroprotektiven Nutzen einer kombinierten Behandlung mit einem ACE-Hemmer und einem Angiotensinrezeptorblocker ergeben hatten, begannen wir 1998 mit solch einer dualen Therapie der RAS-Blockade bei Patienten mit besonders ungünstiger Prognose. Methode: 15 GN-Patienten, bei denen es innerhalb eines Jahres zu einem durchschnittlichen Kreatininanstieg um 56 mmol/l unter ACE-Hemmertherapie kam, wurden zusätzlich mit einem AT1-Rezeptorblocker behandelt. Das Serumkreatinin lag zu diesem Zeitpunkt bei 243 (117 – 470) mmol/l. Der klinische Verlauf wurde über 24 – 72 Monate beobachtet. Ergebnisse: Während bei 2 Patienten mit einer Kreatininclearance von 19 bzw. 21 ml/min Progression und Proteinurie unbeeinflußt blieben, gelang es bei 13 der 15 Patienten mit einer Kreatininclearance über 23 ml/min zunächst die Progression der Niereninsuffizienz erfolgreich zu stoppen. Nach 12 Monaten lag das Serumkreatinin um 1 mmol/l (± 6,5) unter dem Ausgangswert. Die Proteinurie sank von 3,04 g/d auf 0,89 g/d. Im Langzeitverlauf kam es bei 2 Patienten (Kreatininclearance 24 bzw. 25 ml/min) zu einem erneuten Auftreten einer großen Proteinurie, gefolgt von einer Verschlechterung der Nierenfunktion und Dialysenotwendigkeit nach 23 bzw. 66 Monaten. Bei einem Patienten mit konstanter Proteinurie über 1 g/d stieg das Kreatinin innerhalb von 61 Monaten von 117 auf 180 mmol/l. Bei den anderen 10 Patienten blieben Nierenfunktion und Proteinurie auch weiterhin unverändert stabil, bei einer Patientin mit einer Ausgangskreatininclearance von 24 ml/min jetzt 72 Monate. Schlußfolgerungen: Mit der kombinierten Behandlung von ACE-Hemmern und AT1-Rezeptorblockern ist bei chronischer GN die Progression der Niereninsuffizienz zu stoppen bzw. nachhaltig zu hemmen. Eine solche Therapie darf progressiv niereninsuffizienten GN-Patienten heute nicht mehr vorenthalten werden.Correspondence to:
Dr. med. J. Kron
Nephrologisches Zentrum Berlin-Köpenick
Salvador-Allende-Allee 2-8
D-12559 Berlin
Email: Joachim.Kron@kfh-dialyse.de
Originalarbeiten
Der AT1-Rezeptorantagonist Candesartan senkt bei Hypertonikern den Belastungsblutdruck stärker als der ACE-Hemmer Ramipril
R.G. Ketelhut und I.-W. Franz
Abstract
R.G. Ketelhut1 und I.-W. Franz2
1Universitätsklinikum Charité der Humboldt-Universität zu Berlin, centrovital Berlin, 2Klinik Wehrawald, Todtmoos
Einleitung: In Langzeitstudien konnte gezeigt werden, daß der Belastungsblutdruck für die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität ein bedeutenderer und vom Ruheblutdruck unabhängiger Risikofaktor ist. Daher sollte in einer prospektiven Cross-over-Studie an Hypertonikern der blutdrucksenkende Effekt eines ACE-Hemmers mit dem eines Angiotensinrezeptorblockers sowohl auf den Ruhedruck als auch auf den Blutdruck während standardisierter ergometrischer Belastung verglichen werden. Methodik: Bei 14 bisher unbehandelten Hypertonikern (Alter 60,6 ± 7 Jahre, 5 Frauen) wurde der Blutdruck in Ruhe, während standardisierter Ergometrie (50 – 100 Watt, Steigerungsstufen 10 Watt/ Minute) sowie in der Erholungsphase nach Ergometrie vor und nach blutdrucksenkender Medikation gemessen. Die Probanden erhielten in einem Cross-over-Design entweder 16 mg Candesartan oder 10 mg Ramipril einmal täglich für 6 Wochen mit einer 2-wöchigen Medikamentenpause zwischen den Behandlungsperioden. Ergebnisse: Sowohl Candesartan als auch Ramipril bewirkten eine signifikante (p < 0,001) und vergleichbare Senkung des Blutdrucks in Ruhe vor und nach Ergometrie. Während der Ergometrie bei 100 Watt zeigte sich jedoch unter Candesartan eine wesentlich stärkere Blutdrucksenkung von 213,3 ± 20,7/109,7 ± 13,6 mmHg vor Therapie auf 182,4 ± 24,4/93,1 ± 9,8 mmHg (p < 0,001, –14,5%/–14,2%) im Vergleich zu Ramipril mit 195,7 ± 24,8/100 ± 11 mmHg (p < 0,01, –8,3%/–7,9%). Hieraus resultierte zugleich eine stärkere Reduktion des Produkts aus systolischem Blutdruck und Herzfrequenz als Maß für den myokardialen Sauerstoffverbrauch durch den AT1-Rezeptorenblocker (Candesartan –19,8%, p < 0,001, Ramipril 14,8%, p < 0,01). Schlußfolgerung: Bei vergleichbarer Senkung des Blutdrucks in Ruhe senkt der AT1-Rezeptorblocker Candesartan den Belastungsblutdruck bei 100 Watt signifikant stärker im Vergleich zum ACE-Hemmer Ramipril. Zugleich resultiert hieraus eine deutlich stärkere Reduktion auch des Produkts aus systolischem Blutdruck und Herzfrequenz bei Belastung als Maß für den myokardialen Sauerstoffverbrauch. Der AT1-Blocker Candesartan ist damit aufgrund der deutlich stärkeren Senkung des Belastungsblutdrucks nicht nur besser für sportlich aktive Hochdruckkranke geeignet, sondern insbesondere auch für KHK-Patienten, bei denen der myokardiale Sauerstoffverbrauch bei Belastungen gesenkt werden soll und bei denen aufgrund einer möglichen Kontraindikation eine b-Blockertherapie nicht möglich ist.Correspondence to:
PD Dr. med. habil. Dr. rer. nat. R.G. Ketelhut
Barkenhof 14
D-14163 Berlin
Email: rketelhut@centrovital-berlin.de
Originalarbeiten
Hypertonie, Magnesiummangel und Intima-Media-Dicke
K. Kisters, H. Al Tayar, J. Kozianka, C. Funke, P. Franitza, B. Gremmler, F. Wessels, H. Liebscher, F. Tokmak, M. Hausberg und J. B
Abstract
K. Kisters1,3, H. Al Tayar1, J. Kozianka1, C. Funke1, P. Franitza1, B. Gremmler2, F. Wessels1, H. Liebscher3, F. Tokmak3, M. Hausberg3 und J. B
1Medizinische Klinik I, St. Anna-Hospital, Herne, 2Kardiologie, Marienhospital, Bottrop, 3Arbeitskreis Trace Elements and Electrolytes (AKTE e.V.)
Ein Magnesiummangel spielt bekanntlich bei der Pathogenese einer essentiellen Hypertonie eine wichtige Rolle. Patienten mit essentieller Hypertonie weisen ebenfalls eine erhöhte Inzidenz für die Entstehung einer Arteriosklerose auf. Von besonderer Bedeutung ist auch das Vorhandensein einer vermehrten Intima-Media-Dicke oder von Arteria-carotis-Plaquebildungen oder höhergradigen Stenosen der hirnversorgenden Arterien bei Hypertonikern. Von besonderer Bedeutung ist diese Thematik auch bei der Auswahl eines geeigneten antihypertensiven Medikaments und entsprechenden Gefäßläsionen. Hierbei kann der Magnesiummangel ursächlich sein oder über gestörte Transportmechanismen, z.B. einen gestörten Kalzium-Magnesiumantagonismus, Natrium-Magnesiumantiport oder gestörte Magnesiumkanäle entstehen. In der hier vorliegenden Untersuchung wurden 10 essentielle, unbehandelte Hypertoniker mit einem Serum-Magnesiummangel (1,65 ± 0,04 mg%) untersucht bezüglich ihrer Intima-Media-Dicke der Arteria carotis interna. Hierzu wurden mit einem Farbduplexgerät der Firma GE die Arteria carotis communis untersucht und die Intima-Media-Dicke dort in mm gemessen. Dabei fanden wir die Intima-Media-Dicke bei unseren essentiellen Hypertonikern mit Hypomagnesiämie auf Werte von 0,96 ± 0,04 mm verdickt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß ein Magnesiummangel ursächlich bei der Pathogenese einer essentiellen Hypertonie beteiligt ist. Des weiteren neigen Hypertoniker mit Magnesiummangel dazu, im Bereich der Arteria carotis communis eine vermehrte Intima-Media-Dicke zu entwickeln, was ein prognostischer Marker für die Entstehung einer Arteriosklerose und vermehrter arterial stiffness ist, eine Therapie mit Kalziumantagonisten und/oder eine Magnesiumsubstitution scheinen sich hierbei günstig auszuwirken.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Kisters
Medizinische Klinik I
St. Anna-Hospital
Hospitalstraße 19
D-44649 Herne
Email: kisters@annahospital.de
Übersicht
Hauterkrankungen bei Dialyse- sowie organtransplantierten Patienten
M. Ulrich und E. Stockfleth
Abstract
M. Ulrich und E. Stockfleth
Haut Tumor Centrum, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Charité, Campus Mitte, Berlin
Die Zahl der Dialysepatienten in Deutschland steigt stetig, im Jahre 2004 waren ca. 57.000 Patienten auf die Nierenersatztherapie angewiesen. Auch die Zahl der organtransplantierten Patienten wächst an, jährlich werden ca. 4.000 Transplantationen von soliden Organen in Deutschland durchgeführt. Zudem konnte durch die Entwicklung hochwirksamer immunsuppressiver Medikamente die Überlebenszeit nach Transplantation deutlich verlängert werden. Während bei Dialysepatienten allgemeine Hautveränderungen, wie Hauteinblutungen, Veränderungen des Kolorits, Xerosis cutis und Pruritus überwiegen, kommt es bei organtransplantierten Patienten zum gehäuften Auftreten von Hautinfektionen sowie Hauttumorerkrankungen. Plattenepithelkarzinome und deren unmittelbare Vorstufen (aktinische Keratosen) stellen die häufigsten Tumoren bei Organtransplantierten dar und können für die Patienten unter Umständen lebensbedrohlich werden. Entsprechende Prophylaxe sowie eine regelmäßige dermatologische Nachsorge sind daher von sehr großer Bedeutung in diesem Patientengut.Correspondence to:
Martina Ulrich
Haut Tumor Centrum
Klinik für Dermatologie, Venerologie undAllergologie
Universitätsklinikum Charité
Campus Mitte
Schumannstraße 20/21
D-10117 Berlin
Email: martina.ulrich@charite.de
Medizingeschichte
Zwischen Magie und Medizin – die Niere im Alten Ägypten*
C. Scheurle und W.H. Boesken
Abstract
C. Scheurle und W.H. Boesken
2. Medizinische Abteilung, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Trier
Die Niere als Organ war den Alten Ägyptern bekannt, nicht jedoch ihre Funktion. Der Urin wurde nach altägyptischer Vorstellung in der Umgebung der Blase produziert und durch 2 Hohlgefäße ("metu") in die Blase transportiert. Er war eine Möglichkeit, die pathogenen wechedu ("Schmerzstoffe", "Noxen") auszuscheiden. Symptome von Nierenerkrankungen wie Hämaturie, Ödeme und Polyurie wurden von den ägyptischen Ärzten (swnw) erfaßt, nicht jedoch den Nieren zugeordnet. Verbreitete Beschwerden waren Nephro- bzw. Urolithiasis und oft durch Schistosomiasis ausgelöste Hämaturie. Darüber hinaus fanden sich in Mumien degenerative, infektiöse und kongenitale Nierenerkrankungen. Die Therapie internistischer und nephrologischer Krankheitsbilder war sowohl magisch-rituell als auch durch pflanzliche Heilmittel geprägt, die sich jedoch meist nur durch einen fraglichen Nutzen auszeichneten.Correspondence to:
Prof. Dr. med. W.H. Boesken
2. Medizinische Abteilung
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder
Nordallee 1
D-54292 Trier
Email: w.boesken@bk-trier.de, c.scheurle@bk-trier.de