Jahrgang 35, No. 1/2006(Januar 2006)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Medizin und Recht
Praxisbesonderheit in der Richtgrößenprüfung
W. Brech und G. Nitz
Abstract
W. Brech und G. Nitz
Serie
Blick in die Fachliteratur
Originalarbeit
Effekt des Bisphosphonats Ibandronat bei der Behandlung der Osteoporose nach Nierentransplantation
T. Keller, G. Lehmann und H. Sperschneider
Abstract
T. Keller, G. Lehmann und H. Sperschneider
2. Medizinische Klinik/Nephrologie, Helios Klinikum, Erfurt
Rascher Knochenmasseverlust ist eine häufige Komplikation nach Nierentransplantation. Es ist bekannt, daß verschiedene Bisphosphonate die Knochenmineraldichte bei Nierentransplantierten mit Osteopathie steigern können. Diese Studie untersucht die Wirksamkeit verschiedener Dosen Ibandronat bei Nierentransplantierten mit Knochenmasseverlust. Wir untersuchten prospektiv 45 Patienten, die nach Nierentransplantation eine Osteoporose (T score £ 2,5 SD in LWS, Trochanter und/oder Schenkelhals) entwickelten. 18 Patienten erhielten 1 mg und 17 Patienten 2 mg Ibandronat pro Quartal i.v. Zusätzlich wurden 1 g Kalzium und 800 IE Cholecalciferol/d per os verordnet. Die Bestimmung der Knochenmineraldichte erfolgte vor Therapiebeginn und nach einem Jahr Behandlung mittels Röntgenabsorptiometrie (DXA 4500A Hologic) in LWS, Trochanter und Schenkelhals. Als Kontrolle diente eine retrospektiv betrachtete, unbehandelte Patientengruppe (n = 16) mit Osteoporose nach Nierentransplantation (2 DEXA-Messungen im Abstand von 14,6 ± 6,4 Monaten). Die serologischen Knochenparameter wurden mitbestimmt. Die Knochenmineraldichte (BMD) besserte sich in beiden Behandlungsgruppen in allen Meßorten im Vergleich zur Kontrollgruppe. In der LWS stieg die BMD um 4,12% ± 7,50 SD (p < 0,05) in der 1 mg Gruppe und um 4,43% ± 6,51 SD (p < 0,05) in der 2 mg Gruppe vs. –3,58% ± 4,71 SD (p < 0,05) in der Kontrollgruppe. Im Schenkelhals stieg die BMD um 3,14% ± 4,98 SD (p < 0,05) in der 1 mg Gruppe bzw. um 2,73% ± 5,39 SD (NS) in der 2 mg Gruppe vs. –1,20% ± 5,12 SD (NS) in der Kontrollgruppe und im Trochanter stieg die BMD um 5,72% ± 6,69 SD (p < 0,01) in der 1 mg Gruppe bzw. um 4,17% ± 6,93 SD (p < 0,05) in der 2 mg Gruppe vs. –0,67% ± 13,0 (NS) in der Kontrollgruppe. Zwischen den relativen Änderungen der BMD in beiden Behandlungsgruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede. Ibandronat wurde von allen Patienten gut vertragen. Eine initial hohe Aktivität der alkalischen Phosphatase war mit dem Anstieg der BMD unter Therapie positiv korreliert. Die Behandlung einer Osteoporose nach Nierentransplantation mit dem Bisphosphonat Ibandronat steigert die Knochenmineraldichte im Bereich des Schenkelhalses, Trochanters und der LWS. Dieser Effekt ist bereits bei einer Dosis von 1 mg/Quartal nachweisbar und läßt sich durch eine Dosiserhöhung wahrscheinlich nicht verstärken.Correspondence to:
Dr. med. Th. Keller
2. Medizinische Klinik/Nephrologie
Helios Klinikum Erfurt
Nordhäuser Straße 74
D-99089 Erfurt
Email: thkeller@erfurt.helios-kliniken.de
Übersichten
Der diabetische Dialysepatient – welchen Einfluß haben die Blutreinigungsverfahren?
K. Gräfner und P.M. Jehle
Abstract
K. Gräfner und P.M. Jehle
Klinik für Innere Medizin, Evangelisches Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung, und KfH Dialysezentrum, Lutherstadt Wittenberg
Die Kombination traditioneller und nicht traditioneller Risikofaktoren beim niereninsuffizienten Diabetiker führt zu einer exzessiven Erhöhung des Mortalitätsrisikos und erfordert ein multifaktorielles (Diabetes, Blutdruck, Lipide, etc.) und interdisziplinäres (Hausarzt, Diabetologe, Nephrologe, etc.) Management. Diabetische Dialysepatienten weisen im Vergleich zu Nicht-Diabetikern eine stärker ausgeprägte Anämie und häufiger eine Herzinsuffizienz auf. Hinsichtlich der Behandlungsergebnisse und des Patientenüberlebens in der diabetischen Population können die Hämodialyse und die Peritonealdialyse als gleichwertige Therapiemodalitäten bewertet werden, wobei die Hämodialyse das am häufigsten eingesetzte Verfahren darstellt. Für den diabetischen Dialysepatienten bietet die Peritonealdialyse als initiales Blutreinigungsverfahren Vorteile im Hinblick auf die Faktoren kardiovaskuläre Stabilität, Erhalt der renalen Restfunktion, Anämiemanagement, Gefäßsituation, Diätvorschriften, Hepatitis-C-Infektionsrisiko, Antikoagulation, Lebensqualität und Kosten. Entsprechend der derzeitigen Studienlage könnte der Beginn mit der Peritonealdialyse und dem späteren (rechtzeitigen) Wechsel zur Hämodialyse zu einem Überlebensvorteil für diese Patienten in den ersten 2 bis 5 Jahren führen. Für alle Blutreinigungsverfahren ist zu beachten, daß die Dialysedosis (Kt/V) einen signifikanten Prädiktor der Überlebenswahrscheinlichkeit darstellt. Der Einfluß der Dialysedosis ist in den ersten 2 Behandlungsjahren sogar unabhängig von Diabetes, Alter und der kardiovaskulären Komorbidität. Durch Verlängerung der Dialysezeiten und/oder Erhöhung der Dialysefrequenz kann das Überleben von Diabetikern weiter verbessert werden. Allerdings führt eine Erhöhung der Dialysedosis an der Standarddialyse über den in den Leitlinien empfohlenen Bereich nicht zu einer weiteren Reduktion der Mortalität. Auch die Hämodiafiltration verbessert das Überleben der Diabetiker an der Dialyse nicht signifikant, kann aber bei ausgeprägten kardiovaskulären Problemen von Vorteil sein und zu einer Verbesserung der renalen Anämie und der Blutdruckkontrolle bei Diabetikern führen.Correspondence to:
PD Dr. med. P. M. Jehle
Klinik für Innere Medizin
Evangelisches Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung
KfH Dialysezentrum
Postfach 10 02 51
D-06872 Lutherstadt Wittenberg
Email: p.jehle@pgstiftung.de
Übersichten
Einsatz von Glitazonen aus nephrologischer Sicht
E. Ritz
Abstract
E. Ritz
Nierenzentrum Heidelberg
Mit Zunahme des Typ-2-Diabetes in Deutschland steigen auch die Nephropathiehäufigkeit und die Zahl der dialysepflichtigen Patienten an. Ein enger Zusammenhang zwischen Nephropathie und dem Vorliegen einer Insulinresistenz wurde durch mehrere neue Studien belegt. Insulinresistenz ist ein wichtiger Faktor in der Pathogenese des Typ-2-Diabetes und ein Prädiktor renaler und kardiovaskulärer Folgeerkrankungen des Diabetes. Ein Wirkprinzip der Glitazone (Thiazolidindione) ist die Verbesserung der Insulinresistenz. Tierexperimentelle und klinische Studien ergaben Hinweise auf nephro- und vaskuloprotektive Eigenschaften der Glitazone. Der Einsatz dieser Substanzklasse erscheint daher auch bei diabetischen Patienten mit Spätfolgen wie der Nephropathie interessant. Laufende Studien überprüfen den Effekt der Glitazone auf kardiovaskuläre und renale Endpunkte. Die beiden derzeit zugelassenen Glitazone Pioglitazon und Rosiglitazon zeigen hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit. Aufgrund des pharmakokinetischen Profils sind auch bei eingeschränkter Nierenfunktion Anpassungen der Start- oder Erhaltungsdosis nicht notwendig.Correspondence to:
Prof. Dr. E. Ritz
Medizinische Universitätsklinik
Nierenzentrum
Im Neuenheimer Feld 162
D-69120 Heidelberg
Email: Prof.E.Ritz@t-online.de