Jahrgang 34, No. 9/2005(September 2005)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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NA
Leitartikel: Schieflage
H. Kaulen
Leitlinien
Leitlinien zur Einstellung der chronischen Dialyse in Deutschland
H. Becker, R. Mattheis, G. Hennies und H.-C. Fischer
Abstract
H. Becker, R. Mattheis, G. Hennies und H.-C. Fischer
Stellungnahme
Vorläufige Stellungnahme zu dem Entwurf der Leitlinien zur Einstellung der chronischen Dialyse in Deutschland (Stand: 30.01.05)
K. Kutzer
Stellungnahme
Behandlungsvorenthalt – Behandlungsabbruch: Welche Konsequenzen ergeben sich für die Leitliniendiskussion in der Nephrologie?
W. Pommer
Serie
Blick in die Fachliteratur
Serie
Mitteilung
NA
Editorial
Reinhard Brunkhorst, Hannover
Abstract
Reinhard Brunkhorst, Hannover
In diesem Heft finden Sie einen Leitartikel von Hildegard Kaulen, der vor kurzem in der FAZ erschienen ist. Frau Kaulen beschreibt sehr eindringlich die negativen Auswirkungen einer alleinigen Ausrichtung der wissenschaftlichen Literatur auf englischsprachige Publikationen für den Forschungsstandort Deutschland.
Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, wissenschaftlich hochrangige Erstpublikationen, z. B. aus dem Gebiet der Nephrologie, muttersprachlich zu publizieren. Im Interesse eines raschen Wissensaustausches ist es notwendig, frühzeitig englischsprachig zu veröffentlichen. Allerdings bin ich ganz entschieden der Überzeugung, dass es deutschsprachiger Wissenschaftsjournale der einzelnen Fachrichtungen bedarf. Es geht nicht darum, in diesen Zeitschriften vorrangig hochrangige Erstpublikationen zu präsentieren. Es sollte jedoch das Ziel sein, in einer von der Medizinindustrie unabhängigen deutschsprachigen nephrologischen Zeitschrift auch den nicht universitären Kollegen, die es nicht selten vorziehen, deutsche und nicht englischsprachige Publikationen zu lesen, einen Überblick über das Geschehen in der deutschsprachigen Nephrologie zu erhalten.
Eine solche Zeitschrift sollte vor allem hochwertige Übersichtsartikel im Sinne einer leitlinien- und evidenzbasierten klinischen Fortbildung publizieren. Daneben sollten idealerweise auch dem nephrologischen „Wissenschaftslaien“ verständliche Übersichten aus der Grundlagenforschung angeboten werden. Wesentlich wäre es jedoch auch, dass dieses Journal ein Diskussionsforum für aktuelle Entwicklungen der deutschen Gesundheitspolitik (unter besonderer Berücksichtigung des nephrologischen Aspektes) bietet. Defizite in der klinischen nephrologischen Versorgung und z. B. auch in der klinischen Forschung sollten aufgezeigt werden. Letztlich sollte es das Anliegen sein, ein Identitätsbewußtsein unter deutschsprachigen Nephrologen herzustellen.
Die deutschsprachigen Nephrologen "verbrauchen" sich inzwischen in unzähligen Journalen, die in erster Linie wirtschaftliche Interessen vertreten. In diesen Kontext passt es, dass die diesjährigen Abstrakts unseres Jahreskongresses nicht mehr in Nieren- und Hochdruckkrankheiten, sondern "kostenlos" in NephroNews publiziert werden, einer Zeitschrift, die ausschließlich über Anzeigen finanziert wird. Ich glaube nicht, dass sie den oben geschilderten Anspruch eines gemeinsamen Publikationsorganes im deutschsprachigen Raum erfüllen kann. Es ist zu kurz gedacht anzunehmen, dass man durch die kostenfreie Publikation den Gesellschaften und dem Kongress Geld sparen kann. Das Geld für die Anzeigen in NephroNews wird der Nephrologie und dem Kongress an anderer Stelle (z. B. Standgrößen usw.) mit Sicherheit entzogen. Der Gesamttopf für Öffentlichkeitsarbeit wird von der Industrie nicht besser gefüllt, weil es eine weitere Fachzeitschrift gibt.
Eine nationale nephrologische Zeitung mit dem eben geschilderten Anspruch kann nur erhalten werden bzw. entstehen, wenn alle Nephrologen und alle nephrologischen Fachgesellschaften an einem Strang ziehen. Die italienischen Kollegen beispielsweise können dies. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Weg unverzichtbar ist, auch um eine klinisch-nephrologische Identität im deutschsprachigen Raum zu bewahren. Hierdurch wird die Zusammenarbeit bei klinischen Studien und im Rahmen der nephrologischen Fachgesellschaften gefördert. Diese Zeitschrift kann aber auch ein Forum für schwierige Diskussionen, wie in diesem Heft zur Dialyseeinstellung, bieten.
Wegen der Zersplitterung der nephrologischen Publikationslandschaft erfüllt nach meiner Einschätzung derzeit keine Zeitschrift den oben geschilderten Anspruch. Insofern sehen Sie bitte, geschätzter Leser, auch das vorliegende Heft von Nieren- und Hochdruckkrankheiten als wohlmeinenden Versuch an.
Reinhard Brunkhorst, Hannover
Übersichten
Die Zukunft der Heimdialysebehandlung in Deutschland
F. Merkel, M. Nebel und M. Weber
Abstract
F. Merkel1,2, M. Nebel2 und M. Weber1
1Medizinische Klinik I, Klinikum Merheim, Kliniken der Stadt Köln gGmbH, 2KfH Nierenzentrum, Köln Merheim, Köln
Derzeit beträgt in Deutschland der Anteil der Dialysepatienten, die zu Hause Peritonealdialyse oder Heimhämodialyse durchführen, nur knapp 6%. Sowohl aus medizinischer als auch aus Patientensicht bieten diese Verfahren zahlreiche Vorteile und Möglichkeiten. Die Nachteile und Probleme erklären nur zum Teil den geringen Einsatz. Gerade in Zeiten knapper wirtschaftlicher Ressourcen bei gleichzeitigem Anstieg der Inzidenz der chronischen Niereninsuffizienz weltweit, spielen ökonomische Aspekte in Zukunft eine größere Rolle. Hier stellen die Heimdialyseverfahren eine kostengünstige und medizinisch sinnvolle Behandlungsalternative dar, die es in Zukunft verstärkt zu nutzen gilt.Correspondence to:
Dr. med. F. Merkel
Medizinische Klinik I
Klinikum Merheim
Kliniken der Stadt Köln gGmbH
Ostmerheimer Straße 200
D-51109 Köln
Email: MerkelF@Kliniken-Koeln.de
Übersichten
Koronare Herzerkrankung (KHK) bei Dialysepatienten – ein diagnostisches und therapeutisches Dilemma?
P.M. Jehle und P. Lanzer
Abstract
P.M. Jehle1 und P. Lanzer2
1Deutsches Panvaskuläres Kompetenzzentrum (DEPAK), Klinik für Innere Medizin, Ev. Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung und KfH Dialysezentrum, Lutherstadt Wittenberg, 2Klinik für Kardiologie und Angiologie, Herz-Zentrum Coswig
Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist bei Dialysepatienten für 50% der Todesfälle ursächlich und betrifft Diabetiker dreimal häufiger als Nichtdiabetiker. Bis zu 70% der Dialysepatienten mit gesicherter KHK sind symptomfrei. Bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom wird die Erfassung einer Myokardischämie durch unspezifische Erhöhung der Basalspiegel sämtlicher Labormarker infolge der verminderten renalen Clearance erschwert. In Anbetracht der bei Diabetikern oft uncharakteristischen Symptomatik ist in Verbindung mit der unsicheren Wertigkeit der Laborparameter sowie der unspezifischen EKG-Veränderungen, insbesondere bei Patienten mit Myokardinfarkten ohne ST-Streckenhebung (NSTEMI) und Myokardinfarkten durch Hauptstammbeteiligung durch Verschlüsse des Ramus circumflexus, eine frühzeitige invasive Koronardiagnostik dringend zu empfehlen. Die Ischämiediagnostik mittels Belastungs-EKG, Myokardszintigraphie, Streßechokardiographie oder Kernspinresonanztomographie bleiben den elektiven Fällen mit chronischer Symptomatik vorbehalten. Die Koronardiagnostik mittels Mehrzeilercomputertomographen bzw. schnellem Elektronenstrahl CT (EBCT) ist bei Dialysepatienten im Hinblick auf den Nachweis von Koronarkalk interessant, hat aber für die aktuelle Therapieplanung wenig Bedeutung. Stark verkalkte Koronarien stellen jedoch sowohl für die interventionelle als auch für die koronarchirurgische Therapie ein besonderes Risiko dar. In Anbetracht der bei Diabetikern oft vorliegenden Systemgefäßerkrankung mit klinisch relevanter Beteiligung von mehreren wichtigen Gefäßterritorien ist jeder Dialysepatient mit KHK ein Hochrisikopatient und sollte von einem interdisziplinären Expertenteam behandelt werden, wobei sämtliche Aspekte und Möglichkeiten der konservativen und operativen Therapie berücksichtigt werden sollten. Oft sind bei der Durchführung von Behandlungen interdisziplinäre Absprachen erforderlich. Einfachstes Beispiel ist die Planung der Hämodialyse nach Kontrastmittelapplikation, oft werden aber auch insbesondere bei Patienten mit stark verkalkter Aorta ascendens mit fehlenden Anschlußfähigkeit für Bypässe hybridisierte Revaskularisationsverfahren, teils chirurgisch, teils interventionell angewendet. Prinzipiell kommen jedoch auch bei Dialysepatienten alle verfügbaren interventionellen und koronarchirurgischen Mittel zum Einsatz. Dialysepatienten mit einem akuten Koronarsyndrom werden mit wenigen Ausnahmen primär interventionell behandelt. Bei elektiven Eingriffen entscheiden über die Wahl des Revaskularisationsverfahrens das individuelle Koronarbild und der Allgemeinzustand des Patienten. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, ist grundsätzlich eine prospektive interdisziplinäre Therapieplanung zu fordern. Die medikamentöse Therapie der Hämodialysepatienten bei akuten und chronischen koronaren Krankheitsbildern gleicht derjenigen von Nichtdialysepatienten, wobei bei der kombinierten Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten die erhöhte Blutungsneigung bei Dialysepatienten berücksichtigt werden muß.Correspondence to:
PD Dr. med. P.M. Jehle
Klinik für Innere Medizin
Ev. Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung
KfH Dialysezentrum Wittenberg
Postfach 10 02 51
D-06872 Lutherstadt Wittenberg
Email: p.jehle@pgstiftung.de
Übersichten
Empfehlungen für das Management von Patienten mit Morbus Fabry und Nierenbeteiligung
C. Wanner, F. Breunig und R.M. Schaefer
Abstract
C. Wanner1, F. Breunig1 und R.M. Schaefer2
1Abteilung für Nephrologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, 2Medizinische Klinik und Poliklinik D, Universitätsklinikum Münster
Der Morbus Fabry ist eine X-chromosomal vererbte lysosomale Speicherkrankheit, die durch den Mangel des Enzyms a-Galaktosidase A verursacht wird. Neben kardialen und zerebrovaskulären Komplikationen ist die Nierenbeteiligung eine häufige Manifestationsform und eine wichtige Ursache für die erhöhte Morbidität und Mortalität der Patienten. Für Erstdiagnostik und Verlaufskontrolle kommen unterschiedliche diagnostische Verfahren zur Abschätzung einer Nierenbeteiligung zum Einsatz. Primäres therapeutisches Ziel ist es, ein Fortschreiten der Nierenerkrankung zu vermeiden. Eine Enzymersatztherapie ist bei männlichen Patienten praktisch immer indiziert, bei Frauen oder Kindern ist die Indikation im Einzelfall abhängig vom Lebensalter und der Schwere der Manifestation zu stellen. Neben der Enzymersatztherapie ist die Etablierung einer optimalen nephroprotektiven Begleittherapie wichtig. Regelmäßige Verlaufsuntersuchungen sind bei allen Patienten angezeigt. Für eine optimale Betreuung und Behandlung der Patienten sind der Einsatz und die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen notwendig. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der bisher begrenzten Erfahrung mit der Enzymersatztherapie sollten Patienten mit Morbus Fabry in einem mit Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung erfahrenen Zentrum vorgestellt werden; die Ergebnisse der Untersuchungen sollten in ein zentrales Register eingegeben werden.Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Wanner
Abteilung für Nephrologie
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Universitätsklinik Würzburg
Josef-Schneider-Straße 2
D-97080 Würzburg
Email: Wanner_C@medizin.uni-wuerzburg.de