Jahrgang 34, No. 10/2005(Oktober 2005)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Autorenreferate
34. Rostocker Gespr
Serie
Blick in die Fachliteratur
Serie
Mitteilung
Originalarbeiten
Kritische Betrachtung der rechnerischen Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate nach Cockroft und Gault – Versuch einer Korrektur
H. Schmechel, R. Fünfstück, U. Folger, F. Robiller und R. Schmechel
Abstract
H. Schmechel1, R. Fünfstück2, U. Folger2, F. Robiller2 und R. Schmechel3
1Klinik für Innere Medizin I und 2Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des Sophien- und Hufeland-Klinikums gGmbH, Weimar, 3Abteilung Elektronische Materialeigenschaften, Fachbereich Material- und Geowissenschaften, Technische Universität Darmstadt
Zur Abschätzung der glomerulären Filtrationsleistung (GFR) unter Praxisbedingungen wird die Kalkulationsformel von Cockroft und Gault unter Einbeziehung von Serumkreatinin, Lebensalter und Körpergewicht empfohlen. Aufgrund der Struktur der Formel sind jedoch bei stärkerem Übergewicht oder bei vorgerücktem Lebensalter Fehlbestimmungen der glomerulären Filtrationsrate im Sinne von Über- oder Unterbewertungen zu erwarten. Anhand der nuklearmedizinischen Methode der DTPA-Clearance wurde die Wertigkeit der Cockroft-Gault-Formel geprüft. Untersucht wurde die Validität der Originalformel und deren Variante mit Adaptation des errechneten Wertes an das standardisierte Körperoberflächenmaß von 1,73 m2. Die Bestimmungen erfolgten bei 226 Patienten mit einem Diabetes mellitus (Dm Typ 2: n = 224; Dm Typ 1: n = 12) mit einem durchschnittlichen Lebensalter von 62,4 ± 13,4 Jahren und einer mittleren Diabetesdauer von 11,5 ± 8,7 Jahren. Die vergleichende Untersuchung ergab, daß bei einem Körpermasseindex von 40 kg/m2 die glomeruläre Filtration nach der Cockroft-Gleichung zu hoch bewertet wird und bei einem Lebensalter über 60 Jahre signifikant niedrigere Werte errechnet werden. Die Adaptation an das Körperoberflächenmaß von 1,73 m2 bewirkte bei den hohen Körpergewichtsklassen eine Angleichung an den realen Wert. Im mittleren und unteren Gewichtsbereich waren die Angaben deutlich verringert. Die Abnahme der Filtrationsleistung in Abhängigkeit vom Lebensalter war nach der Cockroft-Gault-Berechnung signifikant größer als es der tatsächlichen glomerulären Filtration bei den über 60-jährigen Patienten entsprach. Korrelationsuntersuchungen zeigten, daß die bei der DTPA-Clearancebestimmung ermittelte GFR eine eindeutige Abhängigkeit zum Lebensalter und zum Serumkreatinin – nicht jedoch zum Körpergewicht –, der Diabetesdauer, dem Blutdruckverhalten und dem Spiegel des glykosilierten Hämoglobins aufwies. Aufgrund der ermittelten Korrelationsbeziehungen wurde eine eigene Kalkulationsformel, die AK-GFR-Formel, zur Berechnung der glomerulären Filtrationsleistung auf der Basis des Serumkreatinins und des Lebensalters entwickelt. Die damit errechnete glomeruläre Filtrationsleistung korrelierte deutlich besser mit den ermittelten Werten durch die DTPA-Clearance. Die mit der vorgeschlagenen Formel errechneten Werte zeigen eine signifikant geringere intraindividuelle Abweichung im Vergleich zu den Cockroft-Gault-Formeln und der modifizierten MDRD-Formel.Correspondence to:
Prof. Dr. med. H. Schmechel
Klinik für Innere Medizin I
Sophien- und Hufeland-Klinikum gGmbh
WeimarHenry-van-de-Velde-Straße 2
D-99425 Weimar
Email: innere1@klinikum-weimar.de
Originalarbeiten
Die Rolle der Endosonographie in der Detektion und Klassifizierung des Phäochromozytoms
S. Meyer, B. Kann, M.A. von Mach, C. Brück, D. Ivan, U. Köhler, Th. Behr, K.-J. Klose, A. Pfützner, Th. Forst und P.H. Kann
Abstract
S. Meyer1, B. Kann1, M.A. von Mach4, C. Brück1, D. Ivan1, U. Köhler1, Th. Behr2, K.-J. Klose3, A. Pfützner5, Th. Forst5 und P.H. Kann1,5
1Bereich Endokrinologie und Diabetologie, 2Klinik für Nuklearmedizin, 3Klinik für Radiologie, Klinikum der Philipps-Universität Marburg, 4II. Medizinische Klinik der Universität Mainz, 5Institut für Klinische Forschung und Entwicklung, Mainz
Die Endosonographie ermöglicht neben der Lokalisation paraintestinaler Strukturen des Mediastinums, des Abdomens und des Retroperitoneums auch die detaillierte Darstellung beider Nebennieren. In der vorliegenden retrospektiven Studie wurde die diagnostische Aussagekraft der Endosonographie bezüglich Detektion und Dignitätsbeurteilung von adrenalen, extra- und paraadrenalen Phäochromozytomen untersucht. Die Endosonographie erfolgte mit einem Endosonoskop Pentax FG 32 UA (longitudinaler Sectorscan; 7,5 MHz) in Kombination mit einem Ultraschallgerät Hitachi EUB 525. Insgesamt wurden 22 Phäochromozytome von 11 konsekutiven Patienten untersucht. Die Diagnosestellung und Dignitätsbeurteilung der Tumore erfolgte histopathologisch mit Ausnahme eines MIBG-(Metaiodobenzylguanidin) positiven Lokalrezidivs und 4 Metastasen eines Patienten, dessen Primarius bereits auswärtig histologisch gesichert wurde. Bei 5 von 11 Patienten (45%) konnten mittels der Endosonographie Phäochromozytome detektiert und diagnostisch und/oder therapeutisch wegweisende Aussagen getroffen werden, die durch eine Darstellung mittels Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und/oder MIBG-Szintigraphie nicht oder nicht eindeutig erbracht werden konnten. In keinem Fall ließen sich durch CT, MRT oder MIBG-Szintigraphie abdominelle oder retroperitoneale Tumoren nachweisen, die nicht auch endosonographisch darstellbar waren. Es bestand kein signifikanter Unterschied zwischen benignen und malignen Phäochromozytomen bezüglich der endosonomorphologischen Kriterien Echogenität und Echostruktur, auch wenn eine echoreiche Binnenstruktur nur bei benignen Tumoren darstellbar war. Maligne Phäochromozytome (n = 10) waren zum Zeitpunkt der Untersuchung tendenziell, aber nicht statistisch signifikant größer als benigne Phäochromozytome (n = 12, p = 0,069). Bei mehreren Patienten konnten endosonographisch kleine Phäochromozytome detektiert werden, die durch eine Bildgebung mittels CT, MRT und/oder MIBG-Szintigraphie nicht primär nachweisbar waren. In einigen Fällen konnte die Endosonographie hilfreiche Informationen zur Planung des weiteren therapeutischen und operativen Vorgehens liefern. Zusammenfassend ist die Endosonographie eine zusätzliche, hilfreiche Methode zur frühen Detektion kleiner Phäochromozytome. Eine Dignitätsklassifizierung dieser Tumore nach endosonomorphologischen Kriterien war nicht möglich.Correspondence to:
Prof. Dr. med. P.H. Kann
Bereich Endokrinologie und Diabetologie
Klinikum der Philipps-Universität
Baldingerstraße
D-35033 Marburg
Email: kannp@med.uni-marburg.de
Originalarbeiten
Magnesium und Pulsdruck bei Hypertonie
K. Kisters, O. Hoffmann, M. Hausberg, C. Funke, J. Kozianka und B. Gremmler
Abstract
K. Kisters1, O. Hoffmann1, M. Hausberg1, C. Funke1, J. Kozianka1 und B. Gremmler2
1Medizinische Klinik I, St. Anna-Hospital, Herne, 2Kardiologische Abteilung, Marienhospital, Bottrop
Der Einfluß eines Magnesiummangels bei der Entstehung einer essentiellen Hypertonie ist bekanntlich gut dokumentiert. Diesbezüglich liegen zahlreiche Untersuchungen an Blutzellen und glatten Gefäßmuskelzellen vor. Hierbei werden verschiedene pathogenetische Mechanismen diskutiert, so das Vorhandensein eines Kalzium/Magnesiumantagonismus, gestörter ATPase-Aktivität sowie gestörten Magnesiumkanälen. Die Höhe des Pulsdrucks (Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck) stellt bekanntermaßen einen hohen Risikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität dar. In diesem Zusammenhang wurde in der hier vorliegenden Arbeit untersucht, ob bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck Serummagnesiumspiegel erniedrigt sind oder nicht. Es wurde bei 10 Patienten mit einem Pulsdruck > 60 mmHg und bei 10 Patienten mit einem Pulsdruck < 50 mmHg der Magnesiumplasmaspiegel gemessen. Unsere Ergebnisse zeigten in der Gruppe mit einem Pulsdruck von > 60 mmHg Magnesiumplasmakonzentrationen von 0,72 ± 0,1 mmol/l versus 0,88 ± 0,07 mmol/l in der Hypertonikergruppe mit einem Pulsdruck < 50 mmHg (p < 0,05). Der Korrelationskoeffizient betrug –0,73.Correspondence to:
Prof. Dr. med. K. Kisters
Medizinische Klinik I
St. Anna-Hospital
Hospital-Straße 19
D-44649 Herne
Email: kisters@annahospital.de
Originalarbeiten
Bestimmung von N-Azetyl-b-D-Glukosaminidase (NAG) bei tubulären Läsionen während einer Nierenkolik mit und ohne assoziierte Harnwegsinfektionen (HWI)
G. Gluhovschi, S. Velciov, A. Kaycsa, V. Trandafirescu, A. Schiller, L. Petrica, G. Bozdog, C. Gluhovschi and F. Bob
Abstract
G. Gluhovschi1, S. Velciov1, A. Kaycsa2, V. Trandafirescu1, A. Schiller1, L. Petrica1, G. Bozdog1, C. Gluhovschi1 and F. Bob1
1Department of Nephrology, and 2Department of Biochemistry, University of Medicine and Pharmacy, Timisoara, Romania
Zur Erforschung von funktionellen und morphologischen Läsionen, die mit Nierenkolik assoziiert sind, untersuchten wir 25 Patienten mit Nierenkolik, 31 HWI-Patienten, die an die nephrologische Abteilung verwiesen worden waren, und 8 gesunde Kontrollen. Vor Beginn der Studie wurde bei allen Patienten die NAG im Urin durch Kolorimetrie bestimmt. Die Ergebnisse wurden in µg Kreatinin gemessen. Die initiale Urin-NAG lag bei den 25 Nierenkolikpatienten bei durchschnittlich 4,78 ± 4,04 µg Kreatinin; bei den 31 HWI-Patienten ohne Nierenkolik betrug der initiale Wert 7,03 ± 9,26 µg Kreatinin; bei den 8 gesunden Kontrollen war der Durchschnittswert 1,72 ± 0,85 µg Kreatinin. Von den 25 Nierenkolikpatienten hatten 4 eine aktive, 12 eine latente und 9 keine HWI; 10 Nierenkolikpatienten wurden einem einwöchigen Follow-up unterzogen. Bei diesen Patienten wurde die Urin-NAG am ersten und siebten Tag der Behandlung mit Papaverin und Metamizol gemessen. Bei diesen Patienten lag die initiale Urin-NAG bei 7,09 ± 6,70 µg Kreatinin. 3 von diesen Patienten litten an einer aktiven HWI (Urin-NAG 9,87 ± 6,74 µg Kreatinin), 4 hatten eine latente mit Nierenkolik assoziierte HWI (Urin-NAG 7,20 ± 8,47 µg Kreatinin) und 3 Patienten zeigten keine HWI (Urin-NAG 4,17 ± 4,99 µg Kreatinin). Nach einem Tag antispastischer Behandlung stieg die Urin-NAG bei der untersuchten Gruppe auf 4,15 ± 4,35 µg Kreatinin (p > 0,1). Nach 7 Tagen antispastischer Behandlung lag die Urin-NAG bei 7,63 ± 6,82 µg Kreatinin, was eine Erhöhung im Vergleich zum initialen Wert bedeutet (p < 0,4). Bei den 3 Patienten mit aktiver HWI wurde nach 7 Tagen ein Anstieg der Urin-NAG auf 18,76 ± 14,65 µg Kreatinin gemessen, während bei den Patienten mit latenter HWI eine Verringerung der Urin-NAG auf 3,82 ± 2,60 µg Kreatinin stattfand. Bei den Patienten ohne HWI verringerte sich die Urin-NAG auf 2,60 ± 1,60 µg Kreatinin. Nach Abgabe der Urinprobe zur NAG-Bestimmung (nach sieben Tagen) wurde bei den Patienten mit aktiver HWI eine Behandlung mit Antibiotika begonnen. Bei mit Nierenkolik assoziierter HWI erhöht sich die Urin-NAG durch die Akkumulation von Läsionen, die infolge des Infektionsprozesses auftreten, und den Läsionen, die durch die Nierenkolik verursacht werden.Correspondence to:
Prof. Dr. G. Gluhovschi
Calea Aradului 8, Ap. 16
300088 Timisoara, Romania
Email: ggluhovschi@yahoo.com
Übersicht
Procalcitonin-Serumspiegel bei dauerdialysierten und nierentransplantierten Kindern und Jugendlichen
M. Bulla, J. Köhring und M. Erren
Abstract
M. Bulla1, J. Köhring1 und M. Erren2
1Pädiatrische Nephrologie, Universitätsklinikum Münster, 2Institut für Labormedizin, Universität Münster
Dialysepatienten und Nierentransplantierte weisen oft laborchemische Entzündungszeichen auf. Procalcitonin (PCT) erlaubt frühzeitig die differentialdiagnostische Unterscheidung zwischen generalisierter bakterieller Infektion oder Inflammation anderer Ursachen. Beachtet werden müssen bei niereninsuffizienten Patienten die gegenüber Gesunden erhöhten Normwerte. Die vorgelegte Erhebung dient der Bestimmung der Normwerte bei infektfreien, dauerdialysierten und nierentransplantierten Kindern und Jugendlichen. Vergleichbar dem Normwert bei Gesunden lag der PCT-Serumwert bei nierentransplantierten Kindern und Jugendlichen bei 0,1 ng/ml, wohingegen sich der prädialytische Ausgangswert bei dauerdialysierten Kindern und Jugendlichen zwischen 0,5 und 1,86 ng/ml bewegte. Eine vierstündige Hämodialysebehandlung mit High-flux-Dialysatoren führte bei einer Dialysance von 40 – 55 ml/min zu einer Reduktion von 48,2 – 80,9% des PCT-Serumwertes.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Monika Bulla
Pädiatrische Nephrologie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33
D-48149 Münster
Email: mbulla@uni-muenster.de