Jahrgang 34, No. 1/2005(Januar 2005)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
Blick in die Fachliteratur
Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
H.-J. Müller
Abstract
H.-J. Müller
Klinikum Fulda
Die vollständig überarbeiteten European Best Practice Guidelines (EBPG 2004) für die Behandlung der Anämie bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (CNI) stellen den aktuellen Stand der Wissenschaft für Diagnostik, Therapieziele und Therapie der renalen Anämie dar. Ab einer Hämoglobinkonzentration im Blut (Hb) < 11,5 g/dl bei Frauen und < 13,5 g/dl bei Männern bis 70 Jahre wird eine weitere Anämiediagnostik empfohlen. Gerade beim Einsatz der ESF unterscheiden sich die EBPG 2004 deutlich von den EBPG 1999, da sowohl neue Daten als auch neue ESF zur Verfügung stehen. ESF sollten bei allen Patienten mit CNI und Hb < 11 g/dl (Hkt < 33%) verabreicht werden. Dies gilt für Patienten mit nichtdialysepflichtiger CNI ebenso wie für Dialysepatienten und transplantierte Patienten. Aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen wird bei den meisten Patienten die s.c.-Gabe der ESF empfohlen. Die zusätzliche Gabe von Eisen und die Optimierung der Dialysetherapie sind weitere Grundpfeiler der Behandlung der renalen Anämie.Correspondence to:
PD Dr. med. H.-J. Müller
Klinikum Fulda gAG i.G.
Pacelliallee 34
D-36013 Fulda
Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
Darbepoetin alfa in der Therapie der renalen Anämie
R.M. Schaefer
Abstract
R.M. Schaefer
Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Münster
Seit 2001 steht mit Darbepoetin alfa ein hyperglykosyliertes Epoetin mit verbesserter biologischer Aktivität zur Verfügung. Patienten mit renaler Anämie profitieren einerseits von einer Verlängerung des Dosierungsintervalls auf bis zu einem Monat und andererseits von einem konstanten Wirkspiegel. Im direkten Vergleich in mehreren klinischen Studien zeigte Darbepoetin alfa gegenüber konventionellem rekombinantem humanem Erythropoetin (rHuEPO) sowohl eine erhöhte Effektivität als auch einen verringerten Wirkstoffbedarf im Laufe der anti-anämischen Therapie. Im Rahmen des EDTA-Kongresses 2004 in Lissabon stellten Tolman und Mitarbeiter ihre Ergebnisse von 217 Hämodialysepatienten vor. Die Patienten wurden von dreimal wöchentlich Epoetin b auf entweder einmal wöchentlich Darbepoetin alfa subkutan (200 IE Epoetin entsprachen 1 mg Darbepoetin alfa) oder einmal wöchentlich die Wochengesamtdosis Epoetin beta subkutan umgestellt. Neun Monate nach der Therapieumstellung benötigten die Patienten eine um 20% höhere Epoetindosis bzw. eine um 24% niedrigere Dosis Darbepoetin alfa. Nur für Darbepoetin alfa wird in den aktuellen europäischen Richtlinien zur Behandlung der renalen Anämie (EBPG 2004) die intravenöse und subkutane Gabe derselben Dosis als gleichwertig empfohlen. Bei konventionellem rHuEPO sollte jedoch die subkutane Gabe bevorzugt werden, da intravenös höhere Dosen gegeben werden müssen. Nach der Umstellung von konventionellem rHuEPO auf Darbepoetin alfa werden häufiger die therapeutischen Ziele der EBPG 2004 von > 11 g/dl Hämoglobin und > 33% Hämatokrit erreicht. Darbepoetin alfa stellt durch seine lange Halbwertszeit eine längere biologische Aktivität und konstante Wirkspiegel oberhalb des erythropoietischen Schwellenwertes sicher. Damit entspricht Darbepoetin alfa den Anforderungen der EBPG 2004 an eine sichere, effektive und wirtschaftliche anti-anämische Therapie.Correspondence to:
Prof. Dr. med. R.M. Schaefer
Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33
D-48129 Münster
Email: schaefe@uni-muenster.de
Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
Darbepoetin alfa (Aranesp) in der Behandlung von Hämodialysepatienten im klinischen Alltag
W. Kreußer und J. Wagner
Abstract
W. Kreußer1 und J. Wagner2
1Marienhospital, KKD-Katholisches Klinikum, Duisburg, 2AMGEN GmbH, München
Aranesp® (Darbepoetin alfa, Hersteller: Amgen GmbH, München) ist ein modifiziertes Erythropoetin mit der zwei- bis dreifachen Halbwertszeit von rekombinantem Human-Erythropoietin (r-HuEPO) und damit höherer biologischer Aktivität. Klinische Studien haben gezeigt, daß durch Aranesp® der erwünschte Hb-Spiegel bei reduzierter Applikationsfrequenz eingestellt werden kann und mehr Patienten das Therapieziel gemäß internationalen Therapieleitlinien erreichen. Diese Befunde zur hohen Effektivität sollten in den hier vorgestellten Therapiebeobachtungen unter Alltagsbedingungen überprüft werden. Von insgesamt 163 Dialysezentren repräsentativ für Deutschland wurde die routinemäßige Aranesp®-Therapie nach Vorbehandlung mit r-HuEPO für 972 Hämodialysepatienten in zwei Gruppen über 16 bzw. 33 Wochen dokumentiert. Die untersuchten Parameter bestätigten die bessere Wirksamkeit von Aranesp®. Nach Umstellung auf Aranesp® stieg der mittlere Hb-Spiegel um 0,8 bzw. 0,6 g/dl auf 11,6 bzw. 11,3 g/dl an. Der Anteil der Patienten mit einem Hb-Wert ³ 11 g/dl erhöhte sich von 40% bzw. 48% auf rund 65%. Der Erythropoieseresistenz-Indexwert sank von 11,3 und 10,6 auf 9,3 und 9,1. Diabetiker und ältere Patienten profitierten von der Aranesp®-Therapie mindestens in gleichem Maße wie Nicht-Risikopatienten. Hinzu kommt, daß die Applikationsfrequenz für Aranesp® – s.c. wie auch i.v. – um etwa zwei Drittel niedriger war als für r-HuEPO, was neben einer geringeren Belastung der Patienten unter s.c. Therapie auch zu einer Entlastung der Ärzte und des Pflegepersonals durch einfachere Logistik und weniger Abfall, Rezepte und Zeitaufwand führt. Die vorliegend Untersuchung unter Praxisbedingungen bestätigt frühere klinische prospektive Studien, die eine hohe Effektivität von Aranesp® bei der Therapie der renalen Anämie bei reduzierter Applikationsfrequenz gezeigt haben.Correspondence to:
Prof. Dr. Dr. med. W. Kreußer
Marienhospital
KKD – Katholisches Klinikum Duisburg
Wanheimer Straße 167a
D-47 053 Duisburg
Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
Behandlung der Chemotherapie-assoziierten Anämie mit Darbepoetin alfa*
C. Bokemeyer, J.T. Hartmann und H.-P. Lipp
Abstract
C. Bokemeyer1, J.T. Hartmann1 und H.-P. Lipp2
1Abteilung Hämatologie, Onkologie, Immunologie und Rheumatologie, und 2Universitätsapotheke, Universitätsklinik Tübingen
Anämie ist eine häufige, in ihrer Auswirkung auf die Lebensqualität onkologischer Patienten oft unterschätzte Folge der Tumorerkrankung und/oder einer Chemotherapie. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine wichtige Bedeutung der Anämie für Prognose und Therapieerfolg. Darbepoetin alfa (Aranesp®) ist ein neuer erythropoietischer Wachstumsfaktor, der gezielt durch Modifikation von humanem Erythropoietin entwickelt wurde, um die terminale Halbwertszeit im Serum zu verlängern. Es kann daher seltener appliziert werden als rekombinantes humanes Erythropoietin (rHuEPO). Weitere Vorteile sind hohe Ansprechraten und ein relativ schneller Eintritt der erythropoietischen Wirksamkeit. Die klinische Wirksamkeit von Darbepoetin alfa wurde bei Patienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen und verschiedenen Chemotherapien extensiv untersucht. Aufgrund der Ergebnisse zweier großer Phase-III-Studien wurde Darbepoetin alfa zur Behandlung der chemotherapieinduzierten Anämie bei erwachsenen Patienten mit nichtmyeloischen malignen Erkrankungen zugelassen.
*Aktualisierter Nachdruck aus Arzneimitteltherapie 22, 103-109 (2004)Correspondence to:
Prof. Dr. med. C. Bokemeyer
Zentrum Innere Medizin
Klinik für Onkologie und Hämatologie
Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
D-20246 Hamburg
Email: c.bokemeyer@uke.uni-hamburg.de
Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
Erythropoetin, Endothel und endotheliale Vorläuferzellen – neue Erkenntnisse zur Gewebs- und Organprotektion
D. Fliser
Abstract
D. Fliser
Abteilung Nephrologie, Zentrum Innere Medizin, Medizinische Hochschule, Hannover
Das rekombinante humane Erythropoetin (EPO) wird seit über zwei Jahrzehnten bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz und seit einiger Zeit auch bei Patienten mit präterminaler Niereninsuffizienz zur Behandlung der renalen Anämie eingesetzt. Jüngste Forschungserkenntnisse legen allerdings nahe, daß EPO viel mehr ist als nur ein Hormon in der Erythropoese. In experimentellen Studien wurde für EPO eine breite Palette von Zell- und gewebsprotektiven Eigenschaften am Herzen, großen Gefäßen, Hirn und auch an der Niere beschrieben, die unabhängig waren von seiner Wirkung auf rote Blutzellen. Darüber hinaus konnten wir zeigen, daß EPO die Freisetzung von endothelialen Vorläuferzellen aus dem Knochenmark stimuliert – eine Art Stammzellen des gefäßauskleidenden Endothels. Diese Vorläuferzellen sind für die Reparatur von Schäden am Gefäßsystem und an den Organen verantwortlich, und die Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität durch endotheliale Vorläuferzellen in experimentellen Studien wird teilweise durch eine verbesserte Endothelfunktion bzw. gesteigerte Neoangiogenese erklärt. Aufgrund dieser protektiven bzw. regenerativen Effekte am Endothel könnte EPO schon in naher Zukunft eine zentrale Bedeutung hinsichtlich Organprotektion zukommen.Correspondence to:
Prof. Dr. med. D. Fliser
Abteilung Nephrologie
Zentrum Innere Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30625 Hannover
Email: fliser.danilo@mh-hannover.de
Themenschwerpunkt: Erythropoetin-Therapie
Antikörper gegen rekombinantes Erythropoietin: Aktueller Stand und klinische Konsequenzen
R. Brunkhorst
Abstract
R. Brunkhorst
Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Gefäßkrankheiten, Klinikum Hannover Oststadt
Seit Januar 1998 wurden 191 Fälle einer durch gegen rekombinantes Erythropoetin gerichteten antikörpervermittelten (Anti-rHuEpo-Ak) Anämie bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz beschrieben (Quelle: Herstellerangaben und Food and Drug Administration (FDA)). 180 Patienten hatten zuvor Epoetin alfa und 11 Patienten Epoetin beta erhalten; die Mehrzahl der Fälle wurde in Frankreich, Kanada, Großbritannien und Spanien beobachtet. Zwischen 2001 und 2003 betrug die an die Exposition adjustierte, geschätzte Inzidenz für Epoetin alfa ohne Zusatz von humanem Serumalbumin (HSA) 18 Fälle pro 100 000 Patientenjahre, für Epoetin alfa mit HSA sechs Fälle und für Epoetin beta ein Fall pro 100 000 Patientenjahre. Bei allen Patienten war das Epoetin subkutan appliziert worden. Unter Darbepoetin wurden keine eindeutigen Fälle von Anti-rHuEpo-Ak beschrieben. Nach Umstellung der Herstellungsweise, der Lagerung und der Anwendungshinweise für Epoetin alfa ist die Inzidenz im Jahr 2003 auf Ausgangswerte zurückgegangen. Die intravenöse Applikation von Epoetinpräparaten bietet allerdings die größtmögliche Sicherheit.Correspondence to:
Prof. Dr. med. R. Brunkhorst
Klinik für Nieren-, Hochdruck-und Gefäßkrankheiten
Klinikum Hannover Oststadt
Podbielskistraße 380
D-30659 Hannover
Email: sekretariat.brunkhorst.oststadt@klinikum-hannover.de