Jahrgang 33, No. 10/2004(Oktober 2004)
|
Nieren- und Hochdruckkrankheiten
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 24.80$ |
 |
Serie
Blick in die Fachliteratur
Originalarbeiten
Einfluß der Therapie mit dem HMG-CoA-Reduktaseinhibitor Fluvastatin auf Endothelfunktion und arterielle Distensibilität großer Arterien bei Patienten nach Nierentransplantation
M. Kosch, M. Barenbrock und M. Hausberg
Abstract
M. Kosch, M. Barenbrock und M. Hausberg
Transplantationsambulanz, Medizinische Klinik und Poliklinik D, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster
Die Störung der funktionellen Gefäßwandeigenschaften bei Patienten nach Nierentransplantation (NTX) stellt einen unabhängigen Risikofaktor der hohen kardiovaskulären Morbidität und Mortalität dar. Unklar ist bisher, ob die Therapie mit einem 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A- (HMG-CoA) Reduktaseinhibitor einen anhaltenden günstigen Effekt auf die Endothelfunktion und/oder die arterielle Distensibilität großer Arterien hat. Wir haben daher den Effekt einer Therapie mit dem HMG-CoA-Reduktaseinhibitor Fluvastatin auf die arteriellen Gefäßwandeigenschaften bei Patienten nach Nierentransplantation über 3 Jahre in einer prospektiven, randomisierten, plazebokontrollierten Studie untersucht. 26 NTX wurden zur Therapie mit Fluvastatin 40 mg/Tag (n = 13) oder Plazebo (n = 13) randomisiert und 3 Jahre nachbeobachtet. Bei Einschluß und nach 6, 12 und 36 Monaten wurden die arterielle Distensibilität der Aa. carotis und brachialis, die endothelabhängige, flußinduzierte (FMD) und die nitroglyzerininduzierte (NMD) Vasodilatation der A. brachialis als Parameter der Endothelfunktion mittels des sogenannten “Echotracking” bestimmt. Die Endothelfunktion besserte sich unter Therapie mit Fluvastatin signifikant (FMD-Anstieg von 4,6 ± 2% auf 12,4 ± 2% nach 12 Monaten), dieser Effekt hielt auch nach 36 Monaten an (13,4 ± 3%, p < 0,05). Im Gegensatz dazu veränderte sich die FMD in der plazebobehandelten Gruppe nicht (p < 0,001 für die Trenddifferenz zwischen den Gruppen mittels ANCOVA). Die Distensibilität der Aa. brachialis und carotis änderte sich dagegen in beiden Gruppen nicht. Die Therapie mit dem HMG-CoA-Reduktaseinhibitor Fluvastatin über 3 Jahre führt bei Patienten nach Nierentransplantation zu einer anhaltenden und signifikanten Besserung der Endothelfunktion großer Arterien, hat dagegen aber keinen Effekt auf die eingeschränkte Elastizität.Correspondence to:
PD Dr. med. M. Kosch
Transplantationsambulanz
Medizinische Klinik und Poliklinik D
Westfälische Wilhelms-Universität
Albert-Schweitzer-Straße 33
D-48149 Münster
Email: koschm@uni-muenster.de
Originalarbeiten
Einfluß von Ernährungsberatung auf das Patientenverhalten bei Dialysepflichtigkeit
Ch. Kugler, U. Saueressig, H. Rausch, J. Schäffer, I. Mäding, G. Evers und B. Maes
Abstract
Ch. Kugler1,4, U. Saueressig2, H. Rausch2, J. Schäffer3, I. Mäding1, G. Evers4 und B. Maes5
1Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, 2Dialysezentrum Hofaue, Wuppertal, 3Dialysezentrum Peine, 4Private Universität Witten/Herdecke, 5Katholische Universität Leuven
Die Notwendigkeit und Wirksamkeit einer Ernährungsberatung für Dialysepatienten sind hinreichend belegt und in den Alltag der Dialysezentren integriert. Im Rahmen einer multizentrischen Studie in 6 Dialysezentren wurde der Einfluß von Ernährungsberatung durch externe diätetisch geschulte Fachkräfte auf das Patientenverhalten, sowie deren Effekt auf interdialytische Gewichtszunahme und Laborparameter untersucht. Die Ergebnisse zeigen, daß diätetische Empfehlungen an alle Patienten ausgegeben werden. Der Stellenwert der Ernährungsberatung zwischen den untersuchten Dialysezentren differiert stark. Externe Ernährungsberatung führt zu einem signifikant besseren Patientenverhalten hinsichtlich der IWG (p = 0,01), Eiweiß (p = 0,03), und Kalium (p = 0,046) im Serum. Für Phosphat ergab sich für diese Stichprobe kein signifikanter Unterschied.Correspondence to:
Christiane Kugler, MScN
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Stadtfelddamm 65
D-30625 Hannover
Email: kugler@thg.mh.hannover.de
Übersichten
Kardiovaskuläre Erkrankungen nach Nierentransplantation: Risikofaktoren und Immunsuppression
M. Ketteler
Abstract
M. Ketteler
Nephrologie und Klinische Immunologie, Medizinische Klinik II, Universitätsklinikum Aachen
Die Haupttodesursachen nierentransplantierter Patienten sind kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfall. Zwar verringert sich das kardiovaskuläre Risiko nach erfolgreicher Nierentransplantation im Vergleich zu Dialysepatienten gemäß aktueller epidemiologischer Datenlage um bis zu 70%, verbleibt aber im Vergleich zur nierengesunden Normalbevölkerung noch immer signifikant erhöht. Die transplantationsassoziierte Verbesserung des kardiovaskulären Überlebens wird vermutlich zu einem großen Teil durch die Beseitigung der Niereninsuffizienz verursacht, demgegenüber weisen einige der zur Abstoßungsverhütung eingesetzten immunsuppressiven Medikamente jedoch potentiell ungünstige Nebenwirkungen auf das HerzKreislauf-System auf. In dieser Übersicht soll der Einfluß der immunsuppressiven Medikation auf die kardiovaskulären Risikofaktoren arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes mellitus und Anämie dargestellt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Transplantat- und Patientenüberleben bewertet werden.Correspondence to:
PD Dr. med. M. Ketteler
Nephrologie und Klinische Immunologie
Medizinische Klinik II
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30
D-52057 Aachen
Email: mketteler@ukaachen.de
Übersichten
Der alte Patient mit terminaler Niereninsuffizienz – Behandlungsdefizite und Therapieoptionen
A. Hoffmann, R. Dikow, M. Zeier und V. Schwenger
Abstract
A. Hoffmann, R. Dikow, M. Zeier und V. Schwenger
Sektion Nephrologie, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
In den westlichen Ländern weist der alte Patient die höchste Inzidenz zur Nierenersatztherapie auf. Im Allgemeinen werden Patienten sehr spät zum Nephrologen überwiesen. Insbesondere der alte Patient wird einer nephrologischen Fachbetreuung noch später zugeführt. Diese späte Überweisung ist u.a. assoziiert mit höherer Mortalität, höheren Behandlungskosten und deutlich verminderter Lebensqualität. Um diese Defizite zu erfassen, wurden zwischen 1998 und 2001 alle Patienten erfasst, die in unserem Zentrum einer Nierenersatztherapie zugeführt wurden. 75-jährige oder ältere Patienten wurden im Median erst 4 Wochen vor Dialysebeginn zum Nephrologen überwiesen, jüngere Patienten (<75J.) wurden hingegen im Median 24,5 (Wilcoxon Test p=0.003) Wochen vor Dialysebeginn einem Nephrologen vorgestellt. Die Einjahresmortaliät der älteren Patienten betrug 31% gegenüber 16% bei den jüngeren Patienten. Diese hohe Mortalität ist bedingt durch die hohe Einjahresmortaltät der spätüberwiesenen alten Patienten (41% gegenüber 13% der frühüberwiesenen alten Patienten). Rechtzeitige Zuweisung zum Nephrologen auch oder insbesondere des alten Patienten ist nicht nur mit verminderter Mortalität assoziiert, sondern kann auch die Progression einer chronischen Niereninsuffizienz im Alter wirkungsvoll verzögern. Somit kann eine Dialyse oft um Monate bis Jahre hinausgeschoben werden. Bei adäquater Betreuung liegt die Hospitalisierungsrate des alten nierenkranken Patienten nur gering über der des jungen Patienten. Die adäquate Versorgung in der Prädialysephase hat somit einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten und somit auf entstehende Kosten im Gesundheitssystem.Correspondence to:
Dr. med. V. Schwenger
Sektion Nephrologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Bergheimer Straße 56a
D-69115 Heidelberg
Email: vedat_schwenger@med.uni-heidelberg.de
Kasuistiken
Bildung eines Aneurysma spurium nach Punktion eines brachiozephalen Dialyseshunts
E. Jochum, H.-P. Brodersen und U. Janssen
Abstract
E. Jochum, H.-P. Brodersen und U. Janssen
Abteilung für Kardiologie, Nephrologie und Intensivmedizin, Innere Medizin II, Krankenhaus St. Franziskus, Kliniken Maria Hilf, Mönchengladbach
Häufige Komplikationen beim Umgang mit für die Hämodialyse angelegten Shunts sind Nachblutungen, Thrombosen, Stenosen oder Infektionen. Gelegentlich wird jedoch auch die Bildung eines Aneurysma spurium (Pseudoaneurysma) unmittelbar nach Anlage des Shunts oder einige Zeit später durch die regelmäßige Punktion beobachtet. Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen 77-jährigen Patienten, bei dem einen Monat nach regelmäßiger Punktion eines nativen brachiozephalen Hämodialyseshunts eine zunehmende schmerzhafte Schwellung im Bereich der Punktionsstelle entstand, welche sich in der daraufhin durchgeführten Duplexsonographie als Aneurysma spurium darstellte. Aufgrund einer deutlichen Größenprogredienz im Verlauf und der damit verbundenen Rupturgefahr wurde eine operative Revision des Dialyseshunts mit anschließender Polytetrafluorethylen(PTFE)-Protheseninterposition durchgeführt. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Aneurysma spurium werden diskutiert sowie Behandlungsmöglichkeiten genannt.Correspondence to:
PD Dr. med. U. Janssen
Abteilung für Kardiologie, Nephrologie und Intensivmedizin
Innere Medizin II
Krankenhaus St. Franziskus
Kliniken Maria Hilf GmbH
Viersener Straße 450
D-41063 Mönchengladbach
Email: JanssenU@mariahilf.de
Kasuistiken
Hypokaliämie mit Tetraparese bei einem jungen Landwirt – ein Fallbericht
J. Leebmann, S. Nunnenkamp, M. Abu-Tair und J. Zehner
Abstract
J. Leebmann, S. Nunnenkamp, M. Abu-Tair und J. Zehner
1. Medizinische Klinik, Sektion Nephrologie und Diabetologie, Klinikum Passau
Wir berichten über einen 22-jährigen jungen Mann, der mit einer Tetraparese in der neurologischen Abteilung unserer Klinik hospitalisiert wurde. Im Aufnahmelabor fand sich ein Serumkaliumwert von 1,3 mmol/l. Bereits nach Substitution von 60 mmol Kalium besserte sich die klinische Symptomatik vollständig. Im weiteren Verlauf konnte eine floride Basedow-Hyperthyreose diagnostiziert werden. Nach Einleitung der Thyreostase traten bis zur Normalisierung der peripheren Schilddrüsenwerte rezidivierend Hypokaliämien mit begleitenden Paresen auf. Die thyreotoxische periodische Paralyse (TPP) ist eine in Europa selten beschriebene Erkrankung. Sie ist charakterisiert durch eine Thyreotoxikose, Hypokaliämie und progressive symmetrische proximale Paralyse. Bisher werden Genese und Pathophysiologie der TPP kontrovers diskutiert.Correspondence to:
Dr. med. J. Leebmann
1. Medizinische Klinik
Sektion Nephrologie und Diabetologie
Klinikum Passau
Bischof-Pilgrim-Straße 1
D-94032 Passau