Jahrgang 33, No. 5/2004(Mai 2004)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Extended Abstract
Möglichkeiten und Grenzen der nephrologischen Diagnostik durch Analysen von Proteinurie und Urinsediment
W.H. Boesken
Extended Abstract
Varia
Originalarbeiten
Klinische Wertigkeit der routinemäßigen, quantitativen Bestimmung von Markerproteinen im Urin zur Differenzierung von interstitiellen und glomerulären Nephropathien in Abhängigkeit von der Nierenfunktion
T. Siepmann, A. Liebert und L. Beier
Abstract
T. Siepmann1, A. Liebert2 und L. Beier2
1Klinik für Innere Medizin V, und 2Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinikum Chemnitz gGmbH, Chemnitz
Fragestellung: Ermöglicht die routinemäßige quantitative Bestimmung von Markerproteinen im Urin eine Differenzierung zwischen interstitiellen und glomerulären Nephropathien? Welchen Einfluß hat die Nierenfunktion auf die Ausscheidung der Markerproteine? Material und Methode: Bei Patienten mit klinisch und/oder histologisch gesicherten interstitiellen (n = 47) bzw. glomerulären Erkrankungen (n = 74) werden IgG, Albumin, a1-Mikroglobulin (a1-MG), Kreatinin, Gesamteiweißausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin und Kreatinin im Serum bestimmt sowie die GFR berechnet. 59 Nierenbiopsien werden semiquantitativ nach dem Ausmaß der interstitiellen Fibrose klassifiziert und in 3 Gruppen eingeteilt. Es erfolgt der Vergleich der Daten in den jeweiligen Gruppen. Ergebnisse: Glomeruläre Nephropathien zeigen in über 75% der Fälle neben einer glomerulären auch eine tubuläre Proteinurie, hingegen weisen interstitielle Erkrankungen zu 90% auch eine glomeruläre Proteinurie auf. Bei allen primären Glomerulopathien ohne schwere Nierenfunktionsstörung läßt sich ein Albumin/a1-MG-Quotient > 10 nachweisen. Alle interstitiellen Nephropathien zeigen einen Albumin/a1-MG-Quotient < 10. Bei rasch progredienten Glomerulonephritiden, diabetischer Nephropathie sowie bei fortgeschrittenen primären Glomerulonephritiden werden ebenfalls Quotienten zwischen 0,4 und 10 beobachtet. Mit Verringerung der GFR steigt die Urinausscheidung von a1-MG sowie von IgG sowohl bei glomerulären (R = –0,70, p < 0,001, respektive R = –0,35, p < 0,003) als auch bei interstitiellen (R = –0,46, p < 0,01 respektive R = –0,36, p < 0,02) Nephropathien an. Mit zunehmender Fibrosierung des Interstitiums nimmt bei Glomerulopathien die Ausscheidung von a1-MG sowie von IgG signifikant zu. Schlußfolgerungen: Die Bestimmung von Albumin, a1-Mikroglobulin und IgG im Urin sowie die Bildung des Albumin/a1-Mikroglobulinquotienten erlaubt, unter Bezug auf die Klinik, zwischen glomerulären und tubulären Nephropathien zu unterscheiden. Eine erhöhte Urinausscheidung von a1-Mikroglobulin und IgG korreliert mit einer verminderten Nierenfunktion und geht mit vermehrter interstitieller Fibrosierung der Nieren bei Patienten mit einer Glomerulopathie einher.
Originalarbeiten
Verbesserung der erkrankungsspezifischen Lebensqualität von Patienten nach Nierentransplantation durch Umstellung der Immunsuppression von Cyclosporin auf Tacrolimus
G.H. Franke, J. Reimer, T. Schindler und dieSwitch to Tacrolimus for Cyclosporin-Related Side Effects Studiengruppe
Abstract
G.H. Franke1, J. Reimer2, T. Schindler3 und dieSwitch to Tacrolimus for Cyclosporin-Related Side Effects Studiengruppe
1Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Studiengang Rehabilitationspsychologie, 2Abteilung für Psychiatrie, Universität Hamburg, 3Fujisawa GmbH, München
Einleitung: Cyclosporintherapie nach Nierentransplantation ist häufig mit kardiovaskulären (Hyperlipidämie, Hypertonie) und kosmetischen Nebenwirkungen (Gingivahyperplasie, Hypertrichose) verbunden. Diese Studie stellte die Frage, ob eine Umstellung auf Tacrolimustherapie von Patienten, die an cyclosporininduzierten Nebenwirkungen litten, die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert. Methode: Insgesamt 64 Patienten, 29 Männer und 35 Frauen im mittleren Alter von 51 Jahren (SD ± 12), die im Durchschnitt seit 69 Monaten (SD ± 53) mit einem funktionsfähigen Nierentransplantat lebten, wurden aufgrund kardiovaskulärer (Hyperlipidämie, Hypertension, n = 26) oder kosmetischer Nebenwirkungen (Gingivahyperplasie, Hypertrichose, n = 38) von Cyclosporintherapie auf Tacrolimus umgestellt. Die erkrankungsspezifische (ESRD-SCL-TM), [5] sowie die globale Lebensqualität (SF-36) [1] wurde direkt vor der Umstellung (Baseline) und im Durchschnitt 7 Monate nach der Umstellung erfaßt. Ergebnisse: Die erkrankungsspezifische Lebensqualität verbesserte sich insgesamt statistisch signifikant (p < 0,001, 16,6% Varianzaufklärung VA). Im einzelnen verbesserten sich vor allem die kardiale und renale Funktion (p < 0,01, 12,9% VA), d.h., die Patienten berichteten am Studienende statistisch signifikant seltener von zu hohem Blutdruck, geschwollenen Füßen oder Beinen sowie vermehrtem Durst. Weiterhin litten die Patienten zu Studienende weniger unter vermehrtem Haarwuchs und Zahnfleischwucherung (p < 0,0001, 53,2% VA). Die globale Lebensqualität veränderte sich im Laufe der Zeit jedoch nicht. Schlußfolgerung: Der Wechsel von Cyclosporin zu Tacrolimus führt unabhängig davon, ob er aufgrund kardiovaskulärer oder kosmetischer Nebenwirkungen der Cyclosporintherapie erfolgt, zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der erkrankungsspezifischen Lebensqualität im Verlauf von ca. 7 Monaten. Somit kann hier von einer medikamenteninduzierten Verbesserung der erkrankungsspezifischen Lebensqualität gesprochen werden.
Originalarbeiten
Behandlung des Hyperparathyreoidismus durch Kalzimimetika: Erfahrungen mit Cinacalcet (AMG 073)
H.J. Deuber
Abstract
H.J. Deuber
KfH-Dialysezentrum, Zirndorf
In Studien konnte bei Patienten mit sekundärem Hyperparathyreoidismus infolge chronischer Niereninsuffizienz gezeigt werden, daß durch die Therapie mit Kalzimimetika eine schnell einsetzende deutliche Senkung der Parathormonkonzentration im Serum erzielt werden kann. Daneben kommt es zu einer Abnahme der Phosphatkonzentrationen im Serum. Die ebenfalls auftretende Neigung zur Hypokalzämie [117] kann gemildert werden, indem die Dosis des Kalzimimetikums langsam gesteigert und Kalzium sowie aktive Vitamin-D3-Metaboliten zusätzlich verabreicht werden. Kalzimimetika stellen damit eine weitere Therapieoption des sekundären Hyperparathyreoidismus dar.
Übersichten
Oxidativer Streß und arterielle Hypertonie
M. Tepel
Abstract
M. Tepel
Medizinische Klinik IV, Campus Benjamin Franklin, Charité Universitätsmedizin Berlin
Es besteht eine Reihe von Hinweisen, daß eine Steigerung des oxidativen Stresses eine wesentliche Rolle in der Pathogenese der arteriellen Hypertonie und konsekutiven Erkrankungen wie Arteriosklerose spielt. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind zum Teil gut beschrieben, dagegen gibt es derzeit nur wenig gesicherte Untersuchungen darüber, daß eine alleinige antioxidative Therapie einen positiven Effekt hat.
Übersichten
Auswirkungen einer Aluminiumbelastung bei niereninsuffizienten Patienten: Ist die Gabe von aluminiumhaltigen Phosphatbindern heute noch gerechtfertigt?
H.J. Deuber
Abstract
H.J. Deuber
KfH-Dialysezentrum, Zirndorf
Nach Beseitigung der Aluminiumbelastung durch das Dialysewasser bleiben die aluminiumhaltigen Phosphatbinder bei niereninsuffizienten Patienten die Hauptquelle einer Aluminiumintoxikation. Da sich Aluminium rasch in vielen Geweben ablagert, können bereits kleine Mengen, laufend oder intermittierend zugeführt, zu einer relevanten Toxizität führen. Auswirkungen können sich in einer Enzephalopathie, Osteomalazie, adynamen renalen Osteopathie, einer Suppression von Parathormon, einer Anämie sowie Hauteffloreszenzen äußern. Der Nachweis einer Aluminiumbeladung des Organismus kann mittels Desferrioxamin erfolgen. Dabei sind mögliche Nebenwirkungen dieser Substanz und deren eingeschränkte Aussagekraft zu beachten. Um die Intoxikation weitestgehend zu vermeiden, sollten keine aluminiumhaltigen Phosphatbinder mehr eingesetzt werden.