Jahrgang 33, No. 8/2004(August 2004)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Kasuistik
Nephrogenic fibrosing dermopathy
T. Grobner
Serie
Blick in die Fachliteratur
Originalarbeiten
Verkürzte Lebenserwartung bei dialysepflichtigen Typ-II-Diabetikern mit peripherer arterieller Verschlußkrankheit bei Beginn der Dialysetherapie
A. Raml, O. Janko und G. Biesenbach
Abstract
A. Raml, O. Janko und G. Biesenbach
2. Medizinische Abteilung, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Linz
Die periphere arterielle Verschlußkrankheit (PAVK) ist eine häufige Komplikation bei urämischen Patienten, vor allem bei Diabetikern. In der Literatur gibt es wenig Berichte über das Langzeitüberleben der dialysepflichtigen Diabetiker mit PAD zum Zeitpunkt des Dialysebeginns. Zweck unserer Studie war festzustellen, welchen Einfluß eine PAVK bei Dialysebeginn auf das Patientenüberleben bei über 60-jährigen Diabetikern während der Hämodialysetherapie ausübt. 42 Typ-II-Diabetiker mit terminalem Nierenversagen wurden in die Studie aufgenommen. Die Patienten wurden in 2 Gruppen geteilt, in Patienten mit und ohne PAVK bei Dialysebeginn. In beiden Patientengruppen wurde die Prävalenz der Risikofaktoren Hypertonie, Hyperlipidämie und Rauchen sowie die Prävalenz der zerebro- und kardiovaskulären Erkrankungen verglichen. Darüber hinaus wurden die 5-Jahres-Überlebensraten und die Todesursachen eruiert. Bei den Patienten mit und ohne PAVK war die Prävalenz der Risikofaktoren Hypertonie (91 versus 95%), Hypercholesterinämie (45 versus 55%), Hypertriglyzeridämie (44 versus 46%) und Zigarettenrauchen (32 versus 25%) annähernd gleich. Es bestand auch kein Unterschied in der Prävalenz eines stattgehabten Schlaganfalls (23 versus 15%) und eines Myokardinfarkts in beiden Patientengruppen. Während der Dialysephase waren die mittleren HbA1c- und Lipidspiegel ebenfalls nicht signifikant unterschiedlich. Die 5-Jahres-Überlebensrate war bei den Diabetikern mit einer PAVK zu Dialysebeginn signifikant niedriger als bei Patienten ohne PAVK (9 versus 35%, p < 0,05). Die häufigsten Todesursachen waren in beiden Gruppen kardiovaskuläre Komplikationen (70 versus 61%) und Sepsis (20 versus 23%). Zusammenfassend kann gesagt werden, daß bei dialysepflichtigen Typ-II-Diabetikern mit und ohne PAVK bei Dialysebeginn das vaskuläre Risikoprofil und die Prävalenz der zerebro- und kardiovaskulären Erkrankungen vergleichbar sind, obwohl die 5-Jahres-Überlebensrate bei den Diabetikern mit PAD signifikant niedriger ist als bei den Patienten ohne PAVK. Correspondence to:
Dr. med. A. Raml
2. Medizinische Abteilung
Allgemeines Krankenhaus
Krankenhausstraße 9
A-4020 Linz
Email: georg.biesenbach@akh.linz.at
Originalarbeiten
Non-Compliance bei erwachsenen Hämodialysepatienten bezüglich der Diät und Flüssigkeitsrestriktion
C. Kugler, B. Maes, I. Mäding und G. Evers
Abstract
C. Kugler1,2, B. Maes3, I. Mäding1 und G. Evers2,3
1Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, 2Private Universität Witten/Herdecke, 3Katholische Universität Leuven, Belgien
Non-Compliance bezüglich Diät, Flüssigkeitsrestriktion und der Medikamenteneinnahme stellt ein generelles Problem für viele chronische Erkrankungen dar. Die vorliegende Studie erhebt die Prävalenz der Non-Compliance bei 343 deutschen Hämodialysepatienten mittels multizentrischem Querschnittsdesign. Die Messung der Non-Compliance erfolgte durch den Selbstreport des Patienten mit der deutschen Version des DDFQ (Dialyse, Diät und Flüssigkeitsfragebogen) sowie biochemischen und biologischen Effektvariablen. Die Ergebnisse zeigen an, daß das Einhalten der Diät (81,8%) und der Flüssigkeitsrestriktion (78,8%) für die Patienten ein erhebliches Problem darstellt. Dabei konnten für diese Stichprobe aktive Raucher sowie junges Alter mit höherer Bildung und männliches Geschlecht als potentielle Risikogruppen identifiziert werden. Correspondence to:
Christiane Kugler, MScN
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Stadtfelddamm 65
D-30625 Hannover
Email: kugler@thg.mh.hannover.de
Originalarbeiten
Kombinierter Einsatz von Kalziumazetat und Magnesiumkarbonat als orale Phosphatbinder
H.J. Deuber
Abstract
H.J. Deuber
KfH-Nierenzentrum, Zirndorf
Als Folge der Niereninsuffizienz nimmt die renale Phosphatausscheidung ab und es entwickelt sich eine Hyperphosphatämie, die ihrerseits zur Verschlechterung des sekundären Hyperparathyreoidismus und zur Weichteilverkalkung sowie zur Kalziphylaxie beiträgt. Daher benötigen die meisten Patienten orale Phosphatbinder, um den Phosphatspiegel im Serum zu senken. Bisher verfügbare Phosphatbinder (Aluminiumhydroxid, Kalziumazetat, Kalziumkarbonat) zeigen Nebenwirkungen, wie Aluminiumintoxikation oder Hyperkalzämie. Als neuer Therapieansatz könnte sich der Einsatz von Phosphatbindern erweisen, die sowohl Kalzium- als auch Magnesiumsalze enthalten. Sie könnten den Vorteil eines verminderten Hyperkalzämierisikos mit dem Ausgleich einer Hypomagnesiämie und der Phosphatsenkung verbinden. 50 Hämodialyse-Patienten wurden in diese 3 Jahre dauernde, prospektive, randomisierte Vergleichsstudie einbezogen. Sie wurden oral entweder mit Kalziumkarbonat alleine oder mit dem Phosphatbinder-Mischpräparat, das sowohl Kalziumazetat als auch Magnesiumkarbonat enthält, therapiert. Ausgewertet wurden der zeitliche Verlauf der Kalzium-, Phosphat- und Magnesiumkonzentrationen im Serum sowie die Parathormonkonzentrationen im Plasma beider Patientengruppen. Die Patienten, die mit dem Phosphatbinder-Mischpräparat behandelt wurden, wiesen signifikant (p < 0,05) niedrigere Phosphat- und Kalziumkonzentrationen im Serum auf als die mit Kalziumkarbonat behandelten Patienten. Die Magnesiumkonzentration stieg im Serum der Patienten, die mit dem Phosphatbinder-Mischpräparat behandelt wurden, signifikant (p < 0,05), blieb allerdings stets im Normbereich. Die Konzentrationen des intakten Parathormons nahmen im Plasma der Patienten, die mit dem Mischpräparat behandelt wurden, signifikant (p < 0,05) ab. Unter der Behandlung mit Kalziumkarbonat nahm die Parathormonkonzentration dagegen leicht zu. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, daß das Phosphatbinder-Mischpräparat, das sowohl Kalziumazetat als auch Magnesiumkarbonat enthält, im Vergleich mit der alleinigen Gabe von Kalziumkarbonat die Phosphatkonzentration im Serum besser senkt. Dies könnte darauf beruhen, daß es höher dosiert werden kann, ohne zu einem relevanten Anstieg der Kalziumkonzentration im Serum zu führen. Zusätzlich scheint die gleichzeitige Gabe von Kalziumazetat und Magnesiumkarbonat die Parathormonkonzentrationen im Plasma zu senken. Correspondence to:
PD Dr. med. H.J. Deuber
KfH-Nierenzentrum
Im Pinderpark 6
D-90513 Zirndorf
Email: heinz_juergen_de@hotmail.com
Übersichten
Die Diagnose des HELLP-Syndroms
W. Rath und C. Bartz
Abstract
W. Rath und C. Bartz
Universitäts-Frauenklinik, Aachen
Das HELLP-Syndrom ist eine schwere, lebensbedrohliche Verlaufsform der Präeklampsie mit einer weltweiten mütterlichen Mortalität von 3% und einer perinatalen Mortalität von 7,7 – 37%. Entscheidend für die Prognose von Mutter und Kind ist die rechtzeitige Diagnose durch ein laborchemisches Screening vor allem bei Oberbauchschmerzen in der Schwangerschaft. Bisher ist kein anamnestisches Risikoprofil für das HELLP-Syndrom bekannt, das Wiederholungsrisiko beträgt zwischen 2 und 19%. Klinisches Leitsymptom der Erkrankung sind meist rechtsseitige Oberbauchschmerzen und die Zeichen der Präeklampsie, die allerdings bei 15% der Patientinnen fehlen können. Die Hämolyse ist am sensitivsten durch die Bestimmung des Haptoglobins nachzu-weisen, welches in 85 – 97% der Fälle signifikant vermindert ist. Die Transaminasen sind im allgemeinen um das ³ 3fache der Standard-abweichung vom Normwert erhöht, die LDH ist kein zuverlässiger Parameter der Hämolyse, sondern spiegelt vielmehr die Leber-funktionsstörung wider. Das Ausmaß der Thrombozytopenie
(< 100.000/ml) korreliert mit dem Schweregrad der Erkrankung und mit der Frequenz mütterlicher Komplikationen. Durch ein konsequentes laborchemisches Screening bei allen Schwangeren mit Oberbauchschmerzen konnte in Deutschland und in den westeuropäischen Ländern die mütterliche Mortalität des HELLP-Syndroms auf £ 1% und die perinatale Mortalität auf 9 – 16% gesenkt werden. Correspondence to:
Prof. Dr. med. W. Rath
Universitäts-Frauenklinik
Pauwelsstraße 30
D-52074 Aachen
Email: wrath@ukaachen.de
Übersichten
Aktueller Stand der Hypertoniebehandlung bei Diabetes mellitus Typ 2
G. Bönner
Abstract
G. Bönner
Klinik Lazariterhof/Baden, Privatklinik, MEDIAN Kliniken Bad Krozingen
Hypertensive Diabetiker leiden an einem 4fach gesteigerten kardiovaskulärem Risiko. Deshalb ist bei ihnen eine erweiterte Basisdiagnostik notwendig. Das Therapieziel muß besonders streng definiert werden, wodurch eine Mehrfachkombination bei den hypertensiven Diabetikern mit großer Wahrscheinlichkeit zum Einsatz kommt. Als Mittel der ersten Wahl gilt eine Substanz aus der Klasse der Renin-Angiotensinsystem hemmenden Substanzen wie ACE-Hemmern oder Angiotensin-AT1-Rezeptorantagonisten. Die kardio- und nephroprotektive Wirkung der Angiotensin-AT1-Rezeptorantagonisten ist durch mehrere prospektive Therapiestudien inzwischen für Typ-2-Diabetiker so gut belegt wie für die ACE-Hemmer bei Typ-1-Diabetikern. Als Mittel der 2. Wahl in der Kombination können je nach Begleiterkrankung b-Blocker oder Kalziumantagonisten gelten. Die Therapieüberwachung ist bei hypertensiven Diabetikern konsequenter durchzuführen und orthostatische Fehlregulationen sind auszuschließen. Correspondence to:
Prof. Dr. med. G. Bönner
Klinik Lazariterhof/Baden, Privatklinik
MEDIAN Kliniken Bad Krozingen
Herbert-Hellmann-Allee 38
D-79189 Bad Krozingen
Email: gerd.boenner@dgn.de
Übersichten
Die steroidinduzierte Osteoporose: Wie kann sie vermieden werden?
B. Nothnagel und P.M. Jehle
Abstract
B. Nothnagel und P.M. Jehle
Klinik für Innere Medizin, Evangelisches Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung, Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, und KfH Dialysezentrum, Lutherstadt Wittenberg
Patienten unter Langzeitmedikation mit Glukokortikoiden haben ein eindeutig höheres Risiko, an einer Osteoporose zu erkranken. Dieser steroidinduzierte Knochenabbau sollte verhindert bzw., wenn erkannt, behandelt werden. Körperliche Aktivitäten und eine gute Emährungssituation mit adäquater Kalzium- und Phosphataufnahme sowie eingeschränkter Natriumzufuhr sind zu empfehlen. Auch Kalzium- und Vitamin D- Gaben sind sinnvoll. Die Hormongabe kann bei postmenopausalen Frauen in Erwägung gezogen werden, jedoch gibt es Studien, die über kardiovaskuläre Nebenwirkungen berichten. Patienten, die eine hohe oder mittlere Glukokortikoiddosis als Dauermedikation erhalten, sollten Bisphosphonate und eine aktivierte Form von Vitamin D erhalten. Diese Therapie sollte solange fortgesetzt werden, wie diese Patienten Steroide erhalten. Eine breite Aufklärung von Ärzten und Patienten ist notwendig, damit Prävention und Therapie der steroidinduzierten Osteoporose zur Standardbehandlung bei Langzeitgabe von Steroiden gehören. Correspondence to:
PD Dr. med. P.M. Jehle
Klinik für Innere Medizin
Evangelisches Krankenhaus der
Paul-Gerhardt-Stiftung
Akademisches Lehrkrankenhaus der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
D-06872 Lutherstadt Wittenberg
Email: p.jehle@pgstiftung.de