Jahrgang 32, No. 9/2003(September 2003)
|
Nieren- und Hochdruckkrankheiten
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 24.80$ |
 |
Themenschwerpunkt: Niere und Ernährung
Niere und Ernährung – damals und heute
P. Spiegel
Autorenreferate
NA
Serie
Blick in die Fachliteratur
Serie
Buchbesprechung
Laudatio
Walter Schulz zum 65. Geburtstag
Horst Brass, Ludwigshafen am Rhein
Abstract
Horst Brass, Ludwigshafen am Rhein
Die Verleger Frank und Jörg Feistle, die Mitarbeiter des Dustri-Verlags Dr. Karl Feistle und die Schriftleitung schließen sich diesen Wünschen an.
Am 20. Januar 2003 feierte Prof. Dr. med. Walter Schulz seinen 65. Geburtstag. Damit endet seine Laufbahn als Direktor der III. Medizinischen Klinik am Klinikum Bamberg. Weggefährten, Schüler und Freunde nehmen dies zum Anlaß, die großen Leistungen eines engagierten Chefarztes zu würdigen.
Am 20. Juli 2002 fand in Nürnberg, der ehemaligen Wirkungsstätte von Walter Schulz, zum Thema “Niere und Ernährung” im Rahmen der Medizinischen Gesellschaft Nürnberg e.V. eine Vortragsveranstaltung statt, deren Referenten ihre Beiträge in diesem Heft dem Geburtstagskind widmen.
Walter Schulz wurde am 20. Januar 1938 in Gießen geboren. Mit 4 Jahren ereilte ihn und seine Mutter ein schweres Schicksal – sein Vater, Studienrat Dr. A. Schulz, fiel 1942 im Rußlandfeldzug. Mutter und Großvater übernahmen seine Erziehung. 1958 legte Walter Schulz das Abitur ab und begann in Gießen das Medizinstudium an der wiedereröffneten Fakultät mit fortschrittlichen Studienmethoden und bekannten Lehrern. 1962 famulierte er in Kanada und konnte 1964 Staatsexamen und Promotion ablegen. 1966, nach der Medizinalassistentenzeit (Innere, Chirurgie, Gynäkologie und Neurologie) trat Walter Schulz auf Empfehlung seines Onkels Professor Dr. med. W. Apel eine Assistentenstelle bei Professor Dr. med. Ulrich Gessler an der 4. Medizinischen Klinik (“Erler-Klinik” am Kontumazgarten) der Städtischen Krankenanstalten in Nürnberg an. Diese Klinik war ab den 70er Jahren eng mit der Medizinischen Klinik (Direktor: Professor Dr. med. Demling) der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg verbunden. In der kürzest möglichen Zeit avancierte Walter Schulz hier bereits 1971 zum ersten Oberarzt, erhielt im gleichen Jahr den Facharzt für Innere Medizin und bald darauf die Schwerpunktbezeichnung Nephrologie. 1974 erfolgte die Habilitation an der Medizinischen Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg über “Chronische Niereninsuffizienz – klinisch-experimentelle Untersuchungen zur Osteopathie, Anämie und Koagulopathie”. An der 4. Medizinischen Klinik am Kotumazgarten des Klinikums Nürnberg konnte Walter Schulz das pionierhafte Engagement seines Lehrers Ulrich Gessler, Schüler von Hans Sarre (Freiburg), tatkräftig unterstützen. Viele von uns erfuhren dies bei den regelmäßigen Symposien des Instituts für Nephrologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und der 4. Medizinischen Klinik des Klinikums Nürnberg. 1978 erfolgte die Ernennung zum Chefarzt der neu gegründeten III. Medizinischen Klinik des Klinikums Bamberg mit den Schwerpunkten Nieren- und Hochdruckkrankheiten. 1980 wurde ihm der Titel des apl. Professors der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg verliehen.
Das Klinikum Bamberg verdankt Walter Schulz seine herausragende überregionale Bedeutung durch die von ihm neu aufgebaute III. Medizinische Klinik mit den Schwerpunkten Nephrologie, Hypertonologie und Osteologie. Aus der Feder von Walter Schulz erschienen über 300 vielbeachtete Publikationen vornehmlich auf dem Gebiet der Nephrologie und Osteologie. Die Nierenersatztherapie wurde zu seinem Lebenswerk. Zusammen mit Professor Dr. med. Günter Delling, Abteilung Osteopathologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, konnte er der renalen Osteopathie ein modernes Einteilungsprinzip geben. In Bamberg veranstaltete Walter Schulz von 1979 – 2002 insgesamt 25 Nephrologische Seminare – eine Leistung, die auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung seinesgleichen sucht. Klinische Erfahrung und wissenschaftlicher Fortschritt prägten die Thematik in hohem Maße. Die Bamberger Nephrologischen Seminare mit nationaler und internationaler Beteiligung sind eine feste Einrichtung in Deutschland und wurden regelmäßig in unserer Fachzeitschrift “Nieren- und Hochdruckkrankheiten” publiziert, zum großen Teil auch als “Quartbücher” im Dustri-Verlag. W. Schulz ist Herausgeber und Autor des zweibändigen Grundlagenwerkes “Manuale nephrologicum” im Dustri-Verlag und seit vielen Jahren in der Schriftleitung der vorliegenden Zeitschrift.
Walter Schulz war ein renommierter Kliniker, Lehrer und Wissenschaftler. Er praktizierte nicht nur eine hervorragende ärztliche Heilkunst am Krankenbett, auf der Dialysestation und im Bereich der Nierentransplantation, sondern verstand es auch, Entwicklungen in der modernen Organisation der Nephrologie in weitestem Sinne anzustoßen. Dies hat ihn für wichtige Ämter und Mitgliedschaften qualifiziert. Beispielhaft seien hier die wichtigsten genannt: Mitglied der Gesellschaft für Nephrologie, Mitglied des erweiterten Vorstandes der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie (Landesvertreter von Bayern), Landesbeauftragter der Hochdruck-Liga, Mitglied der Sektion Calcium Regulierende Hormone (CRUKS) in der Endokrinologischen Gesellschaft.
Aufgrund seines ausgezeichneten Organisationstalents und seiner umsichtigen Menschenführung wählte ihn das Klinikum Bamberg zum Ärztlichen Direktor. Für sein unermüdliches Engagement unter anderem in der Betreuung von chronisch nierenkranken Menschen, in der Prävention und den großzügigen Hilfen für Kollegen jenseits der östlichen Landesgrenzen erhielt er 1999 das Bundesverdienstkreuz.
Walter Schulz verläßt als weitbekannter und geschätzter Chefarzt seine zu großem Ansehen entwickelte III. Medizinische Klinik des Klinikums Bamberg. Erfreulicherweise wird er noch weiter in dem von ihm 1978 gegründeten Institut für Nephrologie und Osteologie (Verein zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf den Gebieten der Nephrologie und Osteologie Bamberg e.V.) arbeiten. Großer Dank und Anerkennung gebühren einem stets patientenorientierten Internisten, einem renommierten Klinikdirektor und Nephrologen verbunden mit den besten Wünschen für einen neuen Lebensabschnitt in Gesundheit und einer friedvollen Zukunft.
Themenschwerpunkt: Niere und Ernährung
Editorial
P. Spiegel, Nürnberg, und E. Fritschka, Bad Brückenau
Abstract
P. Spiegel, Nürnberg, und E. Fritschka, Bad Brückenau
Die Themenschwerpunkte des 107. (2001) bis 109. (2003) Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der dort ausgestellten Poster belegen, daß heute die Nieren- und Hochdruckkrankheiten (Nephrologie) einen wichtigen Part in der Inneren Medizin übernommen haben. Hieran hat das Wirken von Professor Dr. Walter Schulz einen bedeutenden Anteil.
Professor Dr. Walter Schulz führte die unter seinem Lehrer Professor Dr. Ulrich Gessler in Nürnberg im Oktober 1965 begonnene Aufbau- und Konsolidierungsarbeit (ab 1971 deren erster Oberarzt), die die 4. Medizinische Klinik der Städtischen Krankenanstalten (am Kontumazgarten) als nephrologische und intensivmedizinische Schwerpunktklinik für Nordbayern auszeichnete, seit Mitte 1978 in Bamberg fort. Als Chefarzt der III. Medizinischen Klinik baute er diese zum nephrologisch-hypertonologisch-endokrinologischen Schwerpunkt für die Region mit den angegliederten KfH-Dialysezentren in Bamberg, Kronach, Hassfurt und Forchheim aus. Neben seiner klinischen Tätigkeit lagen ihm immer die Aus- und Weiterbildung nicht nur der Nephrologen, sondern auch der niedergelassenen Kollegen der Region am Herzen. Neben den zahllosen Vorträgen und öffentlichen Veranstaltungen zeugen hiervon die nicht nur von Spezialisten gut besuchten traditionellen jährlichen nephrologischen Seminare (25) in Bamberg mit überregionaler und internationaler Bedeutung.
Zur Würdigung seines unermüdlichen Engagements für die ihm anvertrauten Patienten, KollegInnen und MitarbeiterInnen wird ihm mit Dank das Themenheft “Niere und Ernährung” anläßlich seines 65. Geburtstages gewidmet. Die Themen der Beiträge sind nicht nur für Fachärzte, sondern auch für Allgemeinmediziner von Interesse, weil nicht nur wissenschaftliche, sondern auch klinisch-praktische Aspekte in der Nephrologie und den angrenzenden Gebieten besprochen werden.
Themenschwerpunkt: Niere und Ernährung
Bekanntes und Neues in der Ernährung chronisch nierenkranker Menschen
G. Zürcher
Abstract
G. Zürcher
Sektion Ernährungsmedizin und Diätetik, Abteilung Innere Medizin I, Medizinische Universitätsklinik, Freiburg
Der natürliche Verlauf einer chronischen Niereninsuffizienz ist durch eine kontinuierliche Verschlechterung der Nierenfunktion bis zur terminalen Niereninsuffizienz gekennzeichnet, auch wenn die schädigende Ursache beseitigt ist. In die Progression einer Niereninsuffizienz sind auch durch Ernährung beeinflußbare Risikofaktoren involviert, vor allem eine proteinreiche Ernährung und ein hoher Salzkonsum. Aktuelle Ernährungsempfehlungen für Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz liegen von der National Kidney Foundation der USA (NKF) sowie von einer “europäischen Arbeitsgruppe” vor. Für Diabetiker gibt es Ernährungsempfehlungen für Patienten mit und ohne Albuminurie in der “Evidenzbasierte Leitlinie Diabetes der Deutschen Diabetesgesellschaft” (DDG) sowie von der “American Diabetes Association” (ADA). Die NKF empfiehlt für Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ohne Diabetes mellitus in der prädialytischen Phase bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) unter 25 ml/min eine eiweißarme Kost mit 0,60 – 0,75 g Eiweiß/kg/Tag, wobei mindestens 50% biologisch hochwertig sein sollen. Die europäische Arbeitsgruppe gibt bereits bei früher bis mäßiger Niereninsuffizienz (GFR 25 – 70 ml/min) und bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (GFR < 25 ml/min) eine mäßig eiweißarme Ernährung mit 0,55 – 0,6 g Eiweiß/kg/Tag mit zwei Dritteln biologisch hochwertigem Eiweiß. Bei unzureichender Kontrolle der urämischen Toxizität kann complianten Patienten eine streng eiweißarme Kost mit 0,28 g Eiweiß/kg/Tag verordnet werden, supplementiert mit essentiellen Aminosäuren oder einer Mischung aus essentiellen Aminosäuren und Ketoanaloga oder als Alternative zu den essentiellen Aminosäuren die entsprechenden Keto- bzw. Hydroxyanaloga. Zur Vermeidung einer Mangelernährung ist eine ausreichende Energiezufuhr entscheidend. Empfohlen wird von beiden Fachgruppen je nach Alter eine Zufuhr von 30 – 35 kcal/kg/Tag. Die Kochsalzaufnahme soll auf 5 – 6 g/Tag beschränkt werden. Für Dialysepatienten empfehlen die amerikanischen und europäischen Experten bei Hämodialyse eine Eiweißzufuhr von 1,2 g Eiweiß/kg/Tag. Bei Peritonealdialyse verordnet die NKF 1,2 – 1,3 g Eiweiß/kg/Tag und die europäische Arbeitsgruppe eine Eiweißzufuhr von bis 1,5 g Eiweiß/kg/Tag, bei Peritonitis außerdem eine zusätzliche Gabe von 0,1 – 0,2 g Eiweiß/ kg/ Tag. Die Empfehlungen zur täglichen Energiezufuhr entsprechen denen in der prädialytischen Phase, wobei bei Peritonealdialyse die Energie der unter Dialysetherapie aus dem Dialysat absorbierten Glukose einzurechnen ist. Zudem empfiehlt die NKF Dialysepatienten, die ihren Energie- und Eiweißbedarf nicht ausreichend decken können, eine Zusatzernährung (orale Energie- und Eiweißsupplemente, Sondennahrung, intradialytische parenterale Ernährung bzw. intraperitoneale Aminosäurenzufuhr sowie bei Bedarf auch eine tägliche parenterale Gesamt- oder Teilernährung). Sowohl vor Dialyse als auch unter Dialysetherapie ist eine regelmäßige Überprüfung des Ernährungszustandes mit anthropometrischen und laborchemischen Parametern sowie auch durch Überprüfung des Ernährungsverhaltens zur Vermeidung einer Mangelernährung unbedingt notwendig. Nach der DDG und der ADA soll bei Patienten mit Diabetes mellitus ohne Albuminurie die Eiweißaufnahme 10 – 20% der täglichen Energiezufuhr betragen. Patienten mit Mikro- bzw. Makroalbuminurie empfiehlt die DDG eine Eiweißrestriktion auf 0,8 g Eiweiß/kg/Tag, jedoch nicht weniger als 0,6 g Eiweiß/kg/Tag, während die ADA Diabetikern mit Mikroalbuminurie 0,8 – 1,0 g Eiweiß/kg/Tag und bei manifester Nephropathie 0,8 g/Eiweiß/kg/Tag empfiehlt. Auch Diabetikern wird eine Kochsalznormalisierung auf 6 g/Tag empfohlen.
Themenschwerpunkt: Niere und Ernährung
Malnutrition, Inflammation und Arteriosklerose bei Niereninsuffizienz
J. Zimmermann, L. Schramm, T. Metzger und C. Wanner
Abstract
J. Zimmermann1, L. Schramm1, T. Metzger2 und C. Wanner2
1Dialysezentrum Würzburg, 2Medizinische Universitätsklinik, Würzburg
Die dialysepflichtige Niereninsuffizienz ist mit einer außergewöhnlich hohen kardiovaskulären Mortalitätsrate vergesellschaftet. Das kardiovaskuläre Risiko korreliert mit einem schlechten Ernährungszustand und erhöhten laborchemischen Inflammationsmarkern. Aus der häufigen Verknüpfung von Malnutrition, Inflammation und Atherosklerose ist das MIA-Syndrom postuliert worden. Es zeichnet sich ab, daß proinflammatorische Zytokine sowohl in der Entstehung der inflammationsassoziierten Typ-2-Malnutrition als auch in der Atherogenese eine bedeutende Rolle spielen.
Themenschwerpunkt: Niere und Ernährung
Möglichkeiten der Prävention und der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung in der nephrologischen Rehabilitation
E. Fritschka, J. Mahlmeister und R. Liebscher-Steinecke
Abstract
E. Fritschka, J. Mahlmeister und R. Liebscher-Steinecke
Sinntalklinik Bad Brückenau, Schwerpunktklinik für Nephrologie der LVA Unterfranken, Bad Brückenau
In diesem Artikel werden Möglichkeiten präventiver und rehabilitativer Ansätze in der stationären Rehabilitation im Zusammenhang mit den Empfehlungen der “Clinical Practice Guidelines on Chronic Kidney Diseases” (K/DOQI) diskutiert. Maßgebliche Einflußfaktoren für die Leistungsfähigkeit von Patienten im Prädialysestadium und unter chronischer Nierenersatztherapie werden anhand eigener Befunde dargestellt. Demnach sinken bei Männern und Frauen mit zunehmender Niereninsuffizienz die maximale spiroergometrische Belastbarkeit und maximale Sauerstoffaufnahme Hb-abhängig bereits bei Hb-Werten zwischen 14 und 10 g%. Bei Dialysepatienten sind Ernährungszustand und Leistungsfähigkeit zusätzlich vermindert. Die Rehabilitationsziele sind entsprechend Verbesserung der Malnutrition und der körperlichen und psychischen Belastbarkeit. Bei Berufstätigen soll zusätzlich die Erwerbsfähigkeit gefördert werden. Prädiktoren der Erwerbstätigkeit zu Beginn des stationären Rehabilitationsaufenthaltes werden anhand eigener Befunde diskutiert. Als maßgebliche Prädiktoren für die Erwerbstätigkeit nach 1 Jahr bei Patienten unserer Klinik erwiesen sich Hb, Kreatinin-Clearance, maximale spiroergometrische Last, Depressivität und Selbsteinschätzung der Behinderung zu Beginn des Rehabilitationsaufenthalts. Zusammenfassend können im Rahmen eines rehabilitativen Programms anhand bekannter prädiktiver Faktoren präventive Strategien für alle Stadien der Niereninsuffizienz hinsichtlich Nierenfunktion, Leistungsfähigkeit und Erwerbstätigkeit individuell entwickelt werden.