Jahrgang 32, No. 3/2003(März 2003)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Historie der Nephrologie I*
NA
Eigene Erfahrungen mit künstlichen Organen etc.
W.J. Kolff
Volhards Schüler
H. Brass und H. Losse
Abstract
H. Brass und H. Losse
Editorial: Historie der Nephrologie
W. Schulz
Abstract
W. Schulz
“Historie der Nephrologie” war das Thema des 24. Nephrologischen Seminars am 21. und 22. Juni 2002 in Bamberg. Es wurde zu Ehren von Prof. Dr. Ulrich Gessler, der in 2002 80 Jahre alt geworden wäre, früher Nürnberg-Erlangen, von seinen Schülern veranstaltet.
Mit Richard Bright (1789 – 1858) und seinen Mitteilungen über Nierenentzündungen hat die Nephrologie begonnen. Dem Anatom Jakob Henle, gebürtig in Fürth/Bayern, gelang 1833 mit Einführung des Mikroskopes erstmals der Nachweis von Nierenzellstrukturen, die heute jeder Medizin-Student als Henle`sche Schleifen kennt. Die Entwicklung der klinischen Nephrologie wurde von Franz Volhard (1872 – 1950) geprägt. Volhard übte auf dem Deutschen Internistenkongress an den ersten erfolgreichen Hämodialysen am Menschen, zwischen 1924 und 1926 von Georg Haas aus Gießen durchgeführt, Kritik mit dem Hinweis, daß Haas die Krankheit nicht beeinflussen könne und nur die Chronizität der Erkrankung über den Tod hinaus weiterführen würde.
In Bamberg referierte Willem J. Kolff, inzwischen 93 Jahre alt und geistig frisch, über die Pionierarbeiten mit der künstlichen Niere (1943) und die Weiterentwicklung vielfältiger künstlicher Organe. Neben den Pionieren der Dialyse Georg Ganter, Willem J. Kolff und Nils Alwall wird im Teil 1 des Symposiums über Physiologen und Kliniker wie Hans Sarre, Kurt Kramer und Jean Hamburger berichtet. Die Darstellungen fußen auf den Berichten von Zeitgenossen und Mitstreitern und geben einen interessanten Einblick in den beschwerlichen und dann doch erfolgreichen Weg dieser Wissenschaftler und klinischen Lehrer.
Walter Schulz, Bamberg
Georg Ganter – ein Pionier der Peritonealdialysetherapie
M. Teschner, A. Klassen, R. Schmidt, G. Kraatz und A. Heidland
Abstract
M. Teschner1, A. Klassen2, R. Schmidt3, G. Kraatz4 und A. Heidland2
1Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation, Würzburg, 2Medizinische Klinik, Universität Würzburg, 3Klinik für Innere Medizin,Universität Rostock, 4Klinik für Innere Medizin, Universität Greifswald
1923 wurde im deutschen Schrifttum erstmals über die effektive Entfernung von Blutgiften durch die extrakorporale Hämodialyse an bi-nephrektomierten Hunden mit akuter Uräme durch Heinrich Necheles und Georg Haas berichtet. Georg Ganter stand diesen Methoden mit größter Skepsis gegenüber und kritisierte insbesondere den ausgedehnten operativen Eingriff, die Größe und Zerbrechlichkeit der Dialysatoren, sowie die potentiell toxische Wirkung von Hirudin. Als Alternative propagierte er die Nutzung des Peritoneums als besonders großer körpereigener Dialysemembran. Er konnte 1923 an ureterligierten Meerschweinchen und Kaninchen den Nachweis führen, daß die einmalige bzw. wiederholte Instillation von physiologischer NaCl-Lösung in die Bauchhöhle die urämische Symptomatik und den Reststickstoff im Blut günstig beeinflussen. Beim Menschen kam das neue Verfahren allerdings nur vereinzelt und in Form einer einmaligen Flüssigkeitsinstillation zur Anwendung: so bei einem niereninsuffizienten Patienten in Form einer Substitution eines Pleuraergusses, ferner als intraperitoneale Instillation bei einer Patientin mit akuter Urämie infolge Ureterverschluß bei Uteruskarzinom und schließlich bei einem Patienten mit diabetischem Koma. Trotz dieser beschränkten Erfahrungen war Ganter von der Überlegenheit seiner Methode gegenüber der aufwendigen Hämodialyse fest überzeugt und empfahl die breitere klinische Überprüfung. Erst 1927 haben die Chirurgen Heusser und Werder in Basel bei einem Urämiepatienten eine echte Peritonealdialyse mit wiederholten Dialysatspülungen durchgeführt. Der große Durchbruch des Verfahrens erfolgte erst nach dem 2. Weltkrieg.
Nils Alwall
G. Stein
Abstract
G. Stein
Klinik für Innere Medizin IV, Friedrich-Schiller-Universität, Jena
Nils Alwall gilt als einer der Pioniere der Entwicklung der Dialysetherapie. Er ist in Lund geboren, hat an den Kliniken der Universität seine medizinische Ausbildung erhalten und war dort Zeit seines Lebens tätig, seit 1957 auf dem 1. Lehrstuhl für Nephrologie in der Welt. Auf der Grundlage tierexperimenteller Untersuchungen wurde von ihm ein Dialyseapparat entwickelt, der auch frühzeitig eine Ultrafiltration möglich machte und als Vorbild für andere Dialysemaschinen in Europa galt. Darüber hinaus hatte er an der Entwicklung des ersten Spurendialyseapparates, der Entwicklung einer Dialysefistel, dem Vorgänger des EDTA-Registers und dem Einsatz der Dialyse bei terminal niereninsuffizienten Patienten Hervorragendes geleistet und bei der Entwicklung der Firma Gambro in Lund mitgewirkt. Er war ein Nephrologe, der sich mit der breiten Palette renaler Erkrankungen klinisch und wissenschaftlich beschäftigte. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Klinische Nephrologie hat wegen dieser besonderen Verdienste die Medaille Nils Alwall zur Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen für junge Wissenschaftler gestiftet.
Jakob Henle – ein Gelehrtenleben des 19. Jahrhunderts
G. Baltzer, H.G. Ohm und J. Nikolay
Abstract
G. Baltzer, H.G. Ohm und J. Nikolay
Dialysezentrum Fürth
Der in Fürth geborene Anatom Jakob Henle (1809 -1885) beschrieb als erster eine mikroskopische Struktur der Niere, die später als “Henlesche Schleife” bekannt wurde. Erst etwa 100 Jahre später wurde u.a. in der Göttinger Arbeitsgruppe von Kramer, Thurau und Deetjen die physiologische Bedeutung dieser anatomischen Struktur erarbeitet. Jakob Henle studierte Medizin in Bonn, in Heidelberg und wieder in Bonn. Nach dem zentralen preußischen Staatsexamen in Berlin wurde er Assistent und Prosektor bei dem Anatomen Johannes Müller in Berlin. Zusammen mit Johannes Müller und dem Conassistenten Theodor Schwann betrieb er die intensive Beschäftigung mit der Mikroskopie und ihre Einführung in den studentischen Unterricht. Bis dahin wurde organisches Gewebe mit der Lupe untersucht. 1840 Berufung als Professor für Anatomie nach Zürich. 1844 Anatom in Heidelberg. Ab 1852 bis zu seinem Lebensende wirkte Jakob Henle in Göttingen mit einer sehr weitgefächerten universitären und außeruniversitären Lehrtätigkeit. Jakob Henle wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet. Er war Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlichen Gesellschaften. Während seiner Tätigkeit in Zürich verliebte sich Jakob Henle in das einfache Nähmädchen Elise Egloff. Vor der geplanten und von Jakob Henle ersehnten Heirat wurde in Privat- und Internatsunterricht die fehlende Schulbildung nachgeholt. Eine Sammlung erhaltener Briefe legt Zeugnis von dieser Zeit ab (Gunhild Kübler: Geprüfte Liebe. Vom Nähmädchen zur Professorenfrau. Zürich 1987).
Hans Sarre
V. Heinze
Abstract
V. Heinze
Hans Sarre wurde 1906 in Neubabelsberg bei Potsdam geboren. Nach Medizinstudium, Medizinalpraktikantenzeit und 2jähriger physiologischer Ausbildung trat er 1934 in die Medizinische Universitätsklinik Frankfurt unter F. Volhard ein. 1938 habilitierte er sich mit der Arbeit “Funktionelle Untersuchungen über die Durchblutung der experimentellen Glomerulonephritis”, die Volhards weithin anerkanntes Paradigma eines “primären Angiospasmus” bei akuter Glomerulonephritis revidierte. Seine 1942 publizierte Arbeit “Funktionelle Untersuchungen über Geschwindigkeit und Ort der Antigen-Antikörperreaktion bei der experimentellen Nephritis” wurde wegweisend für die Vorstellungen von der immunologischen Genese der akuten Glomerulonephritis. 1948 nach Freiburg berufen, formte er aus der Medizinischen Universitätspoliklinik ein führendes nephrologisches Zentrum. 1954 setzte er sich entschieden für die damals in Deutschland noch sehr umstrittene extrakorporale Hämodialyse ein. 1957 erschien sein Buch “Nierenkrankheiten”, für Jahre deutschsprachiges nephrologisches Standardwerk. 1960 gründete er zusammen mit weiteren führenden Nephrologen die “Gesellschaft für Nephrologie” und wurde ihr erster Präsident. 1975 emeritiert, verstarb Prof. Dr. Dr.h.c. Sarre 1996 in Freiburg.
Kurt Kramer
P. Deetjen
Abstract
P. Deetjen
Institut für Physiologie und Balneologie, Universität Innsbruck
Kurt Kramer (1906 – 1985) war der Vater der Nierenphysiologie in Deutschland, die durch ihn und seine Schüler Weltgeltung erlangte.
Für Jean Hamburger war klinische Nephrologie eine Wissenschaft
G. Richet
Abstract
G. Richet
Académie Nationale de Médecine, Paris
Seit 1950 war Jean Hamburger (1909 - 1992) der Leiter der klinischen Nephrologie seiner Klinik am Hôpital Necker. Seine Arbeit kann in 4 wissenschaftliche Hauptkapitel eingeteilt werden: Akute Urämie sowie Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen, die zum Konzept der Intensivbehandlung führen: Siehe “Techniques de Réanimation Médicale, 1954". Nierenbiopsien: Seine Intention war es, Biopsien so bald als möglich im Verlauf von chronischen Nierenerkrankungen durchzuführen, die neuesten Untersuchungsmethoden anzuwenden und die Präparate in multidisziplinären, nichthierarchischen Arbeitstreffen zu präsentieren. Dieses Vorgehen führte zum bedeutenden Beitrag des Hôpital Necker an der Erneuerung der klinischen Pathologie der Nieren. Nierentransplantation: 1947, Experimente zeigen, daß, auch wenn die Anoxie und die intrarenale Blutgerinnung unter Kontrolle gebracht werden könnten, die Transplantatabstoßung infolge immunlogischer Vorgänge noch jenseits des Verständnisses liegt. Da Allo-Transplantate manchmal relativ lange überleben, nahm man an, Behandlungen würden dies noch verlängern. 1952: Eine beinahe erfolgreiche Nierentransplantation von einer Mutter auf ihren Sohn. 1958: Das Überleben von 5 von 6 Physikern, die sich nach einer unfallbedingten Verstrahlung einer Knochenmarktransplantation unterzogen hatten, legte es nahe, diese immunsuppressive Maßnahme bei weiteren Patienten anzuwenden. 1959, 2 Monate nach Merrill, transplantierte Hamburger erfolgreich eine Niere zwischen zwei nichteineiigen Zwillingen, nachdem sich der Empfänger einer Ganzkörperbestrahlung unterzogen hatte. 1962 verwendete Hamburger Daussets HLA-Gruppen bei Spender-Empfänger-Paaren, um die immunologischen Risiken und Nebenwirkungen von Immunsuppressoren zu reduzieren. 1964: Durchführung von Transplantationen von Kadaver- und Nichtverwandten-Nieren. Transplantatabstoßung: Hamburger war der Erste, der bei akuten Abstoßungsreaktionen erfolgreich Kortikoide einsetzte. Bei chronischen Abstoßungen setzte er die Rückfälle vorangegangener Glomerulonephritiden mit ihren typischen Läsionen gegen nicht-spezifische tubulointerstitielle und vaskuläre Läsionen ein, die einer Abstoßung, einer Medikamententoxizität oder anderen Mechanismen zugeschrieben werden könnten.