Jahrgang 32, No. 12/2003(Dezember 2003)
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Nieren- und Hochdruckkrankheiten
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Kongreßbericht
2. Internationales Symposium “Advanced Glycation End Products (AGEs)”
G. Stein und S. Franke
Abstract
G. Stein und S. Franke
Serie
Blick in die Fachliteratur
Serie
Mitteilung
Orginalarbeit
Nierentransplantation in der DDR – Beispiel Bezirk Erfurt 1972 – 1990
H. Thieler , S. Sippel, K. Hof, G. May, L. Winkelmann, D. Voigt, M. Marx, D. Oehmer, E. Opfermann, B. Hottenrott und H. Göbel
Abstract
H. Thieler 1, S. Sippel1, K. Hof1, G. May2, L. Winkelmann4, D. Voigt5, M. Marx3, D. Oehmer5, E. Opfermann4, B. Hottenrott3 und H. Göbel1
1HELIOS-Klinikum Erfurt, 2Charité Campus Virchow, Berlin, 3Südharz-Krankenhaus, Nordhausen, 4Nephrologische Praxis, Ilfeld, 5Nephrologische Praxis, Gotha
In einer Region der früheren DDR, dem Bezirk Erfurt mit 1,2 Mio Einwohnern, wurden in nephrologischer Gemeinschaftsarbeit 97% aller 1972 – 1990 durchgeführten Nierentransplantationen (NT) erfaßt. Es handelte sich um 236 Patienten mit 266 NT, entsprechend 10,4 Patienten mit 11,7 NT je Mio Einwohner und Jahr. Das Schicksal dieser Patienten wurde bis Ende des Jahres 2000 verfolgt. Von 2.850 Jahren in chronischer Nierenersatztherapie (12,1 Jahre je Patient) entfielen 60% auf Zeiten mit funktionierenden Transplantaten und 40% auf Dialysezeiten vor und nach NT. Die NT erfolgten in den 3, später 4 Nierentransplantationszentren (NTZ) der DDR: Berlin-Friedrichshain, Halle, Rostock und Charité Berlin. Berlin-Friedrichshain als Leit-NTZ und Koordinierungszentrale mit einheitlicher Warteliste für die DDR bestimmte auch aktuell den Transplantationsort des Patienten. Zwischen den NTZ konnte nicht gewählt werden. Bei beschränkter Dialysekapazität erfolgte bereits zur Dialyseaufnahme eine Auswahl der Patienten in Richtung auf deren Transplantationseignung. Das Lebensalter unserer Patienten (63% Männer) lag zum Zeitpunkt der NT bei 35,4 (17 – 62) Jahren. Als Grundleiden hatten 67% eine Glomerulonephritis, 12% eine Pyelonephritis, 5% eine Analgetikanephropathie, 5% Zystennieren und 2% eine diabetische Nephropathie. 17% der Transplantatempfänger waren HBs-Antigen-positiv. Die Wartezeit auf eine NT lag bei 20,5 (1 – 97) Monaten. 99% der Patienten erhielten Leichennieren. Die Funktionsrate der Ersttransplantate lag nach einem Jahr bei 64%, nach 5 Jahren bei 44%, 10 Jahren bei 31% und 20 Jahren bei 17%. Hauptursachen der Nichtfunktion von Transplantaten: primäre Funktionslosigkeit und Sepsis. Die “kalkulierte Halbwertzeit” der Transplantate, die nach 1 Jahr noch funktionierten, war dann 8,5 Jahre. Im Transplantationserfolg bestanden zwischen den verschiedenen NTZ signifikante Unterschiede. Insgesamt war die Kurzzeitfunktionsrate der Transplantate unbefriedigend, die Langzeitfunktion der verbliebenen Organe gut. In den 70er und den 80er Jahren verstarben innerhalb der ersten 3 Monate nach NT 9 bzw. 8% der Ersttransplantierten. Todesursache war in den 70er Jahren immer, in den 80er Jahren meist eine Sepsis. Patientenüberleben (NT 70/NT 80) nach 1 Jahr 88/88%, nach 5 Jahren 66/74%, nach 10 Jahren 48/64%, nach 20 Jahren 40/40%. Die Einführung von Ciclosporin A erfolgte Jahre später als in den westlichen Ländern. Der Bezirk Erfurt hatte im DDR-Vergleich (nach Ostberlin) die meisten Dialysepatienten und so auch überdurchschnittlich viele Nierentransplantierte. Die Prävalenz Ende 1990: 97 Patienten p.m.p. mit funktionierenden Transplantaten im Bezirk Erfurt und 66 in der DDR (Vergleich: 116 Patienten in der BRD). Außerdem existierten im Bezirk Erfurt Ende 1990 29 Patienten p.m.p., die sich nach NT wieder in chronischer Dialysebehandlung befanden. Insgesamt war die Nierentransplantation in der DDR gekennzeichnet durch starke Zentralisierung, zu wenige Transplantationszentren, fehlenden Lufttransport, strenge Patientenauswahl, unbefriedigende Kurzzeitergebnisse und gute Langzeitergebnisse bei den verbliebenen Patienten.
Orginalarbeit
Nierentransplantation vor und nach der Wiedervereinigung – Beispiel: Region Erfurt
H. Thieler, K. Hof, S. Sippel, H. Sperschneider, G. May, U. Oltmanns, I. Brauns, Th. Franke, Th. Gööck, N. Jung, F. Kirchner, H.-C. Kuchenbecker, M. Marx, K. Ochlich, H.P. Rau, A. Schip, H. Göbel, E. Opfermann, D. Voigt und L. Winkelma
Abstract
H. Thieler1, K. Hof1, S. Sippel1, H. Sperschneider2, G. May3, U. Oltmanns1, I. Brauns4, Th. Franke4, Th. Gööck4, N. Jung4, F. Kirchner4, H.-C. Kuchenbecker4, M. Marx4, K. Ochlich4, H.P. Rau4, A. Schip4, H. Göbel1, E. Opfermann, D. Voigt und L. Winkelma
1HELIOS-Klinikum Erfurt, 2Universitäts-Klinikum Jena, 3Campus Virchow, Charité Berlin, 4Nephrologische Praxen und KfH-Zentren in Thüringen
Im Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung kam es zu eindrucksvollen Veränderungen in den Neuen Bundesländern, auch auf dem Gebiet der Nierentransplantation (NT). Diese sollen hier aus der Sicht der regionalen Nephrologen für die transplantierten Patienten aus dem Bezirk Erfurt/Thüringen (1,2 Mio. Einwohner) im Vergleich der 80er und 90er Jahre geschildert werden. Die Zahl der Ersttransplantationen nahm von 166 auf 257 (155%) zu, die Zahl aller NT (Wiederholungs-NT eingeschlossen) von 189 auf 312 (165%). Der Anteil von Lebendspendenieren stieg von 1% auf 8%, der von Nieren-/Pankreastransplantationen von 0 auf 2,6%. Von den 3.910 Patienten-Jahren in chronischer Nierenersatztherapie verbrachten die insgesamt 423 ersttransplantierten Patienten 53% dieser Zeit (bis Ende 2000) mit funktionierenden Transplantaten und 47% der Zeit in Dialysebehandlung. Die NT erfolgten in den 80er Jahren in Halle (50%), Berlin-Friedrichshain (37%), Rostock (11%) und Charité (2%), in den 90er Jahren im neuen NT-Zentrum Jena (40%), in Hannoversch-Münden (19%), Berlin-Steglitz (11%) und 15 weiteren NTZ. Das durchschnittliche Lebensalter zum Zeitpunkt der Erst-NT nahm von 37,5 auf 45,5 Jahre zu. Der Anteil der Grundkrankheiten änderte sich von den 80er zu den 90er Jahren: Glomerulonephritiden 62 vs. 45%, diabetische Nephropathie 3 vs. 12%. HBs-antigenpositive Patienten nahmen von 17% auf 2,3% ab. Die Wartezeit auf die Erst-NT verlängerte sich von 21,5 auf 45 Monate. Nach NT verblieben in den 80er Jahren 26,5% der Patienten, in den 90er Jahren 9% in Dialysebehandlung. Die Funktionsrate der Leichennieren-Ersttransplantate war nach einem Jahr 65 vs. 85%, nach 5 Jahren 44 vs. 75% (Signifikanz). Innerhalb von 3 Monaten nach NT verstarben in den 80er Jahren 8%, in den 90er Jahren 2,5% der Patienten. In den 80er Jahren dominierten septische Todesursachen. Die Patientenüberlebensrate nach LeichennierenErst-NT war in den 80er bzw. 90er Jahren nach einem Jahr 88 vs. 96%, nach 5 Jahren 74 vs. 90% (Signifikanz). Beim Vergleich der 80er und 90er Jahre nahmen entzündlich-septische Todesursachen insgesamt ab (43 vs. 17%) und kardiovaskuläre (37 vs. 65%) zu. In den 80er Jahren hatten 39%, in den 90er Jahren 61% der verstorbenen Patienten funktionierende Transplantate. Die Prävalenz von Patienten mit funktionierenden Transplantaten stieg von 97 Patienten p.m.p. Ende 1990 auf 228 Patienten p.m.p. Ende 2000 (235%), die Prävalenz von Patienten mit funktionslosen Transplantaten, die wieder dialysiert wurden, von 29 auf 57 Patienten p.m.p. Als Ursachen für die positive Entwicklung sind zu nennen: der wesentlich größere Pool von Dialysepatienten, die Einrichtung neuer und die Wahlmöglichkeit zwischen den NT-Zentren, die besseren Organgewinnungs- und Allokationsbedingungen, der Einsatz von Ciclosporin (und Tacrolimus), ATG, monoklonalen Antikörpern und modernen Antibiotika, die bessere Intensivtherapie und die stärkere Einbeziehung der regionalen Nephrologen.