Band 25, No. 4/2011(Ausgabe 4)
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Neuropsychiatrie
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Übersicht
Die digitale Büchse der Pandora: Psychische Störungen im Cyberspace
I. Kryspin-Exner, A. Felnhofer und O. D. Kothgassner
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 25, Nr. 4/2011, S. 172–182
Die digitale Büchse der Pandora: Psychische Störungen im Cyberspace
Ilse Kryspin-Exner, Anna Felnhofer und Oswald D. Kothgassner
Institut für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie, Universität Wien
Der Einzug des Internets in das alltägliche Lebensumfeld des Menschen veränderte nicht nur seine Kommunikation und Informationssuche, sondern beeinflusste auf mannigfache Weise auch sein Gesundheitswissen und Gesundheitsverhalten. Teilbereiche klinischpsychologischer Forschung beschäftigen sich folglich insbesondere mit den aktuellen Auswirkungen des neuen Mediums auf psychosoziale Faktoren und psychische Störungen. Das vorliegende Review greift diese Forschungsbemühungen auf und betrachtet sie aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln: zum einen stellt sich die Frage, ob durch das Medium neue Störungsbilder kreiert werden, zum anderen aber interessiert, ob das Internet aufgrund seiner spezifischen Beschaffenheit bekannte Störungsbilder in neuer Form sichtbar macht und bestehende Störungen aufrechterhält oder verstärkt. Im ersten Teil des Reviews werden folglich neue Störungsbilder wie der problematische Internetgebrauch oder Internet addiction und problematisches Online-Spielverhalten erörtert und hinsichtlich prädisponierender psychosozialer Faktoren diskutiert. Im zweiten Teil werden hingegen zwei aktuelle Beispiele psychischer Störungen – Essstörungen unter dem Gesichtspunkt der Pro-Ana und Pro-Mia Bewegung sowie Body Integrity Identity Disorder (BIID) – herangezogen, um den speziellen Effekt des Internets zu erörtern.Correspondence to:
Ilse Kryspin-Exner
Institut für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie
Fakultät für Psychologie, Universität Wien
Liebiggasse 5, 3. Stock
A – 1010 Wien
Email: ilse.kryspin-exner@univie.ac.at
Originalarbeit
„Ein ordentlicher Polizist erschießt sich, bevor er sich aufhängt!“ (Oberst Peter M., Bezirkspolizeikommandant in Y.): Ergebnisse von Schulungsveranstaltungen für Polizeibeamte in Niederösterreich
St. Frühwald, A. Entenfellner, W. Grill, Ch. Korbel und P. Frottier
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 25, Nr. 4/2011, S. 183–191
„Ein ordentlicher Polizist erschießt sich, bevor er sich aufhängt!“ (Oberst Peter M., Bezirkspolizeikommandant in Y.): Ergebnisse von Schulungsveranstaltungen für Polizeibeamte in Niederösterreich
Stefan Frühwald1, Anna Entenfellner1, Wolfgang Grill2, Christian Korbel1 und Patrick Frottier3
1Psycho-Sozialer Dienst der Caritas der Diözese St. Pölten, 2Psycho-Sozialer Dienst der PSZ GmbH, Stockerau, 3Abteilung für Kinder- & Jugendpsychiatrie, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien
Anliegen: Polizisten sind mit einem belastenden Berufsalltag konfrontiert, in dem häufig schwierig zu bewältigende Einsätze mit akut psychisch schwer erkrankten Menschen vorkommen. Selten wurde eine orientierende Einschätzung der Belastungen durch depressive Symptome bei Polizeibeamten vorgelegt, bisher fehlen Bezüge zu möglichen Zusammenhängen zwischen eigener Belastung und Stereotypien sowie sozialer Distanz gegenüber psychisch kranken Menschen. Methode: Im Rahmen von Pflicht-Weiterbildungstagen wurden Polizisten in Niederösterreich für einen halben Tag trialogisch über Depressionen, psychische Erkrankungen, Hilfsmöglichkeiten und die Bewältigung herausfordernder Situationen im Berufsalltag geschult. Vor den Seminaren wurde mittels der Gotland Scale of Male Depression eine orientierende Einschätzung depressiver Symptome erhoben, und es wurde die Fallvignette einer fiktiven depressiven Person vorgelegt mit Fragen zur Stereotypen, der emotionalen Reaktion und der sozialen Distanz. Ergebnisse: Es wurden im Jahr 2010 in 38 Seminaren insgesamt 852 Polizisten geschult. Eine mögliche depressive Störung lag bei 9% der Befragten vor. Die Rückmeldungen die Seminare betreffend waren durchwegs positiv, die Beamten fühlten sich im Nachklang besser informiert und besser in der Lage zu helfen. Nach den Seminaren kam es zu einer Zunahme der Interpretation der Fallvignette als „psychisch krank“ bzw. „geisteskrank“ und zu einer Zunahme der Angstgefühle. Schussfolgerungen: Persönliche Erfahrungen mit Suizid im Umfeld oder mit von Depressionen Betroffenen hatten mehr Einfluss auf das Vorhandensein depressiver Symptome bei Polizisten als deren (Dienst-)Alter. Die Begegnung mit einer von psychischer Erkrankung betroffen gewesenen, zum Zeitpunkt des Seminars jedoch wieder genesenen Person dürfte in Verbindung mit dem Slogan „Depression kann jeden treffen“ zu einer gewissen Verunsicherung der teilnehmenden Polizisten geführt haben.Correspondence to:
Univ. Doz. Dr. Stefan Frühwald
Psycho-Sozialer Dienst der Caritas der Diözese St. Pölten
Email: psd.fruehwald@stpoelten.caritas.at
Originalarbeit
Häufigkeit und Risikofaktoren für psychische Auffälligkeiten bei Kindern psychiatrischer Patienten
R. Stelzig-Schöler, L. Hasselbring, K. Yazdi, L. Thun-Hohenstein, Ch. Stuppäck und W. Aichhorn
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 25, Nr. 4/2011, S. 192–198
Häufigkeit und Risikofaktoren für psychische Auffälligkeiten bei Kindern psychiatrischer Patienten
Renate Stelzig-Schöler, Laura Hasselbring, Kurosch Yazdi, Leonhard Thun-Hohenstein, Christoph Stuppäck und Wolfgang Aichhorn
Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I und Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Christian Doppler-Klinik, Paracelsus Medizinische Universität Salzburg
Kinder psychisch kranker Eltern sind unterschiedlichsten Belastungssituationen ausgesetzt. Welchen Stellenwert diese Belastungsfaktoren in Bezug auf die psychische Entwicklung von Kindern haben, ist bis heute nur wenig erforscht. Dazu wurden über einen Zeitraum von 6 Monaten alle stationären Patienten (n=142) der Salzburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie I, die zum Aufnahmezeitpunkt Kinder unter 18 Jahren hatten, mit einem semistrukturierten Interview zu psychischen Auffälligkeiten ihrer Kinder (n=237) befragt. Zusätzlich wurden demografische Daten und Daten zum familiären Umfeld der Kinder, zur Erkrankung des stationären Elternteils und des anderen Elternteils erhoben. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass 38,4% (n=91) dieser Kinder an einer oder mehreren psychischen Auffälligkeiten litten. Die am häufigsten gefundenen Störungen lagen im emotionalen (n=41), im sozialen (n=41) und im Bereich Lern- und Leistungsschwierigkeiten (n=34). Signifikant positiv korreliert mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten psychischer Auffälligkeiten waren die Dauer der Erkrankung des Elternteils (p=0,001), das Alter des Kindes (p=0,044), eine Erkrankung beider Elternteile (p=0,008), langandauernde Familienkonflikte (p=0,003) sowie das Zusammenleben des Kindes mit nur einem Elternteil (p=0,012). Wie unsere Untersuchung zeigt, besteht ein signifikant erhöhtes Risiko für Kinder psychisch kranker Eltern bereits im Kindesalter an einer psychischen Auffälligkeit zu leiden. Auch wenn die genetische Disposition nicht zu beeinflussen ist, kann durch eine Verminderung weiterer Risikofaktoren bzw. der Förderung von Schutzfaktoren eine gesunde Entwicklung der Kinder gefördert werden.Correspondence to:
PD Dr. Wolfgang Aichhorn
Sonderauftrag für Stationäre Psychotherapie
CDK Salzburg
Ignaz-Harrer-Straße 79
A-5020 Salzburg
Email: w.aichhorn@salk.at
Originalarbeit
Kommunizieren statt Stigmatisieren – Verändert der soziale Kontakt mit einer an Depression erkrankten Person die Einstellungen von MedizinstudentInnen zu psychisch Kranken? Eine Studie zu Einstellungen von MedizinstudentInnen zu psychisch erkra
M. Schenner, D. Kohlbauer und V. Günther
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 25, Nr. 4/2011, S. 199–207
Kommunizieren statt Stigmatisieren – Verändert der soziale Kontakt mit einer an Depression erkrankten Person die Einstellungen von MedizinstudentInnen zu psychisch Kranken? Eine Studie zu Einstellungen von MedizinstudentInnen zu psychisch erkra
Manuela Schenner1, Daniela Kohlbauer1 und Verena Günther2
1Gesellschaft für Psychische Gesundheit – pro mente tirol, Innsbruck, 2Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie Innsbruck
Anliegen: In vorliegender Untersuchung wurde der Frage nachgegangen, inwieweit im Vergleich zum üblichen Psychiatriepraktikum ein Praktikum, in dem zusätzlich der soziale Kontakt mit einer an Depression erkrankten Person ermöglicht wurde, Einstellungen zu psychisch Kranken (Depression, Schizophrenie) verändern kann. Methode: 127 StudentInnen nahmen im Zuge ihres Pflichtpraktikums an der Univ.- Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie Innsbruck zusätzlich an einer Informationsveranstaltung teil, in der eine an einer Depression erkrankte Person von ihrem Leben, ihrer Erkrankung und ihren Erfahrungen mit der Krankheit berichtete. 98 StudentInnen bildeten die Kontrollgruppe, sie besuchten ausschließlich das Pflichtpraktikum. Zu Beginn und zu Ende des Praktikums beantworteten die StudentInnen einen Fragebogen u. a. zu kognitiven und affektiven Einstellungsdimensionen und zur sozialen Distanz. Diesem Fragebogen wurden 4 verschiedene Fallvignetten mit der Beschreibung einer fiktiven Person (ein/e an paranoider Schizophrenie erkrankte/ r Frau/Mann und ein/e an unipolarer Depression erkrankte/r Frau/Mann) vorangestellt. Ergebnisse: Betrachtet man die Daten aller StudentInnen vor Praktikumsbeginn, dann beschrieben sich weibliche Studierende psychisch Kranken gegenüber prosozialer und sozial näher, aber auch ängstlicher als männliche Studierende und erachteten die Behandelbarkeit psychiatrischer Erkrankungen für besser. Grundsätzlich fühlten sich die PraktikumsteilnehmerInnen gegenüber Depressiven sozial näher als gegenüber schizophrenen Patienten, letztere wurden auch als stärker erkrankt wahrgenommen sowie für gefährlicher und unberechenbarer gehalten. StudentInnen mit persönlichem Kontakt zu einer an Depression erkrankten Frau zeigten eine signifikante Verminderung der sozialen Distanz und Angst gegenüber depressiven Menschen und - im Sinne eines Generalisierungseffektes - reduzierte sich auch die Einschätzung der Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit schizophrener PatientInnen signifikant. Studierende, die ausschließlich das Pflichtpraktikum absolvierten, verstärkten hingegen das Stereotyp von Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit. Zusätzlich resultierte der Kontakt mit einer depressiven Person in einer deutlich besseren Einschätzung der Behandelbarkeit dieser Erkrankung. Das Pflichtpraktikum allein führte ebenfalls zu einer Reduktion der Angstgefühle gegenüber depressiven Patienten und zu einer Vermehrung prosozialer Gefühle für schizophrene Patienten. Schlussfolgerungen: Im Vergleich zum klassischen Psychiatriepraktikum ermöglichte der zusätzliche Kontakt mit einer depressiven Person gravierendere Einstellungsänderungen, besonders auch das Stereotyp der "Gefährlichkeit" schizophren erkrankter Patienten betreffend. Betroffene in den Unterricht des Psychiatriepraktikums einzubeziehen, stellt somit eine sehr sinnvolle und wirksame Anti-Stigma-Intervention dar.Correspondence to:
tit. ao. Univ.-Prof. Dr. Verena Günther
Abteilung für Klinische Psychologie der Univ.-Klinik
für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie Innsbruck
Email: verena.guenther@uki.at
Originalarbeit
Der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden als Screeninginstrument für Depression bei Altenheimbewohnern
A.-K. Allgaier, I. Liwowsky, D. Kramer, R. Mergl, S. Fejtkova und U. Hegerl
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 25, Nr. 4/2011, S. 208–215
Der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden als Screeninginstrument für Depression bei Altenheimbewohnern
Antje-Kathrin Allgaier1, Iris Liwowsky2, Dietmar Kramer3, Roland Mergl3, Sabina Fejtkova2 und Ulrich Hegerl3
1Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München, 2Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München, 3Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universität Leipzig
Anliegen: Ziel der Studie ist es, die Validität des WHO-5-Fragebogens zum Wohlbefinden (WHO-5) als Früherkennungsinstrument für Depression bei Altenheimbewohnern zu untersuchen. Methode: Die Validierung des WHO- 5 erfolgte im Bezug auf das Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV (SKID) als Goldstandard. Berücksichtigt wurden zum Zeitpunkt des Interviews vorliegende Majore Depressionen sowie Minore Depressionen gemäß den Forschungskriterien des DSM-IV. Ergebnisse: Von 92 Altenheimbewohnern in München im Alter von 65-97 Jahren (73,9% Frauen, 26,1% Männer) erfüllten jeweils 14,1% die Kriterien für eine Majore oder Minore Depression im SKID. Die diagnostische Güte des WHO-5 über den Gesamtwertebereich (Area under the ROC curve) betrug .90 (95% Konfidenzintervall: .84-.97). Für den idealen Schwellenwert von 12 gemäß Youden-Index ergaben sich eine Sensitivität von .92 und eine Spezifität von .79. Schlussfolgerungen: Die in dieser Studie ermittelten Validitätskennwerte sprechen dafür, dass der WHO-5 ein geeignetes Screeninginstrument für Altenheimbewohner sein könnte, bedürfen jedoch einer Replikation an einer größeren Stichprobe.Correspondence to:
Dr. rer. biol. hum. Antje-Kathrin Allgaier, Dipl.-Psych.
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Pettenkoferstraße 8a
D-80336 München
Email: Antje.Allgaier@med.uni-muenchen.de
Fallbericht
Schizophrene Psychose bei Koinzidenz von Polycystischem Ovarsyndrom und Lupus erythematodes
M. Noll-Hussong, A. Birkhofer und H. Förstl
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 25, Nr. 4/2011, S. 216–218
Schizophrene Psychose bei Koinzidenz von Polycystischem Ovarsyndrom und Lupus erythematodes
Michael Noll-Hussong1, Andreas Birkhofer2 und Hans Förstl2
1Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universität Ulm, 2Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Technische Universität München
Wir berichten über eine Patientin mit phasenhafter paranoider Psychose, Polycystischem Ovarsyndrom (PCOS) und Lupus erythematodes discoides, deren Präsentation und Verlauf die wechselseitige Abhängigkeit endokriner, immunologischer und psychopathologischer Veränderungen illustriert.Correspondence to:
Michael Noll-Hussong
Klinik für Poliklink für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universität Ulm
Am Hochsträss 8
D - 81675 München
Email: minohu@gmx.net