Band 24, No. 2/2010(Ausgabe 2)
|
Neuropsychiatrie
Die Online-Versionen der Zeitschriften werden jeweils vor Erscheinen der Print-Ausgabe aktualisiert. Alle Inhalte dieser Website stehen Abonnenten der Zeitschrift nach einmaliger Registrierung ohne Mehrkosten zur Verfügung. Um die Artikel im PDF-Format betrachten zu können, benötigen Sie die Adobe Reader® Software.
|
| Preis für gesamte Ausgabe: 36.00$ |
 |
Konsensusstatement
Konsensusstatement “Demenz 2010” der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft
R. Schmidt, J. Marksteiner, P. Dal Bianco, G. Ransmayr, C. Bancher, T. Benke, J. Wancata, P. Fischer, C.F. Leblhuber, G. Psota, M. Ackerl, C. Alf, K. Berek, A. Croy, M. Delazer, P. Fasching, T. Frühwald, G. Fruhwürth, B. Fuchs-Nieder, G. Gattere
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 67–87
Konsensusstatement “Demenz 2010” der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft
R. Schmidt1, J. Marksteiner2, P. Dal Bianco3, G. Ransmayr4, C. Bancher5, T. Benke6, J. Wancata7, P. Fischer8, C.F. Leblhuber9, G. Psota10, M. Ackerl11, C. Alf12, K. Berek13, A. Croy14, M. Delazer6, P. Fasching15, T. Frühwald16, G. Fruhwürth17, B
1Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Graz, Graz, 2Abteilung für Psychiatrie, Landeskrankenhaus Rankweil, Rankweil, 3Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien, Wien, 4Abteilung für Neurologie und Psychiatrie, AKH Linz GmbH, Linz, 5Abteilung für Neurologie, Landesklinikum Waldviertel Horn – Allentsteig, Horn, 6Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, 7Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, Wien, 8Psychiatrische Abteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Ost – Donauspital, Wien, 9Abteilung für Neurologisch-Psychiatrische Gerontologie, Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Linz, 10Kuratorium für Psychosoziale Dienste (PSD), Wien, 11Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Oberpullendorf, 12Erste Neurologische Abteilung, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien, 13 Abteilung für Neurologie, Bezirkskrankenhaus Kufstein (BHK), Kufstein, 14Selbsthilfegruppe “Alzheimer Angehörige Austria”, Wien, 15Fünfte Medizinische Abteilung mit Rheumatologie, Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation, Wilhelminenspital, Wien, 16Abteilung für Akutgeriatrie, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien, 17Psychiatrische Abteilung, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Eisenstadt, 18Geronto Psychiatrisches Zentrum (GPZ), Graz, 19Abteilung für Psychosoziale Rehabilitation und Psychologisch-Psychotherapeutische Ambulanz, Geriatriezentrum Am Wienerwald, Wien, 20Abteilung für Neurologie, Bezirkskrankenhaus Lienz, Lienz, 21Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, 22Universitätsklinik für Geriatrie, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg
Die Österreichische Alzheimer Gesellschaft entwickelte Evidenzbasierende Richtlinien aufgrund einer systematischen Literaturrecherche und einer Kriterien-geleiteten Beurteilung mit nachfolgender transparenter Festlegung des klinischen Empfehlungsgrades. Die AutorInnen evaluierten verfügbare Therapieansätze für die häufigsten Formen der Demenz und fokussierten sich auf Diagnostik und pharmakologische Intervention, wobei auf die nationalen Gegebenheiten Rücksicht genommen wurde. Zweck der Leitlinien ist der rationale und kosteneffektive Einsatz diagnostischer und therapeutischer Verfahren bei Demenzerkrankungen. Zielgruppen für dieses Konsensstatement sind alle medizinischen aber auch alle anderen in die Versorgung von Demenzkranken eingebundenen Berufsgruppen und GrundversorgerInnen in Österreich.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt
Universitätsklinik für Neurologie
Medizinische Universität Graz
Email: reinhold.schmidt@meduni-graz.at
Übersicht
Konversion von MCI (Mild Cognitive Impairment) zur Alzheimer-Demenz: Diagnostische Möglichkeiten und Prädikatoren
M. Defranceso, M. Schocke, H.J. Messner, E.A. Deisenhammer, H. Hinterhuber, J. Marksteiner und E.M. Weiss
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 88–98
Konversion von MCI (Mild Cognitive Impairment) zur Alzheimer-Demenz: Diagnostische Möglichkeiten und Prädikatoren
M. Defranceso1, M. Schocke2, H.J. Messner2, E.A. Deisenhammer1, H. Hinterhuber1, J. Marksteiner3 und E.M. Weiss4
1Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck, 2Universitätsklinik für Radiodiagnostik, Medizinische Universität Innsbruck, 3Landeskrankenhaus Rankweil, 4Department für Biologische Psychologie, Karl-Franzens-Universität Graz
Anliegen: Der erste Teil des vorliegenden Übersichtsartikels beschäftigt sich mit dem Bild des Mild Cognitive Impairment (MCI) und dessen Stellenwert in der Pathogenese dementieller Erkrankungen. Im zweiten Teil wird auf mögliche Einflussfaktoren einer Konversion von MCI zur Alzheimer-Demenz (DAT) und deren neuroradiologisch diagnostischen Möglichkeiten eingegangen. Methode: Durchsicht von im PubMed publizierten Arbeiten zum Thema MCI, DAT und der jeweiligen Diagnostik. Ergebnisse: Patienten mit MCI ab dem Alter von 65 haben ein Risiko von 10-15%/ Jahr eine Demenz vom Alzheimertyp zu entwickeln im Vergleich zur Normalbevölkerung, welche ein Risiko von etwa 2%/ Jahr aufweist. Neuroradiologische Verfahren wie die MR-Spektroskopie, Diffusionsgewichtetes MRT (DWI), die F18-2-fluor-deoxy-D-glucose Positronen- Emissions- Tomographie (FDG-PET) sowie die Voxel-basierte- Morphometrie (VBM) können helfen, Patienten mit MCI, welche eine Demenz entwickeln, von jenen Patienten zu unterscheiden, die stabil bleiben. Strukturelle sowie metabolische Veränderungen des Gehirns treten bereits vor klinisch erkennbaren Defiziten auf. Schlussfolgerung: Die Untersuchung von MCI Patienten mittels neuroradiologischer Verfahren wie PET, DWI, MR – Spektroskopie oder VBM ermöglicht die Früherkennung eines möglichen Übergangs der Erkrankung in eine Alzheimer Demenz.Correspondence to:
Univ.-Prof. DDr. Elisabeth M. Weiss
Department für Biologische Psychologie
Karl-Franzens-Universität Graz
Email: e.weiss@uni-graz.at
Original
Kosten und Kostenverläufe von Versicherten mit Depressionsdiagnose und ohne psychische Störung im Vergleich – eine Sekundäranalyse von Routinedaten einer Betriebskrankenkasse
K. Stamm, I. Reinhard und H.J. Salize
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 99–107
Kosten und Kostenverläufe von Versicherten mit Depressionsdiagnose und ohne psychische Störung im Vergleich – eine Sekundäranalyse von Routinedaten einer Betriebskrankenkasse
K. Stamm, I. Reinhard und H.J. Salize
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
Anliegen: Depressionen verursachen nicht nur persönliches Leid, sondern auch erhebliche finanzielle Belastungen. Dennoch gibt es im deutschsprachigen Raum keine Untersuchungen zu den Langzeitkosten und dem Kostenverlauf bei dieser Erkrankung. Ziel der vorliegenden Studie ist es, diese Lücke zu schließen. Methode: Alle Versicherte mit Depressionsdiagnose (ICD 10 – Diagnosen F32, F32) im Jahr 2002 (Index – Jahr) einer Betriebskrankenkasse eines großen Chemieunternehmens in Deutschland wurden identifiziert (N = 591). Jährliche Pro – Kopf Kosten für zugelassene Krankenhäuser, Medikamente, und Krankengeld sowie die daraus resultierenden Gesamtkosten wurden für das Index – Jahr und die Jahre 2000 – 2005 (Langzeitkosten) berechnet und mit denjenigen von Versicherten ohne psychische Störung verglichen. Für eine Subgruppe erstund wiedererkrankter Patienten, die im Jahr 2002 erstmals eine entsprechende Diagnose aufweisen, wurde der Kostenverlauf über die Jahre ermittelt. Ergebnisse: Mit jährlichen Aufwendungen von 4102 € vs. 1103 € pro Person im Index – Jahr und 2380 € vs. 792 € im Langzeitverlauf sind die an einer Depression erkrankten Versicherten deutlich teuerer als die Vergleichsgruppe. Bei den erst- und wiedererkrankten Patienten sind die Aufwendungen im Jahr der Diagnosestellung am deutlichsten erhöht, aber Kostenunterschiede zwischen den Gruppen bestehen auch in den Jahren davor und danach. Schlussfolgerungen: Eine Depression ist mit enormen ökonomischen Konsequenzen verbunden. Insbesondere im Jahr der Diagnosestellung findet sich ein starker Anstieg der Kosten. Aus gesundheitsökonomischer Sicht sollte stärker in die Primärprävention und Frühintervention investiert werden.Correspondence to:
Dr. sc. hum. Klaus Stamm
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Mannheim
Email: klaus.stamm@zi-mannheim.de
Original
Der Einfluss von retardiertem Morphin auf die Drogensituation in Österreich
B. Beer, W. Rabl, K. Libiseller, S. Giacomuzzi, Y. Riemer und M. Pavlic
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 108–117
Der Einfluss von retardiertem Morphin auf die Drogensituation in Österreich
B. Beer1, W. Rabl1, K. Libiseller1, S. Giacomuzzi2, Y. Riemer2 und M. Pavlic1
1Institut für Gerichtliche Medizin, Medizinische Universität Innsbruck, 2Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen, Univ.-Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck
Eine etablierte Behandlung von Opiatabhängigkeitserkrankungen ist die Substitutionstherapie. In Österreich sind dazu neben den weltweit verwendeten Substanzen Methadon und Buprenorphin seit 1998 auch retardierte orale Morphinpräparate zugelassen. Diese werden häufig missbräuchlich intravenös verwendet und dominieren mittlerweile den österreichischen Schwarzmarkt, wobei die intravenöse Konsumform spezielle gesundheitliche Risiken birgt. Aufgrund ihrer speziellen Galenik enthalten die von den Konsumenten zubereiteten Lösungen reichlich Fremdmaterial, das durch Mikroembolien massive Schädigungen an inneren Organen verursacht. Auch bei den suchtgiftbezogenen Todesfällen wurde Morphin seither in den weitaus meisten Fällen als hauptverantwortliche Substanz nachgewiesen. Die Gerichtsmedizin übernimmt eine wichtige Rolle bei der Untersuchung dieser Todesfälle. Eine chemisch-toxikologische Unterscheidung zwischen akutem Heroin- und Morphinkonsum ist entgegen anderslautenden Meinungen mit geeigneten Methoden natürlich möglich. Eine verlässliche Einschätzung der Drogensituation erfordert vergleichbare Daten, wobei im Rahmen der Untersuchungen zwingend zur Frage des Heroin- oder Morphinkonsums Stellung genommen werden muss. Ein entsprechendes Meldeformular wurde entwickelt. Insgesamt ist die Verwendung der retardierten Morphine in der Opiatsubstitution als kritisch zu betrachten und sollte Einzelfällen vorbehalten bleiben. Eine diesbezügliche Lockerung der österreichischen Gesetzgebung ist daher abzulehnen.Correspondence to:
Ao. Univ-Prof. Dr. Marion Pavlic
Institut für Gerichtliche Medizin
Medizinische Universität Innsbruck
Email: marion.pavlic@i-med.ac.at
Original
Zur Bedeutung der funktionellen sozialen Unterstützung für den Abstinenzverlauf nach Alkohol-Entzugsbehandlung
J. Mutschler, A. Kobiella, M. Grosshans und F. Kiefer
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 118–124
Zur Bedeutung der funktionellen sozialen Unterstützung für den Abstinenzverlauf nach Alkohol-Entzugsbehandlung
J. Mutschler1,2, A. Kobiella1, M. Grosshans1 und F. Kiefer1
1Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, Zentralinstitut für
Seelische Gesundheit, Mannheim, 2Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie ZH West, Zentrum für Psychiatrische Rehabilitation, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Anliegen: In dieser prospektiven Studie haben wir den Einfluss der funktionellen sozialen Unterstützung (fSS) auf abhängigkeitsrelevante Variablen, insbesondere die Tage bis zum Rückfall, untersucht. Methode: Der fSS wurde mit dem standardisierten Erhebungsinstrument Medical Outcome Study (MOS) Social Support Survey erhoben. Ergebnisse: Es zeigte sich kein Einfluss des fSS auf die Tage bis zum Rückfall. Weiterhin blieb der fSS trotz 12-wöchiger Behandlung stabil. Werden die Variablen „Partnerschaft“ und „Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens von Entzugssymptomen“ kontrolliert, so zeigt sich allerdings ein negativer Zusammenhang zwischen emotionaler und praktischer Unterstützung und Anzahl der Entzugsbehandlungen in der Vorgeschichte. Schlussfolgerungen: Ein besseres Verständnis der Bedeutung sozialer Beziehungen bei Alkoholabhängigen könnte helfen, die Behandlungsergebnisse neben den bisherigen therapeutischen Möglichkeiten weiter zu optimieren.Correspondence to:
Dr.med. Jochen Mutschler
Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie
ZH West
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Email: jochen.mutschler@puk.zh.ch
Original
Memantin in der Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten und psychotischen Symptomen bei moderater bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz: Eine naturalistische Studie im ambulanten Bereich in Österreich
R. Schmidt, U. Baumhackl, K. Berek, T. Brücke, P. Kapeller, A. Lechner, M. Rainer und E.-M. Stögerer
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 125-131
Memantin in der Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten und psychotischen Symptomen bei moderater bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz: Eine naturalistische Studie im ambulanten Bereich in Österreich
R. Schmidt1, U. Baumhackl2, K. Berek3, T. Brücke4, P. Kapeller5, A. Lechner1, M. Rainer6 und E.-M. Stögerer1
1Universitätsklinik für Neurologie Graz, Medizinische Universität Graz, 2Neuropsychiatrisches Zentrum Belvedere, Wien, 3Aö. Bezirkskrankenhaus Kufstein, Abteilung für Neurologie, 4Wilhelminenspital der Stadt Wien, Neurologische Abteilung, 5LKH Villach, Abteilung für Neurologie und Psychosomatik, 6SMZ Ost-Donauspital, Psychiatrische Abteilung, Memory Clinic
Wir führten eine offene, 16 Wochen Studie zur Wirksamkeit von Memantin auf Verhaltensstörungen und psychotische Symptome bei moderater und mittelschwerer Alzheimer- Demenz in der klinischen Routine durch. 53 PatientInnen aus 20 ambulanten Zentren in Österreich wurden eingeschlossen. Das Neuropsychiatrische Inventar (NPI) war Hauptzielparameter. Der Gesamtscore besserte sich nach 16 Wochen Memantintherapie um 4,6 Punkte (p<0.01) und auch der Belastungsscore für die Betreuungspersonen reduzierte sich unter der Therapie signifikant. Die deutlichste Reduktion bestand in den NPI Komponenten Depression (-24,6%), abweichendes motorisches Verhalten (-16,9%), Agitiertheit/ Aggression, Angst, Apathie, Enthemmung und Störungen im Appetit und Essverhalten (jeweils -11,3%). Unsere naturalistische Studie steht im Einklang mit Ergebnissen kontrollierter Untersuchungen im schweren und mittelschweren Stadium der Alzheimer-Demenz. Kontrollierte Studien mit Verhaltensstörungen und psychotische Symptome als primären Endpunkt sind nötig, um die Wirksamkeit von Memantin bei leichten Demenzstadien endgültig zu definieren.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt
Universitätsklinik für Neurologie
Medizinische Universität Graz
Email: reinhold.schmidt@meduni-graz.at
Original
Verändert der Unterricht über Depression die Einstellungen gegenüber Schizophrenie? Eine zielgruppenorientierte Anti-Stigma-Intervention
D. Kohlbauer, U. Meise, M. Schenner, H. Sulzenbacher, B. Frajo-Apor, H. Meller und V. Günther
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 132–140
Verändert der Unterricht über Depression die Einstellungen gegenüber Schizophrenie? Eine zielgruppenorientierte Anti-Stigma-Intervention
D. Kohlbauer1, U. Meise1, 2, M. Schenner1, H. Sulzenbacher2, B. Frajo-Apor2, H. Meller1 und V. Günther2
1Gesellschaft für Psychische Gesundheit – promente tirol, Innsbruck, 2Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, MUI Innsbruck
Anliegen: Es sollte überprüft werden, ob ein zwei Einheiten dauernder Unterricht, der ausschließlich die Depression behandelt, die Einstellungen von Schülern allgemein höher bildender Schulen gegenüber Menschen mit Depression verändert und ob durch den Unterricht auch Einstellungen gegenüber an Schizophrenie Erkrankten beeinflusst werden. Methode: In den Unterricht wurde eine von Depression betroffene Person, die jedoch zum Interventionszeitpunkt symptomfrei war, eingebunden. Zu drei Messzeitpunkten (T0 = einige Tage vor dem Unterricht, T1 = einige Tage nach dem Unterricht, T2 = 3-4 Monate später) wurde den Schülern immer dieselbe Vignette vorgelegt, in der eine fiktiver Mitschüler(in) mit entweder einer ausgeprägten depressiven oder einer paranoid halluzinatorischen schizophrenen Symptomatik beschrieben war. Die Einstellungen gegenüber der in der Vignette geschilderten Person wurden mit Fragebögen erhoben, die die affektive, die konative (verhaltensbezogene) und die kognitive Dimension abdecken. Ergebnisse: Die Einstellungen gegenüber der „Vignette Depression“ waren zu T0 in allen Einstellungsdimensionen signifikant positiver als jene gegenüber der „Vignette Schizophrenie“. Zu T1 sank gegenüber der „Vignette Depression“ der Faktor Angst signifikant und auch die Ansicht, dass von dieser Person eine Gefahr ausginge nahm ab. Zu T2 fielen diese Einschätzungen wieder auf das Niveau von T0 zurück. Die Meinung, dass diese fiktiven depressiven Mitschüler an einer Erkrankung leiden und diese behandelbar sei, wurde zu T1 und T2 signifikant häufiger bejaht als zu T0. Die Einstellungsänderungen gegenüber der „Vignette Schizophrenie“ waren noch deutlicher ausgeprägt. Gegenüber T0 konnten zu T1 und T2 eine signifikante Verringerung der Angstgefühle, der sozialen Distanz und des Stereotypes, dass diese Person gefährlich und unberechenbar sei, beobachtet werden. Schlussfolgerungen: Zielgruppenorientierte Interventionen, in die Betroffene eingebunden werden, können die Einstellungen gegenüber psychisch Kranke verbessern. Da manche der zu T1 gemessenen Veränderungen schon nach drei Monaten wieder rückläufig waren, ist es ist fraglich, ob ein einmaliger kurzer Unterricht ausreicht, Einstellungen nachhaltig zu verändern. Bei der Fokussierung des Unterrichts auf eine geringer stigmatisierte Erkrankung, wie es die Depression ist, können im Sinne eines Transfereffektes auch die Einstellungen gegenüber einer stärker stigmatisierten Erkrankung wie die Schizophrenie verbessert werden.Correspondence to:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Ullrich Meise
Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie
Medizinische Universität Innsbruck
Email: ullrich.meise@uki.at
Fallbericht
Erythema ab igne (Livedo reticularis e calore) bei drei Patientinnen mit Eßstörung
J. Fischer, K. Rein, C. Erfurt-Berge und M. de Zwaan
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 141–143
Erythema ab igne (Livedo reticularis e calore) bei drei Patientinnen mit Eßstörung
J. Fischer1, K. Rein1, C. Erfurt-Berge2 und M. de Zwaan1
1Psychosomatische und Psychotherapeutische Abt., Universitätsklinikum Erlangen, 2Dermatologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen
Das Erythema ab igne (EAI) ist eine netzartige, pigmentierte Dermatose, die durch kontinuierliche oder wiederholte Hitzeeinwirkungen bzw. Infrarotbestrahlung verursacht wird. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch retikuläre hyperpigmentierte Makulae, die mit Schuppung einhergehen können. Die Dermatose kann irreversibel sein und birgt in seltenen Fällen die Gefahr einer malignen Entartung. Die vorliegende Fallserie beschreibt drei Patientinnen mit Essstörung, welche durch wiederholte stundenweise Applikation heißer Wärmflaschen ein EAI entwickelten. Begründet wurde der Gebrauch der Wärmflaschen mit allgemeinem Kältegefühl, vor allem aber mit einem aversiv erlebtem subjektiven Völlegefühl nach Nahrungsaufnahme, welches die Patientinnen durch Wärmezufuhr zu lindern versuchten. Bei zwei der drei Patientinnen konnte durch Karenz der Wärmezufuhr innerhalb von 8 Wochen ein rascher Rückgang, jedoch keine vollständige Remission der Dermatose beobachtet werden, während bei einer Patientin aufgrund des fortlaufenden Gebrauchs von Wärmflaschen das EAI unverändert bestehen blieb.Correspondence to:
Dr. med. Julia Fischer
Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung
Universitätsklinikum Erlangen
Email: julia.s.fischer@uk-erlangen.de
Fallbericht
Akute Psychose induziert durch eine Helikobakter pylori (H. pylori) - Eradikationstherapie mit Amoxicillin, Clarithromycin und Pantoprazol
R.-M. Laßnig
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 24, Nr. 2/2010, S. 144–150
Akute Psychose induziert durch eine Helikobakter pylori (H. pylori) - Eradikationstherapie mit Amoxicillin, Clarithromycin und Pantoprazol
R.-M. Laßnig
Univ.-Klinik für Psychiatrie, Graz
Ein 42 jähriger männlicher Patient ohne bekannte psychiatrische Vorerkrankungen entwickelte 48 Stunden nach Beginn einer Helikobakter pylori – Eradikationstherapie mit Amoxicillin, Clarithromycin und Pantoprazol ein akut psychotisches Zustandsbild einhergehend mit Wahnvorstellungen, Wesensveränderung und Desorientiertheit. Nach Absetzen der Tripletherapie und der Gabe von Risperidon kam es innerhalb von 72 Stunden zu einer vollständigen Remission der Symptome. Im weiteren Verlauf war der Patient bei den Kontrollen nach zwei, zwölf und zweiundsiebzig Wochen nach der Entlassung vollkommen beschwerdefrei, ohne Hinweis auf eine psychotische Symptomatik.Correspondence to:
Ass. Dr. Rosa-Maria Laßnig
Univ.-Klinik für Psychiatrie Graz
Email: rosa.lassnig@medunigraz.at