Band 23, No. 4/2009(Ausgabe 4)
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Neuropsychiatrie
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Übersicht
Neuroimaging der verschiedenen Symptomdimensionen der Zwangsstörung
Markus Dold und Martin Aigner
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 193–205
Neuroimaging der verschiedenen Symptomdimensionen der Zwangsstörung
Markus Dold und Martin Aigner
Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien
Einleitung: Nach einem Konsens über eine fronto-striato-thalamofrontale Dysfunktion als neuronale Basis der Zwangsstörung rückt mit der zunehmenden Subklassifikation dieses Krankheitsbildes auch eine neurobiologische Differenzierung der verschiedenen Zwangssymptome in das Interesse der Neuroimaging- Forschung. Methode: Mittels einer systematischen Literaturrecherche wurden Originalarbeiten erfasst, die die neurobiologischen Korrelate der verschiedenen Dimensionen der Zwangsstörung untersucht haben. Ergebnisse: Während beim Faktor „Waschen“ besonders Hirnstrukturen der emotionalen Steuerung involviert zu sein scheinen (v.a. orbitofrontaler Cortex (OFC), anteriorer cingulärer Cortex (ACC), Amygdala, Insula), überwiegen beim Faktor „Verbotene Gedanken“ Hirnregionen der kognitiven Steuerung (v.a. die Basalganglien, ACC) und beim Hort- und Sammelzwang der Entscheidungsfindung (v.a. ventromediale Anteile des OFC, dorsolateraler präfrontaler Cortex (DLPFC)). Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen die neurobiologische Heterogenität des Krankheitsbildes der Zwangsstörung und geben damit eine Wegweisung für zukünftige Forschungsansätze.Correspondence to:
Ao. Univ. Prof. Dr. Martin Aigner
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Medizinische Universität Wien
Email: martin.aigner@meduniwien.ac.at
Original
Informeller Zwang zur Verbesserung der Behandlungsbereitschaft psychiatrischer Patienten
Matthias Jäger und Wulf Rössler
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 206–215
Informeller Zwang zur Verbesserung der Behandlungsbereitschaft psychiatrischer Patienten
Matthias Jäger und Wulf Rössler
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Forschungsbereich Klinische und Soziale Psychiatrie
Anliegen: Ziel der vorliegenden Studie war es, Interventionen, die informellen Zwang zur Verbesserung der Behandlungsbereitschaft beinhalten und die subjektive Beurteilung dieser Methoden durch die Betroffenen zu untersuchen. Methode: Halbstrukturierte Befragung von 187 psychiatrischen Patienten. Ergebnisse: 29% hatten Erfahrung mit mindestens einer Methode zur Beeinflussung der Behandlungsbereitschaft. Am häufigsten wurde der Erhalt von Wohnraum an die Auflage einer psychiatrischen Behandlung gekoppelt. Schlussfolgerungen: Interventionen, die informellen Zwang beinhalten, kommen in der psychiatrischen Praxis häufig vor. Ob und unter welchen Umständen deren Anwendung aus ethischer und klinischer Perspektive gerechtfertigt sein kann, muss unter Berücksichtigung der subjektiven Perspektive der betroffenen Personen diskutiert werden. Aus Gründen der Lesbarkeit wird im folgenden Artikel meist nur die männliche Form verwendet, womit auch stets die weibliche Form gemeint ist.Correspondence to:
Dr. med. Matthias Jäger
Lenggstrasse 31
Postfach 1931
8032 Zürich, Schweiz
Email: matthias.jaeger@puk.zh.ch
Original
Differentielle Alkoholkonsummuster: Eine typologische Untersuchung mit dem Trierer Alkoholismusinventar (TAI) in einer österreichischen klinischen Untersuchungsgruppe
Dirk Dunkel, Elfi Antretter, Sabine Fröhlich-Walser und Christian Haring
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 216–234
Differentielle Alkoholkonsummuster: Eine typologische Untersuchung mit dem Trierer Alkoholismusinventar (TAI) in einer österreichischen klinischen Untersuchungsgruppe
Dirk Dunkel1, Elfi Antretter1, Sabine Fröhlich-Walser1 und Christian Haring1,2
1Psychiatrisches Krankenhaus des Landes Tirol, 2UMIT – Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik
Anliegen: Das Trierer Alkoholismusinventar (TAI) erfasst differentielle Konsummuster, Trinkstile und damit verbundene psychosoziale Folgeerscheinungen bei PatientInnen mit einer Alkoholabhängigkeit, um daraus Informationen für die Therapieplanung abzuleiten. Bisherige typologische Studien mit dem TAI extrahierten vier Alkoholkonsummuster. Das Ziel dieser explorativen Studie war es, die bisherigen Ergebnisse zur Subgruppenbildung mit dem TAI in einer österreichischen klinischen Stichprobe zu replizieren und die diskriminative Validität der Clusterprofile an unabhängigen soziodemographischen und klinischen Merkmalen zu überprüfen. Darüber hinaus wurde ein Verfahren vorgestellt, das es ermöglicht, ein individuelles Profil einer TAI-Subgruppe zuzuordnen. Methode: Es wurden N = 238 PatientInnen einer stationären Alkoholentwöhnungseinric htung mit dem TAI befragt. Die Daten wurden clusteranalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Eine 5-Clusterlösung erwies sich als stabil und diskriminativ valide. Schlussfolgerungen: Die bisher mit dem TAI gewonnenen typologischen Ergebnisse konnten in dieser Studie bestätigt werden. Die diskriminative Validität der Subgruppen ließ sich empirisch absichern. Die so gewonnene Typologie stellt gebündelte Informationen über Sekundärmerkmale der Alkoholabhängigkeit für die Planung therapeutischer Interventionen im Sinne einer differentiellen Therapieplanung zur Verfügung.Correspondence to:
Dr. Dirk Dunkel
Psychiatrisches Krankenhaus des Landes Tirol
Primariat B, Hall i.T.
Email: dirk.dunkel@tilak.at
Original
Psychotherapie bei schizophrenen Störungen: Ergebnisse einer österreichweiten Umfrage
Hans Rittmannsberger und Johannes Wancata
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 235–243
Psychotherapie bei schizophrenen Störungen: Ergebnisse einer österreichweiten Umfrage
Hans Rittmannsberger1 und Johannes Wancata2
1Oberösterreichische Landes-Nerven-Klinik Wagner-Jauregg, Linz, 2Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien
Anliegen: Erfassung des Umfanges in dem Personen mit der Diagnose Schizophrenie in Österreich in psychotherapeutischer Behandlung sind. Methode: Postalische Befragung aller in Österreich nach dem Psychotherapiegesetz eingetragenen Psychotherapeuten. Ergebnisse: Von 5741 Fragebogen wurden 1683 (29,3%) retourniert. 59% der befragten Therapeuten hatten jemals Klienten mit Schizophrenie behandelt, 47% hatten im letzten Jahr mindestens einen Klienten behandelt. Die Therapeuten, die schon schizophren Klienten behandelt hatten, gehörten folgenden psychotherapeutischen Schulen an: Tiefenpsychologie (30%), humanistische Psychotherapie (35%), Systemische Psychotherapie (25%), Verhaltenstherapie (13%), eklektische Psychotherapie (25%). Von den Befragten wären 59% bereit (weitere) Klienten mit der Diagnose Schizophrenie in Behandlung zu nehmen. 84% halten eine besondere Qualifikation für die Behandlung schizophrener Störungen notwendig, wobei allerdings 70% der Meinung waren, dass diese in der Ausbildung zum Psychotherapeuten nicht ausführlich genug vermittelt wird. Schlußfolgerungen: Es zeigte sich, dass ein hohes Interesse an der Behandlung schizophrener Störungen besteht. Es besteht eine Diskrepanz zwischen den für die Therapie schizophrener Patienten empfohlenen Methoden nach EBM-Kriterien und der Situation in der Praxis.Correspondence to:
Prim. Univ. Prof. Dr. Hans Rittmannsberger
OÖ LNK Wagner-Jauregg
Email: hans.rittmannsberger@gespag.at
Kurzes Original
Fitnesstraining und Yoga – Auswirkungen auf Befindlichkeit, Stressempfinden, Unsicherheit im Sozialkontakt und Körperbild
Susanne Hafner-Holter, Martin Kopp und Verena Günther
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 244–248
Fitnesstraining und Yoga – Auswirkungen auf Befindlichkeit, Stressempfinden, Unsicherheit im Sozialkontakt und Körperbild
Susanne Hafner-Holter, Martin Kopp und Verena Günther
Medizinische Universität Innsbruck, Department Psychiatrie und Psychotherapie, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Ambulanz der Univ.-Klinik für Allgemine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie
Ziel: Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Auswirkungen sowohl von Fitnesstraining als auch Yoga differenziert in Bezug auf Befindlichkeit, Stimmung, Stressempfinden, verschiedene Aspekte des Körperbildes und soziale Unsicherheit zu erfassen, dies zum einen für jede Aktivitätsform allein, zum anderen im Vergleich. Methodik: 18 BesucherInnen eines Fitnesstudios und 21 TeilnehmerInnen einer Yoga- Gruppe wurden vor und nach 20 Stunden Training mit dem Fragebogen zur Beurteilung des eigenen Körpers (25), der Symptom-Checkliste 90 R (8), der Beschwerdenliste (31), der Befindlichkeitsskala (32) und einer visuellen Analogskala, zur Erfassung des subjektiven Stressempfindens (VAS; 10) untersucht. Ergebnisse: In beiden Gruppen zeigten sich signifikant positive Veränderungen in Bezug auf Unsicherheit im sozialen Kontakt. Die Fitnessgruppe wies darüber hinaus signifikante Verbesserungen von körperlich-sexuellen Missempfindungen auf, die Yoga-Gruppe hingegen profitierte vor allem in Bezug auf hypochondrische Ängste und verzeichnete einen signifikanten Rückgang körperlicher Beschwerden sowie eine Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass beide Formen der körperlichen Betätigung als Verhaltensweisen mit positiven – jedoch unterschiedlichen - Auswirkungen auf die psychische Befindlichkeit bezeichnet werden können. In zukünftigen Projekten sollten die unterschiedlichen Auswirkungen verschiedener Bewegungsprogramme auf die psychische Befindlichkeit sowohl bei gesunden als auch psychisch kranken Personen vermehrt evaluiert werden.Correspondence to:
tit. Ao. Univ.-Prof. Dr. Verena Günther
Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapeutische
Ambulanz Department Psychiatrie und Psychotherapie
Univ.-Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie
Email: verena.guenther@uki.at
Bericht
Sozialpsychiatrie als Forschungsfeld – Antworten auf die Fragen von morgen
Steffi G. Riedel-Heller
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 249–252
Sozialpsychiatrie als Forschungsfeld – Antworten auf die Fragen von morgen
Steffi G. Riedel-Heller
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Leipzig
Die demografische Entwicklung, der Kostendruck und die soziale Exklusion nennenswerter Bevölkerungsteile, insbesondere auch chronisch Kranker, sind aktuelle Herausforderungen für die Medizin, die Gesundheitssysteme und die Gesellschaft im Allgemeinen und für die Psychiatrie im Besonderen. Sozialpsychiatrische Expertise ist bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unverzichtbar. Der Beitrag analysiert, inwieweit sich diese aktuellen Themenfelder schon in der aktuellen Forschung niederschlagen. Die sozialpsychiatrische Forschung wird in ihrem Verhältnis zu den klinischen Neurowissenschaften positioniert und Entwicklungsperspektiven werden aufgezeigt.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller, MPH
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universität Leipzig
Email: Steffi.Riedel-Heller@medizin.uni-leipzig.de
Kritisches Essay
Depression und Kultur
Thomas Stompe, Kristina Ritter und Beate Schrank
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 253–262
Depression und Kultur
Thomas Stompe1,2, Kristina Ritter3 und Beate Schrank1
1Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, 2Justizanstalt Göllersdorf, 3Institut für Suchtdiagnostik, Wien
Dass neben biologischen und biographischen Faktoren auch soziokulturelle Einflüsse eine wichtige Rolle für die Häufigkeit des Auftretens und die Phänomenologie depressiver Erkrankungen spielen, ist inzwischen gesichertes Wissen. Ziele der vorliegenden Arbeit sind es (1) die unterschiedlichen wissenschaftstheoretischen Positionen der transkulturellen Depressionsforschung darzustellen, (2) die wichtigsten, teilweise widersprüchlichen Ergebnisse dieser Forschungsrichtungen zu präsentieren und (3) abschließend Vorschläge für einen integrativen Forschungsansatz zu unterbreiten.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Stompe
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Medizinische Universität Wien
Email: thomas.stompe@meduniwien.ac.at
Statement
Verhaltenscodex für Psychiater erstellt im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie
Hartmann Hinterhuber, Michael Lehofer, Helmuth Ofner und Christoph Stuppäck
Abstract
Neuropsychiatrie, Band 23, Nr. 4/2009, S. 263–266
Verhaltenscodex für Psychiater erstellt im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie
Hartmann Hinterhuber1, Michael Lehofer2, Helmuth Ofner3 und Christoph Stuppäck4
1Medizinische Universitätsklinik Innsbruck, Department für Psychiatrie und Psychotherpie, Univ.-Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychiatrie Innsbruck, 2Landesnervenklinik Sigmund Freud, Graz, 3Universität Wien, Abteilung für Rechtsvergleichung, Einheitsrecht und Internationales Privatrecht, 4Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I, Paracelsus Medizinische
Privatuniversität Salzburg