Band 23, No. 1/2009(Ausgabe 1)
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Neuropsychiatrie
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Editorial
Stationäre Rehabilitation versus gemeindenahe psychiatrische Rehabilitation – Überlegungen zur Indikationsfrage
E. M. Haberfellner
Abstract
E. M. Haberfellner
Übersicht
Demenz und Musik
Manuela Kerer, Josef Marksteiner, , Hartmann Hinterhuber, Guerino Mazzola, Reinhard Steinberg und Elisabeth M. Weiss
Abstract
Manuela Kerer1, Josef Marksteiner1, 2, Hartmann Hinterhuber1, Guerino Mazzola3, Reinhard Steinberg4 und Elisabeth M. Weiss1
1Medizinische Universität Innsbruck, Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, 2Landeskrankenhaus Klagenfurt, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, 3CLA University of Minnesota, 4Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie, Universität Mainz
Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden und einen großen Teil ihres Gedächtnisses verloren haben, sind vielfach nichts desto trotz noch in der Lage, außergewöhnliche musikalische Leistungen zu erbringen. Sie können beispielsweise Musik aus den frühen Jahren ihres Lebens wieder erkennen oder Text und Melodie vierstrophiger Lieder singen. Dabei beobachten Musiktherapeuten und Altenpfleger die große Zufriedenheit demenzerkrankter Menschen, wenn sie in der Musik ein Stück ihrer Vergangenheit oder Identität wieder finden. Mit der Hilfe von musikalischen Parametern können sie ihre soziale Isolation verlassen und psychomotorische Unruhe, Weinen, aber auch aggressives Verhalten verringern. Dabei aktiviert Musik unser Gehirn auf unterschiedlichste Weise, regt das Gedächtnis an und ist der Sprache durchaus ähnlich. Doch auf die Frage, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass Musik-Erlebnisse sich so sehr einprägen können, kann bis heute nicht bis ins letzte geantwortet werden. Zwar gehen einige Fallstudien darauf ein, doch befindet sich die experimentelle Erforschung der Auswirkung einer Demenzerkrankung auf musikalische Fähigkeiten oder das musikalische Gedächtnis noch in ihrem Anfangsstadium.Correspondence to:
Manuela Kerer, Abteilung für Allgemeine Psychiatrie; Medizinische Universität Innsbruck
Email: manuela@kerer.bz
Übersicht
Die Bedeutung von Dopaminagonisten in der Behandlung der Depression
Nicola Clausius, Christoph Born und Heinz Grunze
Abstract
Nicola Clausius1, Christoph Born1 und Heinz Grunze1,2
1Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychologie, 2Institute of Neuroscience, Dept. of Psychiatry, University of Newcastle
In der Pathophysiologie der Depression kommt dem Noradrenalin- und Serotoninsystem eine entscheidende Rolle zu. Ergebnisse verschiedener Studien sprechen jedoch auch für eine Beteiligung des dopaminergen Systems: Insbesondere psychomotorisch gehemmte depressive Patienten weisen erniedrigte Spiegel von Homovanillinsäure (Metabolit des Dopamins) auf. Während die stimmungsaufhellende Wirkung von Methylphenidat, D-Amphetamin und Kokain für eine Beteilung des dopaminergen Systems an der Modulation der Stimmung sprechen, vermindert Reserpin Dopamin und kann, wie auch Dopaminrezeptorblocker, ein depressives Syndrom induzieren. Dopaminabhängige motorische Störungen und begleitende Stimmungsschwankungen bei der Parkinsonerkrankung weisen ebenfalls auf pathophysiologische Gemeinsamkeiten von Depression und Parkinson hin. Die psychomotorische Hemmung, reduzierte Mimik und verminderte Sprachproduktion bei Depressionen ist mit einem hypodopaminergen Zustand motorischer Areale vereinbar. Die Ergotalkaloide Bromocriptin und Pergolid zeigen in offenen Studien antidepressive Effekte. Für die selektiven Dopamin D2- / D3-Agonisten Pramipexol und Ropinirol liegen kontrollierte Studien vor. Bupropion, ein selektiver Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (DNRI) hat ebenso seine antidepressive Wirksamkeit nachgewiesen und ist bereits zur Behandlung der Depression zugelassen.Correspondence to:
Prof. Dr. Heinz Grunze; Institute of Neuroscience, Dept. of Psychiatry, Newcastle University, United Kingdom
Email: Heinz.Grunze@ncl.ac.uk
Original
Nutzung der Angehörigenrunde
Ingrid Sibitz, Beate Schrank, und Michaela Amering
Abstract
Ingrid Sibitz1,2, Beate Schrank1,2 und Michaela Amering1
1Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie, 2Ludwig-Boltzmann-Institut für Sozialpsychiatrie, Wien
Anliegen: Die vorliegende Studie untersucht die Nutzung einer expertengeleiteten Angehörigengruppe sowie Gründe für die Teilnahme bzw. Nicht-Teilnahme. Methode: 147 Angehörige von PatientInnen mit einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis wurden mit einem Fragebogen zur Nutzung von Hilfe-Angeboten, zu Problemen in der Familie (FPQ), zum gesundheitlichen Wohlbefinden (GHQ) und zur Lebensqualität (WHOQOL-BREF) erfasst. Ergebnisse: 60 Angehörige nahmen das Angebot der Angehörigengruppe wahr. Vor allem Angehörige mit hoher wöchentlicher Kontaktzeit zum/ zur PatientIn, solche mit niedrigerer Lebensqualität, höherer objektiver Belastung und weniger positiver Einstellung dem/der PatientIn gegenüber nutzten die Angehörigenrunde. Wichtige Gründe nicht zu kommen waren Scheu, Angst, Scham, Resignation und ein Nicht-Wahrhaben-Wollen der Erkrankung. Schlussfolgerungen: Trotz hoher Belastung gibt es Berührungsängste mit Angeboten der Angehörigenarbeit und eine hohe empfundene Stigmatisierung von Angehörigen psychisch Kranker. Die erfolgreiche Integration von Angehörigen in die Therapie erfordert daher Einfühlsamkeit und besonderes Engagement.Correspondence to:
Dr. Ingrid Sibitz; Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien
Email: ingrid.sibitz@meduniwien.ac.at
Original
Die Bedingungsvariablen der postpartalen Dysphorie
Mirjam Complojer, Hansjörg Schweigkofler, Josef Schwitzer, Arthur Scherer, Georg Oliver Schwitzer und Wulf Schiefenhövel
Abstract
Mirjam Complojer1, Hansjörg Schweigkofler1, Josef Schwitzer1, Arthur Scherer2, Georg Oliver Schwitzer3 und Wulf Schiefenhövel4
1Psychiatrischer Dienst des Sanitätsbezirkes Brixen, 2Gynäkologische und Geburtshilfliche Abteilung des Sanitätsbezirkes Brixen, 3Univ.-Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie, MUI, Innsbruck, 4Max-Planck-Institut Gruppe Humanethologie, Andechs
Die postpartale Dysphorie (Baby Blues) ist eine Wochenbettstörung, deren Prävalenz in den westlichen Industrieländern mit 26 bis 85% angegeben wird. Diese milde Verstimmung tritt zwischen dem dritten und zehnten Tag postpartum auf, dauert einige Tage und verschwindet ohne therapeutische Behandlung wieder. Gerade weil diese Störung von alleine wieder abklingt, sind deren Ursachen noch wenig erforscht. Die vorliegende Untersuchung zur Ursachenforschung wurde im Rahmen des internationalen Münchner Postpartum-Projektes mittels eines Fragebogens durchgeführt. Die Studie in Brixen (Italien) ergab, dass vor allem Frauen, welche ein unsicheres soziales Netzwerk nach der Krankenhausentlassung vorfanden, Symptome einer Dysphorie aufwiesen. Somit scheint die postpartale Dysphorie ein hilfesuchendes Signal der Mutter an ihre Umgebung zu sein.Correspondence to:
Dr. Mirjam Complojer; Psychiatrischer Dienst des Krankenhauses, Brixen- Psychosomatische Ambulanz
Email: mirjam.complojer@akfree.it
Original
Evaluation eines Online-Diskussionsforums für an Depression Erkrankte und Angehörige – eine Untersuchung zu Motiven und Auswirkungen der Teilnahme
Anne Blume, Roland Mergl, Nico Niedermeier, Jörg Kunz, Tim Pfeiffer-Gerschel, Susanne Karch, Inga Havers und Ulrich Hegerl
Abstract
Anne Blume1, Roland Mergl1, Nico Niedermeier2, Jörg Kunz3, Tim Pfeiffer-Gerschel4, Susanne Karch3, Inga Havers1 und Ulrich Hegerl1
1Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, 2Praxis für psychosomatische Medizin, München, 3Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU München, 4IFT Institut für Therapieforschung, München
Anliegen: Es wird untersucht, welche psychiatrischen Diagnosen bei den Schreibern eines Online-Diskussionsforums vorherrschend sind und ob das Forum als Alternative oder Ergänzung zu professioneller Behandlung genutzt wird. Des Weiteren wird dargestellt, wie sich die Teilnahme im Forum auf den individuellen Umgang mit der Krankheit Depression auswirkt. Methode: 55 aktive Nutzer wurden mit Hilfe der computerunterstützten Fassung eines vollstrukturierten psychiatrischen Interviews (DIA-X) telefonisch befragt. Der Behandlungsstatus und die Motive zur Nutzung des Forums wurden online erhoben. Ergebnisse: 52 Studienteilnehmer (94,5%) erhielten die Lebenszeitdiagnose Depression. 90,2% sind schon einmal wegen Depressionen ambulant psychiatrisch behandelt worden, 64,7% waren stationär aufgenommen. Die Befragten gaben an, dass durch ihre Teilnahme am Forum das Vertrauen in die medizinische Behandlung gestiegen ist (63,3%) und sie dazu ermutigt worden sind, sich in ärztliche bzw. therapeutische Behandlung zu begeben (61,2%). 32,7% der befragten Forumsteilnehmer schätzten ihre Einstellung gegenüber einer Behandlung mit Medikamenten positiver ein als noch vor der Kontaktaufnahme mit dem Forum. Schlussfolgerungen: Das Forum erreicht seine Zielgruppe und wird nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zu professioneller ärztlicher und psychologischer Betreuung genutzt. Aspekte der Selbsthilfe, insbesondere eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und die Akzeptanz und Bewältigung der eigenen krankheitsbedingten Situation können durch die Teilnahme am Online- Diskussionsforum erreicht werden. Internetforen können eine sinnvolle Rolle im Gesamtbehandlungskonzept spielen.Correspondence to:
Dipl. Soz. Anne Blume; Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig
Email: Anne.Blume@medizin.uni-leipzig.de
Original
Der Rezeptortest bei der Pupillometrie als Methode zur Differenzierung des dementiellen Syndroms
Josef Grünberger, Wolfgang Prause, Patrick Frottier, Hans Stöhr, Bernd Saletu, Manfred Haushofer und Michael Rainer
Abstract
Josef Grünberger1, Wolfgang Prause2, Patrick Frottier3, Hans Stöhr4, Bernd Saletu2, Manfred Haushofer5 und Michael Rainer5
1Abt. für klinische Psychodiagnostik, Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Medizinische Universität Wien, 2Bereich für Schlafforschung und Pharmakopsychiatrie, Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, 3Therapeutischer Bereich, Justizanstalt Wien-Mittersteig, 4Institut für Biomedizinische Forschung, Medizinische Universität Wien, 5Memory Klinik, Psychiatrische Abt. des Sozialmedizinischen Zentrums Ost Wien
Anliegen: Die Pupillometrie ist eine nicht-invasive Untersuchungstechnik, deren Grundlage die Reagibilität der Pupille durch spezifische sensorische, mentale und emotionale Variablen ist. Nach topischer Applikation eines Anticholinergikums (Tropicamid) kann pupillometrisch eine überschießende Pupillendilatation bei Morbus Alzheimer- Patienten beobachtet werden („Rezeptortest“). Das Ziel unserer Studie ist, nachzuweisen, ob mittels des 0,01%igen Tropicamidtests eine Differenzierung verschiedener Demenzformen gelingt. Methode: 425 Patienten (159 Männer, 266 Frauen, mittleres Alter 75 Jahre) der Memory Klinik des SMZ Ost Wien wurden in die Studie eingeschlossen. 195 Patienten litten an einer senilen Demenz vom Alzheimertyp (ICD-10: F00.1), 42 an einer präsenilen Demenz vom Alzheimertyp (F00.0), 71 an einer vaskulären Demenz (F01), 34 an einer Lewy-Body Demenz (F03) und 83 an einer Mixed Dementia (F00.2). Alle Patienten wurden mittels eines computerunterstützten TV-Pupillometers untersucht. Der Pupillendurchmesser des linken Auges wurde 4 x vermessen. Die Messzeitpunkte waren 0 (baseline), nach 20, 40 und 60 Minuten. In der 4. Minute nach der Baseline-Untersuchung erhielten die Patienten einen Tropfen einer 0,01%igen Tropicamidlösung in das linke Auge geträufelt. Ergebnisse: Bei der Baseline-Untersuchung war der Pupillendurchmesser bei der Lewy-Body Demenz am größten, bei der vaskulären Demenz am geringsten. Bei den Ausgangswerten („Baseline“) unterschied sich sowohl die vaskuläre Demenz von der präsenilen Demenz als auch die Lewy-Body Demenz von allen anderen Demenzformen außer der präsenilen Demenz. Mittels des Tropicamidtests konnte die präsenile Demenz sowohl von der vaskulären Demenz als auch von der Mixed Dementia abgegrenzt werden. Schlussfolgerungen: In unserer Studie konnten wir zeigen, dass die pupillometrische Untersuchung beim 0,01%igen Tropicamid-Rezeptortest eine Unterscheidung zwischen der präsenilen Demenz und der vaskulären Demenz bzw. der Mixed Dementia ermöglicht.Correspondence to:
Univ. Prof. Dr. Josef Grünberger; Abteilung für klinische Psychodiagnostik, Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Wien
Email: bernd.saletu@meduniwien.ac.at
Bericht
Rivastigmin-Pflaster in der ambulanten Versorgung in Österreich: eine naturalistische Studie an 103 PatientInnen mit Alzheimer Demenz
Reinhold Schmidt, Claude Alf, Christian Bancher, Thomas Benke, Klaus Berek, Peter Dal-Bianco, Gerhard Führwürth, Douglas Imarhiagbe, Christian Jagsch, Anita Lechner, Michael Rainer, Franz Reisecker, Juliana Rotaru, Margarete Uran
Abstract
Reinhold Schmidt1, Claude Alf2, Christian Bancher3, Thomas Benke4, Klaus Berek5, Peter Dal-Bianco6, Gerhard Führwürth7, Douglas Imarhiagbe8, Christian Jagsch9, Anita Lechner1, Michael Rainer10, Franz Reisecker11, Juliana Rotaru12, Margarete Uran
1Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Graz, 2Neurologisches Zentrum Rosenhügel, 1.Neurologische Abteilung, Wien, 3Landesklinikum Waldviertel Horn, Abteilung für Neurologie, 4Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck, 5Bezirkskrankenhaus Kufstein, Neurologische Abteilung, 6Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien, 7Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, Sozialpsychiatrische Abteilung, 8Psychiatrisches Krankenhaus Hall, 9Psychiatrische Klinik Wels, 10SMZ-Ost Donauspital, Psychiatrische Abteilung, Wien, 11Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz, 12Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Neurologische Abteilung, Linz, 13Landesnervenklinik-Sigmund-Freud Graz, Abteilung für Gerontopsychiatrie, 14Geriatriezentrum Wienerwald, 15Haus der Barmherzigkeit, Wien, 16Wallensteinplatz, Wien
Wir führten eine offene 6-Monats Studie zur Anwendung des Rivastigminpflasters in der klinischen Routine bei 103 PatientInnen mit Alzheimer Demenz in 25 ambulanten Zentren in Österreich durch. Nach der initialen Visite wurden alle StudienteilnehmerInnen nach 4, 12 und 24 Wochen bezüglich Sicherheit und Tolerabilität des 10cm2 - Rivistigminpflasters untersucht, zu Beginn, nach 12 und 24 Wochen wurde eine Mini Mental State Examination durchgeführt. Die Klebeeigenschaften des Pflasters waren bei 85% aller PatientInnen sehr gut oder gut. Nur 2.9% der PatientInnen hatten gastrointestinale unerwünschte Ereignisse, lokale Hautreaktionen wurden bei etwa 23% festgestellt. Die Hautveränderungen waren meist gering und führten nur bei 6.8% der TeilnehmerInnen zu Therapieabbruch. Sie wurden frühestens nach 3-monatiger Therapiedauer beobachtet. Die kognitiven Funktionen verbesserten sich vergleichbar zur kontrollierten Zulassungsstudie. In der täglichen Routine ist das Sicherheitsprofil des Rivastigminpflasters und die Therapieantwort günstig. Lokale, meist geringgradige Hautreaktionen treten bei etwa jeder/ em fünften PatientIn, und relativ spät im Behandlungsverlauf, auf. PatientInnen und ihre BetreuerInnen sollten detailliert darüber informiert werden um unnotwendige Therapieabbrüche zu vermeiden.Correspondence to:
Univ.Prof.Dr.Reinhold Schmidt; Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Graz
Email: reinhold.schmidt@meduni-graz.at
Kritisches Essay
Psychose im Diskurs der zeitgenössischen Philosophie
Thomas Stompe, und Kristina Ritter
Abstract
Thomas Stompe1,2 und Kristina Ritter3
1Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Mediznische Universität Wien, 2Justizanstalt Göllersdorf, 3Institut für Suchtdiagnostik, Wien
Die Beschäftigung der Philosophie mit dem Wahnsinn lässt sich bis in die griechische Antike zurückverfolgen. Psychotische Phänomene waren für Denker wie Descartes ein Sinnbild der Fragilität der menschlichen Geisteskräfte, während andere Philosophen wie Platon oder Nietzsche darin einen Fluchtweg aus den Zwängen der Vernunft sahen. In der zeitgenössischen Philosophie nach 1960 setzten sich vor allem drei Strömungen mit dem Themenfeld Wahnsinn – Schizophrenie – Psychose auseinander: In Nachfolge von Nietzsche und Bataille beschrieben sowohl Foucault als auch Deleuze und Guattari Wahnsinn als gesellschaftlich unterdrückte Kehrseite der abendländischen Vernunft. Die Werke dieser Autoren hatten großen Einfluss auf die antipsychiatrische Bewegung und damit auch auf die Entwicklung der institutionellen Psychiatrie in den letzten 30 Jahren. Die philosophische Phänomenologie wiederum setzte sich vor allem mit den ontologischen Fragen des psychotischen In-der-Welt-seins und den Schwierigkeiten der interpersonellen Begegnung auseinander. Die neue angloamerikanische analytische Philosophie (Philosophy of Mind) untersucht die logische Kohärenz des psychotischen Denkens und Erlebens. Vor allem die Schule der Philosophy of Mind erwies sich als anschlussfähig sowohl mit der psychopathologischen Forschung als auch mit den neuen Erkenntnissen der Neuroscience.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Stompe; Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien
Email: thomas.stompe@meduniwien.ac.at