Band 21, No. 2/2007(Ausgabe 2)
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Neuropsychiatrie
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Konsensus-Statement
Lewy-Körper-Demenz und ihre differentialdagnostische Abgrenzung von Alzheimer’scher Erkrankung: Ein gemeinsames Konsensus-Statement der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft (ÖAG) und der Österreichischen Parkinson Gesellschaft (ÖPG)
G. Ransmayr, R. Katzenschlager, P. Dal-Bianco, G. Wenning, Ch. Bancher, K. Jellinger, R. Schmidt und W. Poewe
Abstract
G. Ransmayr, R. Katzenschlager, P. Dal-Bianco, G. Wenning, Ch. Bancher, K. Jellinger, R. Schmidt und W. Poewe
Demenz mit Lewy-Körpern (DLB) ist für etwa 20% aller Autopsie-bestätigten Demenzen des höheren Lebensalters verantwortlich. Es ist davon auszugehen, dass in der Alltagssituation einer Gedächtnisambulanz gegenwärtig die Diagnose einer DLB bei Patienten mit fehlender oder geringer Parkinson-Symptomatik zu selten gestellt wird. Die Österreichische Alzheimer Gesellschaft und die Österreichische Parkinson Gesellschaft sehen dies als Motivation um in einer gemeinsamen Initiative über Kernsymptome, unterstützende Charakteristika und hinweisende Zeichen der DLB zu informieren und auf diagnostische Möglichkeiten zur besseren Abgrenzung gegenüber anderen Demenzformen hinzuweisen. Wir geben auch Leitlinien zur Behandlung der DLB, da gerade die pharmakologische Therapie hohe Anforderungen an den behandelnden Arzt stellt.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt
Neurologische Universitätsklinik Graz,
Medizinische Universität Graz
Email: reinhold.schmidt@meduni-graz.at
Editorial
Bipolare Erkrankungen
A. Hausmann
Übersichtsartikel
Bipolare Störungen im Fokus
A. Hausmann
Abstract
A. Hausmann1,2
1Medizinische Universität Innsbruck, 2Tagesklinik für Affektive Erkrankungen der Univ.-Klinik für Psychiatrie Innsbruck
Bipolare Erkrankunken sind hoch rezidivierende, unter-diagnostizierte und unter-behandelte Erkrankungen. Unsere Sicht der Bipolaren Störung änderte sich im letzten Jahr paradigmatisch von einer, im Vergleich zur Schizophrenie, als eher benigne eingestuften Erkrankung, zu einer Störungen, mit hohen Raten an psychosozialen und kognitiven Dysfunktionalitäten, welche von einer hohen Anzahl an psychiatrischen und somatischen Komorbiditäten begleitet wird. Das Bipolare Spektrum wie vor allem von Hagop Akiskal sowie von Jules Angst vertreten, erweiterte die Prävalenz bipolarer Erkrankungen von 1 bis 5 % oder mehr. Es scheint, dass in dieser Erkrankung der alte epistemologische Konflikt zwischen einem ideographischen und einem nomotetischen Zugang in psychiatrischen Erkrankungen erwacht.Correspondence to:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Armand Hausmann
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Psychiatrie
Tagesklinik für Affektive Erkrankungen
Innsbruck
Email: armand.hausmann@i-med.ac.at
Übersichtsarbeit
Bipolar Affektive Störungen im Kindes- und Jugendalter
W. Aichhorn, Ch. Stuppäck, K. Kralovec, K. Yazdi, M. Aichhorn und A. Hausmann
Abstract
W. Aichhorn1, Ch. Stuppäck1, K. Kralovec1, K. Yazdi1, M. Aichhorn3 und A. Hausmann2
1Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, PMU Salzburg, 2Klinische Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck, 3Psychotherapeutin, Rainbows Salzburg
Der Beginn einer bipolar affektiven Störung vor dem 10. Lebensjahr ist selten. Das Erstmanifestationsalter dieser Erkrankung liegt zumeist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Kinder aus Familien, in denen eine bipolare Erkrankung bereits aufgetreten ist, besitzen ein 5-fach erhöhtes Risiko, selbst an einer bipolaren Störung zu erkranken. Daher ist eine ausführliche Familienanamnese für die Beurteilung von fraglich manischen oder depressiven Symptomen bei Kindern und Jugendlichen immer von großer Bedeutung. Grundsätzlich gelten für alle Altersgruppen die selben Diagnosekriterien nach ICD 10. Durch die unterschiedliche Symptomatik bei Kindern und Jugendlichen ist aber eine frühe Diagnosestellung oft erheblich schwieriger als im Erwachsenenalter. Vor dem 10. Lebensjahr sind manische Episoden meist durch eine gesteigerte Aktivität, risikofreudiges Verhalten und eine erhöhte emotionale Labilität gekennzeichnet. Bei Jugendlichen stehen hingegen eher Verhaltensauffälligkeiten mit asozialem Verhalten und Drogenkonsum im Vordergrund. Typische Fehldiagnosen wie hyperkinetische Störungen oder eine Störung des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen kommen daher immer wieder vor. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Differentialdiagnosen in bis zu 90 % auch gemeinsam mit einer bipolaren Erkrankung auftreten können. Weiters treten häufiger als bei Erwachsenen psychotische Symptome auf. Die Stimmung ist meist eher gereizt als deutlich euphorisch oder depressiv. Im Unterschied zu Erwachsenen kommen auch kaum symptomfreie Intervalle vor und häufig ist mit einem raschen Wechsel zwischen „Hochs“ und „Tiefs“ zu rechnen (rapid cycling). Entscheidend für die Prognose ist eine frühzeitige Diagnose und damit verbunden eine ehest mögliche spezifische Behandlung. Unerlässlich ist eine strukturelle (CCT oder MRI) und laborchemische Abklärung zum Ausschluss von endokrinen und hirnorganischen Erkrankungen. Neben psychotherapeutischen und psychoedukativen Methoden, immer unter Einbeziehung der Eltern bzw. der wichtigsten Bezugspersonen, ist die psychopharmakologische Behandlung ein wesentlicher Teil einer multimodalen Therapie. Die zur Verfügung stehenden Substanzen sind zum Teil seit Jahren im Einsatz und auch an jungen Menschen erprobt. Dazu zählen Stimmungsstabilisatoren wie Lithium, Valproinsäure und Carbamazepin, die neben ihrer akuten antimanischen Wirkung auch phasenprophylaktische Eigenschaften besitzen. Auch atypische Antipsychotika wie Risperidon, Olanzapin und Quetiapin gewinnen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Der Einsatz von Antidepressiva sollte bei Kindern und Jugendlichen aufgrund fraglicher Wirkung und eventuell schwerwiegender Nebenwirkungen, wie z.B. der Verstärkung von Suizidgedanken nur mit größter Vorsicht erfolgen.Correspondence to:
PD Dr. Wolfgang Aichhorn
Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
PMU Salzburg
Christian-Doppler-Klinik
Email: w.aichhorn@salk.at
Übersichtsarbeit
Kognitive Störungen bei bipolaren Erkrankungen
G. Sachs, M. Schaffer und B. Winklbaur
Abstract
G. Sachs, M. Schaffer und B. Winklbaur
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie, Medizinische Universität Wien
Bipolare Erkrankungen (BD) sind häufig mit kognitiven Störungen assoziiert, die wesentlich auf das Alltagsverhalten und den Krankheitsverlauf Einfluss nehmen. Sie beeinträchtigen sowohl die soziale Integration als auch die berufliche Leistungsfähigkeit. Es konnten eine Reihe von kognitiven Beeinträchtigungen gefunden werden, die sich als stabil und überdauernd erweisen und auch in den Remissionsphasen vorhanden sind. Es sind dies Störungen der Daueraufmerksamkeit, der Gedächtnisfunktionen und der exekutiven Funktionen (wie kognitive Flexibilität und Problemlöseverhalten). Die Defizite sind ähnlich den kognitiven Störungen bei Patienten mit schizophrener Erkrankung, erweisen sich jedoch als weniger schwer ausgeprägt. Als zugrunde liegende pathophysiologische Korrelate werden neuronale Störungen in den cerebralen Funktionssystemen sowie neuroanatomische Strukturdefizite angenommen. Bisherige Therapieergebnisse zur Behandlung der kognitiven Störungen bei BD weisen darauf hin, dass klassische Stimmungstabilisierer und atypische Antipsychotika möglicherweise zu Verbesserungen kognitiver Parameter, wie exekutiver Funktionen und Wortflüssigkeit, führen und dadurch einen entscheidenden Beitrag zu gesteigerter Lebensqualität und verbesserter sozialer Performance leisten könnten.Correspondence to:
Ao. Univ. Prof. DDr. Gabriele Sachs
Medizinische Universität Wien
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie
Email: gabriele.sachs@meduniwien.ac.at
Übersichtsarbeit
Psychotherapeutische Interventionen bei Bipolaren Erkrankungen: Eine Übersicht der Literatur
A. Hausmann, Ch. Hörtnagl, M. Müller, J. Waack, M. Walpoth und A. Conca
Abstract
A. Hausmann1,2, Ch. Hörtnagl1,2, M. Müller3, J. Waack4, M. Walpoth1 und A. Conca3
1Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Innsbruck, 2 Tagesklinik für Affektive Erkrankungen, Univ.-Klinik für Psychiatrie Innsbruck, 3Landeskrankenhaus Rankweil, Abteilung der Psychiatrie I, 4Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren
Die Begleitung und Behandlung einer Bipolaren Erkrankung stellt hohe Anforderungen an Patienten, Angehörige und Therapeuten. Von therapeutischer Seite aus muss viel in psychosoziale Therapien investiert werden, da die Erkrankung mit einem hohen Ausmaß an psychosozialen Belastungen einhergeht. Die klinische Wirksamkeit psychotherapeutischer Programme wurde im Rahmen von kontrollierten randomisierten Studien untersucht. Es sind dies Psychoedukation, kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen (CBT) eine modifizierte Form der Interpersonellen Psychotherapie (IPSRT) oder familien-fokussierte Formen der Therapie (FFT). Da in diesen add-on Studien bessere Ergebnisse im Sinne von weniger Episoden, längere Zeiten bis zum Rezidiv, höhere Adhärenz, und allgemein verbesserte Lebensqualität im Vergleich zu den rein pharmakologischen Interventionen gesehen wurden, gilt die Kombination aus Psycho- und Pharmakotherapie derzeit als therapeutischer Standard in der Therapie der Bipolaren Erkrankung. Die Interventionen sind besser wirksam, wenn die Patienten bei Beginn eine Euthymie aufweisen und verhindern eher manische als depressive Episoden. Es gibt derzeit keine Hinweise auf eine methodenspezifische Wirksamkeit. Psychoedukative Interventionen scheinen in ihrer Wirksamkeit von kurzer Dauer zu sein. Die präventive Wirksamkeit von Booster-Sitzungen wurde noch nicht evaluiert. Diese könnten aber hilfreich sein. Weitere Forschung soll Prädiktoren erarbeiten damit wir in Zukunft wissen welche Patienten besser von psychotherapeutischen Verfahren profitieren können.Correspondence to:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Armand Hausmann
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Psychiatrie
Tagesklinik für Affektive Erkrankungen
Email: armand.hausmann@i-med.ac.at
Übersichtsarbeit
Antipileptika in der Therapie bipolarer Störungen
H. Grunze
Abstract
H. Grunze
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München
Beginnend in den 80-er Jahren mit Carbamazepin und Valproat haben sich verschiedene Antiepileptika als eine Behandlungsoption bei bipolaren Störungen etabliert. Sie können in der Langzeitbehandlung sowohl eine Alternative zu Lithium darstellen, als auch in der Akutbehandlung der Manie zu klassischen und modernen Antipsychotika. Allein in der Akutbehandlung bipolarer Depressionen konnten sie bisher keine überzeugenden Ergebnisse zeigen. Nicht jedes Antiepileptikum ist jedoch auch gleichzeitig ein Stimmungsstabilisierer (mood stabilizier); auch innerhalb der bei bipolaren Störungen eingesetzten Antiepileptika zeigen sich deutlich Unterschiede in Wirksamkeit und Nebenwirksamkeitsprofil. Dennoch sind Kombinationstherapien mit mehreren Antiepileptika bei bipolaren Störungen, im Unterschied zu Epilepsie-Behandlung, eher selten, häufiger hingegen sind Kombinationen mit Lithium, Antidepressiva und Antipsychotika. Dieser Artikel soll Wirkspektrum, wichtigste Nebenwirkungen und klinische Anwendbarkeit älterer und neuerer Antiepileptika bei bipolaren Störungen in Übersichtform darstellen und auf die weiterführende Literatur hinweisen.Correspondence to:
OA Dr. med. Heinz Grunze
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie
Ludwig-Maximilians-Universität
Email: heinz.grunze@med.uni-muenchen.de
Übersichtsarbeit
Lithium und bipolare Erkrankung – eine Renaissance?
Ch. Simhandl und J. Mersch
Abstract
Ch. Simhandl und J. Mersch
Sozialpsychiatrische Abteilung, Aö Krankenhaus Neunkirchen
Anliegen: Darstellung und Diskussion der Relevanz und Anwendung von Lithiumsalzen in der Therapie bipolar affektiver Störungen unter Berücksichtigung spezieller Fragestellungen wie Schwangerschaft, Suizidalität und möglicher Nebenwirkungen. Methode: Literatursuche über medline und manuell mit Schwerpunkt auf aktuellen Publikationen und Vergleichsstudien. Ergebnisse: Lithium hat nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Therapie bipolar affektiver Störungen und ist hinsichtlich wissenschaftlicher Evidenz und klinischer Erfahrung unerreicht. Im Hinblick auf die Wirkung im gesamten Spektrum der Erkrankung gibt es seit Jahrzehnten gute Ergebnisse, mit einer geringeren Evidenz die bipolare Depression betreffend. Insbesondere in der langjährigen Behandlung bipolarer Patienten mit Lithium ergeben sich die klinischen Vorteile dieser Phasenprophylaxe: Wichtigkeit einer kontinuierlichen Behandlung, kein Wirkverlust sondern zunehmender Stabilisierung, Abnahme der Morbidität und Mortalität. Schlussfolgerungen: Lithium sollte nach wie vor als Substanz der ersten Wahl für die Therapie der bipolaren Störung betrachtet werden.Correspondence to:
Ao. Univ.-Prof. Primarius Dr. Christian Simhandl
Aö Krankenhaus Neunkirchen
www.simhandl.at
Email: psychiatrie@khneunkirchen.at
Originalarbeit
Sind Antidepressiva in der Behandlung der bipolaren Depression obsolent? – Teil II: Harte Fakten oder Artefakte?
A. Hausmann, C. Hörtnagl, , M. Walpoth, M. Fuchs und A. Conca
Abstract
A. Hausmann1,2, C. Hörtnagl1, 2, M. Walpoth1, M. Fuchs1 und A. Conca3
1Medizinische Universität Innsbruck, 2Tagesklinik für Affektive Erkrankungen der Univ.-Klinik für Psychiatrie Innsbruck, 3Landeskrankenhaus Rankweil, Abt. für Psychiatrie I, Rankweil
Nachdem in Teil I über die Epidemiologie und Bedeutung depressiver Symptome im Rahmen der Bipolaren Erkrankung berichtet wurde, widmen sich die Autoren den bestehenden Vorund Nachteilen von Antidepressiva (AD) in der Therapie der bipolaren Depression. Hierzu erarbeiteten sie eine Literatur-Übersicht, welche mittels PubMed und Mesh-Database unter den Stichworten Bipolare Störung, AD und Depression erstellt wurde. Zusätzlich
wurde aus aktuellen Handbüchern, sowie durch Querreferenzierung ergänzt. Im Gegensatz zu den weltweit eher einheitlichen Standards in der Behandlung der bipolaren Manie werden die Behandlungsstrategien in der bipolaren Depression (BPD) kontroversiell diskutiert. Dies betrifft vor allem auf die Verschreibung von AD in der Akuttherapie als auch in der Erhaltungstherapie zu. Während europäische Richtlinien in der Therapie mittels AD gewährender sind, lehnen US-amerikanische Guidelines diese ab, es sei denn es handle sich um eine akute schwere BPD. AD können den Verlauf der bipolaren Störung destabilisieren, indem sie Kippphänomene in die (Hypo)-Manie induzieren, oder eine Frequenzsteigerung der Episoden bis zum Rapid Cycling bedingen. Trotzdem erhalten Patienten in den meisten Ländern der Welt in denen pharmakologische Behandlungen erhältlich sind, AD, mit und ohne Stimmungsstabilisatoren (SST), sowohl in der Akut- als auch in der Erhaltungsphase. Allzu oft sind AD notwendig, um eine adäquate antidepressive Wirkung zu erzielen. Substanzen wie Trizyklika und dual wirksame AD, welche eher mit manieassoziierten Nebenwirkungen behaftet sind, sollen vermieden werden um Substanzen wie den SSRI und Bupropion den Vorzug zu geben. Switchraten von SSRI scheinen sich zwar auf Placebo-Level zu bewegen. Zusätzlich sollen aber zur „Sicherheit“ Antimanika hinzu verschrieben werden. Rapid Cycling (RC)-Verläufe, sowie gemischte Episoden, scheinen besonders häufig mit AD assoziierten Kippphänomen vergesellschaftet zu sein. AD sollten hier vermieden werden. Der Bipolar-II Subtypus scheint mit weniger AD-induzierten Switch-Phänomenen assoziert zu sein und zwar unabhänig von der verwendeten Substanzklasse. Nach Durchsicht der Literatur müssen die Autoren feststellen, dass aufgrund fehlender oder nicht valider Literatur, die Kontroverse, auf eine „ist das Glas halb-voll oder halb leer“ Diskussion hinausläuft. Ein völliges Fehlen an Literatur betrifft die Erhaltungsphase, sowie die Behandlung von Bipolar II-Verläufen. Insbesondere aber haben patientenspezifische Faktoren (Komorbiditäten, genetische Faktoren, psychotische Symptome, früher Beginn etc.) einen Einfluss auf AD induzierte Nebenwirkungen, so dass auf die Wichtigkeit einer ausführlichen und gezielten Anamnese hingewiesen werden muss. Die Autoren präsentieren die aktuellen Therapie-Richtlinien in der Behandlung der bipolaren Depression sämtlicher Experten Empfehlungen.Correspondence to:
Ao. Univ.- Prof. Dr. Armand Hausmann
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.- Klinik für Psychiatrie
rTMS Labor – Tagesklinik für Affektive
Erkrankungen, Innsbruck
Email: armand.hausmann@i-med.ac.at
Originalarbeit
Rationale für eine Kombinationstherapie von Antikonvulsiva bei bipolaren Störungen
A. Conca, , R. Grohmann, J. Di Pauli, und A. Hausmann
Abstract
A. Conca1,2 , R. Grohmann3, J. Di Pauli1,2 und A. Hausmann1,4
1AG der ÖGPP für Spezielle Biologische Verfahren in der Psychiatrie, 2Landes- Krankenhaus Rankweil, Abteilung für Psychiatrie I, Rankweil, 3Psychiatrische Klinik der LMU München, 4Tagesklinik für Affektive Erkrankungen, Universitätsklinik für Psychiatrie,
Medizinische Universität Innsbruck
Die Behandlung bipolar affektiv Erkrankter erfordert häufig medikamentöse Kombinationstherapien. Die Ursachen dafür sind die hohe Rezidivhäufigkeit, die Chronifizierung, der Schweregrad, die Episodenauslenkungen und die Inzidenz an psychiatrischen Komorbiditäten. Polypharmazie
ist in über 40 % der bipolar erkrankten Patienten stationär und ambulant eine weitverbreitete Praxis. In diesem Artikel soll speziell auf die Häufigkeit von Mehrfachverschreibung von Stimmungsstabilisatoren eingegangen und das vorklinische und klinische Rationale einer solchen Kombination erläutert werden. Auch
wenn kaum klinisch systematisch untersucht, ist die Verschreibungsinzidenz von 2 und mehr Antikonvulsiva in den letzten 10 Jahren von 4,5 auf über 12 % angestiegen. Auf Basis der Epilepsie-Grundlagenforschung, den wenigen klinischen Daten und der dynamischen Komplexität der bipolaren Störung per se lassen sich selektive und spezifische Kombinationsmöglichkeiten innerhalb dieser
Substanzklasse unter besondere Beachtung des Nebenwirkungsprofils erarbeiten.Correspondence to:
Priv. Doz. Dr. Andreas Conca
Abteilung der Psychiatrie I
Landeskrankenhaus Rankweil
Email: andreas.conca@lkhr.at
Originalarbeit
Bipolare Störung und manisch-depressive Erkrankungen im Internet
M.-E. Seyringer, B. Schrank, P. Berger, H. Katschnig, und M. Amering
Abstract
M.-E. Seyringer1, B. Schrank1,2, P. Berger1, H. Katschnig1,2 und M. Amering1
1Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie, Medizinische Universität Wien, 2Ludwig-Boltzmann-Institut für Sozialpsychiatrie, Wien
Anliegen: Das Internet ist heute eine wichtige Quelle für Information und Meinungsaustausch für Patienten und übt einen bedeutenden Einfluss auf deren krankheitsbezogenes Verhalten aus. Dafür ist die Qualität von Internetinformation von entscheidender Bedeutung. Die vorliegende Studie untersucht die Qualität deutschsprachiger Internetinformation zum Thema „bipolare Störung“ und „manisch-depressive Erkrankung“. Methode: Die ersten 100 Suchergebnisse mit den Begriffen „bipolare Störung“ sowie „manischdepressive Erkrankung“ der Internetsuchmaschine Google wurden bezüglich
inhaltlicher und formaler Kriterien ausgewertet. Ergebnisse: Qualitativ hochwertigere Informationen konnten bei den Homepages zum Terminus „manisch-depressive Erkrankung“ häufiger gefunden werden als zum Begriff „bipolare Störung“. Dies galt bezüglich differenzierter Information zur Ursache sowie zum Wesen (Symptome und Diagnose) der Erkrankung, während beim Begriff „bipolare Störung“ mehr Ergebnisseiten zu schulmedizinisch anerkannten Therapien vorkamen. Schlussfolgerungen: Es ist notwendig, die Informationen zum Thema „bipolare Störung“ im Internet zu verbessern bzw. den Terminus ebenso zu etablieren wie seinen Vorgänger der „manisch-depressiven Erkrankung“.Correspondence to:
Univ.-Prof. Dr. Michaela Amering
Universitätsklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie, Klinische Abteilung
für Sozialpsychiatrie
Medizinische Universität Wien
Email: michaela.amering@meduniwien.ac.at
Rezension
Frauengesundheit – Ein Leitfaden für die ärztliche und psychotherapeutische Praxis
D. Meier-Allmendinger
Abstract
D. Meier-Allmendinger