Band 18, No. 2/2004(Ausgabe 2)
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Neuropsychiatrie
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Konsensusstatement
Konsensusstatement “Demenz” der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft und Österreichischen Alzheimer Liga
Folgende Personen (alphabetische Nennung) erstellten dieses Statement:C. Alf, C. Bancher, T. Benke, K. Berek, G. Bertha, T. Bodner, A. Croy, P. Dal-Bianco, F. Fazekas, P. Fischer, G. Fruhwürth, G. Gatterer, H. Hinterhuber, D. Imarhiagbe, M. Krautgartner
Abstract
Folgende Personen (alphabetische Nennung) erstellten dieses Statement:C. Alf, C. Bancher, T. Benke, K. Berek, G. Bertha, T. Bodner, A. Croy, P. Dal-Bianco, F. Fazekas, P. Fischer, G. Fruhwürth, G. Gatterer, H. Hinterhuber, D. Imarhiagbe, M. Krautgartner,
Die Konsensusstatements beinhalten Empfehlungen für die Diagnose und Therapie dementieller Zustandsbilder und basieren auf wissenschaftlicher Evidenz und Expertenmeinung. Die angesprochene Leserschaft sind Neurologen und Psychiater, Allgemeinmediziner sowie alle anderen Professionen, die in die Betreuung dementer Patienten einbezogen sind. Die diagnostischen Methoden zur Erfassung und Differentialdiagnose dementieller Syndrome wurden als obligatorisch und optional klassifiziert. Die therapeutischen Möglichkeiten wurden in pharmakologisch und nicht-pharmakologisch unterteilt und gesondert beurteilt. Die Evaluierung pharmakologischer Therapie wurde getrennt nach Ätiologie und Schweregrad der Demenz vorgenommen. Die primäre Zielsetzung dieses Konsensusstatement ist die weitere Verbesserung der Versorgung dementer Patienten in Österreich auf Grundlage wissenschaftlicher Evidenz.
Originalarbeiten
Verändert die Regionalisierung der stationären psychiatrischen Behandlung die Inanspruchnahme?
C. Miller, H. Rinner, J. Wancata, H. Sulzenbacher und U. Meise
Abstract
C. Miller1, H. Rinner2, J. Wancata3, H. Sulzenbacher4 und U. Meise4,5
1Psychiatrische Abteilung, Bezirkskrankenhaus Kufstein, 2Tiroler Krankenanstalten-Finanzierungsfonds, Landhaus Innsbruck, 3Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie und Evaluationsforschung, Psychiatrische Universitätsklinik, Wien, 4Klinische Abteilung
Anliegen: Im Jahre 1999 wurde im Bezirkskrankenhaus Kufstein eine psychiatrische Fachabteilung eröffnet. Mit einer Auswertung administrativer Daten gingen wir in erster Linie der Frage nach, ob sich im Gefolge dieser Regionalisierung die Inanspruchnahme stationärer Behandlung aufgrund psychischer Erkrankungen in dieser Versorgungsregion verändert hat. Methodik: Für diese Auswertung wurden getrennt für die Perioden 1997/1998 sowie 2000/ 2001 die Daten der Leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung (LKF) verwendet. Als Basis für diesen deskriptiven Vergleich wurden nicht Behandlungsepisoden, sondern weitgehend einzelne Personen herangezogen, die mit einer psychiatrischen Hauptdiagnose aus der stationären Behandlung entlassen wurden. Ergebnisse: In der Versorgungsregion Tirol Nord-Ost (Bezirke Kufstein und Kitzbühel mit ca. 155000 EW) kam es innerhalb der 2 Jahre nach Eröffnung der regionalisierten psychiatrischen Fachabteilung am BK-Kufstein zu einer deutlichen Zunahme der Inanspruchnahme durch PatientInnen, die eine psychiatrische Hauptdiagnose aufwiesen. Dieser Anstieg war in erster Linie für den Bezirk Kufstein festzustellen, wo auch die Behandlungen psychisch Kranker an nicht-psychiatrischen Abteilungen deutlich zurückging. Diese Effekte waren im Bezirk Kitzbühel deutlich geringer ausgeprägt. Auch wurden die ursprünglich für diese Region verantwortlichen psychiatrischen Institutionen (in erster Linie das Psychiatrische Krankenhaus Hall) nicht entlastet; dort nahmen die aus dieser Region aufgenommenen PatientInnen nicht ab. Es wird vermutet, daß diese Zunahme in erster Linie auf das Phänomen einer “scheinbaren Häufigkeitszunahme” zurückzuführen ist. Patienten, die zuvor aufgrund ihrer psychischen Erkrankung an nicht- psychiatrischen Einrichtungen behandelt wurden, werden nunmehr häufiger richtig diagnostiziert und plaziert. Weiter konnte festgestellt werden, daß die in dieser Region vorhandene Zahl psychiatrischer Betten und Tagesklinikplätzen mit ca. 0,2/ 1000 EW zu gering bemessen ist. Schlußfolgerung: In der psychiatrischen Versorgungsplanung sind für die Festlegung notwendiger Ressourcen der mögliche ungedeckte Bedarf sowie die Inanspruchnahme von nicht-psychiatrischen Einrichtungen zu berücksichtigen.
Originalarbeiten
Kompetenz- und Kontrollüberzeugung in der Suchtentwöhnung – eine Pilotuntersuchung an Nikotinabhängigen
A. Zimmermann, E. Hofer, B. Holzner, A. Strobl und V. Günther
Abstract
A. Zimmermann, E. Hofer, B. Holzner, A. Strobl und V. Günther
Abteilung für Klinische Psychologie, Universitätsklinik für Psychiatrie, Innsbruck
Die vorliegende Pilotuntersuchung geht der Frage nach, inwiefern verschiedene Ebenen der Kontrollüberzeugungen und Kompetenzerwartungen als zuverlässige Prädiktoren für einen längerfristigen Entwöhnungserfolg in einem Raucherentwöhnungsprogramm gewertet werden können. Von 50 Personen, die ein niederschwelliges Raucherentwöhnungsprogramm abstinent verließen, gaben 14 im Zuge einer postalischen Erhebung 3 Monate später an, noch abstinent zu sein, 20 erklärten sich für rückfällig (68%ige Rücklaufquote). Diese Personen beantworteten im Rahmen des Follow-ups Fragebögen zu generalisierter, bereichsspezifischer (Gesundheit/Krankheit) sowie situationspezifischer, auf das Rauchen bezogene, Kompetenz- und Kontrollüberzeugung. Diese Daten wurden mit jenen einer Eingangserhebung verglichen, wobei nicht nur die Gruppe der Abstinenten und Rückfälligen einander gegenübergestellt, sondern auch die Eingangsdaten von 51 Therapieabbrechern zum Vergleich herangezogen werden konnten. Abbrecher und Rückfällige unterscheiden sich von längerfristig Abstinenten bereits zu Therapiebeginn dahingehend, daß sie signifikant stärker ihr Leben von anderen kontrolliert empfinden. Darüber hinaus sehen Rückfällige auch die eigene Krankheit/Gesundheit signifikant mehr von Glück oder Schicksal bestimmt. Die nikotinspezifische Kontrollüberzeugung stellte sich nicht als Prädiktor für einen Entwöhnungserfolg heraus. Weit mehr als üblich müßten in Suchtentwöhnungsprogrammen die generalisierten Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen, aber auch jene zum Bereich Gesundheit/Krankheit ausführlich diskutiert und weg von externalen, fatalistischen Haltungen hin zu internalen Formen korrigiert werden.
Originalarbeiten
Die Bedeutung von Selbstkonzept und Aggression für die stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung von Borderlinepatienten
H. Löffler-Stastka und T. Meißel
Abstract
H. Löffler-Stastka1 und T. Meißel2
1Universitätsklinik für Tiefenpsychologie und Psychotherapie, Medizinische Universität, Wien, 21. Psychiatrische Abteilung, NÖ Landesnervenklinik, Donauklinikum, Gugging
Hintergrund: Im Rahmen der stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung von Borderline-Patienten sind Faktoren, wie die sich im Selbstkonzept abbildende Identitätsproblematik, interpersonelle Probleme und Aggressivität für die Installierung einer effizienten Behandlung relevant. Ziel: Retrospektiver, hypothesengenerierender Vergleich zwischen sozialpsychiatrisch-medikamentöser Behandlung und Kurzpsychotherapie an einer psychiatrischen Aufnahmeabteilung. Methodik: Prä-Post-Untersuchung bei 48 Patienten von Angst, Aggression, interpersonellen Probleme, Kontrollüberzeugungen und Selbstkonzept. Ergebnisse: Bei Kurzpsychotherapie gelangen Konsolidierungen des Selbstkonzepts und eine Steigerung der Internalität. Bei sozialpsychiatrisch-medikamentöser Behandlung persistierte die Identitäts- und Aggressionsproblematik mit einem Attribuierungsverhalten an externe Faktoren. Die therapeutische Beziehung blieb von externalisierenden, paranoid-schizoiden Mechanismen dominiert, eine Introspektionsfähigkeit konnte kaum ausgebildet werden. Schlußfolgerungen: Die Ergebnisse weisen auf die Wichtigkeit der Bearbeitung der Aggressivität in Verbindung mit der Identitätsproblematik und der Förderung der Introspektionsfähigkeit für eine effiziente Behandlung hin.
Übersichtsarbeit
Auf der Suche nach neuen Therapiestrategien: Heavy User und Risikofaktoren – Übersicht zum aktuellen Stand eines umstrittenen Forschungsgegenstandes
T. Platz, B. Senft, B. Sauerschnig, E. Cordruwisch, H. Oberlerchner und W. Wagner
Abstract
T. Platz, B. Senft, B. Sauerschnig, E. Cordruwisch, H. Oberlerchner und W. Wagner
Zentrum für seelische Gesundheit, Landeskrankenhaus Klagenfurt
Die psychiatrische Patientenpopulation stationärer Einrichtungen und die Länge ihrer Spitalsaufenthalte hat stark abgenommen. Die Wiederaufnahmen hingegen sind angestiegen. Langzeittherapie wurde durch sich wiederholende Kurzzeitaufenthalte abgelöst. Jede Intervention, welche Heavy-user-Verhalten ändern kann, würde zu Einsparungen im Gesundheitssystem beitragen. Kriterien für die Identifizierung von Heavy Usern sind noch nicht festgelegt, validierte Screening-Instrumente noch nicht verfügbar. Mehr Forschung zu den Heavy Usern scheint notwendig zu sein.
Bericht
Stellungnahme zur aktuellen Situation der Konsiliar-Liaison-Psychiatrie in Österreich
A. Rießland-Seifert, W. Kantner-Rumplmair und M. Stelzig gemeinsam für die Arbeitsgruppe Konsiliar-Liaison-Psychiatrie in der ÖGPP
Abstract
A. Rießland-Seifert1, W. Kantner-Rumplmair2 und M. Stelzig3 gemeinsam für die Arbeitsgruppe Konsiliar-Liaison-Psychiatrie in der ÖGPP
1Psychiatrische Abteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Ost – Donauspital, Wien, 2Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, Innsbruck, 3Sonderauftrag für psychosomatische Medizin, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg
Während der letzten 10 – 15 Jahre hat in Österreich die Bedeutung der Konsiliar-Liaison-Psychiatrie stark zugenommen, was der großen Anzahl von Patienten im Allgemeinkrankenhaus mit psychischen Störungen oder Auffälligkeiten Rechnung trägt. Laut internationaler Zahlen besteht bei ca. 10% dieser Patienten Bedarf an Diagnostik, Beratung oder Therapie noch während des stationären Krankenhausaufenthalts. Multiprofessionelle Konsiliar- und Liaisondienste stellen hierfür das geeignete Versorgungsinstrument dar, wobei von der Arbeitsgruppe Konsiliar-Liaison-Psychiatrie darauf aufmerksam gemacht wird, daß FachärztInnen für Psychiatrie mit psychotherapeutischer Kompetenz für diese Tätigkeit aus verschiedenen Gründen unverzichtbar sind. Zur Erreichung einer standardisierten Versorgungsqualität in allen österreichischen Krankenhäusern besteht auf verschiedenen Ebenen ein erheblicher Nachhol- und Entwicklungsbedarf.